Wer beim Reisen die Stadt gerne hinter sich lässt und die Natur auf sich wirken lassen möchte, findet in Europa zahlreiche Möglichkeiten. An diesen Orten kann der Blick schweifen und in aller Ruhe die Eindrücke von Wasser, Bergen und grüner Oase einsaugen. Und dann sind da noch die tierischen Bewohner.

Von winzigen Spinnen über kontaktfreudige Füchse bis hin zu Bären und Moschusochsen: Diese Ziele in Europa sind wirklich wild und lassen dich mit Sicherheit staunend zurück. Entscheide selbst, wie abgelegen es sein darf und welche dieser Destinationen dein Wildnis-Favorit ist.

1. Islands Halbinsel Hornstrandir

Hornstrandir ist praktisch unbewohnt und ein perfektes Reiseziel, um Europas wilde Natur hautnah zu erleben. Das Naturreservat auf Island wirkt ein wenig wie das Ende der Welt.

Eine Infrastruktur ist so gut wie nicht vorhanden, eine nahezu unberührte Natur gibt hier den Ton an. Die nördlichste Halbinsel des am dünnsten besiedelten Staates von Europa ist nur per Boot erreichbar und bietet Wandernden und Naturliebhaberinnen und Naturliebhabern faszinierende Bedingungen.

Die isländische Halbinsel Hornstrandir bietet Einsamkeit und unberührte Natur.

Gut gekennzeichnete Wanderwege führen an Steilklippen, Stränden und markanten Felsen vorbei. Die beruhigende Schönheit der Täler und Wasserläufe, Blumenfelder und umliegenden Westfjorde wird nur noch getoppt von der Anwesenheit einer großen Population neugieriger Polarfüchse (Achtung: Nachts im Zelt kann es zu ungebetenem Besuch kommen). Was für ein Naturerlebnis!

Hallo! Die Polarfüchse auf Hornstrandir zeigen wenig Scheu vor Menschen.

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2. Kerkini-See in Griechenland

Zugegeben, der Kerkini-See in Griechenland ist nicht natürlichen Ursprungs. Der künstliche See, der nur 80 Kilometer von Thessaloniki entfernt liegt, entstand 1932 aus einem Staudamm. Heute ist er ein Paradies für Pflanzen und Tiere und zum Nationalpark erklärt worden. Auf Wegen entlang des Sees kannst du zu Fuß oder auf dem Rad die Natur entdecken. Und die ist wirklich wild. 

Zu den 300 Vogelarten, Säugetieren, Reptilien und Amphibien, die in dem Feuchtgebiet leben, gehören Kormorane, Krauskopfpelikane und Flamingos. Und wenn du plötzlich Getrampel hörst, wird das wohl die gezüchtete Herde Wasserbüffel sein, die sich nur allzu gern im Wasser abkühlt. Wenn der Eingriff des Menschen in die Natur nur immer so schöne Folgen hätte.

Krauskopfpelikane im Wettstreit um von Fischern weggeworfenen Fisch auf dem Kerkini-See in Griechenland.

3. Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark in Norwegen

Auf 1693 Quadratkilometern bietet Norwegens Nationalpark Dovrefjell-Sunndalsfjella alles, was man unter wilder und unberührter Natur versteht. Ein Ausblick, in dem kein Mensch die Sicht versperrt, abwechslungsreiche Naturlandschaften vom Weideland über einsame Berge, Flüsse, Seen und verwunschen wirkende Täler.

Aussicht an der beeindruckenden Landschaftsroute Aursjvegen auf die Bergstraße und das Tal Eikesdalen am Horizont im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark.

Die Naturattraktionen des Parks sind zahlreich und vielfältig: Von Ende September bis Ende März ist der Naturpark ein idealer Ort, um die Nordlichter zu bestaunen. Rentiere, Polarfüchse und auch der Vielfraß sind hier zu Hause. Und der Berg Snøhetta lockt Wanderfans an.

Moschusochse im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark. Den imposanten Riesen und seinen Betrachter sollten immer mindestens 200 Meter trennen.

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Außerdem hält der Nationalpark eine ganz besondere Rarität bereit. Im Naturparadies leben, sonst gänzlich aus Europa verschwunden, etwa 100 Moschusochsen. Gewaltige Hörner und zotteliges Fell zeichnen die Paarhufer aus, die bis zu zweieinhalb Meter lang werden können. Ein Mindestabstand von 200 Metern sollte immer eingehalten werden. Willkommen in der Wildnis!

4. Nationalpark Gesäuse in Österreich

Natürlich, wild und voll schroffer Schönheit, das ist Österreichs jüngster Nationalpark Gesäuse. Beim Anblick der gewaltigen Gesäuseberge geht Outdoorfans das Herz auf. Wanderbegeisterte können beispielsweise bei einer anspruchsvollen Tour durch die Wasserlochklamm Hängebrücken erobern und Wasserfälle bestaunen, noch mehr Adrenalin gibt es beim Rafting auf der wilden Enns. 

Im Nationalpark Gesäuse genießt du unberührte Natur und kannst sogar einäugigen Spinnen begegnen.

Im Nationalpark blühen endemische und seltene Pflanzen wie die intensiv duftende Zierliche Federnelke oder die Orchideenart Gelber Frauenschuh. Auch die Sichtung des endemischen Nördlichen Riesenauges (eine Spinne mit nur einem statt acht Augen) und die eines Luchses ist möglich.

Seit ihrer Wiederansiedelung 2011 sollen sechs Luchse im Nationalpark Gesäuse und dem benachbarten Nationalpark Kalkalpen leben. Wer die Raubtiere mit den Pinselohren erspähen möchte, hat vielleicht auf dem Luchs-Trail die Möglichkeit.

5. Skadarsee in Montenegro

Die Tränen einer montenegrinischen Fee haben diesen See erschaffen, so die Legende. Tatsächlich möchte man beim Anblick des Skadarsees (auch: Skutari-See) an Zauberwesen glauben. Die Größe des Süßwassersees, der im Grenzgebiet von Montenegro und Albanien liegt, variiert während des Jahres. Nach der Schneeschmelze ist er etwa so groß wie der Bodensee. 

Ein verlassener Strand am Skadarsee.

Unberührte Strände, geheimnisvolle Höhlen und 280 Vogelarten vom Storch bis zum Adler sowie dichte Kastanienwälder, die sich an den See schmiegen, machen die Umgebung aus. Und im See selbst tummeln sich zahlreiche Fischarten, die dank der geringen Wassertiefe von nur fünf bis neun Metern gut zu erkennen sind. 

Der Skadarsee in Montenegro ist ein kleines Naturjuwel.

Du kannst das Naturidyll auf verschiedene Arten aktiv entdecken: bei Radtouren, Boots- und Kajaktouren, bei Vogelbeobachtungen oder per Auto auf den Panoramastraßen. Ein Hauch Zivilisation wartet beim Besuch alter Fischerdörfer und im See gelegener Klöster, die auf dem Wasserweg erreichbar sind. 

6. Naturreservat Zelenci in Slowenien

Klein, aber entzückend, so präsentiert sich das Naturreservat Zelenci in Slowenien. Smaragdgrün leuchtet der See, der seine Farbe den Seekreide-Schichten verdankt. Außerdem sprudeln zahlreiche Quellen im See. Über angelegte Holzstege kannst du das sumpfige Gebiet rund um das Wasser erkunden. Auch ein hölzerner Aussichtsturm ist vorhanden und schenkt dir einen schönen Blick auf die Umgebung.

Zu den Tieren und Pflanzen, die du in diesem slowenischen Kleinod entecken kannst, gehören Libellen, Forellen, die in dem glasklaren Wasser schwimmen, Schlangen und die fleischfressende Pflanze Sonnentau. Im Umland findest du zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen.

Der Zelenci-See in Slowenien leuchtet im schönen Smaragdgrün.

7. Die kroatische Schönheit: Nationalpark Plitvicer Seen

Ein Anblick, der einem den Atem raubt: In der Mitte von Kroatien liegt das Paradies für Naturliebhaberinnen und Naturliebhaber. 16 miteinander verbundene Seen, zahlreiche große und kleine Wasserfälle (darunter der größte Kroatiens: der Veliki Slap) und die Höhle Supljara, in der Szenen für den Winnetou-Film „Der Schatz im Silbersee“ gedreht wurden, sind hier vereint. 

Der Nationalpark Plitvicer Seen bietet Traumkulisse und eine üppige Pflanzen- und Tierwelt.

Und die Liste geht weiter: 72 endemische Pflanzen-, 321 Schmetterlings-, 157 Vogel- und 50 Säugetierarten sind hier beheimatet. Darunter Wölfe, Rehe, Hirsche, Luchse und sogar Braunbären. Auch der Bergmolch (Lurch des Jahres 2019!) findet hier ein Heim. Kein Wunder, dass der 296 Quadratkilometer große Nationalpark bereits 1979 als Unesco-Weltnaturerbe aufgenommen wurde. 

Luftbild des traumhaften Nationalparks Plitvicer Seen.

So viel anmutige Wildnis blieb natürlich kein Geheimnis. Jährlich kommen etwa eine Million Besucherinnen und Besucher in den gebührenpflichtigen Park und es gelten strenge Verhaltensregeln zum Schutz der Umwelt. Ein Besuch außerhalb der Sommermonate ist empfehlenswert.

8. Nationalpark Gran Paradiso in Italien

Bella natura heißt es im Nationalpark Gran Paradiso in Italien. Das Gebiet, das nach dem gleichnamigen angrenzenden Berg benannt wurde, ist der älteste Nationalpark Italiens und liegt an der Grenze zu Frankreich (dort geht er direkt in den Nationalpark Vanoise über). Wer hier hin reist, lernt ein unberührtes Stück Natur der italienischen Alpen kennen.

Das Symbol der Region Gran Paradiso Nationalpark: Der Alpensteinbock.

Oder sagen wir: unberührt vom Menschen. Rotfüchse und Gämse, Hermeline (nicht Hermine, liebe „Harry Potter“-Fans!) und Schneehühner haben dieses Fleckchen Erde für sich entdeckt. Außerdem sind hier Luchse, Wölfe und gefährdete Tierarten wie der Bartgeier und der recht zutrauliche Alpensteinbock zu Hause. Letzterer ist das Symbol und Wappentier des Nationalparks. 

Blick vom Panoramapunkt an Colle del Nivolet auf vorne Lago Agnel, hinten Lago Serrù.

70.000 Hektar groß ist das Schutzgebiet und Tiere und Natur leben hier im Gleichgewicht. Drei- und Viertausender umschließen das Gebiet und formen eine imposante Kulisse. Wunderschön ist auch der Ausblick auf die beiden Stauseen Agnel und Serrù.