Ein Superlativ soll ganz am Anfang stehen, der für erholungssuchende Touristinnen und Touristen durchaus von Belang sein dürfte: Drenthe im Nordosten der Niederlande, eingebettet zwischen Overijssel, Friesland, Groningen und Niedersachsen, ist die am dünnsten besiedelte Provinz der Niederlande. Man ist versucht zu sagen, dass es ebenso viele Schafe gibt wie Menschen – hier in der Landschaft zwischen Heide, Moor und Kanälen. Aber das stimmt natürlich nicht ganz.

Auf 5.500 zuletzt gezählte erwachsene Drenther Heideschafe kommt immerhin eine knappe halbe Million Einwohnerinnen und Einwohner. Langeweile kommt in der eiszeitlich geprägten Urregion direkt an der Grenze von Niedersachsen aber bestimmt nicht auf. Zu entdecken gibt es viel – vor allem für Familien. Ein Überblick.

Ekotours durch die Heidelandschaft

Gauke Haagsma drückt das Pedal ganz durch, der Geländewagen flitzt durch die Heide und man hört Knacksen im Gehölz. Sonst nichts. Der ehrenamtliche Naturführer Haagsma ist mit seinen Besucherinnen und Besuchern bei einer Ekotour durch die Heide unterwegs und erklärt gerade, wie De Hondsrug, also der Hundsrück, hier entstanden ist.

Während der Eiszeit vor 150.000 Jahren war nämlich das gesamte Gebiet dick mit Eis bedeckt. Die Bewegungen des Gletschers drückten den Boden nach oben und formten eine Hügelkette, den Hondsrug, aber auch als das Eis schmolz und das Wasser abfloss, entstanden eine Erhebung und zudem ein Moorgebiet, das bis nach Deutschland reichte.

Bis in die Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hinein habe man den im Moor entstandenen Torf abgegraben und zum Bauen und Heizen benutzt. „Heute ist die ganze Gegend eher landwirtschaftlich geprägt. Hier wachsen Kartoffeln, Getreide, Mais und Zuckerrüben“, sagt Haagsma und zeigt auf die Felder um sich herum.

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Wald und Heide von Drenthe lassen sich gut bei Touren mit dem Geländewagen erkunden.

Bei den Ekotours durch die Gegend um Exloo erkunden Touristinnen und Touristen den Unesco-Geopark von Drenthe. Die Autos werden von einem Elektromotor betrieben und huschen so flüsternd durch Felder, Heide und Wald.

Das ist auch gut so, schließlich sollen die Rehe und Dachse nicht aufgeschreckt werden, die man während der Tour mit etwas Glück beobachten kann. Auf den Gefährten fühlt man sich ein bisschen wie bei einer Safari in einem Nationalpark in Afrika. Auch wenn statt Löwen eher Heideschafe und Pferde am Wegesrand warten.

Baumeln und sausen zwischen Bäumen

Abenteuerlich wird es für Kinder ab vier Jahren und ihre erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter im Kletterpark Joytime in Grolloo. Rund um den Badesee De Kleine Moere wurden sechs verschiedene Parcours mit zwei bis zehn Metern Höhe aufgebaut. Über 76 Hindernisse und 725 Meter Seilbahn können Besucherinnen und Besucher sich entlanghangeln. Das Highlight: Eine 200 Meter lange Seilbahn, mit der man über den See sausen kann.

Vor dem Hangeln muss ein Einführungskurs in die Kunde der Seilabsicherung absolviert werden. Denn auch kleine Kinder müssen in der Lage sein, sich selbständig an- und abzukarabinern. Das klappt schon bei Vierjährigen erstaunlich gut, und so endet ein Joytime-Besuch nicht nur mit ausgepowerten, sondern auch glücklichen Kindern, die sichtlich stolz sind auf ihre neuen Abenteuerfähigkeiten.

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Spaziergang mit 220 Schafen

Ciska Grootjans ist eigentlich kaufmännische Angestellte für Medizinprodukte. Aber die 52-Jährige lebt schon seit ihrer Kindheit in Exloo. Und deshalb ist sie auch Teilzeitschäferin. Seit 6.000 Jahren ist das Drenther Heideschaf auf dem Gebiet der heutigen Niederlande anzutreffen. Besondere Kennzeichen: extra lange Beine für die unfallfreie Fortbewegung durch die Heide. Und: Hörner tragen hier auch die Damen.

Bis 1960 lebte die Herde von 220 Tieren in Exloo bei den Bäuerinnen und Bauern des Dorfes. Morgens holte sie ein Schäfer ab und trieb sie auf die Heide, denn die Tiere hier fungieren nicht nur als Wolllieferant, sondern auch als Rasenmäher. Durch ihr unermüdliches Fressen halten sie die Heidepflanzen niedrig und verhindern, dass ein Wald aus ihnen erwächst.

Weil das ganze Unterfangen für die Bäuerinnen und Bauern zu teuer wurde, kaufte 1960 die Gemeinde die gesamte Herde. Und seither sind die Tiere auch Touristenattraktion und Identifikationsobjekt der Dorfgemeinschaft. „Es ist uns allen wichtig, diese Tradition fortzuführen. Wir sind das Dorf mit den Heideschafen.

Morgens um zehn laufen die Tiere durch ganz Exloo, nachmittags um vier werden sie zurückgetrieben. Das ist wichtig für die Biodiversität unserer Landschaft. Dafür sollen auch unsere Kinder sensibilisiert werden“, sagt Grootjans und steigt auf ihr Fahrrad, um den Tieren hinterherzufahren, die in beachtlichem Tempo die Dorfstraße gen Heide entlangtraben.

Yvonna Heckmann hütet dreimal in der Woche ehrenamtlich die Schafe der Gemeinde Exloo, mit denen Reisende Spazieren ­gehen können.

Auch Yvonna Heckmann trägt ihren Teil zum Dorfprojekt bei. Als Aushilfsschäferin ist sie heute mit ihren Border Collies eingeteilt, den Tag mit den Tieren auf der Heide zu verbringen. Sie ist Ehrenamtlerin, ihr Geld verdient die 63-Jährige in der Pflege.

Zurück zu den Hünen

Aber nicht nur Natur gibt es zu bestaunen in Drenthe. Zahlreiche gut erhaltene Hünengräber machen es für Besucherinnen und Besucher möglich, eine Reise in die Prähistorie Westeuropas zu unternehmen. Das größte Hünengrab ist 23 Meter lang und kann im Hunebedcentrum in Borger bestaunt werden. In einem angeschlossenen Museum können Kinder und Erwachsene interaktiv mit der Geschichte der Umgebung in Kontakt kommen.

Es gibt einen Film, der verdeutlicht, wie nah die Arbeit des Archäologen der des Detektivs kommt. Kinder können ein Diplom ablegen, wenn sie nach einer Rallye durch das Haus Fragen zu Ernährung, Jagdverhalten, Schmuck und Wohnsituation der damaligen Zeit richtig beantworten können. Und auch die geologischen Gegebenheiten, die die Eiszeit hier hinterließ, werden detailliert und dreisprachig (niederländisch, englisch, deutsch) erklärt.

Im Hunebedcentrum in Borger gehen Alt und Jung auf eine Reise in die Prähistorie. Auch angehende Geologinnen und Geologen können hier viel entdecken.

Adrenalintankstelle mit Wasserrutschen

Im DX Adventurepark in Gasselte kann sich der geneigte Besucher ein bisschen wie beim Überlebenstraining in lustiger Comicversion fühlen. Es gilt, eine ganze Kette an Wassertrampolinen zu überwinden, ohne dabei ins Wasser zu fallen. Obwohl: Wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, bietet das Reinfallen vielleicht sogar einen Extraspaßfaktor. Ständig boingt der eigene Körper von einem Bigairbags zum nächsten. Und wer anschließend noch nicht nass genug ist, der traue sich zu den sechs Wasserrutschenschanzen im größten Freiluftwasserpark der Niederlande.

Zu Beginn steht ein 90-minütiger Kurs im Schanzenspringen und anschließend kann man sich bis zu elf Meter hoch durch die Luft katapultieren lassen. Wer genug Adrenalin getankt hat, kann auch auf der Terrasse einen Smoothie bestellen – und anderen beim Durch-die-Luft-fliegen zusehen.

Tipps für deine Reise nach Drenthe

Anreise: Nach Drenthe kommen Reisende mit dem Auto von Deutschland aus am besten auf der A 31 (ab Duisburg). Bei Meppen geht es rüber in die Niederlande Richtung Emmen und Assen. Der nächste größere Bahnhof liegt in Groningen.

Beste Reisezeit: Die Niederlande sind klimatisch mit Norddeutschland zu vergleichen. In den Sommern kann es mitunter sehr heiß werden, die Winter sind eher regnerisch, Schnee gibt es selten.

Unterkünfte: In den Niederlanden ist der Glampingurlaub auf dem Campingplatz verbreitet. Dabei übernachtet man nicht im eigenen kleinen Zelt, sondern in Luxussafarizelten oder Wood Cabins, also kleinen Ferienhütten. Der Campingplatz De Lente van Drenthe liegt in den Wäldern des Dorfes Gasselte, ganz in der Nähe des Badesees ’t Nije Hemelriek. Die gut ausgestatteten Holzhäuschen für bis zu fünf Personen stehen inmitten eines Sport- und Spielfelds mit Seilbahn, Mountainbikestrecke, Fußball- und Beachvolleyballfeld.

Essen: Das Restaurant ’t Maotie (Kerkstraat 2C in Gasselte) befindet sich zwischen den Dörfern Gieten und Borger auf dem Hondsrug. Auf dem Land gab es früher einen Wassergraben. Im gemütlichen Restaurant mit lauschigem Biergarten werden außer Pfannkuchen auch À-la-carte-Gerichte, eine Drenther Kaffeetafel oder High Tea serviert.

In den Fünfzigerjahren wurde hier am Fuße eines Hügels ein kleines reetgedecktes Teehaus errichtet, in dem zunächst nur Kaffee und Tee ausgeschenkt wurden. Später waren auch Limonade und Eis im Angebot. Heute erhalten Ausflügler im Poolshoogte (Boswachter Meelkerlaan 5 in Odoorn) auch mittags und abends warmes Essen – gelegentlich sogar begleitet von Freiluftkonzerten. Nebenan bietet ein Aussichtsturm Ausblicke über die Drenther Heide und den Wald.

Die Reise wurde unterstützt von Marketing Drenthe. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.