Sie haben besondere Bäume, spezielle Klänge, sind bizarr gewachsen oder einfach nur unheimlich – es gibt Wälder in Europa, die haben das Adjektiv „außergewöhnlich“ verdient. Wir stellen dir hier sechs Wälder vor, die du unbedingt mal besuchen solltest. Und manche vielleicht lieber nicht ...

Krumme Kiefern in Polen

Dass ein Baum mal etwas krumm wächst, ist jetzt keine Besonderheit. Wohl aber im Krzywy Las (deutsch: Der krumme Wald) im polnischen Örtchen Gryfino nahe der deutschen Grenze. Denn hier sind irgendwie alle Bäume gleich schief gewachsen und krümmen sich gen Norden. 

Die krummen Kiefern sind ein eigenartiger Anblick. Mit den Bäumen hatten die Menschen etwas ganz Bestimmtes vor.

Die Bäume wurden vor rund 70 Jahren gepflanzt und sind mittlerweile zwischen elf und 15 Meter hoch, der Knick befindet sich ziemlich weit unten im Stamm. Und noch etwas ist mysteriös: Es sind ziemlich genau 100 krumme Kiefern, die restlichen Bäume des Waldes sind normal gewachsen. Ursprünglich sollen es mal 400 gewesen sein.

Die Kiefern wurden in den 1930er-Jahren gepflanzt. Wie es dann zu diesen markanten Krümmungen kam, darüber gibt es bis heute nur Theorien. Eine besagt, dass die Bäume von Menschenhand gekrümmt wurden, um die Holzform später für Möbel, Schiffe oder ähnliche Dinge zu nutzen.

Eine andere Theorie beschäftigt sich mit dem sogenannten Stockausschlag. Dabei wird ein junger Baum oberhalb der Stelle des ersten Triebes geschlagen. Die jungen Triebe wurden dann für Zäune oder hauswirtschaftliche Geräte genutzt.

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Es könnten allerdings auch Panzer im Zweiten Weltkrieg die jungen Bäume niedergewalzt haben. Diese haben sich dann wieder erholt und sind nach der Krümmung normal weitergewachsen – auch eine Theorie. Starke Magnetfelder, Umweltkatastrophen und Krankheiten sind ebenfalls Erklärungsversuche. Und spuken soll es hier auch noch.

Zu den krumm gewachsenen Kiefern im polnischen Gryfino gibt es jede Menge Theorien.

Der deutsche Forstwissenschaftler Professor Volker Zahner äußerte gegenüber dem Magazin „National Geographic“ eine rationalere Theorie. Er hält es für plausibler, dass die Krümmungen gezielt von Menschen geschaffen wurden. Entferne man bei einem Baum den Wipfeltrieb, übernehme der Seitentrieb die Führung, erklärt der Wissenschaftler.

Das könnte die spezielle Krümmung erklären. Das Holz könnte dann für bestimmte Werkzeuge genutzt worden sein. Der Landesverband der Schulgeographen Mecklenburg-Vorpommern geht laut „National Geographic“ davon aus, dass ein Förster in den Sechzigern die Wipfeltriebe als Weihnachtsbäume verkaufte.

Dafür ließ er aber immer einen unteren Trieb stehen, um im nächsten Jahr wieder Weihnachtsbäume ernten zu können. Dazu kam es aber anscheinend nie und die Kiefern wuchsen gerade weiter. 

Immergrüner Nebelwald in Spanien

Auf der spanischen Insel La Gomera gibt es einen ganz besonderen Wald. Hier, mitten im Nationalpark Garajonay, wächst ein letztes Überbleibsel der suptropischen Wälder, die einst den ganzen Mittelmeerraum bedeckten. Er wird auch gern „immergrüner Nebelwald“ genannt, die Luft zwischen den dicht gewachsenen Bäumen ist kühl und feucht. 

Im immergrünen Wald Garajonay auf La Gomera wachsen mächtige Lorbeerbäume.

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Außerdem wachsen hier verschiedene Arten mächtiger Lorbeerbäume. Sogar die Hälfte des gesamten Lorbeerbestandes der Kanaren wächst hier auf dieser kleinen Insel im Atlantik. Es gibt in den nebeligen Tälern bis zu fünf verschiedene Lorbeersorten, die bis zu 30 Meter groß werden können. 

Durch die hohe Feuchtigkeit wachsen hier auch wunderbar verschiedene Moose und Flechten, die dem Wald noch mehr märchenhaftes Flair verleihen. 

Gruselwald in Rumänien

Auf den ersten Blick sieht der Wald mit dem Namen Hoia Baciu im rumänischen Transsilvanien völlig normal aus. Doch er scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben, wird auch als „Bermuda-Dreieck Europas“ bezeichnet. Der Wald hat etwa eine Fläche von drei Quadratkilometern, um die sich allerlei Mythen und Legenden ranken. 

Der mystische Wald Hoia-Baciu in Rumänien sieht vielleicht nicht gruselig aus, die Geschichten haben es aber in sich.

Es soll sogar ein Hotspot paranormaler Phänomene sein, was für einen Wald im eh schon düster sagenumwobenen Transsilvanien nicht sonderlich überraschen mag. Eine der bekanntesten Legenden dreht sich um einen Schäfer, der samt seiner 200 Schafe in dem Wald verschwand. Das war aber auch schon alles, was darüber bekannt ist.

Einige Menschen sind der Meinung, dass der Wald ein Tor in eine andere Dimension sei, denn auch andere Menschen sollen hier bereits spurlos verschwunden sein. Und manche tauchen wohl wieder auf. So auch ein fünfjähriges Mädchen, das – so besagen es Erzählungen in verschiedenen Internetforen – zwischen den Bäumen verschwunden sei und fünf Jahre später plötzlich wieder auftauchte, jedoch ohne Erinnerungen an die vergangene Zeit. 

Die Geschichten solltest du dir auf jeden Fall nicht vor einem Waldspaziergang durchlesen, den könntest du dir danach nämlich noch mal anders überlegen ...

Klingende Bäume in Italien

Der Wald, der zum großen Teil aus Fichten besteht und im Naturpark Paneveggio in den italienischen Dolomiten wächst, hat einen außergewöhnlichen Spitznamen: der Geigenwald. Wenn du jetzt denkst, dass in dem Wald wirklich melodische Klänge ertönen, müssen wir dich leider enttäuschen. Aber!

Aus den besonderen Bäumen im Paneveggio werden die teuersten Instrumente der Welt gebaut.

Der Wald und vor allem das Holz der Bäume ist trotzdem besonders und vor allem wertvoll. Denn aus dem Holz der heimischen Haselfichten werden Instrumente gebaut. Und das schon seit über 300 Jahren, schreibt die Tageszeitung „F.A.Z.“.

Und auch der berühmte Instrumentenbauer Stradivari soll hier schon höchstpersönlich das beste Holz für seine Geigen rausgesucht haben. Doch welche Bäume sich wirklich für den Instrumentenbau eignen, erkennt man erst nach dem Schnitt, sagen Experten. Das Holz muss leicht sein, gleichmäßig und tatsächlich auch speziell vibrieren.

Ob die berühmten Stradivari-Geigen wirklich aus dem Holz des Paneveggio gebaut wurden, kann man bis heute nicht genau sagen.

Die Haselfichten sollten mindestens 150 Jahre alt sein, bevor sie infrage kommen. Ein Förster aus der Region erklärt gegenüber der „F.A.Z.“, dass das kontinentale Klima einen positiven Einfluss auf das Holz habe. Und auch das Klima vor 300 Jahren könne eine Erklärung für die hohe Qualität der Stradivaris sein, ergänzt er. 

Damals habe es eine kleine Eiszeit gegeben, das Holz sei dadurch besonders trocken geblieben und die Bäume wuchsen langsamer. Aber ob Stradivari wirklich aus dem Holz des Paneveggio seine berühmten Instrumente gebaut hat, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Heute eignen sich rund 0,5 Prozent des Waldes in den Dolomiten für den Instrumentenbau. 

Violetter Waldboden in Belgien

Im Mischwald der Provinz Flämisch-Brabant nahe der belgischen Stadt Halle ist zu einer bestimmten Jahreszeit ein außergewöhnliches Phänomen zu beobachten.

In den Wald von Hallerbos solltest du im Frühling gehen. Dann verwandelt sich der Waldboden in einen violetten Teppich.

Der Waldboden von Hallerbos, wie der Wald genannt wird, verwandelt sich jedes Jahr im Frühling in einen leuchtend blauen Teppich. Grund dafür sind die Hasenglöckchen. Dehalb ist der Forst auch als „Blauer Wald“ bekannt. 

Schätzungen besagen, dass sich der Teppich aus den kleinen leuchtenden Spargelgewächsen seit über 400 Jahren entwickelt.

Es gibt zwei Wanderwege, die dich durch den Wald führen, ohne den Teppich aus Hasenglöckchen zu zerstören. Das ist einmal der vier Kilometer lange Sequoiawandeling und der rund acht Kilometer lange Reebokwandeling. 

Die beste Reisezeit für einen Besuch im Hallerbos ist Ende April, Anfang Mai. Dann stehen die Hasenglöckchen in voller Blüte und strahlen um die Wette.  

Gespenstige Buchen in Deutschland

Der Gespensterwald in Nienhagen bei Warnemünde ist der wohl bekannteste und gleichzeitig außergewöhnlichste Wald der Ostsee. Direkt an den Klippen oberhalb des Sandstrandes reihen sich vor allem große und graustämmige Buchen aneinander. 

Der Gespensterwald in Nienhagen kann im richtigen Licht wirklich gruselig aussehen.

Der Wald ist Teil des Waldgebietes Nienhäger Holz und steht bereits seit 1943 unter Naturschutz. Eichen, Hainbuchen, Buchen und Eschen teilen sich hier eine Fläche von rund 100 mal 1300 Metern. Das Besondere: Die Bäume stehen recht weit auseinander und zwischen ihnen gibt es kaum Sträucher oder anderes Blattwerk.

Das sorgt für ein mystisches Spiel zwischen Licht und Schatten und hat dem Wald vor allem zur Dämmerung zu Recht den Spitznamen „Gespensterwald“ verliehen.