Wenn du gerne Orte erkundest, die neben der rationalen Entstehungsgeschichte auch aufregende Legenden umgibt, bist du in der Schweiz richtig. Ob alte Bäume, Bergseen oder Brücken über steilen Abhängen, die Schweizer haben Legenden parat, die dich andächtig und teilweise mit einem kleinen Schaudern zurücklassen. 

Liebe Linden und der böse Beelzebub spielen dabei genauso eine Rolle wie Geister, die nicht ins Jenseits übertreten, und Riesen, die hungrig sind oder Schafe stehlen wollen.

1. Gletschergarten Cavaglia oder die Töpfe der Riesen

Bis zu 15 Meter tief sind die Gletschermühlen, die im Gletschergarten Cavaglia im Kanton Graubünden nicht nur besichtigt, sondern teilweise auch erklettert werden können. Das Gletscherwasser hat hier in Jahrtausenden die tiefen Gletschermühlen in den Stein geschliffen. Und diese sollen vor langer Zeit für schmackhafte Suppen benutzt worden sein. Wie bitte?!

Ja genau, die Legende besagt, dass die Gletscher von Riesen als Kochtöpfe genutzt wurden. So sollen hier die kulinarisch interessierten Giganten in den Kratern ihre Speisen zubereitet haben.

Ein Besuch des Gletschergartens ist von Mai bis Oktober möglich, Führungen kosten 10 Euro für Erwachsene, Kinder ab sechs Jahre zahlen die Hälfte.

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2. Teufelspakt: Die Teufelsbrücke der Schöllenenschlucht

Auch im Schweizer Kanton Uri geht es sagenumwoben zu. So lautet die Sage zur Teufelsbrücke: Hier gelang es den Urnern nicht, eine Brücke über die wilde Reuss zu bauen, der Bergstrom war zu mächtig. Also wurde der Teufel um Hilfe gebeten. Dieser willigte ein, allerdings unter der Bedingung, dass die erste Seele, welche die Brücke überquert, ihm gehöre. Bereits am nächsten Tag stand die Brücke aus Stein. Doch wer sollte sich dem Bösen opfern?

Vom Bösen erschaffen: Der Legende nach wurde die Brücke über der Schöllenenschlucht vom Teufel erschaffen.

Ein listiger Bauer schickte einen Ziegenbock über die Brücke und der Teufel tobte, tötete das Tier und wollte die neue Brücke mit einem Felsbrocken zerstören. Auch das wurde vereitelt.

Ein Mütterchen kennzeichnete den Brocken, unter dem die Brücke zerbersten sollte, mit einem Kreuz. Und mit Kreuzen hat der Teufel es so gar nicht. Machtlos gibt er auf und fortan sind die Teufelsbrücke und der Teufelsstein zu bewundern.

3. Der Urdensee und der böse Senn

Böse reicht als Adjektiv nicht aus, um den Senn zu beschreiben, der der Legende nach vor langer Zeit im Kanton Graubünden gelebt haben soll. Seine Legende wird sich so erzählt:

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Der Griesgram bewohnte eine schöne Sennhütte, und als eine arme, alte Frau an seine Tür klopfte und um etwas Nahrung bat, verweigerte er das erst und gab ihr dann Milch von seiner Kuh. Allerdings nicht, ohne das Getränk vorher zu vergiften.

Sterbend verfluchte die Frau den Senn und seine Alp, und sogleich brachen Blitz und Donner über ihm herein, und Wassermassen begruben den Senn mitsamt seiner Alp. Der Urdensee entstand. 

Noch immer ist der Weg, der zur Hütte führte und am See endet, erkennbar. Und wer das Wasser genau betrachtet, erahnt auch die Hütte, einen dunklen Schatten am Grund des Sees.

Mystischer Urdensee: Am Grund des Sees siehst du die Schatten der Alp.

Noch heute treibt der böse Senn sein Unwesen: Alle sieben Jahre, wenn es donnert und blitzt, so sagt man, steigt er aus dem See hervor, melkt seine Kuh und versinkt dann wieder im Wasser. Na, wenn das kein mystisches Ausflugsziel ist.

4. Die Sache mit dem Stock: Das Martinsloch im Kanton Glarus

Surreal schön fällt die Sonne durch das Martinsloch und strahlt die Kirche von Elm im Kanton Glarus an. Das Martinsloch, das ist ein 19 Meter breiter und 22 Meter hoher Felsspalt in den Glarner Alpen. Dieses Lichtschauspiel kommt nur einige Tage im Jahr vor, am 12. und 13. März sowie am 30. September und 1. Oktober. Seltener ist die Beobachtung des Martinsloch-Vollmonds von der Elmer Kirche aus. Erst am 1. Oktober 2058 soll es wieder so weit sein.

Der Legende nach enstand das Martinsloch, als der Hirte Martin seine Schafherde verteidigte. Ein Riese wollte die Schafe stehlen und der mutige Martin warf seinen Stock nach dem Giganten. Doch er traf nicht ihn, sondern die Felswand, die unter Donnern Steine abwarf: Und so entstand das Martinsloch und mit ihm ein wunderbares Naturspektakel.

5. Die Linner Linde und die Macht der Bäume

Sie gilt als Kraftort, und ein Blick auf den elf Meter messenden Stammumfang verströmt ein angenehmes Gefühl von Beständigkeit. Die Linner Linde soll schon Mitte des zwölften Jahrhunderts gepflanzt worden sein. Dem stattlichen Baum in der Nähe des aargauischen Dörfchens Linn werden unterschiedliche Bedeutungen beigemessen.

Die große uralte Linner Linde steht einsam auf einer Anhöhe unter blauem Himmel, Sitzbänke laden zum Ausruhen ein.

Zum einen soll er das Ende der Pest symbolisieren. Das kommt zeitlich nicht hin, da diese in der Schweiz bis ins 17. Jahrhundert wellenartig wütete. Die Linde steht aber außerdem für Herzlichkeit und Wärme und gilt als Treffpunkt für Liebende.

Bei den Germanen galt die Linde als Friedensbaum und war der Göttin Freya geweiht, die für Liebe und Schutz sorgte. Auch Heilkräfte werden dem Baum zugeschrieben: Wer fahrig ist, soll unter dem Baum sitzend die Ruhe finden, die er oder sie braucht. Schaden kann ein Besuch also auf keinen Fall.

6. Der Hirsch und das Fraumünster in Zürich

Das Fraumünster in Zürich gehört zu den Wahrzeichen der Stadt und ist von schlichter Eleganz. Die Legende, die den Bau umgibt, ist dafür umso blumiger. So sollen im neunten Jahrhundert die frommen Schwestern Hildegard und Bertha, die Töchter König Ludwigs, oft des Nachts durch den dunklen Wald zu einer Kapelle gewandert sein, um zu beten.

Zu ihrem Schutz sandte Gott ihnen einen weißen Hirsch mit brennenden Kerzen im Geweih, der sie begleitete und beschützte. An dem Ort, an dem der Hirsch stets verweilte, müsse ein Gotteshaus entstehen, da waren sich die Schwestern einig. Sie überzeugten ihren Vater und das Fraumünster wurde erbaut. Im Kreuzgang des Münsters ist die Geschichte als Wandmalerei festgehalten.

Ein Hirsch als Grundsteinleger: Das Fraumünster bei Abendstimmung in der Altstadt von Zürich.

7. Der Geisterzug in Beinwil am Hallwilersee

Der Hallwilersee bedeutet für die meisten eine bezaubernde Naturkulisse am unverbauten Seeufer, das Wasserschloss Hallwyl und bei klarem Wetter eine berauschende Aussicht auf die Urner Alpen. Genau in dieser Beschaulichkeit liegt auch Beinwil am Hallwilersee. Eine Ortschaft, die regelmäßig von Geisterzügen durchquert wird, so die Legende.

Dann nämlich, wenn tote Friesen aus ihren Gräbern aufsteigen, Pferd und Kutsche in Gang setzen und sich gen Heimat zur Nordsee aufmachen. Im Friesenhaus von Beinwil, auch Geisterhaus genannt, stehen daher immer Vorder- und Hintertür offen, denn der Geisterzug durchquert das Bauernhaus. Ist hier die Tür zu, wird geklopft. Vom Auf-die-Lauer-Legen wird allerdings abgeraten. Ein junger Bauer, der das versucht haben soll, soll danach verstorben sein.

Still und starr ruht der Hallwilersee, während durch den angrenzenden Ort Beinwil am Hallwilersee die toten Friesen ziehen.

8. Bremgarten und die verlorenen Seelen

Bremgarten, das ist eine idyllische Kleinstadt an der Flussschleife der Reuss. Doch neben historischen Bauten und hübschen Gassen sollen hier auch Geister ihr Unwesen treiben. Spuken soll es zum Beispiel im sogenannten Hexenturm – und das wäre kein Wunder. Von 1574 bis 1668 wurden in dem Turm der Hexerei Angeklagte (vorrangig Frauen) gefoltert.

Die Idylle trügt. In Bremgarten geht es nicht nur romantisch zu, auch tote Seelen warten.

Neben den Seelen der als Hexen getöteten Frauen sollen auch die Geister der Folterknechte teilweise noch im Diesseits gefangen sein, so erklärte es ein Geisterheiler im Jahr 2012 der „Aargauer Zeitung“. Er versuchte, den verbliebenen Seelen den Weg ins Jenseits zu ebnen, per Licht-Zeremonie. Seiner Ansicht nach sei das zum Teil gelungen, andere Seelen aber hätten bleiben wollen. Na dann, hui buh!