Bahnreisende müssen sich weiter auf Verzögerungen und volle Züge einstellen: Nach der Kollision zweier Züge im Landkreis Gifhorn kann die viel befahrene Strecke zwischen Berlin und Hannover länger nicht genutzt werden als gedacht. Bis voraussichtlich 16. Dezember kommt es zu starken Verspätungen und Zugausfällen.

Die großflächigen Ausfälle sind nicht nur bitter für Pendlerinnen und Pendler in Deutschland, sondern auch für Reisende sowie Ausflüglerinnern und Ausflügler. Welche Alternativen sie nun haben und wann die Bahn den Ticketpreis erstattet oder ein Hotelzimmer bezahlt, darüber informiert dieser Überblick.

Nach dem Güterzugunfall werden die Bergungsarbeiten zur Mammutaufgabe. Fahrgäste müssen weiterhin mit Beeinträchtigungen rechnen.

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Welche Zugverbindungen sind betroffen?

Die Kollision der Güterzüge sorgt für massive Behinderungen im Reiseverkehr. Betroffen sind folgende Verbindungen im Fernverkehr:

  • ICE-Züge aus NRW über Hamm beziehungsweise Münster/Westf und über Hannover nach Berlin werden umgeleitet und verspäten sich um mindestens 90 Minuten. Der Halt Wolfsburg entfällt. Ersatzweise halten die Züge in Stendal.
  • ICE-Züge aus der Schweiz über Karlsruhe, Frankfurt am Main und Kassel nach Berlin werden zwischen Fulda und Berlin umgeleitet. Ersatzweise halten die Züge in Erfurt und Halle.
  • IC-Züge aus Ostseebad Binz über Berlin, Hannover und Dortmund nach Köln werden umgeleitet und verspäten sich um mindestens 90 Minuten. Der Halt Wolfsburg entfällt. Ersatzweise halten die Züge in Stendal, Salzwedel und Uelzen.
  • IC-Züge von Leipzig über Magdeburg, Hannover, Bremen und Emden nach Norddeich Mole fallen zwischen Leipzig und Hannover aus.
  • IC-Züge zwischen Amsterdam, Osnabrück, Hannover und Berlin fallen zwischen Hannover und Berlin aus.

Reisealternative: Reisende zwischen Berlin und dem nördlichen NRW sollen auch Umsteigeverbindungen über Hamburg Hauptbahnhof nutzen. Zwischen Berlin und dem südlichen NRW sollen Reisende auch auf Umsteigeverbindungen über Frankfurt (Main) Hauptbahnhof ausweichen. Zwischen Wolfsburg und Hannover fahren stündlich Ersatzbusse.

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Sind auch der Regionalzüge und Nahverkehr betroffen?

Ja. Da die Strecke Wolfsburg – Hannover zwischen Gifhorn und Meinersen wegen der Zugkollision bei Leiferde (Landkreis Gifhorn) komplett gesperrt ist, können dort auch keine Züge des Regional- und Nahverkehrs fahren. Reisende müssen hier auf den Schienenersatzverkehr mit Bussen ausweichen.

Wo erfahre ich, ob mein Zug fährt?

Reisende sollten sich regelmäßig informieren, ob ihr Zug trotz der technischen Störung fährt, verspätet ist oder ausfällt. Die Deutsche Bahn informiert online auf www.bahn.de/reiseauskunft, im DB Navigator oder unter der Telefonnummer +49 (0)30 2970 über die Zugverbindungen.

Darf ich einen anderen Zug nutzen?

Die Deutsche Bahn hat wegen der technischen Störung besondere Kulanzregelungen aufgelegt: Fahrgästinnen und -gäste, die ihre gebuchte Reise zwischen dem 18. November und 16. Dezember verschieben möchten, können ihr bis zum 23. November gebuchtes Ticket für den Fernverkehr flexibel bis einschließlich zum 23. Dezember nutzen. Sitzplatzreservierungen können kostenlos storniert werden.

Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden. Zudem gelten bei Verspätung oder Zugausfall die allgemeinen Fahrgastrechte.

Wie bekomme ich das Geld fürs Ticket zurück?

Es gelten neben den Sonderkulanzregeln die allgemeinen Fahrgastrechte bei Verspätung oder Zugausfall: Wer nicht pünktlich ans Ziel kommt, kann sich je nach Verspätung den Fahrpreis zurückholen. Das regelt die EU-Fahrgastverordnung VO (EG) Nr. 1371/2007. 

Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof von mehr als 60 Minuten können Reisende vor Fahrtantritt von ihrer Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen oder die Reise abbrechen und zum Startbahnhof zurückkehren, wenn die Fahrt sinnlos geworden ist. In diesem Fall können sich Reisende den nicht genutzten Anteil erstatten lassen, darauf weist die Verbraucherzentrale hin.

Alternativ gilt: Wer mindestens 60 Minuten später als geplant ankommt, hat Anspruch auf 25 Prozent Erstattung, bei mehr als 120 Minuten sind es 50 Prozent. Die Verspätung sollten sich Fahrgäste immer von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern bestätigen lassen, im Zug wird oftmals bereits das Fahrgastrechte-Formular zum Ausfüllen ausgeteilt. Es ist auch möglich, das Formular online einzureichen.

Flug verpasst: Zahlt die Bahn eine Entschädigung?

Nein, hier haben Flugreisende Pech. Wird der Flieger verpasst, leistet die Bahn keine Entschädigung. Reisende müssen grundsätzlich die Möglichkeit von Verspätungen oder Zugausfällen in die Anreisezeit zum Airport einkalkulieren und sich gegebenenfalls um einen alternativen Transport kümmern. Bei Rail-and-fly-Tickets sind der Airport oder der Reiseveranstalter die Ansprechpartner.

Wann zahlt mir die Bahn das Hotelzimmer?

Der schlimmste Fall tritt ein: Der oder die Reisende strandet am Bahnhof, die Bahn kann ihn oder sie nicht auf einem alternativen Weg ans Ziel bringen. Und nun? In diesem Fall muss die DB eine Unterkunft besorgen und auch den Weg dorthin sowie am nächsten Tag zurück zum Bahnhof organisieren.

Wer sich selbst ein Hotelzimmer buchen will, sollte sich vorab unbedingt bestätigen lassen, dass das Bahnunternehmen keine Fahrt mehr an diesem Tag durchführen wird und auch nicht mit einer Unterkunft für die Nacht helfen kann. Die Hotelrechnung kann dann später eingereicht werden.