Sie lachen dich aus jeder Ecke an, wenn du durch den Flughafen läufst: Supersonderangebote und riesige Ausgaben von allerlei Produkten in den Duty-free-Shops. Einmal bin ich schwach geworden, am Flughafen in San Juan, Puerto Rico. Wenige Tage zuvor noch bei Bacardi gewesen, war das Angebot von drei Ein-Liter-Flaschen Rum für rund 40 Euro schon verlockend.

Praktisch: ja – gesetzlich erlaubt: nein

An der Kasse fragt mich die Frau, ob ich eine praktische Tasche mit Trageriemen haben möchte. Ich schaue mein eh schon unhandliches Gepäck an und freue mich über die Möglichkeit. Die Verkäuferin wickelt noch eine Plombe drum, gibt mir den Kassenzettel und das war er, mein erster Einkauf im Duty-free-Shop.

Die drei Flaschen Rum aus dem Duty-free-Shop in dieser Tasche sorgten für Ärger am Frankfurter Flughafen.

Die böse Überraschung folgte dann am Frankfurter Flughafen. Ich musste das Terminal wechseln und somit noch mal durch eine Sicherheitskontrolle. Die Schilder mit der Flüssigkeitsbegrenzung von 100 Millilitern schrien mich aus jeder Ecke an. Nun ja, ich war 2,9 Liter darüber. 

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Flüssigware muss ordentlich versiegelt sein

Der Mitarbeiter am Band schaut mich direkt mitleidig an: „So eine komische Tasche habe ich ja noch nie gesehen, das wird schwer“, sagt er und ruft die Bundespolizei, die sollen entscheiden. Zur Erklärung: Einkäufe in Duty-free-Shops müssen in einer speziellen Plastiktüte verpackt werden, die versiegelt wird. Bei meiner tollen Tasche konnte man an den Seiten schön reingreifen, die Plombe war somit nur Deko.

Nach ewigem Hin und Her, skeptischen Blicken, erhobenen Zeigefingern und viel Beteuerung auf Unwissenheit meinerseits wurden die Flaschen schließlich ordentlich verpackt und ich durfte sie mitnehmen. Eine Woche später sehe ich in einem deutschen Supermarkt den gleichen Rum für 10 Euro die Flasche. Spart man also überhaupt in Duty-free-Shops?

In der EU gelten Sonderregeln

Dafür zunächst erst einmal eine Erklärung: „Duty free“ bedeutet „abgabefrei“, du zahlst also auf die Waren keine Steuern oder Zollgebühren. Das ist möglich, da sich die Läden an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen zwischen zwei Zollstellen befinden. 

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In der EU gilt schon seit 1999 eine Sonderregelung, hier darf nämlich nicht mehr steuerfrei eingekauft werden. Für Reisen innerhalb der EU gibt es an Flughäfen trotzdem Möglichkeiten. Die Läden haben dann den Zusatz „Travel Value“ und da übernimmt dann der Händler die Steuern, sodass du trotzdem sparen kannst.

Für steuerfreies Shoppen gibt es in der EU Sonderregeln.

Hast du innerhalb der EU in einem Duty-free-Shop eingekauft, der diesen Zusatz nicht hatte, musst du die Waren bei der Einreise am Zoll anmelden und die Gebühren nachzahlen. Das lohnt sich also nicht. 

Tabak und Alkohol sind günstiger, Süßwaren teurer

Grundsätzlich kannst du vor allem bei Tabak und Alkohol sparen, da diese Produkte in der Regel hoch besteuert sind. In der EU gilt das bei Tabakwaren jedoch nicht, da die nicht mehr unverzollt verkauft werden dürfen, also zahlst du hier den gängigen Inlandspreis. Süßwaren dagegen sind am Flughafen schnell mal bis zu 40 Prozent teurer als im Supermarkt, da sparst du also überhaupt nichts. 

Wenn du aus einem Nicht-EU-Land einreist, kannst du dich zwar in den Duty-free-Shops eindecken, solltest aber unbedingt die Warenwertgrenze und die Mengenbegrenzung beachten. Reist du per Schiff oder Flugzeug, darf der gesamte Warenwert 430 Euro nicht überschreiten. Ist das doch der Fall, musst du Steuern und Zoll nachzahlen. Auf der Internetseite des Deutschen Zolls sind alle Grenzen und Regeln genau aufgelistet. 

Kauf keinen Champagner am JFK

Das US-amerikanische Online-Reisemagazin „The Points Guy“ hat bei verschiedenen Flughäfen weltweit nachgehakt, wo sich Steuern sparen lassen. Die Ergebnisse: Kauf keine Sonnenbrillen an Flughäfen in warmen Gebieten wie Dubai oder Mexiko-Stadt. Dort sind diese nämlich besonders teuer, auch steuerfrei. 

Die Duty-free-Zone im Flughafen Stuttgart. Ob du dort wirklich sparen kannst, solltest du vorher online abchecken.

Wenn du günstig Alkohol kaufen möchtest, kannst du am meisten am Flughafen Stockholm sparen. Tabak dagegen ist am Flughafen in Dubai am günstigsten, Parfüm und Make-up in Warschau. Bist du am New Yorker Flughafen JFK, solltest du die Finger von Champagner im Duty-free-Shop lassen, der ist dort rund 18 Dollar teurer als an allen anderen Flughäfen, die in diese Untersuchung einbezogen wurden. 

Ob du in Duty-free-Shops wirklich sparen kannst, hängt von vielen Faktoren ab.

Und eine weitere Erkenntnis: Online-Shopping ist manchmal günstiger als Duty-free. Wenn du also planst, in ein bestimmtes Land zu reisen und am Flughafen in einen steuerfreien Kaufrausch zu verfallen, informiere dich lieber vorher online, ob du nicht dort die besseren Angebote findest. 

Erster Duty-free-Shop in Irland

Und zu guter Letzt noch ein Blick in die Geschichte: Entstanden ist das Ladenkonzept Duty-free an einem kleinen Flughafen im Westen Irlands. Der Shannon Airport war in den Fünfzigern eine wichtige Station für Flugzeuge auf dem Weg gen Westen, denn Transatlantikflüge waren damals ohne Auftanken nicht machbar. 

Der Shannon Airport in Irland hat bei der Entstehung der Duty-free-Shops eine entscheidende Rolle gespielt.

Deshalb wurde Shannon auch „Europas Tor zur neuen Welt“ genannt. Während die Flugzeuge etwa eine Stunde lang tankten, konnten die Passagierinnen und Passagiere sich die Beine am Flughafen vertreten, erzählt Herbert Diel vom deutschen Duty-free-Betreiber Gebrüder Heinemann dem „WDR“. Und das waren Promis und sehr reiche Menschen, denn niemand sonst konnte sich einen solchen Flug damals leisten.

Heute kein Auftanken mehr nötig

Bis dato galt ein Gesetz der englischen Handelsmarine, dass nur Matrosen bei einer Reise eine gewisse Menge Rum steuer- und zollfrei bekommen dürfen. 1947 wurde das Gesetz dann vom irischen Parlament ausgeweitet und das zollfreie Kaufen war auch an Nicht-Matrosen erlaubt. 

So eröffnete in Shannon 1947 der erste Duty-free-Shop mit Rum, irischer Kleidung und Parfüm im Sortiment. Als Ende der Fünfzigerjahre die Flugzeuge den Langstreckenflug ohne Auftanken schafften, verlor Shannon an Bedeutung. Die Duty-free-Shops dagegen nicht, eher im Gegenteil: Heute sind sie aus keinem Flughafen mehr wegzudenken.