Klar, die Hauptstädte der Bundesländer wurden in der Schule behandelt – aber kennst du auch die nördlichsten, südlichsten, östlichsten oder westlichsten Orte von Deutschland? Um ihre Popularität zu steigern, haben sich die Orte zusammengeschlossen, den Zipfelbund gegründet und den Zipfelpakt geschlossen. Doch wo liegen diese Zipfelorte nun?

Es sind: List, Görlitz, Oberstdorf und Selfkant – sie bilden die äußersten Punkte der Republik. Wer sie alle bereist, kann seine Tour im Zipfelpass eintragen lassen. Das 22-seitige Dokument ähnelt dem alten Reisepass der Bundesrepublik, Stempel gibt es in den Rathäusern und Tourismusbüros der jeweiligen Orte. Allerdings nur gegen Nachweis einer Übernachtung, sonst könnte ja jeder kommen. Wir verraten, was du an den Zipfelorten erleben kannst.

List

Am Übergang zwischen Strand und Düne markiert ein Holzschild den nördlichsten Punkt Deutschlands: Er liegt in List auf Sylt. An schönen Tagen reicht der Blick bis zur dänischen Nachbarinsel Römö, an schlechten bringt der Wind die Wellen zum Tosen.

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Seit gut 150 Jahren weist der östliche Lister Leuchtturm Schiffen den Weg.

Die Landschaft am Ellenbogen ist einzigartig: Hier treffen feiner Sandstrand auf grünes Naturschutzgebiet, Wattenmeer auf offene Nordsee. Beim Wechsel von Ebbe und Flut entstehen hier allerdings so starke Strömungen, dass das Baden lebensgefährlich und damit verboten ist. Doch List hat noch mehr Strände zu bieten, deren Besuch weniger gefährlicher ist und an denen Wassersportlerinnen und ‑sportler auf ihre Kosten kommen.

Wer lieber an Land unterwegs ist, besucht die Lister Heidelandschaft, denn hier liegt das Highlight des Ortes: die Wanderdüne. Es handelt sich dabei um das größte zusammenhängende Wanderdünengebiet Europas. Die Sandberge, die in der Vergangenheit nicht nur Acker- und Weideflächen, sondern auch Häuser unter sich begraben haben, erreichen eine stattliche Höhe von 30 Metern.

Görlitz

Du liebst Architektur, kannst mit den staubigen Epochen-Beschreibungen in Geschichtsbüchern aber nichts anfangen? Dann reise nach Görlitz in das Dreiländereck Deutschland–Polen–Tschechien und dort einmal durch die Zeit – vom Mittelalter bis in die Moderne.

Mit der Grenze zu Polen und Tschechien ist Görlitz die östlichste Stadt in Deutschland.

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Denn in der Zipfelstadt lassen sich auf wenigen Hundert Metern über 500 Jahre europäische Baugeschichte hautnah erleben: Von den mittelalterlichen Tuchmacherhäusern am historischen Untermarkt über die Barockbauten am Obermarkt bis hin zum geschlossenen Gründerzeitviertel – die Vergangenheit ist in Görlitz allgegenwärtig.

Kein Wunder, dass die Neißestadt mit ihrer einzigartigen Kulisse bei Filmemachern so beliebt ist. Hier wurden unter anderem „Der Vorleser“, „Inglourious Basterds“ und „The Grand Budapest Hotel“ gedreht.

Zu verdanken hat Görlitz sein prachtvolles Stadtbild einer unbekannten Spenderin beziehungsweise einem unbekannten Spender. Seit 1995 gehen jährlich rund 510.000 Euro auf das Stadtkonto ein mit dem Hinweis, das Geld für die Sanierung der Altstadt zu verwenden. Über einen Anwalt ließ die Spenderin oder der Spender wissen, dass er oder sie anonym bleiben möchte und Nachforschungen zur Identität die sofortige Einstellung der Zahlungen zur Folge hätten.

Anders als in List wird man in Görlitz vergeblich nach einer Markierung für den östlichsten Punkt Deutschlands suchen – denn tatsächlich wurde hier ein wenig gemogelt. Görlitz ist zwar die östlichste Stadt, aber nicht der östlichste Zipfel an der deutsch-polnischen Grenze. Der liegt rund zehn Kilometer weiter nördlich in der Flussmitte der Neiße und wird von einem großen Findling markiert.

Oberstdorf

In Oberstdorf spricht man nicht von Gipfel- sondern von Zipfelstürmern. Denn wer den südlichsten Punkt der Republik besuchen möchte, hat eine mehrstündige Tagestour vor sich: Der Grenzstein befindet sich in luftigen 1931 Metern Höhe. Erreichbar nur zu Fuß.

Südlicher geht es nicht: Oberstdorf gehört zu den vier Zipfelorten Deutschlands.

Doch keine Sorge: Den Stempel für den Zipfelpass gibt es für weniger Sportliche auch ganz bequem unten im Ort. Wer also Erholung sucht, ist hier genauso richtig wie Wintersportfans, die sich auf über 130 Pistenkilometern austoben können. Denn wo ließe es sich besser vom Alltag abschalten als mit dem Läuten von Kuhglocken in den Ohren, dem Duft von feuchtem Gras, Tannen und Fichten in der Nase und der Wärme der aufgehenden Sonne im Gesicht?

Während es bis November vor allem Familien, Wanderfreunde und Naturliebhaberinnen in den Zipfelort zieht, wird er mit dem ersten Schnee von Wintersportfans belagert. Spätestens mit der Vierschanzentournee ist es vorbei mit der Ruhe im Ort – auch dann erklingen wieder die Kuhglocken, allerdings in den Händen der Skisprungfans, die ihre Stars am Fuße der Großschanze am Schattenberg, einer der größten und modernsten Skifluganlagen der Welt, anfeuern.

Selfkant

Wesentlich bequemer als der südlichste Zipfel, ist der westlichste Punkt Deutschlands zu erreichen: Die Gemeinde Selfkant in Nordrhein-Westfalen hat für die Besucherinnen und Besucher des Zipfelpunktes eigens einen Parkplatz eingerichtet.

Die Mühlenstraße ist eine der Attraktionen im Selfkant – der westlichsten Gemeinde des Landes.

Von dort führt am Ufer des Rodebachs ein Holzsteg zum westlichsten Punkt der Republik, markiert durch einen roten Stab auf der Brücke über dem Bach. Lässt du dich auf der dort aufgestellten Bank nieder, sitzt dein Po bereits in den Niederlanden, während deine Füße noch auf deutschem Boden stehen.

Von drei Seiten wird die Selfkant-Gemeinde von den Niederlanden umschlossen, die Verbindung zu Deutschland ist lediglich sechs Kilometer breit. Mit der besonderen Lage ist der Selfkant einmalig in der Bundesrepublik.