Drohen Touristinnen und Touristen in Indonesien bald drastische Strafen, wenn sie außerehelichen Sex mit jemandem haben? Das mehrheitlich muslimische Land hat am Dienstag eine Gesetzesreform verabschiedet, wonach Geschlechtsverkehr unter unverheirateten Menschen mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden kann.

Darüber hinaus soll auch das Zusammenleben vor der Ehe verboten werden. Der indonesischen Staatsideologie zu widersprechen sowie den Präsidenten oder staatliche Einrichtungen zu beleidigen, wird ebenfalls unter Strafe gestellt. Dafür drohen nach dem neuen Gesetzbuch dann sogar bis zu drei Jahre Haft.

„Wir sind stolz darauf, ein Strafgesetzbuch zu haben, das im Einklang mit den indonesischen Werten steht“, zitiert die Nachrichtenagentur „Reuters“ dazu den stellvertretenden indonesischen Justizminister Edward Omar Sharif Hiariej.

Ab wann gilt das neue Gesetz? Und was bedeutet es für Reisen?

Die neue Gesetzgebung soll 2025 in Kraft treten und dann für indonesische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie für Menschen aus dem Ausland gelten.

Das heißt: Auch Urlauberinnen und Urlauber wären betroffen, Probleme könnten dadurch zum Beispiel bei gemeinsamen Hotelaufenthalten unverheirateter Menschen entstehen. Allerdings sieht die Gesetzgebung vor, dass die Polizei nur dann Ermittlungen aufnimmt, wenn ein Familienmitglied eine Beschwerde einreicht. 

Damit dürften Backpackerinnen und Backpacker sowie andere Reisende etwa auf der Urlaubsinsel Bali von dem Gesetz kaum betroffen sein – zumindest nicht, wenn sie untereinander bleiben. So beschwichtigte Vize-Justizminister des südostasiatischen Inselstaats, Edward Hiariej: Ausländische Besucherinnen und Besucher, die miteinander Urlaub in Indonesien machen, müssten nicht befürchten, etwa wegen Geschlechtsverkehrs oder Zusammenlebens außerhalb der Ehe belangt zu werden.

Für den Tourismus in Indonesien könnte das neue Gesetz trotzdem ein schwerer Schlag sein – wenn sich Reisende aufgrund der Regeln nicht mehr trauen, hinzureisen, oder das Land boykottieren.

Gesetzentwurf schon einmal gescheitert

Bereits 2019 wollte Indonesiens Regierung eine Reform des Strafgesetzbuches durchführen, dieser Vorstoß scheiterte jedoch an landesweiten Protesten von Zehntausenden Menschen.