Entlang der dänischen Nordsee zählen zahlreiche Leuchttürme zu den beliebtesten Touristenattraktionen. Noch bis ins letzte Jahrhundert waren sie unverzichtbar für den Schiffsverkehr. Bei Sturm und Nebel warnten sie Schiffe vor gefährlichen Küstenabschnitten und wiesen den Weg.

Heute sind viele von ihnen durch moderne Seefahrtstechnik überflüssig – doch gerade den älteren von ihnen sieht man ihre bewegte Geschichte an. Für ein Wochenende war ich an der Westküste Dänemarks unterwegs, um die Leuchttürme zu fotografieren und die Schönheit der Küstenlandschaft zu genießen.

Blåvandshuk Fyr

Meine erste Station war der westlichste Zipfel des Landes. Kurz außerhalb des beliebten Ferienorts Blåvand steht der stattliche Blåvandshuk Fyr. Er überblickt mit 39 Metern Höhe den schier endlosen Sandstrand, der hier eine scharfe Kurve schlägt, sodass das Panorama von oben traumhaft ist.

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Seit dem Jahr 1900 steht der Blåvandshuk Fyr am westlichsten Punkt Dänemarks und warnt vor dem gefährlichen Horns Rev.

Vom Strand aus ist er selbst bei einem kilometerlangen Spaziergang jederzeit sichtbar – strahlend hebt sich der weiße Turm vom blauen Himmel ab. Kein Wunder, dass viele Urlauberinnen und Urlauber aus der Gegend auf einen Abstecher vorbeikommen. Auf dem Rückweg lädt nämlich der Ortskern von Blåvand zwischen Eiscafés, Restaurants und kleinen Boutiquen zum Verweilen ein – erst recht bei gutem Wetter.

Lyngvig Fyr

Erst wenn die Sonne langsam untergeht, beginnt auch die Schicht für die Leuchttürme. Viele von ihnen sind immer noch in Betrieb – so auch der Lyngvig Fyr weiter nördlich bei Hvide Sande. Er war 1908 der letzte, der an der dänischen Nordseeküste errichtet wurde – drei Jahre zuvor waren hier vor der Küste 24 Menschen bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen.

Das Panorama vom 38 Meter hohen Lyngvig Fyr ist traumhaft, hat mit 228 Treppenstufen aber auch seinen Preis.

Eine Ausstellung zur Geschichte des Lyngvig Fyr befindet sich in einem der Nebengebäude, die wie der Turm ganzjährig besichtigt werden können. So lese ich auch die Anekdote, dass er mittlerweile wieder – wie früher – mit einer Rundumbeleuchtung in Betrieb ist. Dafür eingesetzt hatte sich ein Verein aus Anwohnerinnen und Anwohnern, die das Licht des Turms in der Dunkelheit vermissten.

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Das kann ich sehr gut nachvollziehen, als ich mich unweit des Lyngvig Fyr im Camper zum Schlafen lege – gut bewacht vom Leuchtkegel, der regelmäßig durch die Fensterscheiben strahlt.

Bovbjerg Fyr

Weniger imposant in seiner Größe ist der Bovbjerg Fyr, der rund 50 Kilometer weiter nördlich liegt. Umso beeindruckender finde ich aber die über 60 Meter hohe Steilküste, über die er wacht. Die steil abfallenden Klippen zeugen von der Naturgewalt des Meeres, das hier regelmäßig für Abbrüche sorgt und Teile des Festlandes verschlingt.

Seit 1877 konnten sich Seeleute nicht nur am Leuchtsignal in der Nacht, sondern tagsüber auch an der roten Farbe des Turms orientieren, die gut von den nahe gelegenen Kirchtürmen zu unterscheiden war, die vorher zur Orientierung dienten.

Am Fuße des Bovbjerg Fyr informiert eine Ausstellung über den dänischen Küstenschutz, der hier seinen Anfang nahm.

Lodbjerg Fyr

Etwas versteckt zwischen der schier endlosen Dünen- und Heidelandschaft und einem riesigen Waldgebiet steht der Lodbjerg Fyr im Nationalpark Thy. Im Sommer ist die Gegend ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderungen und Spaziergänge.

Der Lodbjerg Fyr steht mitten im Nationalpark Thy, dem ältesten Nationalpark Dänemarks.

Doch die Strecke vom Turm aus über die Dünen zum Strand kostet mich auch schon fast eine halbe Stunde – mit Pausen. Denn die weitläufige Küstenidylle – außer dem Lodbjerg Fyr sind keine Gebäude weit und breit zu sehen – ist der perfekte Ort zum Innehalten und Durchatmen. Hier und da ein Foto von den Dünen, dem Leuchtturm und dem Strand – und weiter geht’s.

Rubjerg Knude Fyr

Schon aus der Ferne sehe ich den Rubjerg Knude Fyr, den wohl bekanntesten Leuchtturm in Dänemark. Majestätisch thront er über den kahlen Dünen und ragt bereits in die graue Wolkendecke, die mich statt der ersehnten Sonne am Morgen begrüßt.

Ich starte auf dem Wanderweg, der zum Leuchtturm führt, und tauche geradewegs ein in den grauen Nebel. Beim Turm angekommen kann ich kaum das Meer erkennen, zu dicht ist die Nebelwand. Für eine bessere Aussicht steige ich den Turm hinauf, um über die Steilküste zu blicken, doch mein Blick verschwindet im Nichts. Dafür sehe ich, wie sich hier ein anderes Naturspektakel ganz langsam vollzieht: Die Düne trägt den Turm landeinwärts. Bei seiner Errichtung im Jahr 1900 stand er zwei bis drei Meter über dem Meer.

Ursprünglich hatte der Rubjerg Knude Fyr noch Gesellschaft von weiteren Nebengebäuden, die aber durch Versandung teils komplett verschwanden.

Mit den Jahren wanderte der Leuchtturm vom Wind und Sand getrieben die Küste hinauf und stand schließlich 50 Meter über dem Meer. Allerdings wurde auch der Abstand zur Küste immer geringer, sodass der Rubjerg Knude Fyr 2019 70 Meter ins Landesinnere verschoben wurde. Schon seit 1968 ist der Leuchtturm nicht mehr in Betrieb – dafür gilt das markante Gebäude in der kargen Landschaft vor den gewaltigen Klippen heute zu Recht als Wahrzeichen der Region.

Als sich der Nebel so schnell, wie er gekommen ist, wieder auflöst, bekomme ich auch noch mein ersehntes Foto als Abschluss meiner Leuchtturmjagd.