Tödliche Viren, streng wissenschaftliche Experimente, geheime Militärübungen oder angebliche Geister: Die gefährlichsten Inseln Europas bringen nicht nur jede Menge Nervenkitzel mit sich, sondern auch die spannendsten Geschichten. Wir zeigen dir die gefährlichsten Inseln Europas– und warum du sie nicht besichtigen darfst.

1. Gruinard Island, Schottland

Eine gruselige Geschichte wird über die zwei Quadratkilometer große Insel Gruinard Island erzählt, die einen Kilometer vor der Nordwestküste des schottischen Festlands im Atlantischen Ozean liegt. Lange galt die Insel als gefährlichste der Welt und trug den Kosenamen „Anthrax-Insel“.

Denn im Zweiten Weltkrieg wurden hier im Auftrag des britischen Kriegsministeriums Biowaffen-Experimente mit Anthrax für die biologische Kriegsführung durchgeführt.

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Irgendwann stellten die Wissenschaftler fest, dass Sporen des tödlichen Krankheitserregers in den Boden eingedrungen waren – und die Insel wurde gesperrt. Ab 1978 wurden Studien zur Entseuchung der Insel durchgeführt, 1986 versuchte man dann, die Insel zu retten. 280 Tonnen Formaldehyd wurden in den Boden geleitet und die Vegetation mit Herbiziden vernichtet.

Seit 1990 gilt die Insel offiziell als anthraxfrei, Besucherinnen und Besucher finden sich aber nicht ein. Zu groß ist die Angst, dass es noch immer Milzbrand-Sporen gibt. Schräg: Im März 2022 ging die Insel von dem einen bis zum anderen Ende in Flammen auf. Ob der Brand natürlich entstand oder gelegt wurde, ist unklar.

2. Riems, Deutschland

Die Inseln Deutschlands sind bekannt für ihre Schönheit, es gibt allerdings eine, die zu den gefährlichsten Inseln der Welt zählt: Riems liegt im Südwesten des Greifswalder Boddens und gehört verwaltungsrechtlich zum Stadtgebiet der Hansestadt Greifswald, ist aber eine Exklave – und beherbergt die älteste virologische Forschungsstätte der Welt. Diese wurde im Jahr 1910 von Friedrich Loeffler, einem Schüler von Robert Koch, gegründet.

Auf der deutschen Insel Riems befindet sich die älteste virologische Forschungsstätte der Welt.

Weil er bei seinen Untersuchungen unbeabsichtigt eine ganze Region bei Greifswald mit der Maul- und Klauenseuche infiziert hatte, zog er 1910 aus Sicherheitsgründen auf die Insel Riems. Zur NS-Zeit wurden auf Riems potenzielle Biowaffen untersucht.

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In den 1990er-Jahren war das Wohngebiet im westlichen Teil für einige Jahre zugänglich, wegen der Forschungsarbeiten mit Viren ist die Insel jedoch wieder für die Öffentlichkeit gesperrt. Heute herrscht permanent Sicherheitsstufe 4 und die Insel ist durch hohe Mauern und Stacheldraht geschützt. Denn die Viren könnten Millionen Tiere und Menschen töten und Epidemien und Seuchen verursachen.

Heute erforscht man Tierseuchen wie BSE, Maul- und Klauenseuche, Schweinepest und Zoonosen sowie Sars, Ebola oder das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber. 2020 nahm zusätzlich ein Tiergesundheits­forschungsinstitut seine Arbeit auf und es entstanden weitere Hochsicherheitslabore.

3. Poveglia, Italien

Der Grat zwischen verboten und verflucht ist auf der Insel Poveglia sehr schmal. Das kleine Eiland, das in der Lagune von Venedig liegt, hat nicht nur einen Ruf von Gefahr, es ranken sich auch zahlreiche Geschichten um Poveglia. Die Insel wird auch „Insel des Wahnsinns“ genannt und viele Einheimische behaupten, es würde dort spuken.

Die italienische Insel Poveglia wird auch „Insel des Wahnsinns“ genannt.

Fakt ist: Die Geschichte der Insel ist nichts für Zartbesaitete. Poveglia galt lange als Ort der Verbannung: erst für Menschen mit ansteckenden Krankheiten, später für Patientinnen und Patienten, die als geistig verwirrt galten. Poveglia gilt zudem als verflucht, seit ein Arzt Experimente an Kranken in der psychiatrischen Klinik der Insel durchgeführt hatte. Deshalb gibt es hier keine Menschen: Die Insel ist seit über 50 Jahren unbewohnt, die Gebäude sind extrem baufällig. Das Betreten ist verboten.

Schräg: Vor einigen Jahren wollte die Stadt das Nutzungsrecht der Insel in einer Auktion versteigern, allerdings wehrten sich die Venezianerinnen und Venezianer gegen diesen Plan.

4. Surtsey, Island

Weder Geister noch eine düstere Vergangenheit gibt es auf Surtsey in Island: Die Insel ist jung und entstand erst 1963 aufgrund von Vulkaneruptionen. Das Betreten strengstens verboten. Die Gefahr kommt allerdings nicht von der Insel, sondern von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die gegen Eindringlinge strenge Strafen verhängen würden.

Denn auf Surtsey findet ein einzigartiges Experiment statt: Es wird erforscht, wie sich eine Insel ohne menschliche Eingriffe entwickelt – und Surtsey darf bis heute ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken betreten werden.

Die isländische Insel Surtsey darf ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken betreten werden.

Damit das hochwissenschaftliche Experiment funktionieren kann, muss das Eiland komplett dem menschlichen Einfluss entzogen sein. Die Regeln sind streng: Jede und jeder, die oder der auf Surtsey forscht, wäscht vorher seine Kleidung, bürstet die Schuhe ab und muss einen keimfreien Rucksack mitbringen.

Verrückt: Es kam zweimal vor, dass der Mensch in das Ökosystem auf Surtsey eingegriffen hat. Einmal fand man eine Tomatenpflanze, ein anderes Mal entdeckte man Kartoffeln, die vermutlich aus den Resten einer Mahlzeit gewachsen waren.

5. Diego Marcia, Großbritannien

Viele Legenden und Gerüchte ranken sich um die Insel Diego Marcia, die rund 27 Quadratkilometer groß ist. Politisch gehört die Insel zu Großbritannien, geografisch liegt sie aber mitten im Indischen Ozean. Diego Garcia ist das größte Atoll des Chagos-Archipels, des letzten verbliebenen Teils des Britischen Territoriums im Indischen Ozean. Einst im Besitz von Portugal und Frankreich, ging die Insel Anfang des 19. Jahrhunderts an Großbritannien über.

Ab den 1970er-Jahren nutzte Großbritannien die Insel für militärische Zwecke – und löste damit eine Diskussion aus, die bis heute anhält. Damals wurden die Einheimischen von der Insel vertrieben und ihre Plantagen vernichtet. Viele konnten sich in der neuen Umgebung auf Mauritius schlecht integrieren und endeten in den Slums von Port Louis. Währenddessen wurde die Insel an die USA vermietet, auch sie nutzten die Insel für militärische Zwecke.

1973 nahm der US-Geheimdienst NSA einen Horchposten in Betrieb, um die Bewegungen sowjetischer Kriegsschiffe zu überwachen. Laut einem der Bericht der „Washington Post“ aus dem Jahre 2003 soll dort sogar ein geheimes Militärgefängnis betrieben werden.

Die militärische Nutzung durch die USA kann angeblich bis mindestens 2036 aufrechterhalten werden, die Proteste häufen sich jedoch: 2019 erklärte der Internationale Gerichtshof den Anspruch auf die Inselgruppe als rechtswidrig und die Weiterverwendung durch das britische und das US-amerikanische Militär als ein Relikt des Kolonialismus.