Das Herz schlägt im Bauch. Und der befindet sich in Südaustraliens Hauptstadt Adelaide zwischen Grote und Gouger Street. Hier, mitten im Zentrum, liegt der Central Market, einer der größten überdachten Märkte auf der Südhalbkugel.

Von Dienstag bis Samstag treffen sich in dem stattlichen roten Backsteingebäude Einheimische und Reisende. Denn der Markt ist längst auch eine der beliebtesten Attraktionen für Adelaide-Touristinnen und -Touristen.

Ein Muss bei einer Reise in die südaustralische Hauptstadt Adelaide ist ein Besuch des Central Market.


Kein Wunder: Unter dem Flachdach bieten mehr als 70 Händlerinnen und Händler ihre Waren an. Die große Auswahl reicht von Obst und Gemüse über Fleisch, Fisch und Geflügel, Käse, Gewürze, Kaffee, Tee, Wein und Spirituosen bis hin zu Süßigkeiten. Anders als in Deutschland ist das meiste hier günstiger zu haben als in den örtlichen Supermärkten.

Farmer wollten Waren direkt verkaufen

Cheryl Turner von Food Tours Australia ist als Tourguide regelmäßig im Central Market unterwegs. Natürlich kann sie deshalb auch jede Menge zur Geschichte der Markthalle erzählen, die es immerhin seit mehr als 150 Jahren gibt.

Dass der Markt existiert, ist den Bäuerinnen und Bauern der Gegend zu verdanken, die Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Idee kamen, ihre Erzeugnisse öffentlich anzubieten. „Am 23. Januar 1869 um 3 Uhr morgens kamen acht Farmer hierher, um ihre Waren zu verkaufen. Eine Kapelle spielte Musik und mehr als 500 Menschen kamen. Schon um 6 Uhr waren sie ausverkauft“, berichtet Cheryl Turner.

Der Adelaide Central Market ist nicht nur ein beliebter Ort zum Einkaufen, viele Einheimische und Touristinnen und Touristen kommen auch einfach hierher, um sich das umfangreiche Angebot direkt vor Ort schmecken zu lassen.

Markt wurde zur Institution

Der Markt wurde eine regelmäßige Einrichtung. „Zunächst verkauften die Bauern ihre Waren an der frischen Luft“, erzählt Turner. Bald boten sie sie in einem Schuppen, dann in einem Blechschuppen an. In den frühen 1900er-Jahren wurde schließlich die Markthalle aus Steinen errichtet, die in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitert wurde. 1965 wurde der Markt, der zunächst City Market hieß, dann zum Adelaide Central Market.

Aktuelle Deals

Heute zeichnet sich der Markt durch eine besondere Vielfalt aus. „Eigentlich gibt es keine zwei Händler, die dasselbe Angebot haben“, sagt Turner. Die Führerin bringt Besucherinnen und Besucher zu den Highlights und sorgt dafür, dass sie an den vielfältigen Ständen auch etwas zum Probieren bekommen.

Bei ihren Food-Touren durch den Central Market sorgt Cheryl Turner dafür, dass Reisende an den Ständen auch etwas zum Probieren bekommen.

Bei einer Foodtour das Angebot probieren

Je nach Tour gehört gleich ein ganzes Frühstück oder ein Lunch zum Programm. Zum Beispiel bei Lucia’s Pizza & Spaghetti Bar, einer echten Kultadresse. Die wurde bereits 1957 von Lucia Rosella eröffnet, die im Vorjahr mit ihrem Mann Pasquale von Süditalien nach Australien eingewandert war. „Sie hatte die erste Espressomaschine der Stadt“, erzählt Turner.

Vor allem aber lehrte sie die Einheimischen, Pizza und Pasta zu lieben. Seit einigen Jahren führen ihre Töchter Nicci und Maria die Geschäfte. Die laufen besser denn je – mittlerweile hat die Familie mehrere Shops unter dem Dach der Markthalle eröffnet.

Alles bio bei Central Organic

Schräg gegenüber befindet sich eine weitere Institution des Central Market: Seit 1972 bietet der heute fast 90-jährige Stefan Oulianoff hier bei Central Organic unter anderem lokales, biologisch angebautes Gemüse an. Sein Geschäft teilt sich den Platz mit dem House of Health, zu dessen Angebot Spezialitäten wie Macadamiaöl und Reis-Malz-Sirup zum Selbstabfüllen gehören.

Immer Neues beim Producer in Residence

Nur ein paar Meter davon entfernt steht ein besonderer Marktstand – der des Producers in Residence. Hier bekommen lokale Produzentinnen und Produzenten für jeweils drei Wochen die Chance, zu testen, wie ihr Angebot bei den Kundinnen und Kunden ankommt.

Bei einem Besuch des Central Market Adelaide sollte man unbedingt bei dem Producer in Residence vorbeischauen, wechselnden lokalen Produzentinnen und Produzenten.

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Something Wild: Bush Food aus der Natur

Dringend zu empfehlen ist auch ein Besuch bei Something Wild im nächsten Gang. Hier bekommen Reisende einen Einblick in die Esskultur der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner. Das Geschäft, das 2016 von der Aborigine-Familie Motplop gegründet wurde und bis heute geführt wird, bietet sogenanntes Bush Food an.

Das sind einheimische Pflanzen und Tiere, die schon ihre Vorfahrinnen und Vorfahren in der Natur gefunden und gejagt und dann gegessen haben.

Something Wild im Central Market Adelaide bietet Bush Food an.


Zu den Lebensmitteln gehört zum Beispiel eine Marmelade aus der sauren Quandong. Das ist die essbare Frucht des Sandelholzbaumes, die für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt bekannt ist. Oder eingelegte Karkalla, die salzigen, leicht würzigen Stängel einer Mittagsblumenart, die an den australischen Küsten zu finden ist. Oder gemahlener Wattleseed, also der essbare, nussig-süßliche Samen der mehr als 120 australischen Akazienarten.

Zum außergewöhnlichen Angebot zählen aber auch Fleisch vom Paroo-Känguru, Krokodilschwanzfilets oder Kamelbraten. Wer will, nimmt eine Flasche des Green-Ant-Gins mit, in der grüne Ameisen verarbeitet werden. Die schmecken intensiv nach Limette und Koriander und sind eine wertvolle Proteinquelle.

Geheimtipp für Genießerinnen und Genießer

Längst ist Something Wild auch eine beliebte Adresse bei heimischen Gastronominnen und Gastronomen. Die Restaurantszene Adelaides ist mindestens genauso vielfältig wie das Angebot in der Markthalle. Die Stadt muss sich hinter beliebten australischen Foodie-Metropolen wie Sydney und Melbourne nicht verstecken – im Gegenteil: Sie ist ein echter Geheimtipp für Genießerinnen und Genießer.

Das liegt nicht nur daran, dass einige der besten Weinregionen des Landes in direkter Nähe liegen – zum Beispiel das weltbekannte Barossa Valley, die Adelaide Hills und das McLaren Vale.

D'Arenberg mit dem Tastingroom und Restaurant im einzigartigen D'Arenberg Cube ist eines der bekanntesten Weingüter im Weinanbaugebiet McLaren Vale.

Aurora: eine der besten Adressen der Stadt

Viele der Weine, zu denen Shiraz und Pinot Noir aber auch Sauvignon Blanc und Chardonnay gehören, finden sich in den Getränkekarten wieder – etwa im Aurora. Hier ist Brendan Wessels, der zuletzt im D’Arenberg Cube im McLaren Vale kochte, der Küchenchef. In der großen offenen Küche komponiert er virtuos Köstlichkeiten wie Paroo-Känguru mit Bergpfeffer, Silberrübenblättern und Sojamayonnaise.

Dabei legt der gebürtige Südafrikaner großen Wert auf die Verwendung lokaler Produkte und Nachhaltigkeit. Wer das sechsgängige Tastingmenü (150 australische Dollar, also etwa 98 Euro) wählt, bekommt einen guten Eindruck davon, warum das Aurora aktuell für viele zu den besten Adressen der Stadt zählt.

Das Restaurant Aurora gehört aktuell zu den besten Adressen in Adelaide. Das Tasting-Menü vermittelt einen guten Eindruck, warum.

Fugazzi: Restaurant von TV-Köchin

Eine rechtzeitige Reservierung ist hier genauso empfehlenswert wie im Fugazzi von Laura Sharrad. Die Australierin kennen viele Einheimische, weil sie an der Fernsehshow „Masterchef“ teilgenommen hat. Ihre stylische Bar mit Dining Room, die sie mit ihrem Mann Max Anfang 2022 eröffnet hat, war schnell eine beliebte Adresse.

Verdienterweise – denn auf der Karte finden sich italienische Klassiker, denen sie ihre ganz eigene Note mit australischen Einflüssen verleiht (fünfgängiges Tastingmenü: 84 australische Dollar, also etwa 55 Euro).

Adelaide mit seiner vielfältigen Gastroszene ist ein Geheimtipp für Genießerinnen und Genießer. Zu den aktuell besonders angesagten Adressen gehört das Fugazzi mit seiner stylischen Bar und dem eleganten Dining Room.

Africola: Gegrilltes und Geräuchertes mit afrikanischer Note

Besonders angesagt ist aktuell auch das Africola. Mit der deutschen Cola-Marke hat das Restaurant nichts zu tun. Auf dem saisonal wechselnden Menü finden sich afrikanisch inspirierte Speisen wie das Crispy Chicken Tea Sandwich with Peri Peri Drippings, ein weiches Weißbrot belegt mit knackiger Haut vom Hühnchen und scharfem Chilidip oder Cabbage, Whey, Prawn, scharf angebratener Kohl mit Garnelen in sämig-süßlicher Molkesoße.

Für seine kreative Küche, zu der viel Gegrilltes und Geräuchertes gehört, wurde Chef Duncan Welgemoed mehrfach ausgezeichnet.

Das Interieur des Africola in Adelaide ist genauso kreativ wie die afrikanisch inspirierten Speisen, die hier serviert werden.

Daugher in Law: unauthentisch australisch-indisch und unwiderstehlich

Das Restaurant liegt nur eine Straßenecke von der Rundle Street East im Eastend entfernt, an der sich Cafés, Bars und Restaurants nur so aneinanderreihen. Dazu gehört auch das Daughter in Law. Das mittlerweile dritte Restaurant (nach Melbourne und Byron Bay) von Jessi Singh bietet nach eigenen Angaben Unauthentic Australian Indian Cuisine, also unauthentische australisch-indische Küche an. Das kommt an.

Selbst an Wochentagen bleibt kein Platz lange frei. Sehr empfehlenswert: Das Feed-me-Menü für das der Küchenchef eine Auswahl von Streetfood, Tandooris und Curries zusammenstellt (65 australische Dollar, etwa 43 Euro). Wer einmal die aromenreichen Gerichte probiert hat, während in dem rosafarben gestrichenen Raum mit den Fotografien indischer Gesichter an der Wand Achtzigerjahremusik für gute Laune sorgt, kommt gern wieder.

Im Restaurant Daughter in Law in Adelaide wird Unauthentic Australian Indian Cuisine serviert. Das kommt gut an. Wenn das Restaurant geöffnet hat, bleibt kein Platz unbesetzt.

Mit dem Ecocaddy auch andere Highlights der Stadt entdecken

Der Adelaide-Besuch lohnt sich aber natürlich nicht nur wegen des großartigen gastronomischen Angebots. Gärten, Museen, eine einladende Fußgängerzone mit jede Menge Geschäften: In der Stadt mit ihren rund 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern gibt es viel zu sehen. Das lässt sich sehr gut zu Fuß und mit Bus und Straßenbahn entdecken. Oder man bucht eine Tour bei Ecocaddy.

Daniels Langenberg bietet Touren mit dem Ecocaddy in Adelaide an.

Die Firma bietet seit 2015 Rundfahrten mit dem Trike an, also einem Dreiradfahrrad. Die Touren sind nicht ihr einziges Standbein. „Zu unseren Kunden gehören auch viele Restaurants, bei denen wir Lebensmittelabfälle einsammeln, um sie zu entsorgen“, erzählt Gründer Daniels Langenberg.

Vor allem aber fahren der 38-Jährige und seine mittlerweile 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Besucherinnen und Besucher zu eher unbekannten Highlights wie dem japanischen Himeji Garden und dem von Musikerin Sia inspirierten Mural der lokalen Street-Art-Künstlerin Jasmine Crisp. Und natürlich gibt der Guide auch jede Menge Tipps zu den besten Adressen zum Essen und Trinken und dem Bauch der Stadt – dem Central Market.

Tipps für deine Reise nach Adelaide

Anreise: Direktflüge von Deutschland nach Adelaide in Südaustralien gibt es nicht. Die Anreise ist mit einem Zwischenstopp an einem der asiatischen oder arabischen Drehkreuze möglich.

Einreise: Deutsche Reisende benötigen für die Einreise nach Australien einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist, und ein eVisitor-Visum. Es gilt zwölf Monate lang für Aufenthalte mit einer Höchstlänge von drei Monaten und kann kostenlos online beantragt werden.

Unterkünfte: Die Auswahl an Hotels im Stadtzentrum ist groß und vielfältig. Nur wenige Meter vom Central Market entfernt befindet sich das moderne Hotel Indigo (23-29 Market Street). Eine Straßenecke von der Rundle Street entfernt steht das Crowne Plaza Hotel (27 Frome Street).

Attraktionen:Central Market: 44-60 Gouger Street, geöffnet dienstags bis samstags.
Ecocaddy-Tour: Die 90-minütige Tour kostet 185 australische Dollar, also etwa 120 Euro, für zwei Personen.

Essen:Aurora: 63 Light Square, geöffnet mittwochs bis samstags.
Africola: 4 East Terrace, geöffnet dienstags bis samstags ab 18 Uhr.
Daughter in Law: 290 Rundle Street, täglich ab 17 Uhr.
Fugazzi: 27 Leigh Street, geöffnet täglich ab 11.30 Uhr.
  

Die Reise wurde unterstützt von Tourism Australia und Tourism South Australia. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.