Im weihnachtlichen Trubel rund um den Familienbesuch, das Festessen und die Geschenke gerät schon mal in Vergessenheit, dass die Ursprünge des wichtigsten Festes nicht beim Weihnachtsmann am Nordpol, sondern im heutigen Israel zu finden sind.

Bei einer Tour durch das „Heilige Land“ können Reisende etliche Belege aus der Zeit von Jesus von Nazareth besichtigen – im Winter bei frühlingshaften Temperaturen bis zu 16 Grad. Der reisereporter stellt Israels heilige Highlights vor.

1. Eine göttliche Botschaft für Maria und Josef

Schwangerschaftstests gab es vor rund 2000 Jahren natürlich noch nicht. Von der bevorstehenden Geburt ihres Sohnes soll Maria, die dem Lukas-Evangelium zufolge mit ihrem Verlobten Josef in einer Grotte in Nazareth gelebt hat, stattdessen bei einem persönlichen Besuch von Erzengel Gabriel erfahren haben.

„Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen“, lautete die göttliche Nachricht an die Jungfrau.

Die Verkündigungsbasilika in Nazareth.

So weit, so ungewöhnlich. Doch die wichtigste Info hatte sich der Erzengel für das Finale seines Auftritts in der Grotte ausgespart: Bei ihrem Sohn werde es sich um nicht weniger als den Sohn Gottes handeln. „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“, teilte der Botschafter laut Bibel mit.

Die vielleicht ebenso freudige wie verstörende Information für die Jungfrau und ihren Verlobten ist aus heutiger Sicht das erste Kapitel der Weihnachtsgeschichte. Zur Huldigung der bedeutsamen Grotte in Nazareth wurde in der damaligen Siedlung im vierten Jahrhundert nach Christus eine Kirche errichtet, die in der von Krieg und Verwüstung geprägten Regionalgeschichte aber mehrmals zerstört wurde.

Der untere Altarraum in der Verkündigungsbasilika in Nazareth: Hier soll Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschienen sein.

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Die heutige „Verkündigungsbasilika“ stammt aus dem 18. Jahrhundert, wurde später erweitert und 1955 mit einem prächtigen Neubau ersetzt. In der Katholischen Kirche gilt die Verkündigungskirche als einer der bedeutsamsten Orte in der Bibelgeschichte. Drei Päpste haben sie in den vergangenen Jahrzehnten besucht.

Auch Besucherinnen und Besucher können die Kirche – sofern nicht gerade eine Messe gefeiert wird – besichtigen. Auch die „heilige Grotte“ ist tagsüber kostenlos zugänglich.

2. Die Geburtskirche in Bethlehem

Bei jeder Weihnachts-Aufführung, in jeder Krippe und in den meisten Erzählungen über die Geburt von Jesus Christus dürfen sie nicht fehlen: Ochse und Esel. Doch ob der „Heiland“ tatsächlich so märchenhaft in einem Stall geboren wurde, gilt in der Wissenschaft als zweifelhaft, denn in der Bibel gibt es dafür keinen konkreten Hinweis.

Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass Jesus nach der Ankunft von Maria und Josef in Bethlehem in einer von vielen Höhlen geboren wurde, in denen die Menschen zur damaligen Zeit lebten.

Besucherinnen und Besucher drängen sich vor der Geburtsgrotte in der Geburtskirche in Bethlehem. Sie ist die älteste, ununterbrochen genutzte Kirche im „Heiligen Land“.

Bei einem Besuch der vermeintlichen Geburtsstätte von Jesus in der Geburtskirche in Bethlehem werden Reisende also keinen Stall vorfinden, sondern lediglich einen Verschlag, der Teil der „Geburtshöhle“ sein soll.

Die kleine Nische befindet sich exakt auf der Mittelachse der Basilika, deren Ursprungsbau auf das Jahr 135 nach Christus zurückgehen soll.

Sie wurde 1717 von der römisch-katholischen Kirche mit einem silbernen Stern und der Inschrift „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est“ („Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren“) verziert – ein Bezug auf das Matthäus-Evangelium.

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In dieser Grotte in Bethlehem soll das Jesuskind zur Welt gekommen sein. Eine christliche Pilgerin berührt die heilige Stätte in der Geburtskirche.

In der Geburtskirche darf jede Besucherin und jeder Besucher einen kurzen Blick in die bodentiefe Nische werfen und sie auch berühren. Allerdings muss man angesichts des hohen Andrangs Wartezeit in Kauf nehmen – schließlich zählt der Ort zu den wichtigsten Wallfahrtszielen von weltweit 2,2 Milliarden Christinnen und Christen.

3. Der Berg am See Genezareth

Über die Kindheit und Jugend von Jesus von Nazareth ist in der Bibel nur wenig überliefert. Der Beginn seines „öffentlichen“ Lebens soll mit der Bergpredigt auf dem heutigen „Berg der Seligpreisungen“ zwischen Tabgha und Kapernaum am See Genezareth begonnen haben.

„Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie“, heißt es im Matthäus-Evangelium.

Vom Außengelände der „Kirche der Seligpreisung“ blickt man auf den See Genezareth.

An die wichtige Lebensstation von Jesus erinnern heute ein Kloster und eine schöne römisch-katholische Kirche, deren Terrasse auch ein beliebter Aussichtspunkt ist. Die raue Wüstenlandschaft und die Wallfahrtsorte am 21 Kilometer langen See Genezareth werden jährlich von etwa einer Millionen Touristinnen und Touristen besichtigt.

4. Der Taufort am Fluss Jordan

Am Ufer des Flusses Jordan im Grenzgebiet zum heutigen Jordanien soll Jesus getauft worden sein – die „Erscheinung des Herrn“ („Epiphanias“) zählt zu den wichtigsten Festen der christlichen Kirche.

Gedenkstätte Al-Maghtas am Fluss Jordan: Hier soll Johannes der Täufer Jesus getauft haben.

Wissenschaftlich ist bis heute nicht belegt, wo genau Jesus getauft wurde. Archäologinnen und Archäologen haben auf dem Gelände nördlich des Toten Meeres aber mehrere Stätten zur Huldigung der Taufe entdeckt, darunter eine Kirche zu Ehren von Johannes dem Täufer. Alte Taufbecken, Wasserleitungen und Pilgerunterkünfte weisen außerdem darauf hin, dass in dem Bereich über lange Zeit Taufen durchgeführt wurden.

Die Fundstätte „Al-Maghtas“ zählt seit 2015 zum Weltkulturerbe der Unesco und ist Ziel von jährlich Tausenden Pilgerfahrten aus aller Welt. Während des Sechs-Tage-Krieges hat die iraelische Armee das Gelände vermint – inzwischen ist das Areal aber weitestgehend für Touristinnen und Touristen freigegeben.

5. Der Berg der Versuchung in Jericho

An einem Hügel in Jericho haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 12.000 Jahre alte Siedlungsspuren entdeckt und damit nachgewiesen, dass die Stadt zu den ältesten der Welt zählt. Die Besichtigung der Ausgrabungsstätte wäre für einen Besuch also schon Grund genug. Doch noch berühmter ist die biblische Stadt für eine weitere Erhebung: den „Berg der Versuchung“.

Eine Seilbahn-Gondel fährt in Jericho auf den „Berg der Versuchung“: Die darunter liegende Ausgrabungsstätte belegt, dass Jericho eine der ältesten Städte der Welt ist.

In der Wüste von Jericho, gelegen im heutigen Westjordanland, hat Jesus laut Bibel 40 Tage gefastet, als der Teufel erschien. Dreimal soll das verkörperte Böse versucht haben, den „Heiland“ mit Versuchungen von Gott abzubringen. Doch der „Gottessohn“ widerstand laut Matthäus-Evagelium mit den Worten: „Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“

Ein Mönch schreitet durch das Qarantal-Kloster auf dem „Berg der Versuchung“ in Jericho.

Zu Ehren des festen Gottesglaubens Jesu errichteten griechisch-orthodoxe Mönche das Bergkloster Qarantal. Besucherinnen und Besucher können mit einer Seilbahn auf den Gipfel fahren. Die Gondeln starten an der Talstation, die neben der erstgenannten Ausgrabungsstätte liegt, in einer Höhe von 230 Metern unter dem Meeresspiegel und erreichen den Gipfel in minus 50 Metern. Damit ist sie die längste Seilbahn unterhalb des Meeresspiegels.

6. Der Ort des Wein-Wunders

Wenn die Geschichte stimmt, entpuppte sich Jesus in Kana nicht nur als Wunder-Vollbringer, sondern auch als beliebtester Hochzeitsgast der Menschheitsgeschichte.

Am angeblichen Ort des „Wein-Wunders“ in Kafr Kana wurde eine griechisch-orthodoxe Kirche errichtet.

Der „Sohn Gottes“ soll mit seiner Mutter Maria und seinen Jüngern laut Neuem Testament einer Hochzeitsfeier beigewohnt haben, als dem frisch vermählten Ehepaar plötzlich der Wein ausging. Um die Party zu retten, soll Jesus kurzerhand sechs rituelle Krüge mit jeweils mindestens 80 Litern Wasser bestellt und in Wein verwandelt haben. Kein Wunder also, dass die römisch-katholische Kirche am vermeintlichen Ort des Geschehens, in der Stadt Kafr Kana im Norden Israels, 1883 ein Gotteshaus errichtet hat.

Ob die „Hochzeitskirche“ im heutigen Dorf Kafr Kana tatsächlich am biblischen Ort steht, ist umstritten. Jüngste Ausgrabungen lassen vermuten, dass das biblische Kana einige Kilometer weiter nördlich gelegen haben könnte. Doch auch drei weitere Orte beanspruchen den Ort des „Wein-Wunders“ für sich. Davon ungeachtet strömen jährlich Tausende pilgernde Menschen zur schönen Hochzeitskirche nach Kafr Kana.

7. Die Reise nach Jerusalem

Als Jesus mit einem Esel in Jerusalem eintraf, sollen ihn die Menschen laut Bibel fröhlich empfangen und Palmenblätter vor ihm niedergelegt haben. Doch das damalige Jerusalem, wo Jesus einst lehrte und predigte, ist längst untergegangen – und damit auch die Wirkungsstätten des „Heilands“.

Blick vom Altarraum der Kirche Dominus Flevit auf den Tempelberg in Jerusalem.

Eine Vorahnung, dass die Stadt schon bald zerstört werden sollte, wie es am Ende des Jüdischen Krieges 70 Jahre n. Chr. durch den römischen Kaiser Titus tatsächlich geschah, soll Jesus während seines Aufenthaltes in Jerusalem zum Weinen gebracht haben. Zu Ehren dieser Bibelszene errichteten die Franziskaner 1955 die Kirche Dominus flevit („Der Herr weinte“) auf halber Höhe des Ölbergs. Die Architektur der schönen Kapelle erinnert an eine stilisierte Träne.

Von Pilatus bis zum „Kreuzigungshügel“

Während des mörderischen Bürgerkrieges in Jerusalem und in den Folgejahrhunderten wurden die Wirkungsstätten von Jesus größtenteils zerstört. Reisende können seinen Lebensweg aber an rekonstruierten Stätten nachempfinden. Die berühmteste ist zweifelsohne die Via Dolorosa – besser bekannt als Kreuzweg.

Traditionelle Karfreitagsprozession auf der Via Dolorosa in der Altstadt von Jerusalem: Pilgernde Menschen aus aller Welt folgen dem mutmaßlichen Leidensweg Christi und tragen Kreuze die Gassen hinauf.

In den Gassen zwischen dem vermuteten Amtssitz des Pilatus an den Resten der Antoniafestung bis zum Kreuzigungshügel Golgota können acht der insgesamt 14 Kreuzigungs-Stationen besichtigt werden – allerdings hat sich der Verlauf der Via Dolorosa über 2000 Jahre stark verändert, weshalb die Gedenkstätten nicht mehr den in der Bibel beschriebenen Stationen der Kreuzigung entsprechen. Dafür können besonders motivierte Reisende und Pilgernde ein Holzkreuz gegen eine Leihgebühr mieten und es ihrem Vorbild entsprechend durch die Gassen tragen.

Ein Lichtschein fällt durch die Kuppel in die Grabeskirche. Die Architektur unterstreicht damit das Thema Wiederauferstehung.

Eine Theorie, dass Jesus im „Gartengrab“ in einer Felswand außerhalb der Altstadt beigesetzt wurde, gilt inzwischen als widerlegt. Dennoch halten dort viele Menschen inne, um sich dem „Sohn Gottes“ nah zu fühlen. Der tatsächliche Ort der Kreuzigung und das Grab Jesu sollen sich dort befinden, wo heute die Grabeskirche steht. Das wohl wichtigste Heiligtum des Christentums teilen sich Katholiken (Franziskaner), Orthodoxe und Armenier, Syrisch-Orthodoxe Kirche, Kopten und Äthiopier.

Touristen und Pilger warten in der Grabeskirche in Jerusalem in einer Schlange vor dem Eingang zur Kapelle der Grabsgrotte Jesu. Der Überlieferung zufolge ist der gekreuzigte Christus hier begraben worden und wiederauferstanden.

Das vermeintliche Grab Jesu lockt täglich Tausende Gäste in das Gotteshaus. Im touristischen Gedränge gerät beinahe in Vergessenheit, dass Jesus mit der Opferung seines Lebens und der anschließenden Wiederauferstehung an diesem Ort die Grundlage für eine Religion geschaffen haben soll, der heute mehr als zwei Milliarden Menschen folgen.