Das Boarding ist beendet und trotzdem geht nichts los. Gerade im Winter müssen Reisende Geduld beweisen, auch wenn sie schon im Flugzeug sitzen. Denn bevor es zur Startbahn geht, kommt erst mal seltsam aussehendes Gerät angefahren und hüllt die Maschine in weißen Nebel. 

Das Enteisen gehört im Winter einfach dazu. Und es ist auch essenziell für die Sicherheit der Fluggästinnen und Fluggäste. Was ist aber, wenn draußen ein Schneesturm wütet, wie es aktuell in weiten Teilen der USA der Fall ist? Wie können Flugzeuge da überhaupt fliegen? Enteisen allein reicht da nicht aus.

Seitenwinde erfordern spezielle Landung

Auf dem amerikanischen Reiseportal „The Points Guy“ erklärt ein Pilot, was bei extremen Wetterbedingungen beachtet werden muss und warum Schnee am schlimmsten ist. Aber nicht nur der Niederschlag, auch der Wind kann den Pilotinnen und Piloten ordentlich zu schaffen machen.

Aktuelle Deals

Sind die Seitenwinde bei einer Landung beispielsweise sehr stark, wird sogenanntes Crabbing eingeleitet. Dabei fliegt die Pilotin oder der Pilot die Landebahn im Seitenflug an. Die Bezeichnung kommt tatsächlich von dem seitlichen Gang der Krabben. Bei dem Manöver wird die Nase des Flugzeugs direkt in den Wind gedreht. 

Wie spektakulär eine solche Landung sein kann, zeigt folgendes Video.

Auch Nebel ist für Pilotinnen und Piloten eine Herausforderung. Am schlimmsten seien jedoch Eis und Schnee, sagt der Pilot gegenüber dem amerikanischen Reiseportal, der im Berufsalltag eine Boeing 787 für eine internationale Fluggesellschaft fliegt und dabei nach eigenen Aussagen schon jedes Wetter erlebt hat. 

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Verschmutztes Flugzeug ist größte Gefahr

Ist Winterwetter angesagt, beginnt die Kopfarbeit schon auf dem Weg zum Flughafen, sagt er. Wie stark ist der Schneefall? Welche Art Schnee ist es? Wie ist die Temperatur? Wie stark ist der Wind? All diese Fragen müssen vor dem Abflug geklärt und einberechnet werden.

Die größte Gefahr ist aber die Verschmutzung der Tragflächen, erklärt der Pilot. Denn jedes Flugzeug braucht für den Auftrieb beim Start einen Luftstrom über den Tragflächen. Ohne den ist das Fliegen nicht möglich. Die Motoren sind lediglich für die Vorwärtsbewegung zuständig. 

Damit das Flugzeug sicher abheben kann, berechnen Pilotinnen und Piloten vor jedem Abflug die Geschwindigkeit, die dafür benötigt wird. Und die basiert auf sauberen Flügeln ohne Eis und Schnee. Ein nicht vernünftig enteistes Flugzeug kann also katastrophale Folgen haben. 

Vor dem Abflug checkt jede Pilotin und jeder Pilot das Flugzeug bei einem Kontrollgang. Manchmal müssen sie auch durch die Kabinenfenster schauen, um die Tragflächen von oben sehen zu können. Wundere dich also nicht, wenn dir jemand mit Kapitänsmütze vor dem Abflug über die Schulter schaut. Der Blick aus dem Fenster ist ein gutes Zeichen!

Im Winter müssen Flugzeuge regelmäßig enteist werden.

Enteist werden kann entweder mit abgestellten Triebwerken direkt am Gate oder mit Laufenden an einem separaten Ort. Das hängt wiederum vom Flughafen ab und ob dieser Enteisungsanlagen hat oder nur Lkw, die das übernehmen. Meist gibt es solche Anlagen an Flughäfen in Regionen, wo es häufiger mal schneit. Es ist eine Platz- und Kostenfrage. 

Am Münchner Flughafen sind „Eisbären“ im Einsatz

Am Flughafen München gibt es beispielsweise die sogenannten „Eisbären“ der EFM, einer Tochtergesellschaft der Lufthansa. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enteisen bis zu 15.000 Flugzeuge jährlich und pro Schicht sind bis zu 190 „Eisbären“ im Einsatz. Das Enteisungsmittel wird hier sogar im Anschluss wieder gesammelt und samt des geschmolzenem Schnee und Eis wiederaufbereitet. Montags versprühtes Enteisungsmittel kann so schon donnerstags wieder genutzt werden, schreibt der Münchner Flughafen auf seiner Internetseite

Der Winterdienst am Flughafen München ist unerlässlich. Bis zu 190 Menschen arbeiten hier pro Schicht.

Das Enteisen kann schon nach wenigen Minuten erledigt sein, aber auch mal eine halbe Stunde dauern. Die Zeit kann zwar Anschlussflüge kosten, ist für die Sicherheit aber unerlässlich, betont der Pilot. Und dann tickt die Uhr: Die sogenannte „Haltezeit“ gibt an, wie viel Zeit vorhanden ist, um zu starten, bevor wieder enteist werden muss.

Da kann es schon mal passieren, dass das Taxi zur Startbahn nicht schnell genug ist oder es einfach zu stark schneit und das Flugzeug zum erneuten Enteisen umkehren muss. Apropos Startbahn: Auch die kann bei Schneestürmen vereist und natürlich zugeschneit sein.

Schnee entscheidet, wie rutschig es ist

Hier ist laut dem Piloten entscheidend, ob der Schnee trocken oder matschig ist. Übrigens haben Flugzeuge keine Winterreifen und können nicht wie Autos einfach langsamer starten oder landen. Was bei Autos und Flugzeugen aber gleich ist: Je feuchter der Schnee ist, desto rutschiger wird es. Und gerade bei Schneestürmen an der Ostküste der USA sei der Schnee oft sehr feucht. 

Der Winterdienst der Flughäfen räumt und enteist die Start- und Landebahnen in diesem Fall. Währenddessen prüfen Pilotinnen und Piloten ständig, ob ihre Berechnungen für die Leistung, die zum Start nötig ist, noch stimmen. Erst wenn alles sicher ist, teilen sie dem Tower ihre Abflugbereitschaft mit. Und dann steht auch einem erfolgreichen Start bei Winterwetter nichts mehr im Weg.