Das „kleine Wien“ entdecken, super mystische Ausgrabungsstätten bestaunen oder am Balaton tanzen: All das geht in den Kulturhauptstädten 2023. In Rumänien, Griechenland und Ungarn liegen die Orte, von denen die meisten wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben. Zeit, das zu ändern!

Seit 1985 vergibt die Europäische Union jährlich den Titel Kulturhauptstadt Europas. Ziel ist es, die kulturelle Vielfalt zu fördern und Gemeinsamkeiten sowie ein Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen. Die Städte erhoffen sich durch die Ernennung touristische Aufmerksamkeit. Klingt gut? Na dann los.

Timisoara in Rumänien

Stars gefällig? Timisoara hat sie. Einen davon kennt man Lianen schwingend: Johnny Weissmüller, bekannt als Tarzan, wurde hier geboren. Herta Müller (Schriftstellerin) und Stefan Hell (Physiker) gingen in Temeswar zur Schule und gewannen den Nobelpreis. 

Und Timisoara (deutsch: Temeswar), die drittgrößte Stadt Rumäniens, ist vor allem eines: bunt. Die verschiedenen Sprach- und Konfessionsgruppen haben ein vielfältiges kulturelles Leben in der Stadt hervorgebracht.

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Blick auf die rumänisch-orthodoxe Kathedrale von Timisoara.

Die Diversität der Stadt mit den 300.000 Einwohnern und Einwohnerinnen soll auch das Programm im Jahr als Kulturhauptstadt dominieren. Das Motto: „Lass die Stadt durch dich erstrahlen!“ Zu den Highlights des Kulturhauptstadtjahres 2023 gehört die Ausstellung des rumänischen Bildhauers Constantin Brancusi.

Timisoara ist auch die Stadt der Freiheit. Hier startete 1989 die Revolution gegen den Diktator Nicolae Ceausescu. Die westromänische Stadt zeichnet außerdem ein besonders attraktives Stadtbild aus. Mehr als 15.000 alte Gebäude haben Timisoara den Beinamen „das kleine Wien“ eingebracht. 

Der Platz Unirii mit der Dreifaltigkeitssäule und dem Temeswarer Dom.

Optische Schmankerl sind der Platz Piata Unirii mit seinen Kirchen und Palästen und der Piata Victoriei mit seiner Flaniermeile. Und wenn die Augen satt und der Magen leer ist, bieten rumänische Bäckereien Abhilfe. Hervorragend bewertet ist beispielsweise der Cupcake Shop am Piata Unirii. Wer Durst hat, trinkt eine Flasche Timisoreana aus der städtischen Brauerei.

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Eleusis in Griechenland

20 Kilometer östlich von Athen liegt Eleusis. Bereits 2021 sollte die Hafenstadt Kulturhauptstadt werden, mitten in der Corona-Krise. Auf Antrag wurde die Ernennung um zwei Jahre verschoben – und es bleibt zu hoffen, dass die Stadt mit den 30.000 Einwohnern und Einwohnerinnen davon profitiert. Die Eröffnungsfeier zum Kulturhauptstadtjahr findet am 9. Februar 2023 statt.

Eleusis will in neuem Glanz erstrahlen. Auch die Schiffswracks sollen verschwinden.

Eleusis war bis Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund seines Hafens ein wichtiger Industriestandort, doch dann verlagerten sich die Wirtschaftszweige nach Athen und zum Hafen Piräus. Mit der Auszeichnung zur Kulturhauptstadt erhofft sich Eleusis einen Aufschwung. Das Motto lautet „Geheimnisse des Übergangs“.

Der Übergang soll auch die Stadtentwicklung positiv beeinflussen. Denn neben bedeutenden Ausgrabungsstätten hat die Industriestadt eher ein tristes Erscheinungsbild und mehr Schiffswracks als Sehenswürdigkeiten. Genau das soll sich ändern. Parks sollen neu belebt, die Bevölkerung integriert, die Infrastruktur aufgebaut werden. 

Bedeutende Ausgrabungsstätte: Die Weihehalle in Eleusis.

Zu wünschen ist Eleusis die Anziehungskraft vergangener Jahre: In der Antike kam der Stadt eine besondere Rolle zu. Bei Initiations- und Weihe-Riten des Demeter- und Persephonekultes fanden unter anderem Umzüge auf der heiligen Straße von Athen nach Eleusis statt.

Die Kulte sind als Mysterien von Eleusis bekannt. In Eleusis selbst befinden sich daher bedeutende Ausgrabungen des Mysterien-Heiligtums wie die große Weihehalle. Das klingt auf jeden Fall geheimnisvoll!

Veszprém in Ungarn

Mit dem westungarischen Veszprém und dem Gebiet um den Plattensee (auch Balaton genannt) ist 2023 ausnahmsweise wieder eine Region zur Kulturhauptstadt ernannt worden. Am 21. Januar findet die Eröffnungsfeier in Veszprém statt. Geplant sind Konzerte und Partys, Tanz, Kunst und regionale Köstlichkeiten.

Veszprém und Region sind zur Kulturhauptstadt 2023 ernannt worden.

Von dem Titel Kulturhauptstadt erhofft sich das 60.000 Einwohner und Einwohnerinnen große Veszprém einen Aufschwung. Und der hat schon begonnen: In leer stehenden Räumlichkeiten in der Innenstadt sind bereits neue Lokalitäten und Weinbars entstanden. Wenn jetzt noch 2,5 Millionen Besucher und Besucherinnen kommen, so das Ziel der Organisatoren, wäre das Kulturjahr ein voller Erfolg.

Ein absoluter Hingucker ist die Umgebung des beschaulichen Ortes: fünf Hügel und der Fluss Sed und in zehn Kilometer Entfernung der Plattensee mit Binnenmeer-Charakter – kein Wunder, dass der Balaton als Riviera Ungarns gehandelt wird. Hier ist auch die Heimat des Weinanbaus. Bester Weißwein und regionaler Sekt werden aus den Trauben vom Nordufer gewonnen. 

Die Riviera Ungarns: Der Plattensee.

Und die Region bietet weitere Highlights. Imposant ist beispielsweise das Barockschloss Festetics mit seinem schönen Park oder die Burgruine Sümeg. Letztere wurde auf einem 87 Meter hohen Felsen erbaut und ist die größte und am besten erhaltene Burg im gesamten Balaton-Oberland.