Hektik an Bord. Der Rumpf füllt sich mit Wasser. Das Schiff beginnt zu sinken. An Deck wird eilig versucht, Menschen in Sicherheit zu bringen. Frauen und Kinder dürfen die Rettungsboote zuerst besteigen, die Männer bleiben zurück. Die dramatischen Szenen aus dem FIlm „Titanic“ sind wohl jedem bekannt. Doch gibt es die Regel „Frauen und Kinder zuerst“ wirklich?

Tatsächlich ist der Spruch „Frauen und Kinder zuerst“ ein Verhaltenskodex aus der frühen Schifffahrt. Die „Titanic“ war nämlich längst nicht das einzige Schiff, das nicht genügend Rettungsboote für alle Passagierinnen und Passagiere an Bord hatte. Es war damals eher die Regel als die Ausnahme, dass die Schiffe mit zu wenig Rettungskapazitäten in See stachen – da musste entschieden werden, wer überhaupt gerettet wurde.

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Passagier entschied: „Frauen und Kinder zuerst“

Das erste Mal soll der Spruch „Frauen und Kinder zuerst“ 1840 auf dem Transportschiff „Poland“ gefallen sein. Auf dem Schiff war ein Feuer ausgebrochen, die Besatzung musste sich in Sicherheit bringen. Ein Passagier setzte sich dafür ein, dass zunächst die Frauen und Kinder die Rettungsboote besteigen durften.

Auch auf der „Titanic“ wurde nach dieser Maxime gehandelt. Wer sich dem Befehl des Kapitäns „Frauen und Kinder zuerst“ widersetzte, soll von der Crew sogar erschossen worden sein. Was zur Folge hatte, dass bei der Schiffskatastrophe dreimal so viele Männer wie Frauen starben. Doch seit dem Schiffsunglück im Jahr 1912 hat sich einiges verändert.

Am 13. Januar 2012 sank die „Costa Concordia“ vor der Insel Giglio im Mittelmeer.

Spätestens seit dem Untergang der „Costa Concordia“ dürfte der Glaube an die Ritterlichkeit auf See bei den meisten ins Wanken geraten sein. Kapitän Francesco Schettino lenkte das Kreuzfahrtschiff 2012 zunächst gegen einen Felsen und brachte sich dann als einer der Ersten selbst in Sicherheit. Insgesamt kamen bei dem Unglück 32 Menschen ums Leben, 16 Frauen und 16 Männer.

Besonderer Schutz für Frauen und Kinder ist die Ausnahme

Eine Studie an der Universität in Uppsala hat ergeben, dass das Verhalten auf der „Titanic“ die Ausnahme war. Untersucht wurden dafür 18 Schiffsunglücke. Nur bei zwei Schiffskatastrophen wurden anteilig mehr Frauen gerettet als Männer.

Heute gibt es keine Regel mehr, die vorgibt, dass Frauen und Kinder zuerst gerettet werden müssen. Dafür gibt es ganz klare Evakuierungs-Vorgaben, die besagen, dass hilfsbedürftige Passagierinnen und Passagiere zuerst bei der Rettung unterstützt werden müssen. Dazu zählen Kranke, ältere Menschen und Kinder.