Es gibt viele Arten, eine Stadt kennenzulernen: per Hop-on-hop-off-Bus, bei einer Stadtrundfahrt, per Fahrrad oder auch per Boot. Doch ein Fortbewegungsmittel wurde zuletzt immer beliebter für Sightseeing-Touren: die eigenen zwei Beine. 

War es früher in manch einer Stadt schwierig, zu Fuß zwischen den vielen Autos auf breiten Straßen zu bestehen, haben viele in der jüngeren Vergangenheit in den Ausbau der Infrastruktur für Fußgängerinnen und Fußgänger investiert. Die meisten Projekte dienen dazu, die Lebensqualität für Einheimische zu verbessern – aber auch Touristinnen und Touristen profitieren von so manch einem Umbau.

1. Brügge in Belgien

Wenn es darum geht, in welcher Stadt Sightseeing zu Fuß am besten und einfachsten funktioniert, ist Brügge ganz vorn dabei. Die Stadt in Belgien hat in einer Auswertung, die dieses Frühjahr veröffentlicht wurde, den ersten Platz belegt. Die Hotelgruppe „Motel One“ hatte ein Ranking erstellt mit Städten, in denen mindestens fünf große Sehenswürdigkeiten auf einem Spaziergang von einer bis anderthalb Stunden erreicht werden können. Brügge konnte sich dabei vor dem britischen Manchester und dem deutschen Frankfurt am Main durchsetzen. 

Brügge verzaubert Besucherinnen und Besucher nicht nur mit den Gassen mit Kopfsteinpflaster und den Kanälen, die die Stadt durchziehen und sich perfekt zum Flanieren eignen. Im Zentrum der Stadt finden sich nämlich auch zahlreiche historische Gebäude, etwa das Rathaus, Stadhuis genannt, aus dem 14. Jahrhundert sowie ein Belfried aus dem 13. Jahrhundert mit 47 Glocken. Der Turm eignet sich auch perfekt für all jene, die eine Stadt gern von oben betrachten.

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Binnen anderthalb Stunden lassen sich in Brügge die größten Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkunden.

2. Paris in Frankreich

Während der Corona-Pandemie sind zahlreiche Menschen auf das Auto umgestiegen – doch in Paris, der Hauptstadt von Frankreich, zog es die Einwohnerinnen und Einwohner zu Fuß auf die Straße. Das Umdenken ging mit weitreichenden Modernisierungen der Infrastruktur einher, denn Paris hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Fußgängerinnen und Fußgänger sowie das Fahrrad das Auto als Verkehrsmittel ersetzen.

So gibt es etwa neue Fußgängerwege an der Seine und die Brücke zwischen dem Eiffelturm und dem Trocadéro soll im kommenden Jahr vollständig zur Fußgängerzone werden. Außerdem ist geplant, in den kommenden drei Jahren 170.000 Bäume zu pflanzen, um die Stadt zu kühlen und attraktiver zum Flanieren zu machen. 

Am Ufer der Seine in Paris sind einige Spazierwege für Fußgängerinnen und Fußgänger ausgebaut worden.

Der Pariser Blogger Roobens Fils von „Been Around the Globe“ hat der BBC einige Tipps für touristische Spaziergänge in der Stadt gegeben: die sieben Kilometer lange Route Parc Rives de Seine, die Rue Montorgueuil im Zentrum mit Wein-, Blumen- und Käseläden, die Rue Saint Rustique mit dem Kopfsteinpflaster sowie die Cour Saint Emilion mit Cafés und Boutiquen. 

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Doch nicht nur Fußgängerinnen und Fußgänger profitieren von der Verkehrswende – auch an die Radfahrerinnen und Radfahrer wurde gedacht. 180 Kilometer neuer Radwege sollen bis 2026 entstehen, 180.000 Fahrradparkplätze geschaffen werden. Einige Hauptverkehrsstraßen haben Autospuren verloren, sie wurden umgewidmet für den Radverkehr. 

3. Oslo in Norwegen

Die norwegische Hauptstadt Oslo war schon immer gut für jene, die eine Stadt zu Fuß erkunden wollen. So lassen sich der Hafen Aker Brygge, das Schloss, das Parlament, der Bahnhof, die Oper und das neue Munch-Museum auf einem kleinen Spaziergang verbinden. Auch das neue Nationalmuseum von Norwegen, das 2023 eröffnen soll, die Festung Akershus sowie das Nobel-Friedensmuseum liegen auf der Route.

Trotzdem hat Oslo noch einmal investiert. In den vergangenen Jahren entstand der neue Stadtteil Bjorvika mit allerlei Highlights. Die Oper, ein Badestrand mitten in Oslo am Oslofjord, das Outdoor-Kulturzentrum Sukkerbiten, die Bibliothek Deichman, schwimmende Saunen und eine 280 Meter lange Fußgängerbrücke über den Oslofjord sind allesamt auf einem einzigen Rundweg zu erkunden.

Der neue Osloer Stadtteil Bjørvika ist für Fußgängerinnen und Fußgänger besonders gut geeignet.

Havnepromenaden heißt die neun Kilometer lange Route, die an den größten Highlights vorbeiführt (okay, der Holmenkollen mit der fantastischen Aussicht fehlt – er ist aber auch einfach zu weit außerhalb des Zentrums, ebenso wie die Museumsinsel Bygdoy). Wer also Sightseeing gern zu Fuß machen will, findet auf dieser Strecke Abwechslung zwischen Wasser, Architektur, Kultur und Kunst. 

4. Mailand in Italien

Die italienische Mode-Metropole Mailand ist bei Touristinnen und Touristen ohnehin schon beliebt – doch während der Corona-Pandemie wurde die Stadt noch attraktiver. Es hat nämlich ein Umdenken eingesetzt, weg vom Autoverkehr hin zur Förderung von Rad- und Fußwegen. 

Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie wurde in Mailand damit begonnen, Bürgersteige und Radwege auszubauen. Die Folge waren nicht nur mehr und mehr Fußgängerinnen und Fußgänger, sondern auch ein neues Leben draußen: Restaurants und Cafés eröffneten auf den neuen Flächen Außenbereiche, es sind Märkte entstanden und städtische Gärten, berichtet BBC.

In Mailand wurde in den vergangenen zwei Jahren enorm in den Ausbau von Fußgängerzonen investiert.

In den vergangenen Jahren ist sogar ein ganz neuer Stadtteil entstanden, in dem Autos tabu sind: Citylife ist eine der größten autofreien Zonen in ganz Europa. Statt Parkplätzen und Straßen für die Blechkarren gibt es Parks, Grünflächen, offene Bereiche, wo sich die Menschen treffen können, und Fahrradwege. 

Aber auch das traditionelle Mailand hat inzwischen für Sightseeing-Touren zu Fuß einiges zu bieten. Ein Spaziergang an den Kanälen von Navigli entlang beispielsweise ist ein Highlight. Das einstige Industriegebiet Isola hat sich ebenso gewandelt – statt Fabriken finden sich nun viele öffentliche und offene Bereiche mit Cafés, Galerien und Boutiquen.

5. Breslau in Polen

Breslau in Polen lohnt sich aus vielerlei Hinsicht für einen Städtetrip. Da wäre die historische Altstadt mit den prächtigen Gebäuden und dem Kopfsteinpflaster, da wäre die Geschichte und natürlich die geografische Nähe zu Deutschland – keine 350 Kilometer sind es von der deutschen Hauptstadt Berlin nach Breslau, Wrocław im Polnischen genannt.

Und das beste dabei: Breslau eignet sich hervorragend für einen Stadtrundgang zu Fuß. Es gibt täglich mehrere kostenlose Free-Walking-Touren in verschiedenen Sprachen, die durch das Zentrum führen und bei denen du mehr über die Geschichte der Stadt erfährst. 

Mehr als 600 Zwerge sind über das polnische Breslau verteilt – und perfekt für eine Schnitzeljagd zu Fuß geeignet.

Ein Spiel ist in Breslau aber besonders beliebt: Wusstest du, dass in der polnischen Stadt mehr als 600 kleine Bronze-Statuen von Zwergen stehen? Lesende Zwerge, arbeitende Zwerge, musizierende Zwerge – es gibt alles. Bei einem Stadtrundgang hast du einen ganz anderen Blick auf die kleinen Wesen und kannst zählen, wie viele du entdeckst. Vielleicht findest du ja sogar den Eingang ins Zwergenland. Ein guter Ausgangspunkt ist der Marktplatz mit dem imposanten Rathaus.