Das Hôtel Arbez Franco-Suisse im Örtchen La Cure ist wohl eines der kuriosesten Hotels Europas. Dabei sieht es von außen nicht weiter ungewöhnlich aus, mit seiner weißen Fassade und den roten Fensterläden. Was das Gebäude so besonders macht, ist seine Lage: Denn das Hotel steht genau auf der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz

Das Bett steht in Frankreich, das Bad ist in der Schweiz

Auf der französischen Seite führt der Eingang in das Hôtel Arbez, auf Schweizer Boden betreten Gäste das Hôtel Franco-Suisse. Im Gebäudeinneren verläuft die Ländergrenze quer durch den Speisesaal, den Flur und die Küche. Einige der Wände sind bemalt, damit Besucherinnen und Besucher die Grenzlinie erkennen können.

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Wer im Hotel übernachtet, kann sich aussuchen, in welchem Land er oder sie die Nacht verbringen möchte. Und in Zimmer 12 schlendern Gäste sogar jedes Mal über die Grenze, wenn sie vom Bett in Frankreich in das Badezimmer in der Schweiz laufen.

Ein Schmuggler ließ das Hotel auf die Grenze bauen

Die seltsame Lage des Hotels ist keineswegs ein Zufall. Ursprünglich gehörte das Gebiet um La Cure vollständig zu Frankreich. Im Dezember 1861 unterzeichnete Frankreich einen Vertrag mit der Schweiz und trat damit einen Teil des Gebiets ab. Das Abkommen gewährte den Bewohnerinnen und Bewohnern aber die bisherigen Rechte am Grundbesitz.

Durch den Vertrag wurde auch das Grundstück, auf dem das Hotel heute steht, in zwei Teile geteilt. Es gehörte damals einem Franzosen, der sein Geld unter anderem durch Schmuggel verdiente. Der Mann heuerte alle im Dorf verfügbaren Arbeitskräfte an, um bis zum Inkrafttreten des Vertrags im Februar 1863 ein Haus zu bauen.

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Damit wollte er sich Vorteile im grenzübergreifenden Handel verschaffen. Im Schweizer Teil ließ der bekannte Schmuggler einen Laden errichten, im französischen Teil eine Gaststätte. Nach seinem Tod machten seine Söhne aus dem Gebäude ein Hotel.

Grenzhotel diente im Krieg als Versteck

Während die Lage des Grenzhotels heute vor allem irritiert und belustigt, war sie im Zweiten Weltkrieg durchaus brisant. Denn das Hotel lag am Schnittpunkt der besetzten und der freien französischen Zone auf der einen Seite und der neutralen Schweiz auf der anderen Seite.

Die deutschen Wehrmachtssoldaten konnten deswegen zum Beispiel das Café im französischen Teil als Kantine benutzen, ohne die Neutralität zu verletzen. Die oberen Stockwerke durften sie dagegen nicht betreten, denn die Treppen beginnen in Frankreich und enden in der Schweiz.

Der damalige Hotelier Max Arbez nutzte die besondere Lage des Hotels aus, um Angehörige der Résistance und Juden im Hotel zu verstecken und sie ins jeweils andere Land zu schleusen. Nach seinem Tod wurde er dafür ausgezeichnet.

Zwei Länder, zwei Steuersysteme

Inzwischen sorgt die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz für deutlich weniger gefährliche, dafür aber skurrille Probleme. So sind zum Beispiel für jeden Umbau zwei Baubehörden zuständig. Außerdem gelten für das Hotel in Frankreich und in der Schweiz unterschiedliche Steuersysteme.

Für Besucherinnen und Besucher bringt die besondere Lage des Hôtel Arbez Franco-Suisse dagegen keine Probleme mit sich, sondern eine ziemlich einzigartige Erfahrung. Denn wo sonst hat man schon mal die Chance, in zwei Ländern gleichzeitig zu übernachten?