Veszprem, eine Stadt mit 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Westen von Ungarn, existierte bislang größtenteils unter dem Radar von Besucherinnen und Besuchern. Das soll sich im Jahr 2023 ändern, wenn die Stadt den Titel als europäische Kulturhauptstadt trägt.

Wobei der Begiff in diesem Fall nicht ganz passend ist: Denn gekürt hat die Europäische Union nicht nur die Stadt, sondern gleich die ganze Region rund um den Balaton. Wir stellen dir die Region genauer vor und verraten, warum sich ein Besuch in Veszprem und am Balaton lohnt.

Kulturhauptstadt mit Provinzcharme

Veszprem ist keine überlaufene Touristenmetropole, sondern hat sich den Charme der Provinz erhalten. Die „Stadt der Königinnen“ ist eine der ältesten Städte Ungarns und lockt mit einem altehrwürdigen Burgviertel, Kirchen, Museen und Kunstsammlungen. 

Blick über die Stadt Veszprem mit der Sankt-Stephan-Talbrücke.

Der Weg in das Burgviertel führt dich durch das Heldentor: ein Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg mit interaktivem Museum. Eine klassische Burg suchst du im Burgviertel allerdings vergeblich. Von der mittelalterlichen Festung, die hier einmal stand, zeugen nur noch einige Mauerreste.

Stattdessen findest du auf dem Burgberg in Veszprem historische Gebäude mit bunten Fassaden in Gelb und Rosa, eine Reihe von Museen und spektakuläre Ausblicke auf die Höhenzüge des Bakonygebirges.

Blick auf die Kirchtürme der Stadt Veszprem.

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Schon von Weitem zu sehen sind außerdem die Türme der Kirchen auf dem Burgberg: der neuromanische Dom St. Michael, die schlichte Franziskanerkirche, die klassizistische Piaristenkirche und die frühgotische Gisela-Kapelle.

Das Wahrzeichen der Stadt ist aber der alte Feuerturm. Ursprünglich diente er als Wachturm der Burg. Heute kannst du seine Spindeltreppe hinaufsteigen und hast du einen hervorragenden Blick auf die Stadt.

Der Feuerturm ist eines der Wahrzeichen Veszprems. Er wurde ursprünglich als Wachturm gebaut.

Weitere Stopps beim Stadtbummel sind das prächtige Erzbischofpalais, die Dreifaltigkeitssäule und ein Bronzebildnis, auf dem Michael den Teufel besiegt. Jeden zweiten Sonntag findet auf dem Hauptplatz ein Markt statt, auf dem es neben Lebensmitteln auch Kunst aus der Region zu kaufen gibt – zum Beispiel originellen Schmuck aus benutzten Kaffeekapseln.

Ein Stück von Veszprem entfernt lädt die Porzellanmanufaktur Herend zu einem Besuch ein. Sie zählt zu den bedeutendsten in Europa, mit Abnehmern in 58 Ländern. 

Die Porzellanmanufaktur Herend stellt Geschirr in Handarbeit her.

Im Museum der Manufaktur kannst du eine üppige Kollektion aus Vasen und Tassen, Krügen und Figuren bewundern. In den Schauwerkstätten lässt sich die aufwendige Handarbeit verfolgen.

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Der Balaton: Ein See wie ein Binnenmeer

Vor den Toren von Veszprem führt dich eine kurze Fahrt durch Hügel und Mischwald direkt zum Balaton. In Deutschland und Österreich wird er häufig auch Plattensee genannt. Mit seinem 596 Quadratkilometer großen Wasserspiegel wirkt er wie ein Binnenmeer. Tatsächlich ist der Balaton der größte Binnensee Mittel- und Westeuropas, größer auch als der Bodensee.

Der Plattensee in Ungarn. Er ist der größte Binnensee Mittel- und Westeuropas.

Im Gegensatz zum Bodensee ist das milchig grün-blaue Gewässer allerdings ziemlich flach. Weil der See außerdem von einem Mikroklima profitiert, erwärmt er sich im Sommer leicht. Unter Badefans, vor allem Familien mit Kindern, sind besonders die flachen Südufer beliebt. An einigen Stellen könntest du Hunderte Meter weit in den See laufen.

Lavendel und Weinanbau in Tihany

Wenn du den Balaton lieber aus der Ferne bewundern möchtest, lohnt sich eine Reise auf die Halbinsel Tihany. Hoch über dem Nordufer hast du dort einen traumhaften Blick auf den riesigen See. 

Die barocke Abtei des Benediktinerklosters in Tihany.

Tihany punktet außerdem mit der prunkvollen Barockkirche des Benediktinerklosters. Das Kloster aus dem Jahr 1055 ist gleichzeitig Begräbnisstätte der Familie von König Andreas I. In der Zeit der Türkenkriege wurde es zu einer Festung umgebaut. Sie wurde bis zum Ende der Auseinandersetzungen nie eingenommen.

Ein blühendes Lavendelfeld in Tihany.

Lavendelblüte am Balaton

Im Frühling und Sommer blüht die ganze Halbinsel in prächtigen Farben. Unter anderem wird hier seit der Jahrtausendwende auch Lavendel angebaut. Bis heute hat der Anbau und die Verarbeitung der duftenden Pflanzen in Tihany eine bedeutende Tradition.

Die erste Ernte läuft im Juli, eine zweite kann es Ende August geben. Zur Lavendelernte finden auch die Lavendelwochen statt mit Bastelkursen, Kunsthandwerksmarkt und Lavendel-Workshops.

Weinreben am Plattensee. Die Region ist für den Weinanbau bekannt.

Bekannt ist die Gegend um den Plattensee auch für den Weinanbau. Seine Geschichte reicht bis in die Römerzeit zurück. Die Basaltböden und das ausgeglichene Klima verleihen dem Wein ein mineralisches, feines Aroma. Aushängeschild der Region ist die Weißweinsorte Kéknyelü, die praktisch nur am Balaton anzutreffen ist.

Barockprunk in Keszthely

Auf dem Weg entlang des Nordufers lohnt sich ein Ausflug nach Keszthely. Die Stadt am nordwestlichen Rand des Sees ist mit gut 22.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die zweitgrößte Stadt am Balaton. Mit mediterranem Flair lädt sie zu langen Spaziergängen ein – zum Beispiel im sorgsam gepflegten Park beim Barockschloss Festetics. 

Das Schloss Festetics in Keszthely. Es gilt als eines der schönsten Barockschlösser in Mitteleuropa.

Das Gebäude von 1745 gilt als eines der schönsten Barockschlösser in Mitteleuropa. Ein Höhepunkt ist die gut 200 Jahre alte, üppig ausgestattete Helikon-Bibliothek mit mehr als 90.000 Bänden. Ein separater Zugang führt dich in ein Kutschenmuseum.

Heilschlamm to go in Héviz

Gleich hinter Keszthely liegt die Kleinstadt Héviz. Hier ist ganzjährig Badesaison, denn in Héviz findest du den größten Thermalsee der Welt. Das mineralhaltige Wasser ist das ganze Jahr über angenehm warm und tauscht sich auf natürliche Weise mehrfach täglich aus.

Der Thermalsee in Héviz. Dem Wasser werden heilende Kräfte nachgesagt.

Dem Thermalwasser, dem Schlamm aus dem See und dem milden Klima werden heilende Kräfte nachgesagt. Heilschlamm kannst du hier sogar zum Mitnehmen kaufen, in Fünf-Kilo-Eimern.

Veszprem und der Balaton: Kulturhauptstadtregion 2023

Von dem Titel als Kulturhauptstadtregion erhoffen sich Veszprem und die Region am Balaton einen Aufschwung. Seit der Bekanntgabe laufen Initiativen gegen den Leerstand in den Städten, neue Lokale und Weinbars sind entstanden. Bis zu 2,5 Millionen Besucherinnen und Besucher wollen die Organisierenden während des Kulturhauptstadtjahres in die Region locken.

Anreisen kannst du zum Beispiel per Zug oder Flugzeug nach Budapest und von dort weiter ins 120 Kilometer südwestlich gelegene Veszprem und in die Balaton-Region. Für die Einreise benötigst du lediglich einen Personalausweis. Coronabedingte Einschränkungen gibt es aktuell keine.

Die Eröffnungsfeier in Veszprem soll am 21. und 22. Januar stattfinden. Richtig los geht es mit dem Programm dann im Frühjahr und Sommer 2023.

Das sind einige der Programmpunkte

  • Das Kunst- und Kulturfest „Gisela-Tage“ vom 1. bis 7. Mai
  • Das internationale Tanzfestival vom 23. bis 28. Mai
  • Das Ungarische Filmfestival vom 7. bis 11. Juni
  • Das Operettenfestival vom 8. bis 11. Juli
  • Das musikalische Veszprem-Fest vom 10. bis 16. Juli
  • Das Straßenmusikfestival vom 19. bis 22. Juli
  • Das Auer-Festival mit klassischer Musik vom 2. bis 7. August
  • Das Balaton Wein- und Gourmetfestival vom 28. September bis 1. Oktober