Die besten Plätze in der Natur sind oft überfüllt mit Touristen. Nicht so in Schwedens südlichster Provinz, wo du durch einzigartige Landschaften streifen kannst ohne viele Menschen zu treffen. Streifen heißt in diesem Fall: wandern, radfahren, kajaken oder einfach nur spazierengehen. Mit dem Gefühl absoluter Freiheit. In der Stille. In Ruhe und mit der Schönheit der Schöpfung. Im Herbst leuchten die Blätter der vielen Birken in Gold-, Gelb- und Karamelltönen um die Wette mit dem Laub von Buchen, Eichen und Ahornbäumen. Im Winter küsst der babyblaue Himmel das stahlblaue Meer. Im Frühjahr verwandeln Rapsfelder die weite Landschaft in einen gelben Blütenteppich. Wir stellen vier Highlights in Skåne vor.

Küstenwanderweg mit Klippen

Eine der schönsten Etappen vom Skåneleden führt der Westküste von Skåne entlang, hinauf auf den Glumslöv-Hügel.

Die Hafenstadt Landskrona ist für ihre niedlichen Schrebergärten bekannt, die zum schwedischen Kulturerbe gehören. Hier führt auch der Wanderweg Öresundsleden vorbei, der sich 214 Kilometer entlang der Westküste zieht und Teil des berühmten Fernwanderwegs Skåneleden (insgesamt 1300 Kilometer durch Skåne) ist. Wir starten die Etappe bei den alten Fischerhäuschen von Borstahusen, die aus dem 18. Jahrhundert stammen und heute begehrte Immobilien sind.

Geheimtipp für ambitionierte Naturfreunde: Die Wanderung nördlich von Borstahusen ist malerisch. Aber Vorsicht, diese ist zum Teil auch sehr steil.

An hellen Sandstränden und einem Kajak-Verleih-Automat vorbei, wandern wir durch Pinienwälder hinauf auf steile Klippen. Majestätisch thronen die Standsteinklippen über dem Öresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden. Mittendrin ragt die kleine Insel Ven aus dem tiefblauen Wasser. Was für ein Ausblick! Unten am Strand leuchten alte Ziegelsteine in unterschiedlichen Farben, Spuren der Ziegelindustrie, die die Küste einst prägte. Weiter geht es auf der abwechslungsreichen Strecke über die grünen Hänge von Glumslöv und dem Naturschutzgebiet Hilleshögs.

Ales Stenar: Stonehenge von Schweden

An einem Spätherbsttag kann man seelenruhig die Stille des Naturphänomens "Ales Stenar" genießen, ein beindruckendes Erlebnis.

Obwohl sie viele Wissenschaftler untersucht haben, bleiben sie ein Mysterium: die 59 Megalithen auf einem einsamen Plateau an der Steilküste beim Dorf Kåseberga. Ein geheimnisvolles Stück Natur mit Kultur - rauh, wild und wunderschön zum Wandern. Einige der Felsblöcke wiegen bis zu 1,8 Tonnen und ragen drei Meter in die Höhe. In der Form eines 67 Meter langen Schiffs aneinandergereiht, vermitteln sie einen mystischen Eindruck. Der Wind pfeift und peitscht die Wellen gegen die Steilküste.

Vor rund 1400 Jahren sollen die riesigen Steine dort platziert worden sein, aber niemand weiß gesichert warum. War es ein archaischer Sonnenkalender? Denn die Sonne geht zur Sommersonnenwende exakt hinter dem vorderen Bugstein unter und zur Wintersonnenwende hinter dem Heckstein auf. Oder eine Grabstätte? Bei Ausgrabungen wurden bearbeitete Feuersteine, Keramikscherben und eine Urne mit Fragmenten verbrannter Menschenknochen und Holzkohle gefunden.

Gipfelglück im Stenshuvuds Nationalpark

Auf dem Weg zum Norra huvudet ("Nördlicher Kopf"), Stenshuvud.

Du willst einen Gipfel erklimmen? Dann bist du im Stenshuvuds Nationalpark an Skånes Ostküste richtig. Denn in dem Park gibt es gleich drei Berge. Zugegeben, aus der Sicht von Alpinisten sind es eher Miniberge, doch für Flachländer klingt eine Erhebung von knapp 100 Metern überm Meer respektabel. Ebenso gestaltet sich der steile Weg durch Eichen- und Buchenwälder, entlang beeindruckender Felsen auf den mit 97 Metern höchsten Gipfel - einem der höchsten Punkte der Provinz. Der Ausblick ist atemberaubend: dichte Wälder, hügeliges Gelände, weiße Sandstrände, endlose Ostsee.

Der Leuchtturm Stenshuvud hat einst viele Schiffe vor dem Untergang bewahrt, heute ist er als Denkmal zu besuchen.

Durch den Nationalpark, der sich über eine Fläche so groß wie 560 Fußballfelder zieht, führen etliche Wanderrouten. Abwechslungsreich gehst du durch Sandheiden, Feuchtwiesen bis zu felsigen Abschnitten wie dem so genannten Haus des Riesen und einem Leuchtturm. Dieser thront dort seit rund 90 Jahren in Weiß, doch ist heutzutage nicht mehr in Betrieb.

Vattenriket: Königreich aus Wasser

Das Naturum Vattenriket bei Sonnenuntergang.

Nur fünf Fußminuten von Kristianstads Innenstadt entfernt, erstreckt sich ein Paradies für Naturfans: das Unesco-Biosphärenreservat Vattenriket - mit Feuchtgebieten, Mooren, Schilfgürteln, Bächen und Flüssen. Übersetzt heißt es so viel wie Wasserreich oder Wasserwelt. In dem Sumpfgebiet leben viele seltene Vögel, Fische, Insekten und Pflanzen, die du nicht nur von den insgesamt 20 Aussichtstürmen beobachten, sondern auch mit dem Safariboot oder Kajak entdecken kannst.

Vogeleier in Originalgröße sind einer der vielen lehrreichen Highlights der Ausstellung im Naturum Vattenriket, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene interessant gestaltet ist.

Der Herbst ist die Zeit der Pilzsammler und Angler, im Winter kreisen Seeadler über dem Fluss Helge und im Frühjahr sammeln sich hier bis zu 7000 Kraniche. Hast du schon mal einen Otter mit seinen Jungen beobachtet? Im Informationszentrum Naturum, das aussieht wie ein überdimensionales Vogelnest im Schilf, kannst du in gemütlichen Sesseln vor den Panoramascheiben sitzen und nach dem Otter Ausschau halten. Höhepunkt der Ausstellung ist ein U-Boot-Simulator, der rüttelnd in die Wasserwelt abtaucht und die Vattenriket-Bewohner vorstellt.