In den Nachrichten ist es immer wieder Thema: Flugzeuge, die über einer Region tonnenweise Kerosin abgelassen haben. Die Menschen, die dort leben, sind verunsichert. Was bedeutet der abgelassene Treibstoff für die Umwelt – und warum muss das überhaupt sein?

Im Normalfall lässt kein Flugzeug Treibstoff ab, das ist weder zulässig noch wirtschaftlich, erklärt der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BdL) auf seiner Homepage. Schon allein aus Kostengründen würden Fluggesellschaften versuchen, so viel Kerosin wie möglich einzusparen.

In diesen Ausnahmen darf Kerosin abgelassen werden

Häufig würden Menschen einen Streifen kondensiertes Wasser fälschlicherweise mit Kerosin verwechseln. Beim Landeanflug ziehen die Maschinen an den Flügeln dann einen weißen Streifen hinter sich her, der allerdings nur aus Wasserdampf bestehe. Doch es gibt einige Ausnahmefälle, in denen Flugzeuge tatsächlich Treibstoff ablassen müssen und dies auch dürfen.

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Auftanken: Ein A380 kann rund 380.000 Liter Kerosin aufnehmen.

Eine solche Ausnahme besteht, wenn die Pilotin oder der Pilot kurz nach dem Start wegen eines Notfalls gezwungen ist, wieder umzukehren oder ungeplant zu landen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn einer der Reisenden an Bord dringend ärztliche Hilfe benötigt.

Bevor das Flugzeug landen kann, muss das Gewicht reduziert werden – ansonsten würde das Fahrwerk beschädigt werden. Denn Langstreckenflugzeuge verfügen über riesige Tanks, in denen sie den Treibstoff für die gesamte Flugreise transportieren. Für eine sichere Landung sind sie kurz nach dem Start deutlich zu schwer.

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Auch wenn noch kein akuter Notfall besteht, es aber einer werden könnte, darf für eine sichere Landung Kerosin abgelassen werden. Etwa, wenn kurz vor der Überquerung des Atlantiks ein technischer Defekt auftaucht, bei dem unsicher ist, ob er zu einer Gefahr wird. Bevor Menschenleben riskiert werden, werde lieber Treibstoff abgelassen und umgedreht. Denn die Sicherheit aller habe immer oberste Priorität.

Entscheidung liegt beim Piloten

Ob und wie viel Kerosin abgelassen wird, liegt immer im Ermessen des Piloten oder der Pilotin. So könnte es sein, dass er oder sie bei einem Brand an Bord trotz Übergewichts sofort zur Notlandung ansetzen würde. Denn um Gewicht zu verlieren, müsste die Maschine mehrere Minuten am Himmel kreisen und dabei das Kerosin über Düsen ausstoßen – das könnte bei einem Brand verheerend sein.

Wo und in welcher Flughöhe der Treibstoff abgelassen werden darf, ist genau festgelegt. So schreibt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation vor, dass sich das Flugzeug in vier bis acht Kilometern Höhe und möglichst über nicht oder allenfalls dünn besiedeltem Gebiet befinden sollte. Jeder Treibstoffschnellablass muss innerhalb von 72 Stunden gemeldet werden.

Wie wirkt sich das Kerosin auf die Umwelt aus?

Durch die Fluggeschwindigkeit werde das Kerosin zu feinem Nebel verwirbelt, berichtet der BdL. Der Nebel bleibe in der Atmosphäre, bis er durch die Energie der Sonne in Wasser und Kohlendioxid umgewandelt werde. Bisher seien keine verunreinigten Pflanzen- oder Bodenproben festgestellt worden, heißt es weiter.