Für Loloy Bugarin ist dieser Unterschied entscheidend: „Es gibt ein echtes und ein unechtes Leben“, sagt der 46-Jährige, der gelegentlich Touristengruppen durch seine Heimatregion auf den Philippinen führt. „Bei uns in der Gegend ist das Leben noch echt. Vor allem hier“, sagt er und breitet dabei die Arme vor den sattgrünen Reisfeldern aus, die sich als kurvige Terrassen ihren Weg am Hang nach oben bahnen. „Eine Schönheit, die durch harte Arbeit entstanden ist.“

Reisterrassen gehören zum Weltkulturerbe

Bugarin steht am Rand eines steilen Abhangs unweit der Kleinstadt Banaue im Norden der philippinischen Hauptinsel Luzon. Die Reisterrassen dieser Region gelten weltweit als einmalige Denkmäler landwirtschaftlicher Architektur. Die Unesco hat sie bereits 1995 zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Reisterrassen von Banaue sind eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Philippinen. Sie erstrecken sich über fast zehn Quadratkilometer.

Terrassen zum Himmel reichen auf 1.500 Meter

Felder mit Geschichte: Die ältesten Terrassen sollen 2.000 bis 3.000 Jahre alt sein, geschaffen vom Stamm der Ifugao. In harter Handarbeit haben die Bäuerinnen und Bauern ihre Felder in die steilen Hänge hineingebaut und seitdem mittels einer perfekt durchdachten Bewässerungsanlage instand gehalten.

Warum sie Treppen zum Himmel genannt werden? Bugarin, der auch zu den Ifugao gehört, überlegt kurz: „Vielleicht, weil die Terrassen oft vom Fuß des Berges bis hinauf zum Gipfel auf 1.500 Metern reichen“, sagt er und zeigt auf die Landschaft rund um das Dorf Batad, deren Felder ebenfalls zu den schützenswerten Stätten gehören.

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Rund um Orte wie Banaue und Batad ziehen sich die Reisterrassen der Bergvölker, ein vor mehr als 2000 Jahren geschaffenes Meisterwerk.

Touren führen durch den Dschungel

Die Touren, die Bugarin bei Batad anbietet, dauern zwischen vier Stunden und drei Tagen. Sie führen durch dichtes Dschungelgrün, vorbei an den schlichten Häusern der Reisbäuerinnen und -bauern und auf engen Pfaden durch deren bewässerte Felder, die in der Sonne wie kleine Teiche glitzern. Bei längeren Ausflügen übernachten die Wandersleute bei Einheimischen, erfahren bei einfachen Gerichten und abendlichen Gesprächen einiges über das beschwerliche dörfliche Leben.

Loloy Bugarin führt Touristengruppen zu den Reisterrassen im Norden der philippinischen Hauptinsel Luzon.


„Die Arbeit auf den Feldern ist hart“, erklärt Bugarin, „und die jungen Leute zieht es in die Stadt.“ Auch deshalb will sich der umtriebige Mann demnächst als Ortsführer für sein Dorf aufstellen lassen und für die Zukunft der Reisterrassen einsetzen. „Die Bauern brauchen dringend Maschinen, die ihnen die Arbeit auf den kleinen, steilen Parzellen erleichtern. Nur so können wir der nächsten Generation eine Perspektive bieten – und mit intakten Reisterrassen attraktiv für Gäste bleiben.“

Gayuma Tundaqui (von links), Immaya Bulbul, Bugan Uyammi, Malayyu Guinyang sind stolz auf ihre Kultur. An den Aussichtsplattformen des Städtchen Banaue lassen sie sich für ein kleines Trinkgeld gern fotografieren.


Die Treppen zum Himmel liegen rund 380 Kilometer von Manila entfernt. Die meisten Reisenden nehmen sich für die Hauptstadt ein bis zwei Tage Zeit und reisen dann zu ihren nächsten Zielen.

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Mehr als 7.000 Inseln gehören zum Archipel

Die Philippinen gehören zu den größten Inselstaaten in der Welt. Das gesamte Archipel erstreckt sich über eine Länge von fast 2.000 Kilometern. Mit mehr als 7.000 Inseln bietet das überwiegend katholisch geprägte Land vielfältige Erholung: weiße Sandstrände und exzellente Tauchgründe, ausgezeichnete Surfbedingungen und abenteuerliche Dschungeltouren. Nur im Süden gibt es ein paar Regionen, von denen das Auswärtige Amt generell abrät.

Politisch musste und muss der Inselstaat immer wieder Rückschläge für die Demokratie hinnehmen. Doch die meisten Filipinos bleiben trotz aller Alltagsprobleme optimistisch. Allein ihre ansteckende Lebensfreude ist ein guter Grund, die Philippinen zu bereisen.

Bohol ist ein Tropenparadies

„Willkommen im Tropenparadies“, grüßt Reiseleiterin Fritzie Mae Zamora mit einem herzlichen Lächeln auf Bohol. Die Insel, nur eine Flugstunde von Manila entfernt, gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen. Die zehntgrößte Insel des Archipels hat mit Tagbilaran gerade mal eine größere Stadt, dafür ungefähr 300 Küstenkilometer mit oft palmengesäumten Stränden.

Zamora verspricht Entspannung pur. „Während man in Manila in manchen Ecken verdammt gut auf sein Gepäck aufpassen sollte, wird man auf Bohol höchstens von einer Kokosnuss getroffen“, sagt sie und lacht.

Delfine begleiten das Boot

Doch mit der besinnlichen Ruhe ist es spätestens vorbei, wenn es mit einem Katamaran aufs offene Meer geht, um Delfine zu beobachten. Rasant durchpflügt das Boot die Wellen, Gischt spritzt, die Kufen heben und senken sich. Dann bremst der Bootsführer plötzlich und zeigt „Zehn Uhr“ – links vorm Bug taucht eine kleine Gruppe Delfine auf, die dann eine Weile das Boot begleiten.

Die Tierwelt vor den philippinischen Inseln ist reich: Mit einem Katamaran geht es aufs offene Meer ­hinaus, um Delfine zu beobachten.


Die Tierwelt vor den philippinischen Inseln ist reich: Selbst Tauchunerfahrene, die sich an einem der zahlreichen Tauchgründe in die Unterwasserwelt begeben, können mit Brille, Schnorchel und etwas Glück eine Meeresschildkröte entdecken.

Koboldmaki ist nachtaktiv

Auch an Land leben seltene Kreaturen – auf Bohol zum Beispiel der Tarsier. Der Koboldmaki ist gerade einmal handtellergroß. Nachts springt er von Baum zu Baum und jagt Insekten, tagsüber klammert er sich an einen kleinen Ast und schläft. In dem geschützten Tarsier Sanctuary haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, unter Aufsicht eines speziellen Guides Koboldmakis beim Schlafen zu beobachten.

Ab und zu macht einer der Winzlinge seine riesigen Augen auf, um sich kurz zu überzeugen, dass er ungefährdet seine Ruhephase fortsetzen kann.

Im Tarsier Sanctuary lebt rund ein Dutzend Tarsiere. Die nachtaktiven Tiere sind zwar Primaten, aber keine Affen.


„Tarsiere sind eigentlich treue Tiere. Doch der Nachwuchs muss schon nach wenigen Wochen die Gruppe verlassen“, erklärt Reiseleiterin Zamora. „Sie sind also völlig untypisch für Filipinos – denn wir lieben die Großfamilie. Und die Romantik“, verrät sie augenzwinkernd.

Chocolate Hills gelten als Tränen eines Riesen

Liebe soll auch bei der Entstehung der Chocolate Hills eine Hauptrolle gespielt haben. Eine romantischere Legende sieht die Hügellandschaft als getrocknete Tränen eines Riesen, der mit gebrochenem Herzen um seine Geliebte getrauert hat. Für Geologen allerdings sind die Hügel, die eine perfekte Kegelform aufweisen, schlicht Kalksteingebilde, die durch das Wechselspiel von Ablagerung und Erosion entstanden sind. Eine einzigartige Landschaft aus rund 1.300 kleinen Hügeln, deren Grasbewuchs sich in der Trockenzeit schokoladenbraun verfärbt.

Zamora mag die Tränengeschichte mehr als die wissenschaftliche Erklärung. „Eine salzige Erklärung für eine süße Landschaft – so schön“, sagt sie, legt ihre rechte Hand aufs Herz und ­lächelt.

Tipps für deine Reise auf die Philippinen

Anreise: Einen Direktflug von Deutschland auf die Philippinen gibt es ­derzeit (Stand: Dezember 2022) nicht. Einige Airlines bieten Flüge mit Stopover nach Manila an.

Einreise: Für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen ­besteht keine ­Visumspflicht.

Beste Reisezeit: Beste Reisezeit ist die Trockenzeit von Dezember bis April. Wettervorhersagen und Taifunwarnungen gibt es ­online.

Attraktionen: Reisterrassen: Die Anreise von ­Manila nach ­Banaue mit Auto oder Bus dauert neun bis zehn Stunden. Die Busfahrt kostet umgerechnet etwa 14 Euro.
Eine Katamarantour mit Delfinen und Schnorcheln von Bohol aus ist für etwa 160 Euro bei zahlreichen Veranstaltern, zum Beispiel im Amorita Beach Resort am Amorita Beach buchbar.
Tarsier Sanctuary: geöffnet täglich von 9 bis 16 Uhr, Eintritt: etwa ein Euro, ­Tarsier Sanc­tuary Road, ­Corella, Bohol.

Die Reise wurde unterstützt vom ­Philippine Department of Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die ­Redaktion.