Glücklich und gesund: Schweden steht auf dem aktuellen World Happiness Report weit vor Deutschland. Die ausgeprägte Lebenszufriedenheit hat auch mit der nordischen Ernährung zu tun, bei der Selbstgemachtes sowie hochwertige und frische, lokal und nachhaltig produzierte Zutaten aus der Natur ganz vorne stehen - Gesundheit und Genuss gehören dabei zusammen. Wie gut diese Esskultur schmeckt, zeigt die abwechslungsreiche und kreative Küche Skånes zu allen Jahreszeiten. Nicht nur in den Städten, sondern auch an vielen Orten auf dem Land. Ein Roadtrip zu den kulinarischen Köstlichkeiten Skånes - jenseits von Köttbullar und Knäckebrot.

Eine Fika geht immer

Die Vismarlöv Bagarstuga (Bäckerei) bietet von modernen Backwaren bis hin zum traditionellen Spettekaka, der aus Kartoffelmehl, Zucker und Eiern hergestellt wird, alles, was das Herz begehrt.

Gemütlichkeit ist ein Wert, der in Schweden hochgehalten wird. Typisches Beispiel: die Fika. Dabei handelt es sich um die traditionelle Kaffeepause, die jederzeit und überall zelebriert wird, oft mit einer mit Kardamom verfeinerten Zimtschnecke, der berühmten Kanelbulle. Kaffee ist eine Art Nationalgetränk und du kannst deine Tasse stets nachfüllen, Hafermilch, Kuhmilch und Zucker gehören zum Angebot, schließlich ist das Königreich das Mutterland der Hafermilch. Ein außergewöhnlich schöner Ort für eine Fika ist Vismarlövs Café & Bagarstuga, rund 20 Autominuten südöstlich von Malmö.

Anstatt in den Ruhestand zu gehen, entschied sich Carina Levin eine Bäckerei zu eröffnen.

Carina Levin buk ihr Leben lang gerne Kuchen und als die Weberin und Textilkünstlerin in Pension ging, erfüllte sie sich in einem alten Bauernhof ihren Traum: eine eigene Bäckerei mit Cafè, mit bunt zusammengewürfelten Antiquitäten ausgestattet, wie diversem Omageschirr mit Blümchenmuster. „Ich mag alte Sachen und alles, was man mit Händen macht“, sagt die 66-Jährige. Dazu gehören auch ihr Kaffeebrot, mit Kaffeesatz gebacken, sowie die lokale Spezialität Spettekaka. Ein Turm von einem Kuchen aus Ei, Zucker und Kartoffelmehl - bis zu einem Meter hoch.

Grünes Buffet der Kräuterfee

Die kleine Details erinnern daran, dass das Restaurant Anita in Börringekloster früher einmal ein Stall gewesen ist.

Ausschließlich gesunde Sachen warten auf dich im Lunch-Restaurant Anita på Börringekloster. Das zum Kloster gehörende ehemalige Reithaus mit ausgebautem Pferdestall liegt auf halber Strecke zwischen Malmö und Ystad. Anita eignete sich aufgrund einer Krebserkrankung vor 20 Jahren ein immenses Wissen an über Kräuter und Essen als Medizin - und heilte sich damit. Wie gut ihre Eigenkreationen jedem bekommen und dabei auch noch lecker schmecken, beweist die sympathische Kräuterfee mit ihrem grünen Mittagsbuffet. Dieses beruht auf der Kräuterlehre von Hildegard von Bingen.

Anita Zieme verwendet in ihrer Küche die Kräuterlehre der Hildegard von Bingen.

Vegetarier und Veganer bekommen angesichts der Vielfalt und der liebevollen Präsentation der Gerichte mit essbaren Blüten große Augen. Du bist aber kein Vegetarier? Kein Problem, denn aufgrund der Nachfrage etlicher Gäste zaubert Anita stets auch zwei warme Gerichte mit Fleisch und Fisch auf den Tisch. Das meiste mit Produkten aus ihrem Garten und von der benachbarten Biofarm.

Malmö: Paradies für Feinschmecker

Im Ruths in Malmö kann man dank der offenen Küche live beobachten, wie die Köche feinste Zutaten in Kunstwerke verwandeln.

Speisen wie die Locals: Skånes Hauptstadt Malmö ist nicht nur ein Highlight in puncto Nachhaltigkeit und Design, sondern auch was die Gastro-Szene betrifft. Hier gibt es mehr Kneipen und Restaurants pro Einwohner als in allen anderen Großstädten Schwedens.

Ein Besuch in der Saluhall vermittelt einen guten Eindruck, was Foodies erwartet. Das ehemalige Warenlager im Industrial Style beherbergt den größten Lebensmittelmarkt der Stadt mit vielen kleinen Küchen, die unzählige Leckereien aus ihren Auslage servieren. Eines der angesagtesten Restaurants der Stadt ist das Ruths: Die offene Show-Küche in der Mitte serviert New Nordic Cuisine vom Feinsten, darunter auch Heilbutt-Carpaccio mit Sardellensauce, Bergamotte und Fenchel. Wir wünschen smaklig måltid!

Von Österlen bis zur Westküste: Hofläden und Spezialitäten aus Eigenanbau

Der Besuch des Restaurants Kiviks Musteri eignet sich perfekt für ein Mittagessen oder eine "Fika", der traditionell schwedische Begriff für eine Kaffeepause.

Wenn du mit dem Auto durch Skåne fährst, wirst du staunen, wie viele Hofläden entlang der Landstraßen liegen, die selbstgemachte Köstlichkeiten anbieten. Im Südosten, der auch Österlen genannt wird, hat die Lebensmittelherstellung eine lange Tradition. Rund um das Fischerdorf Kivik zum Beispiel liegt das Zentrum des Apfelanbaus. Im seit 1888 bestehenden Familienbetrieb Kiviks Musteri kannst du nicht nur alle Arten von Cider und reinen Apfelsaft aus unterschiedlichen Sorten verkosten, sondern im dazugehörigen Restaurant speisen.

Ein empfehlenswerter Stopp ist auch Bondens Skafferi im Svabesholms Kungsgård, einem große Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert. Dort kannst du übernachten, in kleinen Boutique-Läden stöbern und im Bistro einkehren, das leckere Gerichte mit Produkten aus eigenem Anbau zaubert.

Für Ella Sjögren ist keine Herausforderung im Backhandwerk zu groß.

Solltest du auf der anderen Seite an der Westküste unterwegs sein, dann lohnt sich ein Stopp in Kvarteret Erikstorp, wo kreative Bio-Küche serviert wird. Für die anschließende Fika bietet sich das neu eröffnete Café Fantasitårtor im Zentrum der Hafenstadt an. Ella Sjögren bäckt dort Fantasietorten auf Bestellung - vom Märchenschloss über Katzengesichter und Einhörner bis zur nostalgischen Langspielplatte. Einzigartig!