Für die meisten Menschen ist die Weihnachtszeit heutzutage eine Zeit der Besinnlichkeit, in der Ruhe und Frieden herrscht. Gruselig sind da maximal die Menschenmassen, durch die du dich kämpfen musst, um Geschenke zu besorgen, oder der Besuch bei den Schwiegereltern.

Das war jedoch nicht immer so, es gibt in Europa einige Weihnachtstraditionen (oft nicht christlichen Ursprungs), die einem die Haare zu Bergen stehen lassen – verrückterweise waren und sind diese in vielen Fällen sogar an Kinder gerichtet. Wir stellen dir die fünf gruseligsten Weihnachtstraditionen vor.

1. Krampus oder Knecht Ruprecht

Je nachdem, wo du herkommst, wirst du diese Weihnachtsfigur wahrscheinlich unter einem von zwei Namen kennen. Im südlichen Deutschland, Österreich und Tschechien bis hin nach Kroatien ist sie unter dem Namen Krampus bekannt, in vielen anderen Teilen Deutschlands heißt sie Knecht Ruprecht.

Ob nun Krampus oder Knecht Ruprecht, beide sind Gehilfen des Nikolaus, der am Vorabend des 6. Dezember von Haus zu Haus zieht und den Kindern Geschenke macht. Die Figur des Nikolaus bezieht sich übrigens auf einen realen Bischof, der im vierten Jahrhundert in Myra, in der heutigen Türkei, wirkte. Während er die braven Kinder belohnt, bestrafen Krampus und Knecht Ruprecht die unartigen.

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Im Gegensatz zum Krampus wird der Knecht Ruprecht häufiger in menschlicher Gestalt dargestellt.

Dazu sind die Figuren häufig mit einer Rute, also einem Zweig zum Schlagen, und einem Sack unterwegs. Unartige Kinder werden mit der Rute geschlagen oder auch direkt in den Sack gesteckt und entführt. Während der Knecht Ruprecht zwar als dunkle Gestalt, aber meist in Menschenform auftritt, ist das Erscheinungsbild des Krampus eher das eines Dämons mit Fratze und Teufelshörnern.

Regional ausgepägt gibt es viele andere Namen und Traditionen für diese Figuren, die wohl ursprünglich auf das Brauchtum des Perchten zurückgehen. Auch heutzutage finden in vielen Alpenregionen noch jährlich sogenannte Krampusläufe statt. Über die Figur des Krampus wurde 2015 sogar ein gleichnamiger Film mit bekannten Hollywood-Schauspielern gedreht.

2. Frau Perchta

Das Perchten gilt als uraltes Brauchtum, welches in verschiedenen Ausprägungen über weite Teile Mitteleuropas verbreitet ist. Dabei veranstalten mit dämonischen Masken verkleidete Menschen einen Umzug und läuten Glocken, um die bösen Geister des alten Jahres beziehungsweise des Winters zu vertreiben. Die Umzüge finden meistens zwischen November und Anfang Januar statt.

Eine der bekanntesten Figuren dieser Tradition ist Frau Perchta, die vor allem im ostoberdeutschen Sprachgebiet sowie in geringerem Maße in Slowenien und Tschechien vorkommt. Krampus und Knecht Ruprecht wirken mit Schlägen und Kindesentführung im Gegensatz zur Frau Perchta tatsächlich noch harmlos.

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Ein Kostüm der Frau Perchta bei einem Umzug.

Faulheit und Unartigkeit werden von ihr um Weihnachten herum mit Albträumen oder gar mit dem Aufschlitzen des Bauches bestraft. Die Bäuche werden dann gerne noch mit Steinen gefüllt und die Opfer im nächsten Brunnen versenkt. Und als ob das nicht schon genug wäre, kann der Atem der Frau Perchta der Sage nach auch noch töten oder blenden.

Im Gegensatz zu Krampus und Knecht Ruprecht ist die Frau Perchta allerdings selbst auch diejenige, die Fleiß und Hilfsbereitschaft belohnt.

3. Mari Lwyd

Etwas freundlicher geht es da in Wales zu. Zum sogenannten Mari Lwyd, auf Deutsch etwa Graue Stute, ziehen Gruppen mit einem Pferdekopf durch die Straße. Anders als im Film „Der Pate“ handelt es sich dabei meistens aber nicht um einen echten Pferdekopf, sondern um ein aus Holz oder Pappe gebasteltes Kostüm. Daran wird noch ein großes Laken befestigt.

Ein Kostüm für die walisische Tradition Mari Lwyd.

Die Gruppen ziehen dann mit einer Person, die das Pferdekopf-Kostüm trägt, von Haus zu Haus und fordern die Bewohnerinnen und Bewohner zu Reimwettbewerben oder Gesangsduellen heraus. Wenn die Pferdekopf-Gruppe gewinnt, werden sie in das Haus gelassen und müssen von den dort wohnenden Menschen mit Essen und Getränken versorgt werden.

4. Grýla

Was gruselige Weihnachtstraditionen angeht, brauchen sich die Isländer nicht zu verstecken. Hier kommt zur Weihnachtszeit die Riesin Grýla, manchmal auch als Trollweib bezeichnet, und kocht beziehungsweise frisst unartige Kinder. Grýla lebt der Sage nach mit ihrem dritten Ehemann Leppalúði in einer Höhle in dem Gebiet Dimmuborgir, das aufgrund seiner ungewöhnlich geformten Lavafelder bekannt ist.

Grýla und Leppalúði haben 13 Kinder, die sogenannte Jólasveinar. Diese spielten den Menschen dem traditionellen Brauchtum nach Streiche oder stahlen Essen. Heutzutage bringen sie den artigen Kindern jedoch meistens Geschenke, weswegen sie auch als die 13 isländischen Weihnachtsmänner gelten.

Zwei Menschen in den Kostümen der isländischen Sagenfiguren Grýla und von ihrem Ehemann Leppalúði gehen durch die Straßen.

Grýla stammt ursprünglich aus den Sagen der nordischen Mythologie, bis zum 17. Jahrhundert wurde die Figur nicht mit Weihnachten in Verbindung gebracht. In alten Gedichten wird sie teilweise auch als Bettlerin beschrieben, die ungehorsame Kinder von ihren Eltern fordert, wenn diese ihr kein Essen anbieten.

5. Jólakötturinn

Zusammen mit Grýla, ihrem Ehemann und ihren Kinder lebt auch noch Jólakötturinn in der Höhle in den Bergen Islands. Die große schwarze Weihnachtskatze frisst die Menschen, die vor Heiligabend keine neue Kleidung zum Anziehen bekommen haben.

Eine Statue von Jólakötturinn wird auf Island eingeweiht.

Was als Grund erst mal sehr ungewöhnlich klingt, ist, wie so viele Weihnachtstraditionen, auf die Bestrafung für Faulheit zurückzuführen. Dabei ging es darum, dass die Bauern Hilfe brauchten, um ihre im Herbst geschorene Wolle zu verarbeiten. Wer sich an der Verarbeitung der Wolle beteiligte, bekam einen Teil der daraus entstehenden Kleidung.

Wer sich nicht beteiligte, bekam vor Weihnachten keine neue Kleidung und wurde dementsprechend von Jólakötturinn gejagt und gefressen.

Na dann ... Frohe Weihnachten!