Wie ein Schreibmaschinenkomma liegt die Isla de la Juventud in der Karibik vor der Küste von Kuba. Sie ist die größte Insel der karibischen Nation – und trotzdem verirren sich Reisende dorthin nur selten.

Das mag unter anderem daran liegen, dass die Insel nicht ganz einfach zu erreichen ist. Vom Hafen von Batabanó südlich von Havanna startet zwar regelmäßig eine Fähre Richtung Insel der Jugend. Aber wer für die dreistündige Fahrt an Bord gehen will, sollte sich schon einige Tage vor der Reise auf eine Reservierungsliste setzen lassen. Etwas einfacher und schneller ist die Anreise mit dem Flugzeug. 

Nueva Gerona – die Inselhauptstadt

Der Flughafen liegt nur wenige Kilometer entfernt von Nueva Gerona, der Hauptstadt der Isla. Hier leben rund 70.000 Menschen, das sind etwa 80 Prozent der Inselbevölkerung. Entsprechend dünn besiedelt ist der Rest der Insel. Aber auch die Inselhauptstadt ist im Vergleich zu den lauten, lebendigen Städten auf dem kubanischen Festland überschaubar und ruhig. 

Nueva Gerona ist die verschlafene Hauptstadt der Isla de la Juventud.

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Durch das Zentrum von Nueva Gerona führt ein von Palmen gesäumter Boulevard, außerdem gibt es einige Parks, Hotels, Restaurants und zwei Diskotheken. Besonders spannend ist ein Besuch im Presidio Modelo: früher ein berüchtigtes Gefängnis, heute ein Museum. Auch der kubanische Revolutionär Fidel Catro wurde hier gefangen gehalten und ließ später zahlreiche ehemalige Mitstreiter einsperren.

Das ehemalige Gefängnis Presidio Modelo ist heute ein großes Freilichtmuseum.

Von Siguanea bis Parrot Island – Insel mit vielen Namen

Die Geschichte der Isla der la Juventud reicht aber viel weiter zurück als bis zur kubanischen Revolution. Davon zeugen auch die vielen Namen, die die Insel über die Jahrhunderte getragen hat. Von den Ureinwohnern wurde sie „Siguanea“ genannt. Als Christoph Kolumbus 1493 auf seiner zweiten Reise über den Atlantik in der Nähe der Insel vor Anker ging, wurde sie „La Evangelista“ getauft. 

Die Isla de la Juventud liegt in der Karibik vor Kuba.

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Vom 16. bis 18. Jahrhundert diente die Insel als „Parrot Island“ Piraten wie Francis Drake und Henry Morgan als Unterschlupf. Die Freibeuter hatten es auf die Schiffe der spanischen Krone abgesehen, die voll mit Edelsteinen, Silber und Gewürzen an der Insel vorbei Richtung Europa segelten.

Später war die Insel als Isla de Pinos (Kieferninsel) bekannt, bis Fidel Castro in den späten 1970er-Jahren zahlreiche Internatsschulen eröffnen ließ, um die landwirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Zehntausende Jugendliche aus dem Ausland kamen zum Lernen und zum Arbeiten auf die Insel. 1978 wurde sie deswegen in Isla de la Juventud (Insel der Jugend) umbenannt.

Die „Schatzinsel“ ist ein beliebtes Tauchrevier

Legenden zufolge haben Piraten auf der Insel zahlreiche kostbare Schätze vergraben. Als Freibeuterinsel soll die Isla de la Juventud auch dem schottischen Autor Robert Louis Stevenson als Inspiration für seinen Roman „Die Schatzinsel“ gedient haben.

Der wahre Schatz der Insel besteht aber nicht aus Gold und Silber, sondern aus ihrer wunderschönen und wilden Natur. Außerhalb der Städte prägen Sümpfe, Mangroven, Pinien und Zitrushaine die Landschaft. Südwestlich der Inselhauptstadt erheben sich die Marmorberge. Wer hier wandert, wird mit spekatulären Aussichten über die Insel belohnt. 

Einsame naturbelassene Strände laden zum Schwimmen und Faulenzen ein. Im Süden sind viele Strände dunkel gefärbt, weil in dem Küstenabschnitt vermehrt dunkler Marmor vorkommt.

Ein Königs-Feenbarsch schwimmt im Meer vor der Isla de la Juventud. Beim Schnorcheln lassen sich viele Fische beobachten.

Vor der Küste der Insel liegen einige beliebte Tauch- und Schnorchelreviere. Spektakulär sind zum Beispiel die Gewässer bei Cabo Frances, mit etlichen Schiffswracks, Unterwasserhöhlen, Korallen und Tropenfischen.

Natur bietet Zuflucht für gefährdete Arten

Im Süden der Insel ist die Natur besonders unberührt. Hierher kommen Besucherinnen und Besucher nur mit einer Sondergenehmigung. Außerdem sind viele der Straßen in schlechtem Zustand. Dafür lassen sich in der abgelegenen  Region mit etwas Glück einige besonders seltene Tierarten beobachten. 

Im Meeresschutzgebiet leben gefährdete Arten wie Antillen-Seekühe, Hammerhaie und Elchgeweihkorallen. Der Sumpf Ciénaga de Lanier bietet einen Zufluchtsort für das vom Aussterben bedrohte kubanische Krokodil und am Guanal Beach nisten Suppenschildkröten.

Wie viele Naturparadiese weltweit ist auch die Isla de la Juventud mit ihren Tieren und Pflanzen durch den Klimawandel bedroht. Das Geschlecht der Suppenschildkröte hängt beispielsweise von der Temperatur des Nestes während der Inkubation ab – und weil die Temperaturen steigen, werden immer weniger Männchen geboren.

Fischerdorf und Höhlenmalerei locken im Süden der Insel

Um Tiere und Pflanzen zu schützen, gibt es auf der Insel verschiedene Naturschutzprojekte. Im Fischerort Cocodrilo beispielsweise sammeln Einheimische Müll an Stränden, fangen invasive Arten wie den Rotfeuerfisch und pflanzen Korallenzweige. Besucherinnen und Besucher können dabei unterstützen und auch bei der Finanzierung helfen, wenn sie eine der wenigen Unterkünfte in Cocodrilo mieten.

Das Dörfchen ist einer der abgelegensten Orte in Kuba. Im 20. Jahrhundert wurde es unter dem Namen Jacksonville von Siedlern von den Kaimaninseln gegründet. Bis heute stehen dort einige Häuser im englischen Stil und eine alte lutherische Kirche.

Ebenfalls in der Sperrzone befinden sich die Höhlen von Punta del Este mit etwa 3000 Jahre alten Höhlenmalereien. Sie zählen zu den ältesten Zeichnungen, die in der Karibik gefunden wurden. Einen Besuch wert ist außerdem der Leuchtturm Carapachibey, einer der höchsten in Lateinamerika. Von oben haben Besucherinnen und Besucher einen Rundblick über die Karibik und die wilde Natur auf der Isla de la Juventud.