Eigentlich ist Richerenches mit seinen nicht einmal 700 Einwohnerinnen und Einwohnern ein eher verschlafener kleiner Ort. Zwar liegt er sehr malerisch – umgeben von Weinstöcken, Olivenbäumen, Trüffeleichen und Lavendelfeldern, zwischen denen Zypressen in den meist blauen Himmel ragen –, aber viel los ist hier nicht.

Das ändert sich spätestens im November, dann findet bis Mitte März an jedem Samstag von 9 bis 13 Uhr der größte Trüffelmarkt der Welt statt.

Trüffel gelten in der Provence auch als schwarze Diamanten. Die Saison dauert hier von Mitte November bis Mitte März.

Februar und März sind die besten Trüffelmonate

Trüffel gehören für viele Französinnen und Franzosen genauso zum Weihnachtsfest wie Foie gras und Austern. Die Geschäfte laufen deshalb kurz vor Weihnachten besonders gut. Doch eigentlich ist es gar nicht die beste Zeit, um die wertvolle Delikatesse zu kaufen.

„Im Februar und März haben die Trüffel viel mehr Aroma“, verrät Händlerin Myriam Vigne, die ihren Stand an der Avenue de la Rabasse hat. Und sie gibt auch gleich noch einen Tipp: „Kaufen Sie die Trüffel dann und frieren Sie sie gemeinsam mit ein wenig Reis ein. Der verhindert, dass Feuchtigkeit die Trüffel ruiniert.“

Der Besuch des Marktes lohnt sich aber auch vor Weihnachten auf jeden Fall. Denn außer Trüffeln gibt es jede Menge provenzalische Delikatessen wie etwa Oliven und Lavendelhonig und sogar Setzlinge von Trüffeleichen.

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Beim Trüffelmarkt von Richerenches gibt es auch jede Menge andere provenzalische Spezialitäten.

Profihändlerin ist für ihre gute Nase bekannt

Nur eine Straßenecke weiter treffen sich professionelle Händler und Trüffelzüchterinnen und -züchter oder -suchende, die ihre Waren zum Verkauf anbieten. Zu ihnen gehört seit 30 Jahren auch eine Frau: Catherine Mure war die erste Französin, die den Beruf der Trüffelhändlerin wählte – und so in fünfter Generation die Familientradition fortführte.

Sie ist bekannt für ihre gute Nase und das besondere Gespür für eine hohe Qualität. Zu ihren Kunden zählen deshalb Gastronomen und Sterneköche aus Frankreich, aber auch Deutschland, Italien und Spanien.

Catherine Mure war die erste Profitrüffelhändlerin in Frankreich. Sie kommt jede Woche zum Trüffelmarkt von Richerenches, bietet aber auch Trüffeldegustationen in dem kleinen Ort an.


Qualität und Preise der Trüffel können sehr unterschiedlich sein. „Heute habe ich Trüffel für 100 bis 800 Euro pro Kilo gekauft“, berichtet die 56-Jährige, die auch Degustationen anbietet, „im Weiterverkauf werden sie dann zwischen 300 und 1300 Euro pro Kilo kosten“.

Wer mehr über den edlen Pilz und seine Geschichte erfahren will, hat dazu im Trüffelmuseum an der Place de l’église (Eintritt frei) die Chance. Gegenüber befindet sich Volabis. In dem kleinen Delikatessengeschäft gibt es ganzjährig Trüffelprodukte wie Salz, Öl und Essig, Pasteten und mehr.

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Mit dem Trüffelzüchter auf die Suche gehen

Nur wenige Kilometer von Richerenches entfernt bietet Trüffelzüchter Christian Mérin an, mit ihm und seinen Hunden selbst auf die Suche nach dem „schwarzen Diamanten“ zu gehen. Seit drei Generationen pflanzt seine Familie weiße und grüne Eichen auf ihrem Land vor Valréas an. „Die Bäume können etwa 45 Jahre lang Trüffel produzieren“, sagt der Experte. Seit einigen Jahren wirke sich allerdings der Klimawandel negativ auf die Ernte aus. Es regnet zu wenig.

Trüffelzüchter Christian Mérin nimmt Reisende bei Richerenches in der Provence mit zur Suche nach dem Edelpilz.

Santons haben lange Tradition

Das gilt in der Region auch für Oliven, wie Denis Voeux weiß, der bei Séguret damit handelt. Der 61-Jährige ist aber vor allem für eine andere Profession bekannt. Er ist einer von rund 200 Santonniers, die es heute noch im Land gibt. Das heißt, er fertigt Santons, kleine Krippenfiguren aus Ton, an.

Denis Vœux ist einer von noch rund 200 Santonniers in der Provence, die noch Santons, die traditionellen Krippenfiguren, fertigen.


Die haben in der Provence eine lange Tradition. Als während der französischen Revolution die Kirchen geschlossen blieben, begannen die Provenzalen und Provenzalinnen damit, daheim Krippen aufzustellen. „Die Menschen fertigten die Figuren dafür aus allem , was zu bekommen war, zum Beispiel Pappe, Brotkrumen und Keramik“, berichtet Voeux. Nach und nach entwickelte sich daraus ein wirklicher Beruf.

Der Santonnier Denis Vœux lädt Interessierte gern dazu ein, sich in seiner Werkstatt in Séguret ein Bild von seinem traditionellen Handwerk zu machen.

Krippen zeigen auch das Dorfleben

Im Gegensatz zu anderen Krippen gehören zu der provenzalischen Version heute nicht nur die heilige Familie, die drei Könige und ein paar Tiere. Es ist vor allem üblich, auch Figuren aufzustellen, die das ganz normale provenzalische Dorfleben widerspiegeln – vom Hirten über den Winzer bis zum Lavendelbauern.

Für viele Provenzalinnen und Provenzalen gehören Krippen zu Weihnachten. Im Dezember gibt es deshalb auch Ausstellungen in der Region – zum Beispiel in Carpentras.


Voeux fertigt seine Santons nach dem Vorbild wirklicher Personen an. „Natürlich bitte ich sie als Erstes um ihre Erlaubnis“, sagt er. „Pourquoi pas?“, „Warum nicht?“, lautet dann oft die bescheidene Antwort. In Wahrheit sind die Dorfbewohnerinnen und -bewohner aber mächtig stolz darauf, dass der Santonnier sie so verewigt.

„Viele von ihnen haben so eine Reise zu vielen Orten auf der Welt angetreten, obwohl sie das Dorf nie verlassen haben“, sagt er. Im Gepäck der Kundinnen und Kunden aus der ganzen Welt. Die können sich die kleinen Figuren sogar ganz individuell nach ihrem Vorbild anfertigen lassen – für 200 Euro.

Santons sind bei Messe erhältlich

Ansonsten sind Santons schon für wenige Euro zu haben. Zum Beispiel bei der Santonmesse in Carpentras, die jeden Dezember in der Chapelle du Collège (21 Rue du Collège) stattfindet. Im städtischen Tourismusbüro (97 Place du 25 Août) ist außerdem eine mehr als 20 Quadratmeter große Krippe ausgestellt, die jedes Jahr einem besonderen Thema gewidmet ist.

In der Chapelle des Célestins in Avignon gibt es jedes Jahr im Dezember einen kleinen Weihnachtsmarkt, bei dem auch eine große Krippe zu sehen ist.


Eine weitere steht in der Chapelle des Célestins in Avignon (Place de Corps Saints). Sie ist das Zentrum eines kleinen, aber feinen weihnachtlichen Marktes in der ehemaligen Kirche. Nebenan lohnt sich ein Besuch in L‘Artyshop, einem Markt, bei dem die 21 Künstler des Kollektivs Le Cartel in jedem Dezember ihre Werke ausstellen und verkaufen.

Die 21 Künstlerinnen und Künstler des Kollektivs Le Cartel bieten in jedem Dezember ihre Werke in L'Artyshop in Avignon an.

Innenstädte sind festlich geschmückt

Wie viele andere provenzalische Städte ist auch Avignon mit seinen rund 91.000 Einwohnerinnen und Einwohnern weihnachtlich geschmückt. Wenn es dunkel wird, ist es besonders schön, durch die festlich beleuchteten Gassen zu schlendern und die Auslagen der vielen kleinen Boutiquen und Delikatessenläden zu bewundern. Der ideale Ort, um individuelle Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Auch in der Chocolaterie von Aline Géhant in Avignon gibt es im Dezember Trüffel – allerdings aus Schokolade.

Trüffel als süße Versuchung

In ihrer Chocolaterie (15 Rue des Trois Faucons) bietet Aline Géhant eine weitere typisch französische Spezialität an: Papillotes, feine Schokoladenpralinen in fransiger Goldfolie, die es nur zur Weihnachtszeit gibt. Sie gehören für viele genauso zum Fest wie Trüffel, die hier im Dezember natürlich auch erhältlich sind – allerdings aus Schokolade.

Tipps für deine Reise in die Provence

Anreise: Mit dem TGV nach Avignon in der Provence, dann weiter mit lokalen Zügen. Mit dem Auto ist die Region auf der Autobahn 7 (Autoroute du Soleil) erreichbar. Der nächste größere Flughafen liegt in Marseille. Fahrtzeit bis dahin: etwa eine Stunde.

Unterkünfte:Hôtel des Florêts: Romantisches Landhotel im Wald mit Blick auf die Berge und erstklassigem Restaurant (1243 Route des Florêts, 84190 Gigondas).
Hôtel de Cambis: Modernes, stylisches Stadthotel mitten in der Innenstadt (89 Rue Joseph Vernet, 84000 Avignon).

Attraktionen:Santonnier Denis Voeux, 1471 Route de Vaison, 84110 Séguret.
Pépinières Christian, Route d’Orange, Quartier Turtaire, 84600 Valréas.
Catherine Mure bietet Trüffeldegustationen auf Anfrage an.

Die Reise wurde unterstützt von Vaucluse Provence Attractivité. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.