Ruinen lassen wie kaum ein anderer Ort längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden. Sie zeigen, wie Menschen vor Hunderten und Tausenden von Jahren gelebt haben, und erzählen von Reichtum und Macht ebenso wie von Kriegen und Zerstörung. Nicht selten ranken sich spannende Mythen und Legenden um die heute verwitterten Bauwerke, die den Besuch zu einem echten Abenteuer machen können.

Und ganz nebenbei sind viele der verfallenen Burgen und Schlösser auch noch fantastische Fotomotive. Wie wäre es also mit einem Kurztrip in die Vergangenheit? Wir zeigen dir romantische, schaurige und teils auch skurrile Ruinen in Deutschland, die du unbedingt besuchen solltest. 

1. Der Ruinenberg in Potsdam

Ein Rundtempel, die Wand eines römischen Theaters, einige römische Säulen: Die Anhöhe gegenüber von Schloss Sanssouci in Potsdam erscheint wie eine antike Siedlung. Doch der Schein trügt. In Wahrheit sind die Bauwerke auf dem Ruinenberg nämlich erst 1748 entstanden. 

Damals wollte Friedrich der Große eigentlich einen Brunnen mit großer Wasserfontäne bauen lassen. Aber beim Bau gab es technische Probleme. Also ließ er das große Wasserbecken auf dem Berg mit künstlichen Ruinen schmücken: Die Bauwerke sind nicht mit der Zeit verfallen, sondern wurden absichtlich als Ruinen angelegt.

Die künstlichen Ruinen und der Normannische Turm auf dem Ruinenberg in Potsdam.

Später entstand auf dem Ruinenberg unter König Wilhelm noch der Normannische Turm im mittelalterlichen Stil. Von dort aus hast du einen spektakulären Ausblick auf das Schloss und den Schlosspark.

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2. Die Burg Falkenstein im Allgäu

Auf dem 1277 Meter hohen Manzenberg in Bayern thront Deutschlands höchstgelegene Burganlage: die Burg Falkenstein. Die Aussichtsplattform der Ruine bietet dir einen grandiosen Rundumblick auf die Allgäuer Alpen. Ein kleines Museum informiert über die Geschichte der Burg.

Gebaut wurde die Burg schon 1270. Weil sie so hoch oben lag, wurde sie allerdings wenig genutzt und verfiel schon Ende des 16. Jahrhunderts.

Die Burg Falkenstein thront auf dem gleichnamigen Berg in Bayern.

Drei Jahrhunderte später verliebte sich König Ludwig II. in die Ruine. Er plante, auf dem Plateau des Manzenbergs eine gigantische Ritterburg bauen zu lassen, noch größer als Schloss Neuschwanstein. Aber weil er früh verstarb, wurde sein Traum nie umgesetzt. Die Pläne für sein Prachtschloss kannst du aber heute noch im Burgmuseum besichtigen. 

3. Die Löwenburg in Kassel

Auch die prächtige Löwenburg in Kassel ist als künstliche Ruine entstanden. Von Weitem erscheint sie wie eine romantische Ritterburg. Gebaut wurde sie allerdings erst zwischen 1793 und 1801 als Lustschloss für den Landgrafen Wilhelm IX. – mit historischen Möbeln, Gemälden und mittelalterlichen Glasfenstern. Auch ein altertümlicher Burggarten, ein Weinberg und ein Turnierplatz wurden damals angelegt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Inszenierung der Burg als Ruine zur Realität. Ein Bombenangriff auf Kassel zerstörte große Teile der Löwenburg. Nur der Treppenturm mit einigen Mauerfragmenten blieb erhalten. Nach dem Krieg wurde die Anlage aufwendig restauriert.

Die Löwenburg in Kassel. Seit diesem Jahr kann sie wieder besichtigt werden.

Seit diesem Jahr kannst du im Rahmen einer Führung unter anderem einige Wohnräume, die Waffenkammer und die Burgkapelle besichtigen. Auch ein Spaziergang durch den schönen Bergpark rund um das Schloss lohnt sich.

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4. Das Amphitheater in Trier

Ganz Trier kann dir das Gefühl verleihen, mal eben einige Jahrhunderte zurück in die Antike gereist zu sein. Schließlich gilt die Stadt an der Mosel als die älteste in Deutschland. Bereits im Jahre 17 vor Christus wurde sie von den Römern gegründet. Ihre Spuren sind in Trier bis heute zu sehen.

Besonders beeindruckend ist das Amphitheater. Vor rund 1700 Jahren lockte es die Massen mit teils blutrünstigem Unterhaltungsprogramm an: Kämpfen von Gladiatoren und Tieren, Theatervorführungen und Gauklerspielen. Inzwischen sind die ehemaligen Sitzreihen längst abgebaut und die steinernen Tierkäfige verschwunden.

Das Amphitheater in Trier: Hier fanden früher einmal Gladiatorenkämpfe statt.

Die riesige Arena, die Ränge und das Kellerschloss samt Bühnenmaschinerie kannst du aber auch heute noch besuchen. Und mit etwas Fantasie ist in der Ruine fast noch das Johlen der Zuschauer und das Keuchen der Kämpfer zu hören. Wer sich nicht auf die Vorstellungskraft verlassen will, kann in verschiedenen Erlebnisführungen in das Leben der Gladiatoren eintauchen.

5. Die Burgruine Rötteln bei Lörrach

Schon von Weitem ist die Ruine der Burg Rötteln auf einem Bergsporn hoch über dem Wiesenthal zu sehen. Fast 300 Meter lang erstreckt sich dort die mittelalterliche Anlage mit zwei großen Wehrtürmen. Sie ist ein wichtiges Wahrzeichen der nahe gelegenen Stadt Lörrach in Baden-Württemberg.

Erstmals erwähnt wurde die Burg Rötteln 1259. Damals gehörte sie den Herren von Rötteln, einer mächtigen Adelsfamilie. Über 500 Jahre bauten drei verschiedene Herrscherfamilien an der Anlage. Im holländischen Erbfolgekrieg wurde das Bauwerk von französischen Truppen zerstört. Seit 1926 kümmert sich der Röttelnbund e.V. Haagen um die Ruine und schützt sie vor weiterem Verfall.

Die Burgruine Rötteln: Wahrzeichen der Stadt Lörrach.

Der Verein bietet auch Führungen an. Im Burghof der Oberburg bekommst du eine Vorstellung davon, wie prächtig die Anlage einmal war. Vom Bergfried der Burg hast du außerdem einen Panoramablick auf die Umgebung. Das Burgmuseum bietet Einblicke in das Leben auf der Burg. Dort gibt es Alltagsgegenstände aus dem Mittelalter zu besichtigen, die in der Ruine gefunden wurden – landwirtschaftliche Geräte zum Beispiel, Münzen, Fingerhüte und Steigbügel.

6. Der Teufelsberg in Berlin

Die Kuppeln auf dem Teufelsberg in Berlin sind vielleicht nicht das erste Bauwerk, an das du bei dem Wort „Ruine“ denken würdest. Dafür ist die ehemalige Abhöranlage aber ein ganz besonders spannendes Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Von hier belauschten die Briten und Amerikaner während des Kalten Kriegs den Ost-Block bis in 700 Kilometer Entfernung.

Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg in Berlin: Eine Ruine der etwas anderen Art.

Der Teufelsberg, der aus rund 250 Millionen Tonnen Kriegstrümmern besteht, ist außerdem die höchste Erhebung in Berlin. Nach der deutschen Wiedervereinigung gaben die Amerikaner die Station auf. Das Gelände wurde noch einige Jahre zur zivilen Überwachung des Luftverkehrs genutzt. Später wollten Investoren dort Luxuswohnungen und ein Hotel bauen, aber die Pläne scheiterten.

Seit 2011 gibt es Touren durch die Ruine, die früher einmal streng geheim war. Dabei kannst du unter anderem einen ehemaligen Forschungstower und eine Kuppel der Field-Station besichtigen. Du kannst dich aber auch auf eigene Faust umsehen. An Wochenenden ist auf dem Gelände eine Bar geöffnet.

7. Burg und Kloster auf Berg Oybin im Zittauer Gebirge

Gleich zwei romantische Ruinen findest du auf dem Berg Oybin in Sachsen: Neben einer Burg entstand dort vor rund 700 Jahren auch ein Kloster. Sie hielten unter anderem zwei Angriffen der Hussiten stand. Während der Reformation wurde das Kloster dann aber aufgegeben. Als 1577 ein Blitz einschlug und kurze Zeit später ein Felsabriss die Gebäude auf dem Berg beschädigte, waren sie bereits weitestgehend verlassen.

Erst Künstler wie Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus entdeckten die Ruinen im 19. Jahrhundert wieder. Sie verewigten die überwucherten Gebäude in ihren Malereien und machten den Oybin damit wieder bekannter. Die Ruine wurde von Schutt befreit und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel im Zittauer Gebirge.

Die Burgruine auf dem Berg Oybin: Eines der Wahrzeichen des Mittelgebirges.

Einige Werke der Künstler sind im Wohnturm der Burg ausgestellt. Besichtigen kannst du unter anderem auch das Kaiserhaus von Kaiser Karl IV., eine spätmittelalterliche Fußbodenheizung und mehrere Burgtore. In der Klosterkirche finden regelmäßig Theaterstücke und Konzerte statt. Und am höchsten Punkt auf dem Berg findest du eine begehbare Camera obscura.

8. Die Burgruine Drachenfels im Siebengebirge

Zwei steile und schmale Buntsandsteinfelsen tragen die eindrucksvollen Ruinen der Burg Drachenfels. Die Felsenburg im Siebengebirge in Nordrhein-Westfalen wurde 1149 fertiggestellt und diente damals als Schutzbefestigung. Nach mehreren Belagerungen durch schwedische Truppen wurde sie 1634 zerstört und verfiel.

Schon in römischer Zeit wurde auf dem Drachenfels außerdem Trachyt abgebaut. Auch die Außenfassade des Kölner Doms besteht teilweise aus dem wertvollen Gestein. Mit der Zeit wurde die Burg so weit untergraben, dass Teile davon einstürzten. Dank zahlreicher Rettungsversuche sind heute noch die Felsenkammer, das Torgebäude und Reste eines Flankierungsturms erhalten. Eine Zahnradbahn bringt dich auf den Drachenfels, wo du auch einen großartigen Blick auf die gesamte Region hast.

Die Ruine der Burg Drachenfels: Viele Mythen ranken sich um das Bauwerk.

Um den Drachenfels ranken sich allerlei Sagen und Mythen. Unter anderem soll dort ein furchteinflößender Drache gelebt haben, der nach Schiffen auf dem Rhein Ausschau hielt. Sobald sie nah genug waren, spie er Feuer. Auch Siegfried, der Drachentöter, soll hier einen Drachen erlegt und in seinem Blut gebadet haben.

9. Das Heidelberger Schloss

Es ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands und gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt Heidelberg: das Heidelberger Schloss. Über 400 Jahre regierten die Pfalzgrafen und Kurfürsten von hier aus die Pfalzgrafschaft. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die befestigte mittelalterliche Burg zu einem prächtigen Schloss.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Schloss im Krieg zerstört. Die Kurfürsten verlegten ihre Residenz nach Mannheim, die Gebäude verfielen zunehmend und brannten 1764 nach zwei Blitzeinschlägen aus. Retter der Ruine war die Romantik im 19. Jahrhundert. Maler und Poeten verewigten die Schlossruine in ihren Werken und machten sie wieder bekannter. Heute besuchen jährlich rund drei Millionen Menschen die Ruine – nur das Schloss Neuschwanstein hat mehr Besucherinnen und Besucher.

Das Heidelberger Schloss: Der Inbegriff deutscher Romantik.

Wegen der langen Bauzeit findest du im Inneren des Gebäudes verschiedene Baustile, von der Gotik bis hin zur Hochrenaissance. Die Innenräume kannst du aber nur mit einer Tour besichtigen. Im Keller gibt es außerdem das größte jemals befüllte Weinfass der Welt zu sehen. Und von der Scheffelterrasse im Schlossgarten aus hast du einen wundervollen Blick auf die Stadt und den Neckar.