Der Schweiß tropft von der Stirn und lässt das T-Shirt am Körper kleben, dabei stehen noch keine 1.000 Schritte auf dem Zähler der Uhr. Doch im Regenwald in Ghana bleibt niemand trocken. Der schmale Pfad, der Touristinnen und Touristen zu einem ganz besonderen Ort durch den tropischen Wald führen soll, beginnt in Liati Wote. Das kleine Dorf liegt östlich vom Volta-Stausee, dem bis dato größten menschengemachten Gewässer der Erde, an der Grenze zu Togo.

Hohe Luftfeuchtigkeit in der Regenzeit

Der Weg ist schlammig, es hat in der Nacht zuvor geregnet. Denn es ist noch Regenzeit, hier im Süden Ghanas. Das erklärt auch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent. Plötzlich ein Warnruf des Reiseführers Isaac Aziawo: „Ihr müsst rennen, schnell!“ Was ist denn nun los? Eine Schlange? Eine Spinne? Etwas Größeres?

Nachdem alle ohne Gegenrede dem Befehl des Experten gefolgt sind, stellt sich heraus, dass Ameisen die Gefahr waren. Sehr kleine, wohl aber gemeine Biester, die sich in Scharen über jeden hermachen, der in einer ihrer Straßen stehen bleibt oder zu langsam läuft. Und die Bisse können sehr schmerzhaft sein. Der Rest des Weges bleibt gefahrlos, große Spinnen und Schlangen lassen sich nur mit Glück – oder eben Pech – in einiger Entfernung entdecken.

Die Tagbo Falls sind eine der beliebtesten Touristenattraktionen in der Region.

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Tagbo Falls: Ein Spektakel für Augen und Ohren

Und dann fängt es langsam an zu rauschen. Noch eine Kurve, und es offenbart sich ein wahrlich magischer Ort – die Tagbo Falls. Die Wassermassen stürzen aus rund 60 Metern Höhe die Felswand hinab in das Becken. Wer bisher nur schweißgebadet war, ist nun auch mit Süßwasser getränkt, ohne Baden gegangen zu sein. Feiner Nebel steigt aus dem Becken wieder hinauf und nährt die tropischen Farne an den Felsen. 
Ein Schild verbietet zwar das Baden, das gelte aber nur für Einheimische, erklärt Aziawo: „Viele können nicht schwimmen, und hier sind schon tödliche Unfälle passiert.“

Einheimische treffen in Liati Wote

Die Tagbo Falls sind eine Attraktion in Liati Wote, die dem Dorf mit gerade mal rund 600 Einwohnerinnen und Einwohnern sogar ein eigenes kleines Touristenbüro wert ist. Das Touristenunternehmen Jolinaiko Eco Tours, das in Ghanas Hauptstadt Accra sitzt und mit dem Leipziger Reiseveranstalter Akwaba Afrika Reisen zusammenarbeitet, bezeichnet das Dorf als bestes Beispiel für Tourismus in Zusammenarbeit mit der Community vor Ort. „Wir haben eine lange Verbindung mit den Menschen vor Ort und bringen unsere Gäste gern her, um ihnen das echte Ghana zu zeigen“, sagt Chef Apollo Noordermeer-Panou.

Liati Wote ist ein kleines Dorf nahe dem Volta-Stausee. Hier lässt sich das echte Ghana erleben.

Das Leben findet draußen statt

Und das echte Ghana lässt sich hier wirklich erleben: Eine Schotterstraße führt durch das Zentrum des Dorfes, immer wieder kommen Einwohnerinnen und Einwohner, Eimer, Krüge oder andere Utensilien auf dem Kopf tragend, vorbei, schauen und fragen auch mal interessiert nach dem Grund des Besuchs. Gleichzeitig spielen die Kinder auf der Straße, während die Mütter sich um das Essen kümmern. Das Leben findet hier draußen statt.

Und noch etwas fällt auf: Im Gegensatz zu Accra und anderen Regionen Ghanas liegt hier kaum Müll auf den Straßen und in den Büschen. Stattdessen gibt es Mülleimer, sogar mitten im Regenwald am Weg, der zum Wasserfall führt. Damit haben die Verantwortlichen auf ein Problem reagiert, was der Tourismus noch verschärft hat: Plastikmüll.

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Auf den Weg zum saubersten Dorf des Landes

Liati Wote hat es sich zur Aufgabe gemacht, das sauberste Dorf Ghanas zu werden. Auch wenn Corona dem Projekt etwas den Wind aus den Segeln genommen hat, halten die Verantwortlichen rund um Wisdom Kpegba an der Vision fest. Der Projektmanager sitzt auf der überdachten Terrasse der Tagbo Falls Lodge, während er über das Vorhaben und die bereits erreichten Ziele erzählt: „Zwischen 2019 und 2021 haben wir etwa eine Tonne Plastik in der Umgebung gesammelt.“ 70 Prozent davon seien Plastikflaschen gewesen.

Der Plastikmüll wird nicht nur gesammelt, sondern auch wiederverwertet. So werden aus alten Tüten und Verpackungen Röcke, Handtaschen und Kosmetikbeutel genäht. Beim Bau des sogenannten Green Hub, dem künftigen Zentrum der Initiative, haben die Arbeiter sogar Plastikflaschen für die Wände genutzt. Hier soll auch das Recyclingzentrum mit Verkauf entstehen, sobald die Anlage fertig ist.

Wisdom Kpegba zeigt stolz einen Teil des Plastikmüllprojekts: Mülleimer und Wandbilder gehören dazu.

Tagbo Falls Lodge als Anreiz für Reisende

Auch die Tagbo Falls Lodge wurde mithilfe von Jolinaiko Eco Tours und anderen Unterstützern gebaut, damit Touristinnen und Touristen die Möglichkeit haben, länger in Liati Wote zu bleiben. Hier wird traditionelles ghanaisches Essen angeboten, die Zutaten stammen von den Bäuerinnen und Bauern aus der Region.

Und noch etwas hilft hier dabei, völlig zu entspannen: WLAN gibt es gar nicht, Internetempfang generell nur manchmal. Und wer es gar nicht ohne Internet aushält, für den haben Jolinaiko Eco Tours nur eine Lösung: einen 20-minütigen Spaziergang in den Busch zu einem 3G-Internethotspot. Der funktioniert aber nur mit einer lokalen SIM-Karte vom Anbieter Togocel ...

Bergdorf Amedzofe ist am höchsten gelegen

Die dörfliche Seite des Landes zu entdecken lohnt sich trotzdem auf jeden Fall. Allein während der rund viereinhalb Stunden dauernden Fahrt von Liati Wote in die Hauptstadt Accra gibt es einige lohnenswerte Zwischenstopps – beispielsweise im höchstgelegenen Bergdorf des Landes Amedzofe. Auch hier gibt es ein kleines Touristenbüro mit Angeboten zu geführten Touren.

Echsen und Agamen sind in Ghana nahezu überall anzutreffen.


Dazu gehört unter anderem ein rund zwanzigminütiger Aufstieg zum Gipfel des Mount Gemi. Der sorgt zwar wieder für allerhand Schweißbäche, der spektakuläre Ausblick über die Gebirge Ghanas entschädigt aber für jede Anstrengung.
Unterwegs tauchen immer wieder Dörfer auf, auf deren Straßen Märkte stattfinden.

Die Menschen tragen die verschiedensten Waren in Kisten auf ihren Köpfen, von Tintenfischringen über gebackene Teigkugeln bis hin zu frischen Krebstieren ist alles dabei. Ein Stopp lohnt sich mindestens für ein paar gegrillte Kochbananen, kleine frische Bananen und eine frische Kokosnuss – das perfekte Mittagessen für unterwegs.

Keine Einkaufspaläste und Wolkenkratzer

In Accra selbst lässt sich das Großstadtleben beobachten. Hier gibt es keine riesigen Einkaufspaläste und Wolkenkratzer. Stattdessen spielen Kinder auf den Plätzen Fußball, wird in Hinterhöfen professionell geboxt oder Fufu gestampft, ein traditioneller Brei aus Manjok und Kochbananen. Er wird zu Fisch- und Fleischgerichten gereicht.

An vielen Orten in Accra wird Fußball gespielt.

Das Leben in Accra und Liati Wote wirkt, aus den Augen einer Europäerin oder eines Europäers betrachtet, sehr einfach und ohne viel Komfort. Und trotzdem strahlt die Freundlichkeit aus nahezu jedem Gesicht, das einem unterwegs begegnet – und all diese Erlebnisse sind jeden Schweißtropfen wert, der Touristinnen und Touristen im tropischen Ghana unweigerlich von der Stirn tropfen wird.

Tipps für deine Reise nach Ghana

Anreise: Flüge von Deutschland in die ghanaische Hauptstadt Accra sind nur mit Umsteigen möglich – zum Beispiel in Amsterdam.

Einreise: Deutsche benötigen für die Einreise ein Visum. Wer nicht die Möglichkeit hat, in Berlin zur Botschaft zu gehen und bar zu bezahlen, sollte von einem Vorabvisum (110 Euro, Express 50 Euro extra) absehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Botschaft sind alles andere als freundlich – und wer sich durch den komplizierten Onlineantrag quält und mit Überweisung zahlt, hat trotzdem keine Garantie, dass das Visum rechtzeitig ankommt.

Auf die Erreichbarkeit der Botschaft mittels Telefon oder E-Mail sollte man sich auch nicht verlassen. Es empfiehlt sich, mit dem Reiseanbieter eine Art kurzfristiges Notfallvisum (ab 160 Euro) zu beantragen.

Unterkünfte: Tagbo Falls Lodge in Liati Wote: Zimmer ab 15 Euro pro Nacht für zwei Personen.
Urbano Hotel, Oxford Street in Accra: Zimmer ab 75 Euro pro Person, inklusive Frühstück.

Veranstalter: Der nachhaltig orientierte Leipziger Reiseveranstalter Akwaba Afrika bietet Privat- und Gruppenreisen nach Ghana an. Zu der 16-tägigen Kulturrundreise „Ghana auf Augenhöhe“ mit Stopps in Accra, Elmina, dem Bobiri-Waldreservatt, Nkoranza, Tamale und Liati Wote gehören zum Beispiel ein Besuch der Hauptstadt und in traditionellen Dörfern. Das Kennenlernen sozialer und besonderer Hilfsprojekte und Begegnungen mit vielen Einheimischen. Reisen finden ab sechs Personen statt, eine Gruppe besteht maximal aus 16 Personen.

Die Reise wurde unterstützt von Akwaba Afrika Reisen. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.