Die Europäische Union will ihre Grenzen künftig besser schützen. Deswegen führt sie Ende des Jahres ein zentralisiertes Kontrollsystem für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger ein, das sogenannte Exit-Entry-System (EES). Dieses soll nach Angaben der EU zuverlässige Daten über Grenzübertritte liefern und Reisende, die ihre Aufenthaltsdauer überschritten haben, wirksam erkennen.

Ursprünglich sollte das System bereits im Mai 2023 eingeführt werden. Kürzlich teilte die Europäische Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen, EU-Lisa, jedoch mit, dass "die Inbetriebnahme im Mai wegen Verzögerungen seitens der Auftraggeber nicht mehr erreichbar ist". Wann genau die verschobene Einführung des Systems stattfindet, wird im März entschieden. 

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So funktioniert das neue EES-System

Funktionieren soll das neue Kontrollsystem folgendermaßen: Bei der erstmaligen Einreise von Drittstaatsangehörigen in den Schengen-Raum erfasst das EES-System deren Stammdaten wie beispielsweise Name und Geburtsdatum. Außerdem sollen auch biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Passbilder sowie Art, Nummer und Ablaufdatum des Reisedokuments abgespeichert werden. All diese Daten sollen in einem Dossier zusammengefasst werden. 

Sobald das Dossier digital hinterlegt ist, erfasst das System jede Überquerung der EU-Außengrenzen – mit Datum, Uhrzeit und genauem Ort der Ein- und Ausreise. Die Daten von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern werden in dem System nicht erfasst, trotzdem hat das neue System auch Auswirkungen auf sie.

Reisende müssen mit längeren Wartezeiten rechnen

Zwar soll das EES-System nach Angaben der Europäischen Union nicht nur effektiver sein als das derzeitige Stempel-System, sondern auch effizienter – doch daran gibt es Zweifel. Wie das Portal „Schengen Visa Info“ berichtet, befürchten die EU-Mitgliedsstaaten sogar das genaue Gegenteil.

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Bei Tests des Systems hätten viele Staaten inklusive Deutschland festgestellt, dass sich die Grenzbearbeitungszeiten an den Außengrenzen aufgrund des neuen Verfahrens verlängerten. Nach Angaben des Portals gaben die deutschen Behörden an, dass die Kapazitäten für Grenzkontrollen an einigen Flughäfen des Landes mit Einführung des neuen Systems erhöht werden müssten. Insbesondere während der Hauptreisezeiten. Sonst droht erneut ein Chaossommer.

In Österreich bewerten die zuständigen Behörden die Lage ähnlich: „Die zusätzlichen Aufgaben, die sich aus der EES-Verordnung ergeben, werden zu einer starken Verlängerung der Prozesszeiten führen. Aktuell rechnen wir mit einer Verdopplung der Prozesszeiten im Vergleich zur aktuellen Situation. Dies wird sich auch auf die Grenzwartezeiten an den Grenzübergängen (in Österreich die sechs internationalen Flughäfen) auswirken“, zitiert das Portal. Auch Polen und Slowenien warnen vor längeren Wartezeiten bei der Grenzkontrolle.

Viele EU-Staaten arbeiten an automatisiertem Ablauf

Um lange Schlangen zu vermeiden, arbeiten laut „Schengen Visa Info“ viele Mitgliedsstaaten bereits an automatisierten Abläufen. Italien etwa plant derzeit die Installation von rund 600 Selbstbedienungskiosken an Flughäfen. Insbesondere an denen mit besonders hohem Reiseverkehr aus Drittstaaten.