Jeder kennt ihn, den Schiefen Turm von Pisa! Als bekanntestes Fotomotiv der Toskana zieht er jährlich Millionen von begeisterten Touristinnen und Touristen an. Doch weißt du auch, was es mit der Entstehung und der Neigung des Turms auf sich hat? Wir verraten dir, ob er überhaupt der schiefste Turm weltweit ist, und klären andere Fragen rund um das architektonische Meisterwerk.

Außerdem bekommst du hier ein paar interessante Fakten an die Hand und wir zeigen dir, was du bei deinem Besuch in Hinblick auf Vorbereitung, Eintritt, Tickets und das Fotografieren auf jeden Fall beachten solltest.

Historisches: Der herausfordernde Bau des Turms

Ursprünglich hatten die Pisaner vor, zu ihrer Kathedrale am bekanntesten Platz Pisas, der Piazza del Duomo – von den Bewohnerinnen und Bewohnern liebevoll auch „Platz der Wunder“ genannt – einen frei stehenden Glockenturm zu bauen. So hatte der Architekt Bonanno Pisano im Jahr 1173 mit dem Bau des Turms aus weißem Marmor begonnen.

Nach einer Bauphase von zwölf Jahren und dem Bau des dritten Stockwerkes musste er allerdings feststellen, dass der sandige Untergrund zu weich für das Gewicht des Turms war, was zu einer Neigung um fünf Zentimeter in Richtung Südosten führte. Beunruhigt darüber, wurde das Projekt zunächst auf Eis gelegt.

Erst 100 Jahre später wurde der Bau wieder fortgesetzt, vier weitere Stockwerke wurden auf die drei bestehenden draufgesetzt – diesmal allerdings mit einer Gegenneigung, um die Schieflage zu kompensieren. Nach einer erneuten, kürzeren Baupause wurde die Spitze des Turms, die Glockenstube, schließlich im Jahr 1372 fertiggestellt. Ein Gewicht von 14.200 Tonnen verbautem Marmor drückt seither auf den Boden, zum Zeitpunkt der Fertigstellung betrug die Schieflage bereits fast zwei Meter.

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Im Jahr 1835 wurden die ersten Versuche unternommen, den Turm wieder etwas aufzurichten. Der Architekt Alessandro Gherardesca ersetzte den weichen Boden durch ein stabileres Marmorfundament. Allerdings blieb das gewünschte Ergebnis aus – im Gegenteil! Der Turm neigte sich weiterhin, sodass er im Jahr 1918 um ganze 5,1 Meter von der Vertikalen abwich.

Der Schiefe Turm heute

Die kritische Schieflage führte schließlich dazu, dass der Turm 1990 für Besucherinnen und Besucher gesperrt wurde und erneut versucht wurde, durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten die Schieflage auszugleichen.

Eine der wichtigsten Maßnahmen bestand darin, im höher liegenden Teil durch Bohrungen Bodenmaterial zu entfernen, wodurch sich der sandige Boden besser unter dem Fundament verteilen und sich die Neigung verringern konnte. 

Heute gilt der Turm wegen seiner Schieflage als statisches Meisterwerk.

Außerdem wurde die höherstehende Seite des Turms mit über 900 Tonnen Blei beschwert, was ebenfalls zur Absenkung führte.

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So konnte die damalige Schieflage von 5,5 Grad – die maximale, die der Turm jemals hatte – auf 3,9 Grad reduziert werden. Man geht davon aus, dass der Turm durch die erfolgreichen Maßnahmen für mindestens 200 weitere Jahre erhalten bleibt. Seit 2001 wurde der Turm wieder Besucherinnen und Besuchern zugänglich gemacht, seine Statik wird regelmäßig kontrolliert.

Fun Facts über den Schiefen Turm von Pisa

  • Der Schiefe Turm von Pisa ist vielleicht der bekannteste schiefe Turm, jedoch nicht der schiefste Turm der Welt. Dieser steht in Niedersachsen: Der Kirchturm von Suurhusen erreicht mit einer Neigung von 5,19 Grad die stärkste Schieflage der Welt und hat es damit sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft.
  • Hättest du gedacht, dass es in Pisa noch mehr schiefe Türme gibt? Der Glockenturm der Kirche San Michele dei Scalzi ist sogar schiefer, aber auch der Turm der Kirche San Nicola teilt das gleiche Schicksal und kippt langsam, aber stetig.
  • Als Glockenturm gebaut, befinden sich auf der Spitze des Schiefen Turms Sieben Glocken. Blöd nur, dass diese aufgrund der Einsturzgefahr über lange Zeit nicht geläutet werden durften. Inzwischen können die Glocken aber mit elektronischen Hämmern, die nur geringfügige Erschütterungen auslösen, zum Klingen gebracht werden.

Lange Zeit konnten die Glocken des Schiefen Turms von Pisa nicht geläutet werden, aus Angst, die Erschütterungen könnten den Turm einstürzen lassen.

  • Der Schiefe Turm ist nicht das einzige Gebäude auf dem Platz der Wunder, das sinkt. Auch der Boden unter dem Dom und dem Baptisterium lässt langsam nach, sodass auch diese beiden Unesco-Kulturerbe-Bauwerke langsam tiefer gelegt werden.
  • Der Schiefe Turm wurde von den Italienern wegen seiner einzigartigen Statik als eines der sieben neuen Weltwunder vorgeschlagen. Der Titel wurde zwar abgelehnt, das Wahrzeichen der Stadt wurde zusammen mit den anderen Bauwerken auf der Piazza dei Miracoli aber immerhin von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt.

Beste Reisezeit für Pisa

Pisa steht auf deiner Bucket-List und du möchtest unbedingt mal dorthin? Dann gibt es einige Dinge, die du für deinen Besuch beachten solltest.

Zunächst stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für deinen Besuch ist. Selbst in der Toskana ist es im Winter relativ kalt, während der Sommermonate hingegen ist Pisa proppenvoll – dann ist die Stadt vollkommen von Urlauberinnen und Urlaubern überlaufen und auch die Hitze macht einen Besuch mühsam.

Am besten reist du in der Nebensaison nach Pisa, also im Frühjahr oder Herbst. Zwischen März und Mai hast du frühlingshafte Temperaturen, aber noch vergleichsweise wenig Tourismus. Im Herbst bieten sich vor allem der späte September und der Oktober für einen Besuch an. Der November hingegen ist der Monat mit den meisten Regentagen.

Tipp: Berücksichtige bei deiner Planung die Schulferien in Deutschland, Österreich und Italien. Kannst du die Ferienzeit meiden, gelingt es dir, den Touristenströmen tendenziell zu entfliehen.

Eintritt, Tickets und Co.

Natürlich kannst du den Schiefen Turm zunächst von unten bestaunen. Doch das Innere des Turms zu sehen, die knapp 270 Stufen zur Turmspitze hinaufzusteigen, dabei die Neigung zu spüren und schließlich oben mit einem grandiosen Ausblick auf die Piazza dei Miracoli und ganz Pisa belohnt zu werden, ist eine einzigartige Erfahrung.

Die Tickets für die Besichtigung und den Aufstieg sind mit 24 Euro pro Person nicht ganz günstig. Es lohnt sich, die Eintrittskarte bereits vorab online zu buchen, da – vor allem im Sommer – sehr viel los ist und es sein kann, dass du kein Ticket mehr vor Ort bekommst.

Bei der Buchung musst du dich für ein bestimmtes Zeitfenster, an dem du den Turm besteigst, entscheiden. Da die Wendeltreppe zur Turmspitze recht eng ist und es sich schnell staut, wurde die Zahl auf 15 Besuchende pro 15 Minuten reduziert, wobei kontrolliert wird, ob der Mindestabstand eingehalten wird. Deine Maske solltest du dabei natürlich nicht vergessen.

Tipp: Wenn du die Möglichkeit hast, plane die Besteigung des Turms für die Morgenstunden ein. Wenn du früh da bist, ist an der Piazza dei Miracoli noch wenig los. Zwischen 9 und 10 Uhr füllt sich der Platz dann schnell.
Am besten kommst du ein paar Minuten vor deinem Zeitslot zum Schiefen Turm und stellst dich schon mal an. Lass dich nicht von den anderen Wartenden verunsichern – viele waren bereits oben oder warten auf ihr Zeitfenster.

Ist der Zeitpunkt für deine Besichtigung gekommen, so bekommst du zusammen mit den anderen Besucherinnen und Besuchern eine kurze Einweisung und kannst den Turm dann selbstständig besteigen. Wir empfehlen dir, nur dann hinaufzugehen, wenn du schwindelfrei bist und dich auch in engen Räumen wohlfühlst.

Da man beim Hinaufsteigen durch die Wendeltreppe zum einen im Kreis läuft, zum anderen die Neigung deutlich zu spüren ist, kann es einem schon mal schwindelig werden. Sobald du es aber nach oben geschafft hast, eröffnet sich dir eine grandiose Aussicht, die du für rund 15 Minuten genießen kannst, bevor du wieder nach unten gebeten wirst.

Kreative Fotoideen

Du kennst bestimmt die Fotos vom Schiefen Turm, auf denen Touristinnen und Touristen so tun, als ob sie den Turm stützen und so vor dem Umfallen bewahren würden. Auf anderen Fotos sieht es so aus, als ob man vom Turm nach unten gedrückt werden würde. Wir haben dir zur Inspiration noch ein paar weitere kreative Fotoideen gesammelt.

  • Umarme den Schiefen Turm und gib vor, dass du ihn aus dem Boden reißen möchtest.
  • Tue so, als ob du den Turm mit dem Fuß umstoßen möchtest.
  • Halte eine leere Eiswaffel so von unten ran, als ob der Turm deine Eiskugel darstellt und lass es dir schmecken
  • Etwas für Sportbegeisterte: Aus einem Kopf- oder Handstand heraus kannst du den Turm mit den Füßen stützen.
  • Die gemütlichere Version: Leg dich in Rückenlage auf den Boden und stütze den Turm mit den Füßen.
  • Nimm den Turm zwischen Zeigefinger und Daumen.

Beim Fotografieren kannst du dich kreativ austoben!

Lass deiner Fantasie einfach freien Lauf. Egal, für welche Fotovariante du dich entscheidest, mit den Bildern kreierst du sicherlich schöne Erinnerungen.