Städte und Länder, die noch nicht von Touristinnen und Touristen überrannt wurden, davon träumen sicher die meisten, wenn sie ihren Urlaub planen. Die Reisefachleute des „World Travel Market“ (WTM) in London haben nun die am meisten unterschätzten Reiseziele gewählt. Wir verraten dir, welche zehn Reiseziele in Europa noch nicht aus allen Nähten platzen. 

10. Bratislava

Auf Platz zehn ist die slowakische Hauptstadt Bratislava gelandet. Nur 56 Kilometer von Wien entfernt, liegt eine der kleinsten Hauptstädte Europas direkt an der Donau. Und nicht nur das: Bratislava hat es sich genau zwischen den Landesgrenzen von Österreich und Ungarn gemütlich gemacht. 

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, gilt als eines der unterschätztesten Reiseziele. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, hinzufahren.

Tatsächlich war Bratislava auch mal die Hauptstadt von Ungarn – das ist allerdings schon gut 200 Jahre her. Als Hauptstadt der Slowakei dagegen gilt sie erst seit 1993. Da Bratislava mit ihren rund 424.000 Einwohnerinnen und Einwohnern für eine Hauptstadt recht klein ist, lässt sich vieles zu Fuß entdecken. 

Mitten in der Stadt thront die Burg über den Dächern Bratislavas. Der Weg nach oben lohnt sich schon allein wegen der Aussicht über die ganze Stadt. Eine weitere außergewöhnliche Sehenswürdigkeit ist die blaue Kirche im Südosten des Zentrums. Im Inneren ist die Kirche reich mit Bildern verziert. Ein Modell des Gotteshauses befindet sich in der Mini-Europa-Anlage in Brüssel, um dort die Slowakei zu repräsentieren.

Die Sankt Elisabeth Kirche, auch Blaue Kirche genannt, finden die einen schön und die anderen furchtbar hässlich.

Auch essen gehen ist in Bratislava sehr günstig und lecker – vor allem für Fleischliebhaberinnen und ‑liebhaber. Generell sind die Preise sehr günstig, was Bratislava zu einem erschwinglichen Ziel für einen Städtetrip macht. 

9. Wales

Wales hat zwar gerade seinen langjährigen Fürsten verloren: Der jetzige König Charles war vorher ganze 64 Jahre lang der Prince of Wales (Fürst von Wales) im Südwesten Großbritanniens. Aber die britische Monarchie hat direkt einen Nachfolger bestimmt: Prinz William darf sich fortan Prince of Wales nennen. 

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Wales ist berühmt für seine Burgen. In dem kleinen Land gibt es mehr als in jedem Land Europas.

Aber was macht das Land auf der Insel so besonders und unterschätzt? Wales ist auf jeden Fall der richtige Ort für alle, die das Abenteuer suchen. So gibt es hier beispielsweise die schnellste Zipline der Welt. Am Drahtseil hängend, rauschst du eineinhalb Kilometer weit und erreichst dabei eine Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h.

Außerdem gibt es jede Menge Burgen mit dem typischen und mystischen britischen Charme zu entdecken. Und das reichlich: Obwohl Wales gerade mal so groß wie Hessen ist, gibt es hier mehr Burgen als in jedem Land Europas. Und auch Freundinnen und Freunde der Serie „Doctor Who“ sollten Wales auf ihre Reiseliste setzen: Die wurde nämlich in der Hauptstadt Cardiff gedreht. 

8. Slowenien

Azurblaues Wasser, idyllische Inseln und schneebedeckte Gipfel – die Rede ist nicht etwa von Neuseeland oder der Karibik. Nein, es geht um Slowenien. Das kleine Land zwischen Österreich und Kroatien ist sowohl spannend für Kletter- und Wanderfans als auch für Wasserratten.

Der See Bled in Slowenien ist ein atemberaubender Anblick.

Die Mittelmeerküste des Landes, die slowenische Adria, muss sich nicht hinter Triest oder Istrien verstecken und ist dazu noch weniger überlaufen. Hier lässt es sich nicht nur prima entspannen und baden, auch malerische Kleinstädte wie Piran und Portoroz bringen Abwechslung in den Badeurlaub. 

Aber auch ein Aufenthalt im Landesinneren sollte auf jedem Reiseplan durch Slowenien stehen. In der verwunschenen Vintgar-Klamm lässt es sich prima wandern, sie gehört zum Triglav-Nationalpark. Und dann gibt es noch ein Highlight, das eher an eine Kulisse aus einem Hollywood-Film erinnert: die größte Höhlenburg der Welt, Lueg in Predjama. 

Die Höhlenburg Lueg ist ein außergewöhnlicher Anblick. Zu finden in Slowenien.

Die Burg wurde in einer Höhle errichtet – und das schon im zwölften Jahrhundert. Inzwischen ist die Burg, die ziemlich genau in der Mitte zwischen Triest und der Hauptstadt Ljubljana liegt, ein Museum mit Schauhöhle. Und sie ist ein spektakuläres Fotomotiv. 

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7. Sizilien

Schon mal geografisch gesehen auf dem Fußball Italiens gewesen? Nein? Dann solltest du dringend Sizilien auf deine Reiseliste setzen, denn die Insel im Süden Italiens ist auf Platz sieben der unterschätztesten Reiseziele gelandet. Sizilien hat nicht nur das türkisblaue Wasser des Mittelmeeres und den Vulkan Ätna zu bieten, auch Kulturfreundinnen und ‑freunde kommen ganz auf ihre Kosten.

Die Tempel auf Sizilien zeugen von der griechischen Vergangenheit der Insel.

Die großen Tempel stammen meist nicht von den Italienern, sondern wurden von den Griechen auf der Insel errichtet, als sie über Sizilien herrschten. Dazu gehören Segesta, Selinunt und das Tal der Tempel in Agrigent. Die Griechen haben ihre Spuren auch in der Hafenstadt Syrakus im Südosten der Insel hinterlassen.

In Syrakus empfiehlt sich auch ein Sprung aufs Boot, denn hier lassen sich wunderbar die natürlichen Grotten der Mittelmeerküste erkunden. 

6. Niederlande

Käse von Frau Antje, Tulpen, so weit das Auge reicht, und jede Menge Camper. Das sind wohl die häufigsten Assoziationen mit den Niederlanden. Doch wer kein großer Käsefan ist und lieber im Hotel statt auf der Isomatte schläft, sollte das kleine Land an der Nordseeküste trotzdem nicht unterschätzen. Wir verraten dir, warum.

Die Adriaan Windmühle am Fluss Spaarne in Haarlem – die kleine Schwester von Amsterdam.

Wenn wir schon bei unterschätzten Reisezielen sind, wird an dieser Stelle natürlich keine Empfehlung für Amsterdam folgen, sondern für eine kleinere Stadt, die mindestens genauso schön ist: Haarlem. Auch hier gibt es die berühmten Grachten, wunderschöne und schiefe Häuser und jede Menge kulinarische Hotspots.

Und das Beste: Wenn du trotzdem nicht auf einen Besuch Amsterdams verzichten willst, brauchst du nur eine halbe Stunde mit Auto oder Zug gen Osten zu fahren und schon bist du in der berühmten Hauptstadt der Niederlande. 

Die Niederlande sind aber nicht nur für Städtetrips geeignet, auch Badespaß und Entspannung sind hier möglich, genauer an der Küste Zeelands. Wer es noch ein Stück ruhiger haben möchte, fährt noch weiter gen Norden auf die Insel Texel. 

5. Estland

Estland ist das ideale Reiseziel für Leute, die es eher ruhig mögen und gern in der Natur unterwegs sind. Denn das Land ist sehr dünn besiedelt, und so ist es nirgends wirklich voll. Tallinn ist außerdem eine spannende Hauptstadt mit verwinkelten Gassen und mittelalterlichem Charme, was auch an den Überbleibseln der Festungsmauer in der Altstadt liegen könnte.

Der Lahemaa Nationalpark ist ein Grund, warum Estland definitiv eine Reise wert ist.

Außerhalb der Hauptstadt wartet östlich gelegen direkt ein großer Nationalpark auf Touristinnen und Touristen. Hier in Lahemaa brüten Tausende Seevögel und Wanderwege führen durch mystische Moore und Wälder. 

Außerdem gilt die estnische Insel Hiiumaa als absoluter Geheimtipp. Sie ist vor allem bekannt für ihre unberührte Natur und die historischen Leuchttürme. Sie liegt gleich neben der größten Insel Saaremaa an der Westküste Estlands. 

4. Schottland

Wer in der Google-Suche „Schottland“ eingibt, dem wird direkt „Harry Potter“ vorgeschlagen. Kein Wunder, zahlreiche Drehorte der beliebten Filme befinden sich in Schottland, beispielsweise die berühmte Brücke, die der Hogwarts-Express auf dem Weg in die Zauberschule überquert.

Die Highlands in Schottland sind eine Augenweide. So raue und unberührte Natur findet man nur noch selten.

Dass Schottland als unterschätztes Reiseziel gelten kann, zeigt aber nicht nur das. Neben Edinburgh und Glasgow als ideale Orte für Städtetrips gibt es ja auch noch die Highlands und die zahlreichen Inseln vor der Küste Schottlands. Außerdem sollen die Schottinnen und Schotten für ihre Herzlichkeit berühmt sein. Ob das an dem guten regionalen Whisky liegt?

3. Bulgarien

Wenn Bulgarien in den Top 3 der unterschätztesten Reiseziele landet, müsste es doch mehr können als nur Party. Tatsächlich wird das Land am Schwarzen Meer auch als ideales Reiseziel für einen Erlebnis- oder Kultururlaub angepriesen.

Ein typisches Haus in Bulgarien – im Hinterland ist es wesentlich idyllischer als auf den Partymeilen an den Stränden.

In Varna am Goldstrand tummeln sich auf jeden Fall die Touristinnen und Touristen, aber auch zahlreiche Tauch- und Surfschulen sowie andere Wassersport-Möglichkeiten. Aber Vorsicht, der Goldstrand wird auch gern als Ballermann Bulgariens bezeichnet – Party-Meilen und feiernde Reisende befinden sich dort ebenso.

Wenn du es lieber ruhiger magst, solltest du in das Hinterland Bulgariens reisen. Dieses gilt als Eldorado zum Wandern und Mountainbiken. Und auch die Küste im Südosten, nahe der Stadt Chernomorets, ist alles andere als Ballermann. Eine niedliche Stadt und raue Küstenabschnitte sind hier das Aushängeschild.

Die Halbinsel Nessebar im Süden bildet zusammen mit dem Sonnenstrand eine idyllische Bucht, und die Altstadt wurde sogar als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichnet. 

2. Der Norden Griechenlands

Das beinahe am meisten unterschätzte Reiseziel ist laut den Fachleuten nicht Griechenland, sondern lediglich der Norden des Landes. Auf dem zweiten Platz landet also Nordgriechenland. Und hier warten in der Tat ein paar Besonderheiten auf die Reisenden.

Da wäre zum einen die Halbinsel Chalkidiki mit ihren drei Landzungen. An der Spitze der östlichsten Landzunge liegt Athos. Und hier kann nicht jeder Tourist und jede Touristin einfach rein- und rausspazieren. Tatsächlich dürfen pro Jahr nur eine gewisse Anzahl an Touristen nach Athos – ja, ausschließlich Männer. Und davon auch nur zehn nicht orthodoxe Männer täglich. Denn Athos ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status. 

Die Halbinsel Chalkidiki im Norden Griechenlands hat einiges zu bieten. Unter anderem einen autonomen Staat, der nur Männern vorbehalten ist.

Aber keine Sorge, in allen anderen Gebieten Nordgriechenlands ist jede Person willkommen. Beispielsweise auf Sithonia, der mittleren und ruhigsten Landzunge. Hier gibt es noch unberührte Natur, während die dritte Landzunge Kassandra spürbar vom Massentourismus geprägt ist.

Wenn du in Nordgriechenland gern wandern möchtest, solltest du nach Samothraki reisen. Die Insel ist sehr ruhig und in der Mitte sogar unbewohnt. Ein wahres Wander- und Naturparadies. 

1. Azoren

Und da ist es, das unterschätzteste Reiseziel von allen: die Azoren. Mitten im Atlantik gelegen, bilden die Inseln eine grüne, zu Portugal gehörende Oase. Die neun verschiedenen Inseln sind geprägt durch Vulkankrater, hohe Berge sowie saftig grüne Wiesen und Wälder.

Der See Lagoa Fogo auf der Insel So Miguel der Azoren ist einer von zahlreichen Hotspots der Inseln.

Außerdem gehören die Azoren zu den Hotspots in Sachen Walbeobachtung. Mit etwas Glück kannst du hier sogar Pottwale sehen. Welche der neun Inseln deinen Reiseansprüchen gerecht wird, haben wir dir hier zusammengestellt.

Mit ein bisschen Glück lassen sich vor den Küsten der Azoren Pottwale beobachten.

Wer auf die Azoren fliegt, hat das Gefühl, sich auf eine Fernreise zu begeben. Doch in Wahrheit sind die Inseln gar nicht so weit entfernt: Von Frankfurt aus dauert der Flug gerade mal viereinhalb Stunden.

Dieses Ranking ist nicht das erste, in welches es die Azoren kürzlich geschafft haben. Sie gehören auch zu den besten Inseln Europas