Bei der Suche nach günstigen Mietwagen konnten Reisende bis zum Beginn der Corona-Pandemie noch häufig Schnäppchen ergattern. Das ist deutlich schwieriger geworden. Mit den Reisebeschränkungen riss die Nachfrage abrupt ab. Die Folge: Um Kosten zu sparen, verkleinerten viele Unternehmen kurzfristig ihre Flotten.

Mit dem Ende der Corona-Auflagen stieg die Nachfrage dann wieder sprunghaft an – ebenso wie die Preise. Im Mai 2022 waren die Kosten für einen Leihwagen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 49 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Auf Mallorca lagen die Preise nach Angaben des Vergleichsportals „billiger-mietwagen.de“ im Sommer 2022 rund 55 Prozent über denen des Vorjahres – und sogar 248 Prozent über denen von 2019.

Der Grund: Es gibt derzeit nicht genügend Mietwagen, um das Interesse mit günstigen Preisen bedienen zu können. Und die Unternehmen haben angesichts von aktuell sehr langen Wartezeiten in der Autoproduktion Probleme damit, ihre Flotten wieder zu vergrößern.

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Alternative zum Mietwagen: Einzelne Überführungsfahrten

Aber: Trotz der angespannten Marktlage können Sparfüchse mit etwas Glück aber noch echte Mietwagen-Schnäppchen aufspüren. Die lassen sich mit wenigen Ausnahmen nicht auf den regulären Angebots-Seiten im Netz finden, sondern auf speziellen Plattformen für „Überführungsfahrten“, an denen Mietwagenfirmen in der Regel nichts verdienen.

Im Gegenteil: Um ein Leihauto nach einer Kundenfahrt wieder zurück oder zu einer anderen Verleihstation zu bringen, muss das Unternehmen Fahrer und Benzin bezahlen, ohne dabei Einkünfte zu erzielen. Für die Leerfahrten spannen einige Firmen deshalb auch Kundinnen und Kundinnen ein. Denn die profitieren zugleich davon, nahezu ohne Kosten von A nach B zu kommen.

Problem: Einwegfahrten lassen sich schlecht im Voraus planen, da im Vorfeld nicht garantiert werden kann, ob das Auto am gewünschten Standort am Ende tatsächlich zur Verfügung steht. Flächendeckende Überführungs-Angebote für Privatkundinnen und Privatkunden sind für die einzelnen Mietwagenanbieter deshalb nur sehr aufwendig zu gestalten – und würden ab einem bestimmten Umfang Gefahr laufen, das reguläre Mietwagengeschäft zu beeinträchtigen. 

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Apps und Websites bieten Lösungen an

Für dieses Problem haben inzwischen mehrere Anbieter Lösungen entwickelt und vermitteln verfügbare Überführungsfahrten in Deutschland und Europa direkt an Privatkundinnen und Privatkunden.

Nutzerinnen und Nutzer geben auf Internetseiten und in eigens dafür entwickelten Apps einfach das gewünschte Ziel, den Reisezeitraum und den bevorzugten Startpunkt in einer Suchmaske ein oder schauen auf einer Landkarte nach, wo Überführungsfahrten von Deutschland ins europäische Ausland oder umgekehrt verfügbar sind.

Mit dem Mietwagen nach Mallorca: Als Belohnung für die 2000 Kilometer lange Überführungsfahrt spart man die Flugkosten.

So lässt sich zum Beispiel auf der Plattform „Movacar“, die unter anderem mit „Europcar“ zusammenarbeitet, ein VW-California-Van für eine rund 1500 Kilometer lange Fahrt von Sehnde (Region Hannover) nach Rom ausleihen. Preis: 1 Euro für bis zu vier Personen inklusive einer Tankfüllung, „Basisversicherung“ und 1700 Kilometern Fahrdistanz.

Auf dem Weg in die italienische Hauptstadt darf also auch ein kleiner Umweg eingeplant werden. Die Selbstbeteiligung bei der Autoversicherung lässt sich abhängig vom Anbieter gegen einen Aufpreis reduzieren.

Je nach Angebot müssen die Fahrzeuge innerhalb von 24, 48 oder 72 Stunden überführt werden. In einigen Fällen werden die Spritkosten komplett übernommen. Jeder zusätzliche Kilometer kostet 50 Cent. Die Fahrerin oder der Fahrer muss seit mindestens zwölf Monaten im Besitz eines Führerscheins sein und 2000 Euro Kaution hinterlegen. Bei „Movacar“ stehen auch Fahrten aus dem Ausland nach Deutschland zur Auswahl, etwa aus Spanien, Frankreich, Italien und Österreich

Vergleichbare Angebote gibt es auf der App-Plattform von „Flipcar“. Das Unternehmen lockt Kundinnen und Kunden zum Beispiel mit einer Überführungsfahrt im Smart Forfour für vier Personen von Berlin über Barcelona nach Mallorca zum Preis von 1 Euro – Tankfüllungen, Fährkosten und Mautgebühren inklusive.

Die Mietwagenfirmen „Starcar“ bietet auch auf der eigenen Internetseite Überführungsfahrten an, allerdings überwiegend innerhalb von Deutschland. Hertz bietet den Service bisher nur in Großbritannien an.

Ein Beitrag zum Klimaschutz?

Die Anbieter bewerben ihre Angebote auch als klimafreundlich. Statt einer Leerfahrt würden die Autos für Reisezwecke verwendet. „Movacar“-Sprecher Jörg Olvermann: „Das Auto wird für eine echte Reise genutzt und spart das zusätzliche CO2 ein, das die Reisenden mit einem anderen Verkehrsmittel ausgestoßen hätten.“