Fußball ist in vielen europäischen Ländern der Volkssport Nummer eins und dadurch auch für viele Menschen ein emotionales Thema. Vor allem zur WM fiebert meist die ganze Nation mit dem eigenen Team mit, feuert die Mannschaft an und feiert die Spieler wie Helden. Bei der umstrittenen Weltmeisterschaft in Katar gibt es neben dem Sportlichen allerdings noch deutlich mehr Gesprächsstoff.

Das Emirat sieht sich dem Vorwurf diverser Menschenrechtsverletzungen gegenüber und wird dafür von vielen Seiten kritisiert. Auf den WM-Baustellen sind Gastarbeiter ums Leben gekommen, die Zahlen reichen hier von einigen wenigen bis in die Tausende. Verantwortung für die Todesfälle will in Katar jedoch niemand wirklich übernehmen.

Fans von 1860 München symbolisieren mit diesen Kreuzen die toten Stadion-Arbeiter in Katar. Jedes Kreuz steht für einen toten Arbeiter.

Um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen, war die deutsche Innenministerin Nancy Faeser in Katar. Und berichtete nach ihrem Besuch: Der katarische Premierminister habe ihr eine Sicherheitsgarantie für jeden Besucher und jede Besucherin der WM gegeben, auch für Homosexuelle. Trotzdem gilt es für Fußballfans, in dem Emirat einige Regeln zu beachten.

Wir zeigen dir die wichtigsten Regeln, die du zu Alkoholkonsum, Kleidungsordnung, Sexualität und generellem Verhalten in der Öffentlichkeit wissen musst.

Aktuelle Deals

Alkoholverbot im und am Fußballstation zur WM in Qatar

Die Regeln zum Konsum von Alkohol haben sich zwei Tage vor WM-Start nochmal verändert, das bestätigte die FIFA. Ursprünglich hatte die Fifa mit den katarischen Organisatoren ausgehandelt, dass vor und nach den Spiel in bestimmten Bereichen um die WM-Stadien herum Alkohol verkauft und getrunken werden darf.

Diese Ausnahme wurde nun gekippt. Einzig der Verkauf von alkoholfreien Bier ist im Bereich der Stadien weiterhin gestattet. Nicht betroffen von dem Alkoholverbot sollen laut „New York Times“ die VIP-Bereiche der Stadien für FIFA-Offizielle und andere wohlhabende Gäste sein.

Katar orientiert sich bei dem Verbot von Alkohol streng am Koran, deshalb ist der Alkoholkonsum im Land üblicherweise sehr stark eingeschränkt.

Auf der extra eingerichteten Fanmeile sollen aber wie geplant alkoholische Getränke verkauft werden, erklärte die FIFA. Auch bestimmte Bars oder Restaurants haben die Möglichkeit, Alkohol an Personen zu verkaufen, die nachweislich älter als 21 Jahre sind. Zur Unterbringung von Fans liegen im Hafen von Doha Kreuzfahrtschiffe vor Anker, auch an Bord dieser dürfen alkoholische Getränke ausgeschenkt werden.

Im Al-Bayt-Stadion in Doha findet das Eröffnungsspiel der WM 2022 statt.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Trotz dieser Ausnahmeregelungen gelte es aber für alle Besucherinnen und Besucher, die lokale Kultur respektvoll zu achten, so die Organisatoren. Wer zu betrunken ist, der muss damit rechnen, in bestimmte Bereichen zur Ausnüchterung gebracht zu werden. Öffentliches Urinieren werde mit Geldstrafen geahndet, bei Drogenkonsum oder Handel drohen weitaus härtere Strafen.

Welche Kleiderordnung besteht in Katar?

Während der WM werden in Katar sommerliche Temperaturen um die 25 Grad Celsius und höher herrschen. Sommerliche Kleidung wird für die Fans vor Ort aber nicht angesagt sein, das stellte der Gastgeber relativ früh klar. Mindestens von den Schultern bis zu den Knien soll die Kleidung den Körper bedecken, auch tiefe Ausschnitte sind nicht erwünscht.

Badehose, Bikini oder gar oberkörperfrei ist nur an Pools oder Stränden erlaubt, an denen dies ausdrücklich erwähnt wird.

Darf man in Katar in der Öffentlichkeit küssen?

Kurz gesagt: Alles, was über das Händchenhalten hinausgeht, ist in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen. Darauf weist das Reiseportal „qatar-travel-germany“ hin.  Das beeinhaltet das Küssen, aber auch Umarmungen. Wer dem zuwiderhandelt, muss mit Strafen rechnen.

Dass natürlich auch Prostitution verboten ist und hart bestraft wird, erscheint da nicht mehr verwunderlich.

Welche Regeln gelten für Homosexuelle in Katar?

Homosexualität ist in Katar illegal. Laut dem Auswärtigen Amt sollte LGBTQI+-Reisenden bewusst sein, dass in dem islamischen Staat „homosexuelle Handlungen und nicht ehelicher Geschlechtsverkehr verboten sind und strafrechtlich geahndet werden“. 

Also auch, wenn der Bundesinnenministerin eine Sicherheitsgarantie für alle Fußballfans der WM gegeben wurde, muss jeder Person klar sein, dass das Zeigen gleichgeschlechtlicher Zuneigungen in der Öffentlichkeit wesentlich drastischere Strafen nach sich ziehen kann als für heterosexuelle Menschen. Homosexuelle Handlungen können mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden, theoretisch ist nach Scharia-Recht auch die Todesstrafe möglich, es gibt jedoch keine bekannten Fälle, in denen diese angewendet wurde.

Nach homophoben Aussagen des katarischen WM-Botschafters Salman, äußerte sich unter anderem der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) besorgt um die Sicherheit von LGBTQI+-Personen. Eine geforderte Reisewarnung für die betreffende Personengruppe lehnte das Auswärtige Amt nun dennoch ab.

Gleichgeschlechtliche Paare, die gemeinsam ein Hotelzimmer buchen wollen, müssen also damit rechnen, abgelehnt zu werden. Die besten Chancen, ein Zimmer in Katar zu bekommen, bestehen für homosexuelle Paare bei internationalen Hotelketten. Die Buchungsplattform „misterb&b“ listet weltweit LGBTQI+-freundliche Unterkünfte auf, auch für Katar finden Reisende darüber Hotels.

Sind politische Aussagen oder Kritik in Katar erlaubt?

Dass Kritik an Katar in dem Emirat nicht gern gesehen ist, haben die letzten Wochen relativ deutlich gezeigt. Immer wieder beschwerten sich WM-Organisatoren sowie Politiker des Landes darüber, wie andere Länder über sie urteilen würden. Aus diesem Grund sollten sich Fußballfans vor Ort mit politischen Aussagen oder Kritik lieber zurückhalten.

Auf seiner Website warnt das Auswärtige Amt offiziell davor, sich in der Nähe von Demonstrationen aufzuhalten oder den Anweisungen von Sicherheitskräften nicht zu entsprechen. Auch sollen Reisende bei ihren Äußerungen die sensible politische Lage berücksichtigen.

Was droht in Katar bei Flüchen oder provokanten Gesten?

Die vergebene hundertprozentige Torchance mit einem derben Fluch kommentieren? Während der WM in Katar besser nicht. Lautstarke Beschimpfungen oder auch provokante Gesten in egal welche Richtung können im Stadion und außerhalb mit Geldstrafen belegt werden. Das berichten zahlreiche Medien, darunter die „Stuttgarter Nachrichten“.

Wer sich blasphemisch gegenüber dem Islam äußert oder versucht, Menschen von anderen Religionen als dem Islam zu überzeugen, verhält sich kriminell und muss mit noch drastischeren Strafen rechnen.