Die Halbinsel Pütnitz ist idyllisch im Saaler Bodden gelegen. Die Nähe zur Ostsee, die Ruhe im Wald, ein herrlicher Ort zum Entspannen. Und auch Fans von Lost Places kommen hier auf ihre Kosten, denn auch die Überbleibsel eines ehemaligen Militärflughafens bringen morbiden Charme in das Naturidyll.

Auf der Halbinsel Pütnitz finden sich überall Spuren des früheren Militärflughafens.

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Hier soll ein Ferienpark mit 2800 Betten entstehen

Der Stadt Ribnitz-Damgarten gehört das Areal seit 2008. Seitdem tüftelt sie auch an dem Großprojekt „Ferien- und Freizeitpark Pütnitz“. Und nicht nur die Stadt: Das Potenzial der Halbinsel hat auch ein großer Investor entdeckt: Center Parcs will auf dem ehemaligen Militärflughafen seinen allerersten Standort an der Ostsee errichten. Das Unternehmen plant einen riesigen Ferienpark mit 2800 Betten, verteilt auf 600 Ferienhäuser und Apartments. Die Vision hat Center Parcs im hauseigenen Blog vorgestellt.

An dem Mega-Projekt sind gleich mehrere Interessenten beteiligt, die die Halbinsel in ein Ferienparadies verwandeln wollen: So soll aus dem jährlich stattfindenden „About You Pangea Festival“ ein ganzjähriges Projekt werden. „Es entsteht ein Kosmos, der einem innovativen Freizeit- und Erlebnispark gleicht“, teilt der Veranstalter Supreme GmbH & Co. KG mit. 

Auch der Erlebnisreiterhof Bernsteinreiter will ein Stück vom großen Ferienparkkuchen abhaben und plant auf dem Areal einen neuen Standort mit Erlebnisangeboten zum Thema Pferd, Pony und Tier, wie es auf der Internetseite des Unternehmens heißt. 

Bürgermeister spricht von einem „historischen Moment“

Die Stadtverwaltung Ribnitz-Damgarten hat den Weg nun frei gemacht, diese Vision zu verwirklichen. Bürgermeister Thomas Huth bezeichnete das Go für den Aufstellungsbeschluss für das Projekt „Sondergebiet touristische Entwicklung Halbinsel Pütnitz“ bei der letzten Stadtratsitzung im Oktober als „historischen Moment“. 

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Doch bis wirklich die ersten Urlauberinnen und Urlauber auf und rund um den ehemaligen Flughafen entspannen können, ist es noch ein weiter Weg – dank der langsam mahlenden Mühlen der deutschen Bürokratie. Bevor die Bagger nach Pütnitz geschickt werden können, braucht es erst noch einen Bebauungsplan sowie Baurecht. Und damit rechnen die Verantwortlichen frühestens 2024. 

Es regt sich Protest gegen das riesige Bauprojekt

Es regt sich allerdings auch Unmut gegenüber dem Mammutprojekt in Mecklenburg-Vorpommern. Bürgerinnen und Bürger aus der Region, die sich um das Naturareal sorgen, haben sich zur Initiative „Kein Massentourismus auf Pütnitz. Für unsere Heimat“ zusammengeschlossen und eine Petition gestartet, die derzeit 3652 Unterstützende hat (Stand 18. November 2022).

Sie haben unter anderem Angst um ihre Heimat, schreiben sie auf der Internetseite: „Was macht unsere Heimat aus? Es sind die noch intakte Natur, die vielfältige Tierwelt, die Ruhe und die Menschen, die bodenständig, solidarisch und verlässlich sind.“ Und genau das fürchten sie, durch das Mega-Projekt zu verlieren. Außerdem werfen sie den Machern fehlende Transparenz und die Schaffung von Billig-Arbeitsplätzen vor. 

Center-Parcs-Chef wehrt sich gegen die Vorwürfe

Gegen den Vorwurf, mit dem Bauvorhaben die Natur zu zerstören, wehrte sich Frank Dahmen, Geschäftsführer von Center Parcs, gegenüber der „Ostsee-Zeitung“. Er betont, dass sie einen CO2-neutralen Park bauen wollen und das auch nur im Bereich der Landebahnen des früheren Flughafens. Vom Ufer im Süden und dem kleinen Waldstück wolle sich das Unternehmen fernhalten. 

Außerdem gilt es noch eine Spätfolge des alten Militärflughafens zu beseitigen, erklärt Dahmen im Gespräch mit der „Ostsee-Zeitung“. Der Flugplatz wurde in den Dreißigerjahren von der Luftwaffe der Wehrmacht angelegt und bis Ende des Zweiten Weltkriegs benutzt. Anschließend fiel er in die Hände der Sowjetunion, die den Platz bis 1994 militärisch nutzte.

Seitdem ist Ruhe auf dem Flughafen, die alten Gebäude verfallen entweder oder werden anderweitig genutzt. So ist das Technikmuseum der Region in einer alten Halle untergebracht. 

In einer Halle des ehemaligen Militärflughafens ist das Technikmuseum untergebracht.

Durch die Nutzung als Flughafen ist die Fläche bis heute kontaminiert, unter anderem mit Kerosin. Dies werde im Rahmen des Bauprojekts beseitigt. „Das Gelände macht qualitativ einen Quantensprung nach vorn, wenn es um Nachhaltigkeit und Bio-Diversität geht“, sagt Dahmen. 

Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen. Nun gelte es, Einwände und Anregungen zu bearbeiten, sagte die Stadtverwaltung auf ihrer jüngsten Sitzung. Und davon haben die Bürgerinnen und Bürger der Region schon jede Menge gesammelt.