Jede und jeder zweite Deutsche geht Studien zufolge in der Freizeit ab und zu oder häufig wandern. Vor allem seit dem Jahr 2020 hat der Outdoor-Trend auch jene erreicht, die zuvor andere Arten von Tagesausflügen und Reisen bevorzugt haben.

Doch wer beim Wandern an Gemütlichkeit gepaart mit Bewegung und viel frischer Luft denkt, hat einen Aspekt vergessen: Nicht jede Strecke ist reines Vergnügen. Bei einigen Wanderwegen rund um die Welt ist Konzentration, Aufmerksamkeit, Geschick und die richtige Ausrüstung überlebenswichtig – etwa auf den gefährlichsten Wanderwegen weltweit. 

1. Hua Shan in China

In Listen der gefährlichsten Wanderwege der Welt taucht ein Name immer wieder auf – oft sogar an der Spitze: Hua Shan in China. Der Hua Shan ist einer der fünf heiligen Berge und verfügt über fünf Gipfel, der höchste davon 2155 Meter hoch, die über Pfade miteinander verbunden sind.

Wer gerne einfach mal so losmarschiert, in Sneakers oder Sandalen, kommt hier nicht allzu weit. Denn für die Wanderung auf den Hua Shan ist Vorbereitung alles. Dazu gehören ein gutes Fitnesslevel, passende Wanderausrüstung (vor allem gute Schuhe!) und genug Wasser für die Tour. 

Diese Kette ist teilweise die einzige Sicherheitsvorkehrung am Berg Hua Shan in China.

Vom Nordgipfel aus, der noch verhältnismäßig einfach erreichbar ist, führt ein Pfad zum Canglong Ling. Es geht mehr als 300 Meter in die Höhe – auf schmalen Holzbalken, die direkt am senkrechten Berg befestigt sind.

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An einer rostigen Kette werden Wanderinnen und Wanderer durch eigene Kletterausrüstung, also Karabiner, Seile und Klettergurte, gesichert. Und wer es hier nach oben geschafft hat, muss auf dem gleichen Weg auch wieder runter. 

2. Ranotsara im Tsingy de Bemaraha Nationalpark, Madagaskar

Es beginnt einfach mit einem Gang durch den Wald, vorbei an Lemuren und Chamäleons. Doch die Felsen werden mehr und nachdem über die ersten noch einfach so gestiegen werden kann und erste Höhlen in der Hocke durchschritten sind, ist eine Art Endpunkt in der Schlucht erreicht. Nun geht es 100 Meter steil nach oben: An den Felsnadeln hoch. 

Mit einem Klettergurt und zwei Karabinerhaken ausgerüstet werden die grauen Riesen überwunden. An einigen besonders schwer zugänglichen Stellen sind Leitern oder Tritthilfen befestigt, doch weitestgehend gilt es, sich an der Natur nach oben zu hangeln – doch Vorsicht: Nicht jeder Stein und jeder Felsen ist so stabil, wie er aussieht.

Wer die Aussicht will, muss nach oben: Tsingy de Bemaraha Nationalpark in Madagaskar.

Doch trotz ihrer Schwierigkeit ist die Ranotsara-Route die bei Touristinnen und Touristen beliebteste, um das Unesco-Weltnaturerbe Tsingy de Bemaraha in Madagaskar zu erkunden. Belohnt wird der schwierige Aufstieg mit einer grandiosen Aussicht auf die natürlich entstandenen Felsnadeln. Beim Abstieg muss nicht nur auf den Weg und lockere Steine geachtet werden, auch die ein oder andere Schlange versteckt sich am Wegesrand.   

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3. The Maze im Canyonlands Nationalpark in Utah, USA

Im Gegensatz zu den bisher genannten zwei Wegen ist die Sturzgefahr auf dem Wanderweg The Maze im Canyonlands Nationalpark in den USA nur sehr gering. Und selbst wenn: Tief fallen werden Wanderinnen und Wanderer nach einem Sturz nicht.

Doch das heißt nicht, dass hier jede und jeder ans Ziel kommt. The Maze ist bekannt für eine Art natürliches Labyrinth. In den Schluchten und Canyons finden sich zahlreiche enge Wege und Sackgassen – was immer wieder dazu führt, dass Outdoor-Fans die Orientierung verlieren und sich hoffnungslos verlaufen.

Wer auf dem Weg The Maze im Canyonlands Nationalpark in den USA wandert, sollte eine gute Orientierung haben.

Wer auf The Maze wandert, sollte also unbedingt nicht nur gute Ausrüstung und genug Wasser dabeihaben, sondern auch einen Kompass, um wieder hinaus zu finden. Das schaffen nämlich längst nicht alle: Jedes Jahr müssen mehrere Menschen von Rettungskräften aus den Schluchten geholt werden, weil sie keinen Ausweg mehr finden.

4. Ol Njorowa Gorge im Hell’s Gate Nationalpark in Kenia

Idyllisch am Lake Naivasha, rund 60 Kilometer von der kenianischen Hauptstadt Nairobi entfernt, befindet sich der Hell’s Gate Nationalpark. Zunächst geht es mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß durch den Park, vorbei an Giraffen, Zebras, Warzenschweinen, Büffeln, Antilopen.

Ein Highlight ist jedoch die Wanderung zur Ol Njorowa Gorge. An einem Parkplatz geht es los, es gibt einen langen wie einen kurzen Weg. Die Wanderung, die immer mit Guide gemacht werden sollte, führt durch eine Schlucht, teilweise auch durch einen kleinen Fluss. Es geht über Steine, die bisweilen rutschig sind, und an engen Steinwänden entlang.

Die Schlucht im Hell’s Gate Nationalpark in Kenia kann nach Regenfällen zur tödlichen Falle werden.

Meistens ist die Tour nicht gefährlich. Ganz im Gegenteil, sie ist eher idyllisch und vermittelt das „Der König der Löwen“-Gefühl – immerhin sollen die Macher des Walt-Disney-Klassikers an diesem Ort inspiriert worden sein (für die Szene, in der Mufasa in den Tod stürzt).

Doch fiel zuvor Regen, kann die Schlucht zur tödlichen Falle werden. Immer wieder kommt es zu Unglücken durch Sturzflut. Zuletzt starben im September 2019 sieben Menschen, darunter auch der Guide der Gruppe, in den Fluten.  

5. Cascade Saddle im Mount Aspiring Nationalpark in Neuseeland

Outdoor-Fans lieben Neuseeland für die schroffe Natur, für die vielen Erlebnisse, die das Land bietet. Und wandern gehört natürlich dazu. Doch es gibt auch Wanderwege, die eher herausfordernd sind. Dazu gehört der Cascade Saddle im Mount Aspiring Nationalpark. 

Rutschige Felsen und tückische Wegbedingungen haben allerdings dafür gesorgt, dass hier schon mehrere Wanderinnen und Wanderer ihr Leben ließen. Deshalb bittet die Naturschutzbehörde Neuseelands, dass nur jene sich auf den Weg machen, die gute Kenntnisse im offenen Gelände haben und die gut navigieren können.

Auf dem Trail Cascade Saddle im Mount Aspiring Nationalpark sind schon einige Wanderinnen und Wanderer ums Leben gekommen.

Auch eine gewisse Fitness hilft, denn es geht nicht nur durch knöchelhohes Gras, sondern es gilt auch Felswände hinaufzuklettern und auf rutschigen Felsen die Balance zu halten. Außerdem ist der Trail nicht gerade kurz: Zwei Tage dauert die Wanderung, zum Übernachten gibt es urige Hütten oder aber, man nimmt schlicht das Zelt mit. 

6. Kokoda Track in Papua-Neuguinea

Auf 96 Kilometern führt der Kokoda Track von Port Moresby, der Hauptstadt Papua-Neuguineas, in das Dorf Kokoda. Und das durch Gelände, das auch Outdoor-Fans nicht jeden Tag sehen. Es geht durch den Dschungel, durch teils knietiefen Schlamm und immer wieder drohen Überschwemmungen – auch mit spontanen Sturzfluten ist zu rechnen. Und das natürlich bei tropischer Hitze.  

Kein Wunder also, dass der Kokoda Track als einer der gefährlichsten Wanderwege der Welt gilt. Wer den Weg gehen möchte, muss einen lizenzierten Veranstalter engagieren – und diese raten, dass man sich ein Jahr lang auf die extremen Bedingungen vorbereitet.

Durfte man früher zwar auch alleine gehen, hat der organisierte Trip nun auch einen Vorteil: Die Veranstalter müssen die Ortschaften, die bei der Mehrtagestour durchwandert werden, am Gewinn beteiligen. So profitieren auch die Menschen in abgelegenen Gegenden vom Tourismus.

Der Wanderweg hat übrigens auch eine historische Bedeutung: Obwohl das Gelände so schwer zugänglich ist und die Bedingungen so schwierig sind, lieferten sich die japanischen und die australischen sowie papuanischen Truppen erbitterte Kämpfe im Zweiten Weltkrieg.

7. Angels Landing im Zion Nationalpark in Utah, USA

Ein schmaler Pfad – rechts und links geht es 300 Meter steil in die Tiefe. Wer traut sich? 

Der Wanderweg auf den Berg Angels Landing im Zion Nationalpark in den USA ist mit seinen nur vier Kilometern eher kurz und auch beliebt bei Touristinnen und Touristen aus aller Welt – kein Trail im Park wird öfter genutzt.

Der Weg auf den Gipfel Angels Landing führt über einen Felsen, rechts und links geht es je mehr als 300 Meter in die Tiefe.

Ganz einfach ist die Wanderung aber nicht – zumindest nicht für jene, die nicht schwindelfrei sind. Insgesamt ist der Trail nicht anspruchsvoll, aber um auf den 1765 Meter hohen Gipfel zu kommen, müssen am Ende schmale Pfade überwunden werden. Eine Kette dient als Geländer, um einen komplett freien Fall zu verhindern.

Dennoch: Hier sollten Wanderinnen und Wanderer auf jeden Schritt achten, denn ein Sturz kann lebensgefährlich sein.