Imposant ragt der Lion’s Head in den Himmel. An die Ausläufer des kegelförmigen Berges schmiegt sich die Innenstadt Kapstadts, an weißen Sandstränden brechen sich schäumende Wellen. Das wohl bekannteste Postkartenmotiv der südafrikanischen Metropole ist von vielen Orten aus zu sehen – wenn denn das Wetter mitspielt.

Denn in Kapstadt, so heißt es, lassen sich an einem Tag vier Jahreszeiten erleben: Wo morgens eine Nebeldecke den Tafelberg bedeckt, pfeift mittags der scharfe Wind, strahlt nachmittags die Sonne, und rauscht abends der Regen.

So vielfältig wie das Wetter ist auch die Stadt selbst. Dafür sorgt die Symbiose aus Großstadtflair, Lage an zwei Ozeanen, wechselhafter Geschichte und Weinbergen im Hinterland. So lässt sich bei einer Reise viel erleben. Das sind die Highlights:

1. Sidecar-Tour mit tierischem Begleiter

Brody hat seine Pfoten auf die Sitzlehne gestellt. Er trägt eine Skibrille, die Ohren wackeln im Fahrtwind. Der Hund ist der vielleicht coolste Reiseführer Kapstadts. Er gehört zum Tourenanbieter Cape Sidecar Adventures, mit dem Gäste die Region aus einer besonderen Perspektive erleben: vom Beiwagen historischer Motorräder aus.

Tierisch wird es bei den Sidecar-Touren durch Kapstadt – oftmals ist dann Hund Brody als Beifahrer dabei.

Firmengründer Tim Clarke holte 2014 auch seinen Hund ins Team. „Er kam als sechs Wochen alter Welpe zu uns – und liebte es, in den Fahrzeugen zu spielen“, erzählt Clarke. „Mit sechs Monaten verschwand er plötzlich. Wir suchten und suchten, bis einer unserer Fahrer anrief. Brody lag in seinem Beiwagen, offenbar war er eingeschlafen.“ Seither ist der Hund als ständiger Beifahrer an Bord, inzwischen hat er sogar eine eigene Instagram-Fanseite.

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Vor der Tour werden die Reisenden passend ausgestattet, mit schwerer Lederjacke, Vintagehelm und Motorradbrille. Dann geht’s mit knatternden Motoren über Routen wie die berühmte Küstenstraße Chapman’s Peak Drive, durch die Weinanbaugebiete der Kaphalbinsel oder durch den Vorort Camps Bay mit seinem weißen Sandstrand.

2. Afrikas einzige Pinguinart beobachten

Tierisch geht’s auch am Boulders Beach zu: An dem Strandabschnitt in Simon’s Town, etwa 40 Kilometer südlich von Kapstadt, lebt eine Brillenpinguinkolonie. Es ist die einzige Pinguinart, die Reisende in Afrika beobachten können.
Aus nächster Nähe geht das am Boulders Beach – direkt am Strand oder sogar beim Schwimmen. Große Felsbrocken schützen die Bucht vor Strömungen, Wind und großen Wellen. Besonders beliebt ist sie für Selfies mit den Tieren.

Deutlich zahlreicher tummeln sich die Pinguine am wenige Hundert Meter entfernten Fox Beach. Hier führen Holzstege zu Beobachtungspunkten – und schützen gleichzeitig die Vögel vor zu neugierigen Menschen.

Eine beliebte Sehenswürdigkeit bei Touristinnen und Touristen ist auch der Boulders Beach, dort lebt eine Brillenpinguin-Kolonie.

Der Bestand der Brillenpinguine ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, von nur zwei Brutpaaren im Jahr 1982 auf heute etwa 2200. Zurückzuführen ist das auch auf die Reduzierung der kommerziellen Schleppnetzfischerei in der Bucht.

Tipp: Am besten frühmorgens zur Beobachtung der schwarz-weiß gefiederten Vögel kommen, dann ist es auf den Stegen des Besucherzentrums noch angenehm leer.

3. Street-Art in Industrieviertel und Township

Nicht nur schwarz-weiß, sondern kunterbunt ist die Street-Art in Woodstock: Das Viertel am Fuß des Tafelbergs wurde im 19. Jahrhundert als Badeort Papendorf gegründet, bis Ende des Siebzigerjahre war es dann Standort vieler Fabriken. Heute gibt es hier zahlreiche hippe Cafés, Boutiquen und Galerien.

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Hauptattraktion aber sind die Wandbemalungen: Hier prangen lebensgroße Giraffen von einer Hauswand, da abstrakte Pastellmuster in einem Fabrikhinterhof, dort Politikerporträts an einer Zaunmauer.

Bunt wird es bei der Street-Art-Tour mit Juma Mkwela, der hier vor einem seiner eigenen Wandbilder steht.

Street-Art-Künstler Juma Mkwela führt Reisende seit mehr als zehn Jahren durch sein Viertel. „Wir wollen die hier lebenden Menschen inspirieren, wir wollen aufklären und Geschichten erzählen, die noch nicht erzählt worden sind“, sagt er. Die Anliegen der Künstlerinnen und Künstler sind vielfältig: Widerstand gegen Rassismus, Proteste für Umweltschutz, Menschenrechte, Kritik an der Gentrifizierung.

Woodstock sei Kapstadts erstes Viertel mit Street-Art gewesen, so Mkwela, doch inzwischen spiele sie vielerorts eine Rolle. So wie in Khayelitsha, einem der größten Townships Südafrikas am Rand der Stadt in den Cape Flats.
Auch hier bietet der Künstler Touren an.

Im Township Khayelitsha sorgen immer mehr Graffitis für bunte Wellblechhütten und Häuser.

„Ich glaube an die positiven Auswirkungen von Street-Art in den Townshipgemeinschaften“, sagt er. Nicht alle Menschen könnten ins Museum gehen. „Also machten wir die Nachbarschaft zur Open-Air-Galerie“, so Mkwela.

4. Robben Island, die ehemalige Gefängnisinsel

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kapstadts ist Robben Island. Mehrmals täglich fahren Fähren zur Insel, mit Glück können Reisende unterwegs Wale und Delfine beobachten.

Von diesem Idyll war noch vor einigen Jahrzehnten nichts zu spüren. Robben Island war eine Gefängnisinsel. „Ich kam in Handschellen. Für mich gab es auf dem Schiff, das mich herbrachte, kein Fenster“, erinnert sich Peter Vusumzi Kube. Er war einer von rund 3000 politischen Gefangenen, die während der Apartheid auf der Insel interniert wurden.

Peter Vusumzi Kube Reisende durch das ehemalige Gefängnis auf Robben Island, das heute ein Museum ist.

Er saß in den 80ern – „wegen Terrorismus, Waffenbesitz und Widerstand gegen die Staatsgewalt“, sagt Kube. Tagsüber schuftete er im Steinbruch, nachts schlief er mit mehr als 60 anderen Männern in einer Zelle. Heute führt er Touristinnen und Touristen durch den ehemaligen Knast.

Dessen Hauptattraktion ist eine vier Quadratmeter große Einzelzelle, auf dem Boden eine Matte, ein Mülleimer und ein kleiner Tisch. 18 Jahre lang saß hier Nelson Mandela, der von 1994 bis 1999 Südafrikas erster schwarzer Präsident war. Als hochrangiger politischer Gefangener wurde er abseits der anderen Häftlinge untergebracht.

Blick in die Gefängniszelle von Nelson Mandela auf Robben Island.

In dieser Zelle schrieb Mandela seine Memoiren. „Die Seiten versteckte er in Dosen und vergrub sie in Beeten auf dem Gefängnishof“, erzählt Kube. Ein Mithäftling konnte das Manuskript nach draußen schmuggeln. Die Autobiografie erschien 1994 – „Der lange Weg zur Freiheit“ wurde zum Weltbestseller.

5. Von Streetfood bis Fine Dining

Auch kulinarisch zeigt sich Kapstadt vielfältig – inspiriert von einem einzigartigen Mix Dutzender Kulturen. An der Victoria-&-Alfred-Waterfront können Reisende gleich zwei Highlights erleben.

Küche auf Weltniveau bietet das Pier Restaurant von Küchenchef John Norris-Rogers. Das mehrgängige Gourmetmenü variiert je nach Jahreszeit. Ob Auster an Apfelschaum, Jakobsmuschel mit Seespargel oder sich an Schweinebäckchen schmiegende Garnelen: Hier wird der Gaumen gekitzelt, und das für einen Bruchteil europäischer Fine-Dining-Preise.

Küche auf Weltklasse-Niveau gibt’s in Kapstadt zu günstigen Preisen, zum Beispiel wie hier im Pier-Restaurant.

Auch das Erlebnis spielt dabei eine wichtige Rolle. So bereiten die Köchinnen und Köche mehrere der Gänge frisch am Tisch der Gäste zu, und auch die Aussicht durch die Glasfront über das Hafenviertel stiehlt dem Essen fast die Show.
Weniger extravagant, aber genauso spannend ist die Küche von Nolu Dube-Cele. Sie serviert in der Seven Colors Eatery farbenfrohe Streetfoodgerichte, inspiriert von ihrer Heimat am Ostkap.

In der Xhosa-Kultur bezieht sich das Konzept der sieben Farben auf einen ausgewogenen Teller mit nährstoffreichen und farbenfrohen Speisen – beispielsweise bestehend aus Fleisch, Roter Bete, Kürbis, Spinat, Hirse und Soße.

Nolu Dube-Cele serviert an der Waterfront farbenfrohe Streetfood-Gerichte – Soul Food inspiriert durch ihre Heimat am Ostkap.

„Das ist für mich Soul Food – ich verbinde es mit einem Gefühl von Heimat, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit“, sagt Dube-Cele. Außerdem symbolisierten die vielen Farben die Vielfalt Südafrikas, und das auf jedem Teller.

Tipps für deine Reise nach Kapstadt

Anreise: Mehrere Airlines bieten Direktflüge von Frankfurt am Main aus nach Kapstadt an. Es gibt aber auch Verbindungen etwa mit einem Zwischenstopp in Doha oder Johannesburg.

Beste Reisezeit: Hochsaison ist von November bis April. Besonders in den südafrikanischen Sommermonaten Dezember, Januar und Februar ist es meist trocken, sonnig und wärmer als 25 Grad Celsius. Die regenreichsten und kältesten Monate sind Juni, Juli und August.

Sicherheit: Reisende sollten in Kapstadt grundlegende Sicherheitstipps befolgen, zum Beispiel Notrufnummern bereithalten, keine großen Bargeldbeträge mit sich führen und ihre Wertsachen stets sicher aufbewahren. Im Dunkeln sollten Reisende nicht mehr zu Fuß gehen, und Township-Besuche sollten nur in organisierter Form stattfinden, rät das Auswärtige Amt.

Redaktioneller Hinweis: Die Reise wurde unterstützt von Cape Town Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.