Von Norwegen und Island bis nach Grönland und Alaska: Zur Winterzeit rund um den nördlichen Polarkreis lässt sich ein einzigartiges Phänomen erleben – die Polarnächte. Wochen- bis tagelang bleibt der Sonnenaufgang aus. In dem polarischen Klima wird es kalt, und es bleibt überwiegend dunkel.

Viele Menschen schütteln sich bei dem Gedanken an lange, dunkle Winternächte. Doch die Einheimischen von Orten nördlich des Polarkreises leben mit dem für sie jährlich wiederkehrenden Ereignis.

Wer einmal einen Urlaub im Dunkeln erleben möchte und sich auf kaltes Wetter und Flexibilität einstellt, kann im winterlichen Norden ein paar Arktis-Abenteuer und die Authentizität arktischen Lebens erleben.

Was macht den Reiz der Polarnächte aus?

Die Dunkelheit kann eine Reise in die Nähe des nördlichen Polarkreises in den Wintermonaten zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Die Sonne bleibt während der Polarnächte Tag wie Nacht unter dem Horizont. Das heißt aber nicht, dass es völlig dunkel bleibt.

Die Tromsö-Brücke in der verschneiten, nordnorwegischen Stadt Tromsö führt über den Tromsoysund. Die Straßenlaternen und Häuser erleuchten die Gegend im Dämmerlicht der Polarnacht.

In den Dämmerungsphasen sind die Regionen in ganz besonderes Licht und farbenprächtige Himmel getaucht. Die Polarnächte bieten mit ihren langen dunklen Stunden zugleich perfekte Bedingungen, um Polarlichter zu sehen.

Die Leuchterscheinungen in Grün, Blau oder Rot entstehen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in der Erdatmosphäre treffen. Der Himmel muss dunkel genug sein, damit wir die Nordlichter sehen können.

Geladene Teilchen des Sonnenwinds treffen auf die Erdatmosphäre und erzeugen die farbenfrohen Polarlichter, die in den langen Nächten den Sternenhimmel, wie hier über Schwedisch-Lappland, zieren.

Das Nordlicht beobachten und vergleichsweise einfach anreisen kannst du im Nordwesten von Finnland, Schweden oder Norwegen. Bei diesen Reisezielen kannst du zudem mehr unternehmen, da es tagsüber noch ein wenig dämmert. Der Weg nach Alaska, Grönland und Kanada ist nicht nur weiter, sondern auch kostspieliger.

Ist eine Reise in die Polarnacht nicht gefährlich?

Nicht unbedingt. Auf ein paar Dinge solltest du dich aber einstellen, wenn du eine Reise zum nördlichen Polarkreis machen willst. 

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Begegnungen mit Eisbären: In Alaska, Grönland oder Norwegen, vor allem bei Spitzbergen, kannst du außerhalb der Städte auf Eisbären treffen, auch wenn es selten vorkommt.

Seltene Gefahr: Ein Verkehrsschild warnt vor Eisbären.

Hinzu kommen je nach Region extreme Kälte und unberechenbares Wetter. Rund um den Polarkreis kann es sehr kalt werden, kälter, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

Schneestürme, Regen und Winde bestimmen beispielsweise in Grönland den Alltag. Infomiert euch im Vorfeld gut, auf welche Temperaturen und Wetterphänomene du dich einstellen musst.

Weitere praktische Tipps:

Winterfest anziehen mit der Zwiebeltechnik: Thermounterwäsche oder aus Wolle, wind- und wasserdichte Outddoorkleidung, warme und wasserdichte Schuhe, Mütze, Schal, Handschuhe

Anreise/ Mobilität vor Ort: Informiere dich gut im Vorfeld über das Reiseziel, beispielsweise hängen die Überfahrten mit der Fähre von Dänemark nach Island gerade im Winter sehr stark vom Wetter ab.

Außerdem: ausreichend Taschenlampen einpacken und Zeitpuffer einplanen.

Wo genau kann man die Polarnächte erleben?

Skandinavien: Finnland, Norwegen, Schweden

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Schlafen unter den Nordlichtern in Finnland

Ein immer beliebteres Reiseziel ist Finnland, das für fast jede Reisevorliebe etwas bietet. Immer mehr Touristinnen und Touristen reisen hierher, um die Polarlichter und Polarwinter zu erleben. Schnee, Rentiere und Hundeschlitten machen das Wintererlebnis aus.

„Kaamos“ nennen die Finnen die Polarnächte. Im Norden Lapplands bleibt es von Dezember bis Mitte Januar dunkel, im südlich gelegenen Helsinki ist es zwischen fünf und sieben Stunden am Tag hell.

Vor allem im Norden hat sich ein regelrechter Nordlichter-Tourismus etabliert: Übernachte in einem Baumhaushotel in Rovaniemi mit Blick auf die bunten Lichter, in einer Aurora Bubble im Dorf Nellim am Inari-See oder im Schneeiglu.

Weihnachtlich leuchtet das Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi in Finnland durch die lichtarmen Polarnächte.

In Rovaniemi steht auch das „Weihnachtsmanndorf“, das seinen Zauber vor allem im Dezember entfaltet. Skifahren ist trotz der Polarnächte möglich. Für eine Städtereise bietet sich Helsinki an, das mit dem Lichterfestival Lux und Weihnachtsmärkten für Licht während der kurzen Tage sorgt.

Tromsø und Spitzbergen in Norwegen

Von Ende September bis Ende März bleibt es im Norden von Norwegen vom frühen Nachmittag bis zum späten Morgen dunkel. Neben den langen Tagen im Sommer, die viele Reisende anlocken, ist auch der Winter im Land der Fjorde, Gletscher und Fischerdörfer erlebenswert.

Rund um die Stadt Tromsø sind die Nordlichter innerhalb des Landes am aktivsten, meist in Grüntönen. Ab 21. November bleibt die Sonne hier für zwei Monate unter dem Horizont. Die beste Reisezeit ist von Dezember bis Januar. Dann fällt wenig Niederschlag und es wird bis zu minus fünf Grad kalt.

Hafen und Stadt von Tromsö erleuchten im dämmrigen Licht der Polarnacht im norwegischen Norden.

Eine Dauerausstellung im Universitätsmuseum Tromsø informiert darüber, wie eigentlich die Polarlichter entstehen. Dabei können die Besucher sie auch mal selbst im Kleinen erzeugen. Um die Nordlichter zu sehen, sind Touren in die unbewohnte Natur buchbar, will man nicht selbst mit dem Mietwagen unterwegs sein.

Doch es gibt noch mehr zu erleben: Fahr mit dem Hundeschlitten oder Schneemobil, begegne Rentieren und entdecke die Restaurants, bei denen du im Vergleich zur Hauptsaison im Sommer eine große Auswahl hast. Bei schlechtem Wetter lohnt sich das Polaria-Museum, in dem sich alles um das Leben am Polarkreis dreht. 

Teile der norwegischen Stadt Longyearbyen leuchten vor verschneiter Berglandschaft im Dämmerlicht der Polarnacht.

Das nördlichste und abgelegenste Ziel ist Spitzbergen. Von Anfang November bis Mitte Februar ist hier Polarnacht: In Longyearbyen verschwindet Mitte November das letzte Licht der Dämmerung, danach bleibt es 24 Stunden am Tag dunkel. Wer geduldig ist und etwas Glück hat, kann Nordlichter am Himmel tanzen sehen. Die Temperaturen sinken auf durchschnittlich minus 16 Grad.

Trotzdem kann hier einiges erlebt werden: von Wanderungen auf Gletscherzungen und Eishöhlen (von November bis Mai ist Saison) über eine Tour mit Schlittenhunden bis zur Besichtigung der nördlichsten Brauerei.

Schwedisch-Lappland: Nordlichter besser in Herbst oder Frühjahr

Einen Winter der arktischen Art kannst du von Dezember bis Januar auch in Schwedisch-Lappland erleben: Nordlichter gucken, mit dem Hundeschlitten fahren oder Schneeschuhwandern gehören auch hier zum Programm.

Grüne Polarlichter leuchten über weiß verschneiten Bergen und Birken am Torneträsksee im Abisko-Nationalpark in Lappland.

Wer den Winter in dieser entlegenen Region kennenlernen will, für den ist Abisko ein Reiseziel. Das 130-Seelen-Dorf liegt 195 Kilometer über dem Polarkreis, der gleichnamige Nationalpark gleich um die Ecke. Die Temperaturen liegen hier nicht höher als minus zwölf bis 14 Grad. Von November bis Januar wird es höchstens dämmrig.

Anreisen könnt ihr mit dem Flieger mit Zwischenstopp in Stockholm nach Kiruna. Weiter nach Abisko geht es dann mit dem Bus oder Zug. Vor Ort gibt es zweckmäßig eingerichtete Hostels, bei denen Küche und Bad oft gemeinschaftlich genutzt werden. Die Hostels sind zugleich aber nicht ganz günstig. 

Die beste Reisezeit für Polarlichter ist hier weniger die Polarnacht, sondern die Übergangszeiten in Herbst und Frühjahr. 

Nordamerika: Alaska und Kanada

Nordlichter in Fairbanks, Alaska

In allen Farben und Variationen kannst du eine regelrechte Polarlichter-Show in den Weiten von Alaska bestaunen. Die University of Alaska gibt eine tägliche Vorhersage heraus, wo und wie ausgeprägt die Nordlichter zu erwarten sind. Dafür heißt es aber: sich warm anziehen. Denn hier sinken die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 35 Grad Celsius. 

Fairbanks ist der beste Ort, um in dieser Zeit Nordlichter zu beobachten. Die Stadt mit etwa 35.000 Einwohnern im Hinterland Alaskas ist mit direkten Winterflügen von Seattle oder Minneapolis erreichbar. Auch in der Gegend rund um Anchorage können die Polarichter gut beobachtet werden.

Farbenspiel der Nordlichter über Hot Springs Road in der Nähe der Stadt Fairbanks, Alaska.

Ideale Voraussetzungen: eine klare, kalte Nacht und eine Hütte außerhalb der Stadt. Als Unterkünfte können zum Beispiel die Matanuska Lodge oder die Sheep Mountain Lodge bei Anchorage dienen. Um die bunten Lichter nicht zu verpassen, gibt es teilweise sogar einen Weckservice.

Die nördlichste Gemeinde der USA ist Utqiaġvik, die direkt am Arktischen Ozean liegt. Sie ist ein idealer Ort, um die Polarnacht zu erleben, denn von Mitte November bis Ende Januar, ganze 65 Tage, geht hier die Sonne nicht auf. 

Kanadische Nordwest-Territorien

Du suchst ein außergewöhnliches Winterabenteuer? Dann auf in die nordwestlichste Provinz Kanadas. In Yukon oder Nunavut kannst du richtig arktisches Klima erleben: lange dunkle Tage, Dauerfrost, Höchsttemperaturen von minus 25 Grad Celsius. Hier hast du auch einen ungestörten Blick auf die Nordlichter. 

Nordlicht in der Nähe von Whitehorse im kanadischen Yukon.

Schneeschuhwandern, mit dem Hundeschlitten fahren oder Eisfischen gehören zu den winterlichen Aktivitäten der Region. 

Polarnacht auf den Inseln

Eishöhlen und nasses, windiges Wetter auf Island

Der nordische Inselstaat mit seiner Landschaft aus Vulkanen, Geysiren und Gletschern zieht vor allem in den Sommermonaten viele Reisende an. Möchtest du Nordlichter beobachten oder Gletschertouren unternehmen, dann findest du in Island ein günstigeres Reiseziel als in Norwegen oder Finnland.

Lange Winternächte gibt es auch hier: Von Mitte November bis Ende Januar sind es meist nur vier Stunden Tageslicht. Damit lassen sich neben kurzen Touren gute Bedingungen finden, um Nordlichter zu beobachten. Besonders beliebt bei Polarlichterfans ist der Thingvellir-Nationalpark außerhalb der Hauptstadt Reykjavik. 

Stellt euch aber auf viel Wind und wechselhaftes Wetter ein. Die Temperaturen können zwischen fünf und minus 20 Grad schwanken. Das Unberechenbare: Sie können abrupt steigen und fallen. Schneestürme, Regen bis zum klaren Himmel kann es an einem einzigen Tag geben.​

Touristen erkunden die blaue Eishöhle des Gletschers Vatnajökull in Island.

Doch nur über das Winterhalbjahr kann man in Island die Eishöhlen besichtigen. So sind seine blauen Gletscher-Eishöhlen von Mitte Oktober bis Ende März zugänglich, dann wird es zu gefährlich. Wichtig ist auch: Die Höhlen können ausschließlich mit einem Guide besichtigt werden. Die Zugänglichkeit hängt zudem vom Wetter ab.

Zum Aufwärmen eignet sich dann eines der zahlreichen Thermalbecken und Naturbäder mit heißen Quellen. Mit guten Winterreifen kommt man auf den Hauptstraßen von einem Ort zum anderen. Unerlässlich sind ein windbrechender Mantel, wasserdichte Überhosen und Spikes für die Schuhe. 

Ein ganzer Tag im Dunklen in Grönland

Ein weiter entferntes Reiseziel, das viele weniger auf dem Schirm haben, ist Grönland. Der Winter ist hier lang und kalt. Doch davon lassen sich die Einwohner nicht aufhalten und das sollten Reisende auch nicht. Die Polarnacht, in der Landessprache „Kaperlak“ genannt, beginnt hier Ende Oktober und endet Mitte Februar.

Wie viele Stunden Tageslicht es gibt, richtet sich danach, wo genau du dich befindest. Von 24 Stunden kompletter Dunkelheit bis zu vier Stunden Tageslicht reicht die Spannweite auf der Insel, die das ganze Jahr über mit dem Flugzeug über Island und Dänemark erreichbar ist.

In der nördlichsten Stadt Quaanaaq sind die Monate November bis Januar die beste Zeit, um die Polarnacht zu erleben, im nächstgelegenen Upernavik von Dezember bis Januar.

Was sollte vor Ort beachtet werden? Eine gute Planung und Zeitpuffer einplanen: Pro Woche gibt es einen Flug von und nach Qaanaaq mit Zwischenstopp in Ilulissat und Upernavik, Flugverspätungen aufgrund des Wetters nach Qaanaaq sind nicht selten. Bei schlechtem Wetter kann sich die Reise um einzelne Tage verschieben, denn das Wetter entscheidet in Grönland über alles.

Die Nordlichter kannst du am besten in Kangerlussuaq im Südwesten der Insel beobachten. Mit etwa 300 klaren Nächten im Jahr und einem internationalen Flughafen bietet die Stadt sowohl einen guten Blick in den Himmel und ist auch noch verhältnismäßig gut erreichbar.