Den hohen Norden der irischen Insel erkunden bisher vergleichsweise wenige Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland. Nach Angaben von Nordirlands Tourismus-Chef Niall Gibbons reisten 2019 rund 65.000 deutsche Besucherinnen und Besucher an. Heißt: Weniger als 0,5 Prozent der Reisen aus Deutschland führten dorthin.

Ab April 2023 erwartet die Tourismus-Branche jedoch eine Steigerung des Reise-Anteils, denn dann startet die erste direkte Flugverbindung von Deutschland nach Nordirland. Die Lufthansa fliegt ab dem 23. April viermal pro Woche von Frankfurt nach Belfast.

Für Urlauberinnen und Urlauber reduziert sich die Anreisedauer mit dem Direktflug von derzeit knapp fünf Stunden mit Zwischenstopp auf zweieinhalb Stunden. Damit rückt die nordirische Hauptstadt mit rund 250.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auch als Ziel für einen spontanen Städtetrip in Reichweite. Doch was hat Belfast eigentlich zu bieten? Der reisereporter stellt die Highlights der nordirischen Hauptstadt vor.

1. Lausche der Kultur der „City of Music“

Blues-Legende Van Morrison und die Band Snow Patrol sind nur zwei von vielen Beispielen für herausragende Musik-Talente, die Belfast hervorgebracht hat. Ob E‑Gitarre, Geige oder Dudelsack: Die Stadt weist von traditioneller Musik bis zu aktuellen Welthits ein immenses Klang-Spektrum auf, das sich weltweit hören lassen kann.

Die Band Snow Patrol mit Frontmann Gary Lightbody spielt ein Konzert in der Waterfront Hall.

Die kulturelle Bedeutung und das Potenzial der Musik für die Entwicklung von Belfast erkannte 2021 auch die Unesco und kürte die Hauptstadt offiziell als „City of Music“.

Für Snow-Patrol-Frontmann Gary Lightbody eine längst überfällige Auszeichnung. „Musik ist mit der DNA von Belfast verwoben. Der Titel ehrt den gigantischen Einsatz der gesamten Musikszene, die viel dazu beigetragen hat, die dunkelsten Zeiten hinter sich zu lassen“, so der Sänger mit Blick auf den Nordirland-Konflikt und die damit einhergehenden tödlichen Bombenanschläge der IRA in den 70er-Jahren. 

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Die großen Konzerte werden in Belfast in der SSE-Arena, in der Ulster Hall und in der Waterfront Hall gespielt. Den authentischen Sound von Belfast bekommen Touristinnen und Touristen aber auch bei einem der vielen Live-Auftritte in den kleinen Pubs aufs Ohr.

2. Mit dem Black Taxi zu den Friedensmauern

Die blutigen Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland forderten zwischen 1969 und 1998 mehr als 3500 Todesopfer. In den Straßen von Belfast gab es lange bürgerkriegsähnliche Unruhen, die am 21. Juli 1972 in einer Anschlagsserie der katholischen Untergrundorganisation IRA mit 21 Bombenexplosionen gipfelten.

Die sogenannte Peace Wall am Cupar Way trennt einen katholisch geprägten Stadtteil vom protestantischen Gegenüber.

Nach dem Ende des schrecklichen Bürgerkrieges und der Trennung der Stadt in zwei Lager wandelte sich Belfast allmählich in eine pulsierende Kulturmetropole. Doch die alten Wunden sind vielerorts noch immer sichtbar. Zum Beispiel an den sogenannten Friedensmauern, die katholische und protestantische Siedlungsgebiete bis heute voneinander trennen. Die bekannteste steht zwischen den Straßen Shankill und Falls Road – Beton, Wellblech und ein Zaun türmen sich dort zu einer zwölf Meter hohen Trennlinie, die auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Konfliktes fortbesteht.

Dieses Mural zeigt einen Jungen mit Gasmaske und Molotow-Cocktail. Das Kunstwerk thematisiert die CS-Gas-Angriffe der britischen Armee im Jahr 1969.

Hinter den Mauern fühlen sich viele Menschen in Belfast bis heute noch immer sicherer. Dabei erfüllen die „Peace Lines“ inzwischen nur noch symbolische und touristische Zwecke. Die Fahrerinnen und Fahrer der berühmten Black Taxis bieten Touren an und erklären die unterschiedlichen Sichtweisen hinter den Murals und Graffiti anhand persönlicher Erfahrungen.

Das berühmte Loyalist Mural an der Falls Road: Für Touristinnen und Touristen bieten die Schwarzen Taxis Rundfahrten an.

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Auch wenn einem beim Anblick ein Schauer über den Rücken läuft, führt bei einem Städtetrip in Belfast kein Weg an einer Besichtigung der Friedensmauern vorbei.

3. Pub-Kultur: Hier schmeckt der Whiskey am besten

Ganz gleich, ob Katholik oder Protestant: In den Pubs feiern und trinken die Menschen in Belfast heutzutage fröhlich durch die Nächte – und von den Geschichten der Gästinnen und Gäste lernen Touristinnen und Touristen beim Genuss eines Guinness-Bieres oder eines irischen Whiskeys manchmal mehr als bei einer geführten Stadtrundfahrt.

Der kultigste Pub in Belfast: The Crown an der Great Victoria Street.

Fast jede der historischen Kneipen blickt auf eine spannende Geschichte zurück. Die Einrichtung mancher uriger Spelunke gleicht einem kleinen Museum. So können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel im Saloon des Robinsons einen ganz besonderen Stammgast treffen: die berühmte „Philomena Doll“ – eine Puppe, die aus dem Wrack der „Titanic“ geborgen wurde.

Der berühmteste Pub in Belfast ist The Crown – das Kronenmosaik im Eingang ließ der katholische Besitzer Ende des 19. Jahrhunderts widerwillig auf Wunsch seiner protestantischen Ehefrau anlegen. Die Einrichtung mit handgeschnitzten Holzvertäfelungen, zehn gemütlichen Séparées und Buntglasfenstern erinnert an eine kleine Kathedrale.

Zu den beliebtesten Kneipen zählen außerdem der Morning Star, das John Hewitt und White’s Tavern, die auch einen Club beherbergt. Wer es weniger geschichtsträchtig mag, findet im Cathedral Quarter auch Kneipen für das jüngere Publikum, zum Beispiel die Rooftopbar Babel.

4. Titanic-Museum: Auf den Spuren der Katastrophe

Die einen sagen, es sei ein Must-see, die anderen behaupten, es sei überbewertet und zu touristisch: das Titanic-Museum ist die größte Attraktion des Landes. Schließlich fand die Geschichte der „Titanic“ ihren Anfang im Hafen von Belfast, wo das damals größte Schiff der Welt auf der Werft von Harland & Wolff gebaut wurde.

Im Titanic-Museum können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel diesen Nachbau eines Rettungsbootes besichtigen.

Wer die Geschichte des am 14. April 1912 gesunkenen Schiffs nachempfinden will, sollte auf jeden Fall herkommen. Außerdem kann man die „SS Nomadic“ besichtigen, das Tender-Boot, das die Passagiere einst zur „Titanic“ brachte. Besucherinnen und Besucher können außerdem das zum Museum umgebaute Kriegsschiff „HMS Caroline“ aus dem Ersten Weltkrieg und das Trockendock der „Titanic“ besichtigen.

5. „Game of Thrones“: Ein Blick in die Studios

Für Fans der Erfolgs-Serie „Game of Thrones“ ist ein Besuch der offiziellen Filmstudios in Belfast Pflicht – nirgendwo sonst kommt man den sieben Königreichen näher. Die interaktive Ausstellung zeigt auf 110.000 Quadratmetern Original-Kostüme, Requisiten und Kulissen.

Auch die Pubs, Geschäfte und Restaurants schwimmen auf der Erfolgs-Welle mit und bieten zum Beispiel „Game of Thrones“-Burger oder Escape-Rooms mit „Game of Thones“-Themen an.

Die zehnjährigen Dreharbeiten haben in ganz Nordirland Spuren der Erfolgsserie hinterlassen, zum Beispiel von Winterfell, den Eiseninseln, der Küste von Dorne sowie von den Flusslanden und dem Königsweg. Für Touristinnen und Touristen gibt es eigens dafür konzipierte Bustouren, die in Belfast starten.

6. City Hall, Queens University und Belfast Castle

Die City Hall, das prächtige Rathaus im Zentrum von Belfast, wurde 1906 im Auftrag von Königin Victoria errichtet und zählt zu den schönsten Monumenten der Stadt.

Imposante Architektur: Das viktorianische Rathaus von Belfast.

Bei einer Besichtigung können sich Besucherinnen und Besucher zum Beispiel von der mächtigen Treppe, vom festlichen Bankett-Saal sowie von etlichen Statuen und Denkmälern beeindrucken lassen, darunter das Titanic-Denkmal und ein Abbild von Queen Victoria im Rathaus-Garten. In einem Museum wird außerdem die turbulente Geschichte Belfasts illustriert. Im Winter dient der schöne Renaissance-Bau außerdem als Kulisse für einen Weihnachtsmarkt.

Queens University: Lehrstätte für 25.000 Studierende

Ein ebenso schönes Gebäude – wenn auch nicht ganz so prächtig – ist die Queens University. An der renommierten Lehrstätte sind rund 25.000 Studierende eingeschrieben.

Ein weiteres Gebäude aus der Zeit von Königin Victoria: Die Queens-Universität.

Rund um das 1849 errichtete Queens College ist im Laufe von 170 Jahren eine riesige Uni-Anlage entstanden. Montags bis freitags werden mehrmals am Tag rund 90 Minuten lange Führungen für Reisende und Studierende angeboten. 

Der Katzengarten am Belfast Castle 

Zu den Wahrzeichen von Belfast zählt auch das Belfast Castle. Das 1870 errichtete Mini-Schloss erinnert an das schottische Balmoral und liegt etwas außerhalb am Cave Hill im Norden der Stadt.

Das Belfast Castle liegt etwas außerhalb der Stadt. Vom schönen „Cat Garden“ aus eröffnet sich ein wunderbarer Ausblick auf die umliegende Landschaft.

Der liebevoll gepflegte „Cat Garden“ bietet gleich zwei tolle Anblicke: die weite Aussicht bis nach Schottland und etliche katzenförmige Mosaiken, Hecken und Statuen. Einer Legende nach soll die Anwesenheit von Katzen den Besucherinnen und Besuchern des Schlosses Glück bringen.

Vom Belfast Castle startet ein rund sieben Kilometer langer Rundwanderweg auf dem Cave Hill, von dem man einen tollen Ausblick auf Belfast und auf „Napoleons Nose“ hat – der mächtige Felsen soll Jonathan Swift zu seiner Erfolgs-Novelle „Gullivers Reisen“ inspiriert haben.