Wilde Jagd: Landauf, landab durch die Raunächte

Zwischen altem und neuem Jahr scheint die Geisterwelt in den Tagen und Nächten der „wilden Jagd“ zum Greifen nah. Auf Schloss Waldburg in Oberschwaben statten Gaukler und die schaurige Sagengestalt Krampus dem mittelalterlichen Wintermarkt einen Besuch ab. Ruhiger geht es bei einer Raunachtwanderung mit Geschichten und Räucherritual in Bad Herrenalb zu. Legenden aus den „Heiligen Nächten“ bietet eine abendliche Tour auf den Kaiserberg Hohenstaufen bei Göppingen.

Mit dem schwindenden Tageslicht rücken schaurige Gestalten zum Schloss vor.

Würfelglück zum Jahreswechsel: Silvesterpaschen

An Geselligkeit kaum zu überbieten ist das traditionelle Silvesterpaschen, das in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs vorkommt. Der Ablauf ist ähnlich: Man trifft sich nachmittags im Gasthaus und würfelt um Hefegebäck oder buchstäblich „um die Wurst“. Das „Paschen“ gilt als ältestes Glücksspiel der Welt. Seinen Namen hat es vom französischen Würfelspiel "Passe-dix", was so viel bedeutet wie "über zehn". Erste Belege zum Silvesterpaschen in Süddeutschland stammen bereits aus dem Mittelalter.

In Demut hoch zu Ross: Westhausener Silvesterritt

Zu Silvester findet in Westhausen bei Aalen eine große Reiterprozession statt. Die Tradition geht aus einer langwierigen Viehseuche Anfang des 17. Jahrhunderts hervor. In ihrer Not gelobten die Landwirte, dem Heiligen Silvester eine Kapelle zu bauen, wenn er sie erlöse. 1626 endete die Seuche und die Bauern hielten ihr Versprechen. Damit entstand der Brauch, dem Schutzheiligen an seinem Gedenktag ein Fruchtopfer darzubringen. Tausende Zuschauerinnen und Besucher sind dabei, wenn die über 200-köpfige Reitergruppe zur Kapelle zieht und den Segen für Reiter und Pferd erhält.

Die Zeit zwischen den Jahren prägt seit jeher eine geheimnisvolle Stimmung.

Der große Renner: Kirchheimer Silvesterlauf

Eine vergleichbar junge, besonders bei Sportbegeisterten beliebte Tradition ist der seit 1981 stattfindende Silvesterlauf vom Kirchheimer Rathaus zur Burg Teck. Hierbei gilt es 18 Kilometer und 464 Höhenmeter zu bezwingen, ohne sich von den Glühweinständen am Weg aufhalten zu lassen. Das Event lockt alljährlich Hunderte, teils kreativ kostümierte Läuferinnen und Teilnehmer an. Wer noch vor den guten Vorsätzen damit beginnen möchte, kleine Weihnachtspölsterchen abzutrainieren, dem sei dieses Event wärmstens empfohlen.

Gewichtige Tradition: Silvesterwiegen in Nürtingen

Wenn Amts- und Würdenträger ihr Gewicht auf einer historischen Sackwaage öffentlich ermitteln lassen, ist der Jahreswechsel in Nürtingen eingeläutet. Die seit 1832 zelebrierte Tradition findet inzwischen bei einem Charity-Weißwurstfrühstück in der Stadthalle statt. Die vermeintlichen Gründe für die Zu- oder Abnahme des Gewichts im Vergleich zum Vorjahr werden gewürzt mit einer Prise Humor analysiert. Der Durchschnitt des Gesamtgewichts aller Teilnehmenden kann als positive oder negative Jahresbilanz gelesen werden.

Glücksbringer mit Geschmack: Neujahrsbrezel

Für viele gilt: Kein Jahreswechsel ohne Neujahrsbrezel. Aus einem Neujahrsring entstanden, verkörpert sie heute noch Unendlichkeit und darf beim Neujahrsfrühstück nicht fehlen. Die Glücksbringer variieren stark in Größe und Dekor. Ein besonders ausladendes Exemplar kann bis zu einem Meter messen und wiegt mit Verzierungen mehrere Kilo. Nach alter badischer Tradition werden die Neujahrsgaben teils mit eingebackenen Geldstücken veredelt.

Mit ihren aufwendigen Verzierungen sind Neujahrsbrezeln wahre Kunstwerke.

Altes Liedgut und „Sterndriller“: Haslacher Dreikönigs-Sänger

Im Schwarzwälder Kinzigtal als Heimat des weltberühmten Bollenhuts blickt man auch sonst auf einen reichen Brauchtumsschatz. In Haslach findet sich einer der ältesten Dreikönigsbräuche Baden-Württembergs: Vom 1. bis 6. Januar ziehen die Dreikönigs-Sänger durch die Kleinstadt und geben alte Haslacher Weihnachtslieder zum Besten. Begleitet werden sie von "Sterndrillern“ und Laternenträgern. Der Ursprung der mehrstimmigen Weihnachts-, Hirten- und Dreikönigslieder wird im Alpenraum vermutet, von wo sie der Wirt Xaver Thoma im 19. Jahrhundert mitgebracht haben soll.

„`S goht degege“: Abstauben und einläuten

Der 6. Januar ist in Baden-Württemberg gleichermaßen Dreikönigstag und Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Beim traditionellen „Abstauben“ werden Narrenhäs oder -kleid und Larve symbolisch vom Staub des Jahres befreit und neue Zunftmitglieder begrüßt. Teils wird die närrische Zeit außerdem mit Peitschen, Karbatschen, Glocken oder Schellen eingeläutet. Andernorts übernimmt ein Ausrufer die Verkündung, die oft im Anschluss an den Dreikönigs-Gottesdienst erfolgt. Kleinere Umzüge und Feuer in verschiedenen Gemeinden signalisieren: Ab jetzt „goht’s degege“. 

Die holzgeschnitzten Larven sehen je nach Region und Narrenzunft anders aus.

Weitere Winter-Erlebnisse in Baden-Württemberg findest du unter tourismus-bw.de.