Als sich die Ungarn einst in die habsburgische Kaiserin Elisabeth verliebten, ahnten sie nicht, dass ihre Lieblingsregentin, die 1867 zur Königin von Ungarn gekrönt wurde, mehr als 150 Jahre später ihr Land noch prägen würde. Der hippste Bezirk Budapests trägt heute noch den Namen Sisis: Erzsébetváros, der siebente Bezirk.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war hier das Zentrum der jüdischen Gemeinde. 1944 wurde das Viertel zu einem ummauerten Getto, in dem Juden eingesperrt wurden, bevor sie in Lager deportiert wurden.

Heute ziert in Elisabethstadt Street-Art die Straßen und angesagte Bars reihen sich an alternative Shops, außergewöhnliche Cafés und ausgefallene Streetfood-Stände. Wir zeigen dir die alternative Seite der ungarischen Metropole in unserem Hipster-Guide für Budapest.

Ruinenkneipen in Budapest

In keiner anderen europäischen Stadt feiert man außergewöhnlicher als in Budapest: In Elisabethstadt entstanden im letzten Jahrzehnt Romkocsma, sogenannte Ruinenkneipen. Die Idee ist es, Gebäuden Leben einzuhauchen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, und Szenelokale in den Ruinen zu eröffnen.

Der Szenetreffpunkt in Elisabethstadt: Die Ruinenkneipe Szimpla Kert.

Die Kazinczy utca ist die bunteste Straße in Budapest.

Am bekanntesten ist das Szimpla Kert, Budapests erste Ruinenkneipe. Wo im 19. Jahrhundert eine Ofenfabrik stand, feiert man heute Partys und besucht Filme, Ausstellungen und Konzerte. Jeden Sonntag findet am Vormittag ein Bauernmarkt statt. Dann verkaufen lokale Produzenten frisch gebackenes Brot, Honig, Marmeladen, Obst, Gemüse und Käse. Weitere beliebte Ruinenkneipen sind Mazel Tov, Grandio oder„Instant & Fogas Ház.

Street-Art in Budapest

Spazierst du durch Erzsébetváros, lauern an vielen Hausmauern Überraschungen. Denn hier zeigen Budapests Street-Art-Künstler, was sie draufhaben. Viele der Murals wurden von der lokalen Street-Art-Gruppe Neopaint gemalt, außerdem gibt es das Projekt Colourful Cit, das seit 2008 öffentliche Plätze in Budapest mit Farbe verschönert – auf legaler Basis.

In Elisabethstadt stößt man an vielen Ecken auf bunte Murals.

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Kaiserin Sisi war die Inspiration für diese Streetart-Kunst in Elisabethstadt.

Eine bunte Huldigung für die Namensgeberin von Elisabethstadt siehst du in der Rumbach Sebestyén utca 11–13. An einem hohen Haus prangt ein prachtvolles Sisi-Wandbild. Die Erstellung dieses Murals dauerte zwei Wochen.

Biegst du von der Rumbach Sebestyén utca rechts auf die Dob utca ab und gehst weiter zum Haus mit der Nummer 4, siehst du das Street-Art-Glanzstück „Angel of Budapest“. Das erinnert an den spanischen Diplomaten Ángel Sanz Briz, der 5000 ungarische Juden vor der Deportation nach Auschwitz rettete.

Art- und Vintage-Stores in Budapest

In vielen der Stores in Elisabethstadt steht Kunst im Mittelpunkt, insbesondere von lokalen Künstlern. Der Concept-Store Printa gegenüber der alten Synagoge ist ein beliebter Treffpunkt – und Designshop, Kunstgalerie, Café und Siebdruckerei in einem.

Hier findet man nur Artikel von ungarischen Designern. Genauso lässig ist der Art- & Designshop Rododendron. Was hier verkauft wird, stammt von rund 30 ungarischen Designern.

Tausendsassa: Der Concept-Store Printa ist Designshop, Kunstgalerie, Café und Siebdruckerei.

Schöne Stücke von ungarischen Designern findet man im Art- und Designshop Rododendron.

Wer ein Auge auf Vintagemode werfen will, wird glücklich durch den hübschen Vintage-Store Ludovika streifen: Auf zwei Etagen gibt es hier eine breite Auswahl an Kleidern, Schuhen, Schmuck und Accessoires in ausgezeichneter Qualität. Ein guter Tipp für die Secondhand-Shoppingtour ist der Szputnyik Shop D20. Hier gibt es preiswerte Klamotten und eine kleine Auswahl an Vintagestücken.

Kaffeehauskultur in Budapest

Eigentlich verbindet man Kaffeehauskultur mit Wien und jener Zeit, in der Literaten im Kaffeehaus ihre Werke schrieben, um Heizkosten zu sparen. In Budapest entwickelte sich diese Szene parallel. Das neobarocke New York Café wurde 1894 eröffnet und rasch zum Treffpunkt ungarischer Schriftsteller.

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde es zerstört, später vom kommunistischen Regime verstaatlicht, 2006 neu eröffnet. Ähnlich opulent ist das Café Gerbeaud aus dem Jahr 1858 – mit Deckenstuck, Kronleuchtern, Holzornamenten und Bronze. Es ist berühmt für seine Konditorei.

Total cool: Das urige Bookcafé Massolit, in dem es viele englische Bücher gibt.

Neben den historischen Kaffeehäusern in Budapest hat sich auch eine hippe Seite für Fans der Kaffeebohnen entwickelt. Besonders cool ist die Espresso Embassy mit hochwertigem Kaffee, tollen Kuchen und verschiedenen süßen Snacks. Ein Highlight für Bücherwürmer ist das Massolit Books & Café: Das urige Büchercafé erstreckt sich über mehrere Räume und einen eigenen Garten. Überall stehen englische und ungarische Bücher in den Regalen.

Streetfood in Budapest

Wer beim Citytrip in Budapest nicht immer Bock auf Restaurants hat, kann auch von der Hand in den Mund essen – auf einem der lässigen Streetfood-Märkte. Die Szene hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt und es gibt eine breite Auswahl. Das Besondere: Die Zutaten sind ebenso hochwertig wie deren Zubereitung.

Köstlich und kultig: Der Karavan Streetfood Market ist der erste Streetfoodmarkt in Budapest.

Der erste Streetfoodmarkt in Budapest war der „Karavan Streetfood Market“ in der Partymeile Kazinczy utca. Es gibt zahlreiche Imbisswagen und Stände – von den legendären Burgern von Zing Burger über Käsegerichte bei Paneer bis hin zu italienischer Küche von Vespa Rossa oder mexikanischen Klassikern bei MexKitchen.

Veganerinnen und Veganer freuen sich über den Stand von Las Vegan’s. Wer auf tierische Produkte verzichtet, sollte zu Vegan Garden schauen: Auf dem Gelände der ehemaligen Ruinenkneipe Rácskert bieten die Trucks ausschließlich pflanzliches Streetfood an.

Kunstvolle Passagen in Budapest

Viele der schönsten Ecken Budapests befinden sich in versteckten Hinterhöfen und von außen unauffälligen Passagen. In Elisabethstadt gilt die „Gozsdu-Passage“ (Eingang Dob utca 16 oder Kiraly utca 13) als Legende: Hier gibt es sechs miteinander verbundene Innenhöfe, in denen sich das pralle Leben abspielt in verschiedenen Restaurants, Bars, Nachtclubs und sogar einer Spielhalle. Am Wochenende findet ein Floh- und Kunsthandwerkermarkt statt.

Alternativ und abenteuerlich: In der Gozsdu-Passage verstecken sich zahlreiche Bars, Restaurants, Shops und sogar eine Spielhalle.

Ein Hauch Paris in Budapest: In der Parisi-Passage kannst du in edlem Ambiente Kaffee trinken.

Die elegante Alternative einer Passage liegt in der Innenstadt am Franziskanerplatz. „Párisi Udvar“, der „Pariser Hof“, wurde von 1909 bis 1913 erbaut und steht seit 1976 unter Denkmalschutz. Im Erdgeschoss befindet sich die einzige erhaltene bedeckte Einkaufspassage von Budapest aus der Vorkriegszeit. Heute kannst du hier in edlem Ambiente mit französischem Flair Kaffee trinken – oder im Fünf-Sterne-Haus Párisi Udvar Hotel Budapest einchecken, das zu Hyatt gehört.

Fashionstreet in Budapest

Auch wenn Erzsébetváros als hippster Ort Budapests gehandelt wird, gibt es auch in der Innenstadt Orte mit coolem Stempel. Zwar reihen sich dort viele der internationalen Marken aneinander, es gibt aber auch Ausnahmen. Die Deák Ferenc utca ist bekannt als Fashionstreet, da hier alle High-Fashion-Labels angesiedelt sind. Biegst du um die Ecke, landest du in der Váci utca: Das ist die bekannteste Flaniermeile und die älteste Handelsstraße Budapests.

Die Deák Ferenc utca ist bekannt als Fashionstreet von Budapest.

Nanushka aus Budapest ist Ungarns bekannteste Modemarke.

Je länger du hier spazierst, umso mehr lässt du den Touristenwirbel hinter dir – und stößt auf individuelle Läden. Spannend ist der Mono Fashion Store, in dem es viele ungarische Designerlabels gibt. Nanushka indes ist Ungarns bekannteste Modemarke, die von Stars wie Rihanna und Jennifer Lawrence entdeckt wurde. Der Store ist extrem stylish, es gibt auch ein kleines Café.

Hipster-Restaurants in Budapest

In der Innenstadt von Budapest findest du zahlreiche Restaurants, in denen internationale Küche genauso wie regionale Gerichte aufgetischt werden. Besonders spannend sind jene Restaurants, die sich in historischen Gebäude befinden, die einst eine andere Funktion hatten.

Im hippen Restaurant Kiosk befand sich einst eine Piaristenschule. Heute schmecken besonders die Burger gut.

Wer Lust auf Fine Dining hat, geht in das schicke Restaurant Felix, das sich in einem ehemaligen Pumphaus befindet.

Das hippe Restaurant Kiosk befindet sich in einem Gebäude, in dem 1717 vom Piaristenorden eine Schule eröffnet wurde. Unterhalb der hohen Mauern befindet sich ein längst vergessenes türkisches Bad. Auf der gegenüberliegenden Seite der Donau erzählt das schicke Felix Kitchen & Bar eine andere Geschichte: Das Gebäude war einst ein Pumphaus, von wo Wasser auf die Budaer Hügel gepumpt wurde. Heute dreht sich hier alles um das kunstvolle Ambiente und Fine Dining.

Kunstvolle Museen in Budapest

In Budapest gibt es über 200 Museen und Galerien, darunter außergewöhnliche Häuser. Im Vasarely Museum dreht sich alles um optische Täuschungen. Victor Vasarely war Gründer der „Op-Art“, einer Stilrichtung der abstrakt-geometrischen Kunst aus den 1960er-Jahren. Sie erzeugt beim Betrachter optische Effekte.

Wer sich für moderne Kunst interessiert, ist im Ludwig Museum richtig. Hier hängen Werke von Picasso, Andy Warhol oder David Hockney neben ungarischer Kunst und amerikanischer Pop-Art. 

Im neu eröffneten Haus der Musik kannst du nicht nur Musik hören, sondern auch Musik machen.

Neuzugang unter den Museen in Budapest: Erst 2022 eröffnete das Ethnographische Museum.

Beeindruckend und gleichzeitig bedrückend geht es im Haus des Terrors zu: Das Museum zeigt die Geschichte des faschistischen und kommunistischen Regimes im Ungarn des 20. Jahrhunderts. Die neuesten Museen Budapests liegen im Stadtwäldchen und wurden erst 2022 eröffnet: das Haus der Ungarischen Musik und das Ethnographische Museum.

Kunstvolle Hotels in Budapest

Übernachten in Budapest kannst du in vielen verschiedenen Unterkünften – vom Partyhostel bis zum Luxushotel, zum Beispiel im lässigen und durchaus lauten The Hive Party Hostel (Bett im Dorm ab 14 Euro, Doppelzimmer ab 50 Euro) oder im schicken Fünf-Sterne-Haus Marriott (Doppelzimmer ab 200 Euro) mit einer großartigen Terrasse.

Im Art’otel Budapest übernachtest du umgeben von 600 Gemälden.

Mega-Ausblick aus den Zimmern im Art’otel Budapest auf die Donau und das Parlamentsgebäude.

Ein Ort mit hohem Kunstfaktor ist das Art’otel Budapest (Doppelzimmer ab 100 Euro) auf der Budaer-Seite am Ufer der Donau. Hier übernachtest du in einer musealen Dauerausstellung umgeben von 600 Gemälden des US-Künstlers Donald Sultan.

Die Idee der kunstorientierten Hotels, die in Deutschland entstanden sind, ist einfach, aber genial: Jedes Hotel ist von einem Signature-Künstler inspiriert, unter anderem von Andy Warhol. Die Bar ist cool und der Blick aus dem Hotelzimmer spektakulär.

Kunst und Antiquitäten in Budapest

Unweit des Parlaments verbirgt sich in Budapest eine Straße, die heiß begehrt unter Kunst- und Antiquitätenliebhabern ist. In der Falk Miksa utca reihen sich Dutzende Geschäfte, die auf Kunst und Antiquitäten spezialisiert sind, aneinander. Die Straße beginnt bei der Statue vom TV-Kommissar Columbo und endet am ungarischen Parlament. Zu ergattern gibt es Silberwaren, Porzellanstücke, Gemälde, Schmuck, Möbel und vieles mehr.

Ein anderes aufstrebendes Viertel abseits der Touristenmassen liegt südlicher auf der Budaer-Seite. Rund um den Bartók Béla Boulevard hat sich in den letzten Jahren ein hippes Viertel entwickelt. Zwischen historischen Altbauten und Grünflächen gibt es Künstlergalerien, Boutiquen, Cafés und Bars.

Die Recherchereise wurde unterstützt von Visit Hungary. Über Auswahl und Inhalt entscheidet die Redaktion.