Zug oder Bus verpasst? Doof, aber der nächste hält meistens in Kürze. Flug verpasst? Ärgerlich und wahrscheinlich teuer, aber machbar. Kreuzfahrtschiff verpasst? Absolute Katastrophe!

Für Reisende gibt es kein Verkehrsmittel, dessen Abfahrtszeiten zwingender einzuhalten sind als die von Schiffen. Wer den Anschluss verpasst, kann auf dem Landweg noch Alternativen finden oder notfalls umplanen. Auf dem Wasser hingegen sind Alternativen rar, besonders für die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen

Was also tun, wenn man nach einem aufregenden Landgang fröhlich zum Hafen zurückkehrt und plötzlich realisieren muss, dass der lieb gewonnene Urlaubsdampfer bereits am Horizont verschwindet? Oder wenn das Traumschiff gerade erst abgelegt hat und die durchweg pünktlichen Mitreisenden den Zuspätkommenden schadenfreudig von der Reling zuwinken? Und aus dem hektischen Hin und Her dann auch noch ein viraler Internet-Hit wird?

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So peinlich es auch ist: Der drohende Gesichtsverlust allein ist nicht entscheidend. Denn wenn Geld und Reisedokumente noch auf dem Schiff verstaut sind, kann aus dem schönen Landgang plötzlich eine akute Notlage werden. Der reisereporter erklärt, weshalb Pünktlichkeit zu den wichtigsten Tugenden von Touristinnen und Touristen auf Kreuzfahrtschiffen zählen sollte. 

Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt

Grundsätzlich gilt auf Kreuzfahrtschiffen: Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt. Denn die „Back on Bord Time“, also die Zeit, zu der die Passagiere nach einem Landgang wieder auf dem Schiff sein müssen, und die tatsächliche Abfahrtszeit, also der Zeitpunkt, wenn die Gangway aufs Schiff gezogen wird, werden vor der Einfahrt in den Hafen stets klar mit Durchsagen, auf den Monitoren und in den Reiseplänen kommuniziert.

Bei organisierten Gruppenausflügen wartet das Schiff natürlich, bis alle wieder da sind. Bei individuellen Landgängen genießen Reisende aber weniger Sicherheit. Auch dann bemühen sich die Schiffskapitäne in der Regel, das Ablegen so lange wie möglich hinauszuzögern. Doch viel Spielraum gibt es aufgrund der eng getakteten Fahrpläne nicht. Heißt: Wer fünf Minuten zu spät ist, dürfte es noch auf die Gangway schaffen. Nach einer halben Stunde könnte es aber knapp werden.

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Was passiert, wenn man zu spät kommt?

Sollten Passagiere nicht rechtzeitig zurück an Bord sein, legt das Schiff ganz einfach ohne sie ab. Die Reisepässe der verspäteten Passagiere werden in diesem Fall dem Hafenagenten übergeben – sollte das Schiffspersonal die Dokumente nicht ohnehin verstaut haben, wird die Kabine der betroffenen Passagiere geöffnet und durchsucht. Das klingt rabiat, ist aber im Sinne der Betroffenen. Denn ohne Reisepass hätten sie keine Chance, dem Schiff über Landesgrenzen hinweg zum nächsten Hafen zu folgen.

Ein Kreuzfahrtschiff legt in Palma de Mallorca ab: Zurückgelassene Passagiere sollten sich zuerst an den Hafenagenten wenden.

Der Hafenagent nimmt zunächst Kontakt zur Reederei auf und informiert die Zuspätkommenden über mögliche Reiserouten zum nächsten Hafenhalt. Die Kosten für das Hinterherreisen müssen die Passagiere selbst bezahlen.

Darauf müssen Passagiere achten

Bei Landgängen sollten Kreuzfahrtfans selbstverständlich stets die Uhr im Blick behalten oder sich die Back-on-Bord-Zeit als Erinnerung mit Warnton im Telefon speichern. Grundsätzlich sollte man mindestens eine Stunde vor der angekündigten Abfahrtszeit zurück an Bord sein. Vor dem Gang von Bord macht es außerdem Sinn, sich über die Wetterlage zu informieren. Bei aufziehenden Stürmen kann es passieren, dass das Schiff früher ablegen muss als auf dem Reiseplan angegeben.

Eine Uhr an Deck eines Kreuzfahrtschiffes: Auf einem Urlaubsdampfer sollten Reisende die Uhrzeit stets im Blick behalten.

Vor einem Ausflug auf eigene Faust sollten Passagiere vorsichtshalber die Telefonnummer des Schiffs speichern, um mögliche Verspätungen notfalls ankündigen zu können. Wer seinen Reisepass nicht beim Reederei-Personal abgegeben hat, sollte die Dokumente stets dabeihaben – zumindest in Kopie. Ebenso wichtig ist etwas Bargeld und eine Kreditkarte, um die Reise zum nächsten Hafen organisieren zu können. Ohne Reisedokumente bleibt den Betroffenen oftmals nur der Weg zur nächsten Botschaft.

Besonders genau sollten sich Reisende die Abfahrtszeiten übrigens in US-amerikanischen Häfen merken. Aufgrund des sogenannten „Passenger Vessel Service Acts“ ist das Hinterherreisen für Schiffspassagiere innerhalb der USA in vielen Fällen verboten.

Bei individuellen Ausflügen werden Kreuzfahrt-Reisende also immer von der Unsicherheit begleitet, das Schiff verpassen zu können. Wer keinerlei Risiko eingehen möchte, sollte sich auf die organisierten Gruppenausflüge der Reedereien beschränken.