Seine erste große Skultpur war ein riesiges rosa Pony, doch dazu später mehr. Der Künstler Thomas Dambo ist mittlerweile weltweit bekannt für seine großen Holztrolle, die er aus Recycling-Material baut. Der erste entstand im Jahr 2014 auf der dänischen Insel Mors und bekam den Namen Jack Lumber. Ein passendes Wortspiel, ist doch Lumberjack das englische Wort für Holzfäller.

Viele weitere Troll-Skulpturen folgten, nicht nur in Dänemark, sondern auf der ganzen Welt – von Deutschland über Südkorea bis in die USA.

Seine neuesten Holzgiganten hat Dambo auf der Insel Sentosa vor Singapur errichtet. Dazu wurden mehr als fünf Tonnen wiederverwertbares Holz verwendet, das von lokalen Unternehmen für das Projekt gespendet wurde. Ähnlich wie bei seinen anderen Projekten geht es dem Recycling-Künstler aus Kopenhagen auch bei den Trollen auf Sentosa darum zu zeigen, dass aus alten, scheinbar wertlosen Dingen wieder neue schöne Sachen erschaffen werden können.

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Außerdem sind seine Skulpturen auch nicht auf irgendwelchen öffentlichen Plätzen oder in Museen zu finden, sondern in der Natur, und sie sollen auch mit dieser verschmelzen. Dazu veröffentlicht Dambo zu seinen Troll-Projekten jeweils immer eine Schatzkarte, mit deren Hilfe Reisende die Skulpturen finden können – und, so hofft der Künstler, die Orte nicht nur der Reihe nach abfahren, sondern auf eine Entdeckungsreise durch die Natur gehen.

Dambo verwendet auch andere Materialien, wie hier einen alten Container, für seine Skulpturen.

Jugend prägt Thomas Dambo und liefert ihm Motivation

Thomas Dambo, der mit bürgerlichem Nachnamen Winter heißt, lernte schon während seiner Schulzeit viel darüber, wie man aus alten Materialien wieder neue Dinge erschaffen kann. Diese Erfahrungen prägen große Teile seiner Arbeit bis heute, wie er in einem Interview mit dem „Sydney Morning Herald“ verriet.

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Seine Eltern hatten ihn damals auf eine kleinere Schule auf dem Land geschickt, nachdem ein Lehrer ihn wegen angeblich schlechten Verhaltens bestraft hatte. Sein Künstlername bezieht sich darauf: Dambo kreierte er aus der Abkürzung DAMP (Deficits in attention, motor control and perception) – in Deutschland bekannt unter der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die bei ihm diagnostiziert wurde.

Thomas Dambo steht neben einem seiner Holztrolle, den er in den USA errichtet hat.

Der heute 42-Jährige hat in seinem Leben vieles erlebt: Er gehörte eine Zeit lang zur dänischen Hip-Hop- und Graffiti-Szene und entwickelte daraus sein erstes größeres Recycling-Projekt, bei dem er Vogelhäuschen baute, bemalte und sie in der Stadt aufhängte. Aus seiner Zeit in dieser Szene kam auch die Idee für das anfangs erwähnte riesige rosa Pony.

Damals sprach er mit einem Freund darüber, dass sich Frauen wenig für sie interessieren würden. Ihre Lösung: etwas bauen, das Frauen gefällt. Dass daraus dann ein ein rosa Riesen-Pony wurde, schiebt Dambo gegenüber dem „Sydney Morning Herald“ im Nachhinein darauf, dass er wohl während des Gesprächs nicht mehr ganz klar im Kopf war. Gebaut hat er es trotzdem, und entdeckte dabei seine Liebe für große Skulpturen.

Viele Jahre später ist er für diese Liebe schon um die ganze Welt gereist und erschuf mit dem Holzwesen auf Sentosa seine 99. große Troll-Skulptur.

Troll Nummer 100 ist schon in Planung

Der hundertste Troll soll etwas ganz Besonderes werden. Thomas Dambo und sein Team planen, Anfang des Jahres 2023 weitere Informationen zu veröffentlichen. So viel sei aber schon mal verraten: Der genaue Standort des Trolles wird geheim bleiben. Wer ihn finden will, muss wie bei jedem der bisherigen Holztrolle an einer Schatzsuche teilnehmen – doch dieses Mal soll die Schatzsuche weltweit stattfinden.

Bei 100 Troll-Skulpturen wird jedoch nicht Schluss sein. Dambo plant, in den kommenden Jahren weitere Giganten aufzustellen, wahrscheinlich viele davon in den USA und Dänemark, wie er auf Anfrage verriet. Seine Kunstwerke sind vergänglich, das Holz verrottet und verfällt, irgendwann holt die Natur es sich zurück. Für ihn ist das jedoch kein Problem. 

Die Holztrolle werden immer an unberührten Orten in der Natur aufgestellt.

„Warum sollte ich als Recycling-Künstler also Skulpturen bauen, die ewig halten? Wer bin ich, dass ich sagen kann, dass die Menschen in der Zukunft immer noch Kunst betrachten sollten, die ich im Jahr 2022 geschaffen habe? Ich hoffe, dass es in der Zukunft neue Künstler geben wird, die neue Werke schaffen und relevante Dinge über ihre Zeit zu sagen haben“, ist sein markanter Schlusssatz in dem Interview mit dem „Sydney Morning Herald“.