Europa ist groß – und genauso groß ist die Dichte an Sehenswürdigkeiten, die dich bei einem Besuch der 47 Länder erwartet. Neben den klassischen Highlights der einzelnen Städte locken aber auch die verborgenen Geschichten. Von einer Spukstadt in England über ein Geisterdorf in Italien bis hin zur verlassenen Touristenhochburg auf Zypern: Wir zeigen dir die geheimnisvollsten Orte in Europa.

Der Rio Tinto in Spanien

Im Südwesten von Spanien fließt ein geheimnisvoller Fluss durch die Stadt Huelva in Andalusien. Der Rio Tinto hat ein einzigartiges, ziegelrotes Wasser. Daher entstand der Name: „Rio Tinto“ bedeutet übersetzt „roter Fluss“.

Über seine Länge von 100 Kilometern sieht man unterschiedliche Farbnuancen – von Kaminrot, Zinnoberrot, Violett, Kobaltblau bis beinahe Schwarz.

Blutrotes Wasser im Rio Tinto in Spanien.

Bereits im Jahre 3000 vor Christus bauten Phönizier und Römer vor Ort Erze im Tagebau ab. Deshalb befinden sich große Mengen an Kupfer und Eisen im Wasser – was dem Fluss die seltsame rötliche Farbe verleiht.

Heute kannst du vor Ort ein Bergbaumuseum in Minas de Riotinto besuchen. Vorsicht: Das Wasser ist sehr sauer. Fische, Amphibien oder Säugetiere können im Rio Tinto nicht überleben.

The Giant’s Causeway in Nordirland

In der Nähe von Bushmills, rund zwei Autostunden von Belfast entfernt, erhebt sich ein gigantisches Geheimnis an der Küste Nordirlands: 40.000 Basaltsäulen ragen mystisch in die Höhe und verleihen dem Ort ein ganz besonderes Flair. Die Steinsäulen sind etwa 60 Millionen Jahre alt. Wegen der eigenartigen Form wurde der Giant’s Causeway 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt.

40.000 Basaltsäulen ragen am Giant’s Causeway in Nordirland in die Höhe.

Entstanden ist der Giant’s Causeway durch Vulkanausbrüche, Lavaströme und Eruptionen, sein Name beruht auf einer Legende: Der irische Riese Fionn mac Cumhaill lag im Streit mit dem schottischen Riesen Benandonner. Eines Tages soll sich Fionn einen Weg aus Trittsteinen bis nach Schottland gebaut haben, der von Benandonner auseinandergenommen wurde. Das Ergebnis ist der Giant’s Causeway.

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Die Silfra-Spalte in Island

Im Westen des isländischen Hochlands liegt ein Ort, dessen Geheimnis über zwei Kontinente reicht! An der Silfra-Spalte treffen nämlich die Kontinentalplatten von Amerika und Europa aufeinander.

Vor rund 135 Millionen Jahren entstand das Phänomen durch den Kontinentaldrift der nordamerikanischen und der eurasischen Platte. Noch heute driften die Platten auseinander: Die Spalte wird jedes Jahr um etwa sieben Millimeter breiter.

Das Verrückte: Du kannst diesen geheimnisvollen Ort, der unter Wasser liegt, auch besichtigen! Bei einem geführten Tauchgang kannst du die Formen der Kontinentalplatten, Höhlen und Tunnelsysteme sehen. Die Tiefe reicht bis zu 65 Meter, beim Tauchen geht es aber maximal 18 Meter nach unten.

Das Dorf Pluckley in England

Ein Dorf, knapp 1000 Bewohnerinnen und Bewohner und eine geheimnisvolle Geschichte: Das Dorf Pluckley in Kent im Süden Englands fasziniert Besucherinnen und Besucher mit seiner mystischen Vergangenheit. Denn Pluckley ist angeblich die am stärksten von Geistern heimgesuchte Stadt in ganz Großbritannien. Zwischen zwölf und 16 Geister soll es in dem kleinen Dorf geben.

Einsam und geheimnisvoll: Das Dorf Pluckley in England.

Im Jahr 1989 landete Pluckley sogar im Guinnessbuch der Rekorde – als „most haunted village in England“. Bei einem Besuch triffst du überall auf Geister, denn sogar die Ortsbezeichnungen sind gruselig: Es gibt die Straße Fright Corner (Ecke der Angst) oder die Screaming Woods (Wald der Schreie). Ob wahr oder nicht: Geheimnisvoll ist Pluckley in jedem Fall!

Das Schloss Moosham in Salzburg

Nur kurz hinter der deutschen Grenze liegt in Österreich ein geheimnisvoller Ort in Salzburg. Schloss Moosham ging in die Geschichte als österreichische „Schreckensburg“ ein, auf der zahlreiche Hexenprozesse stattfanden. Ende des 17. Jahrhunderts wurden hier zahlreiche Menschen gefoltert und hingerichtet.

Düster und geheimnisvoll: Die österreichische „Schreckensburg“ Schloss Moosham.

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Die Hexenprozesse dauerten bis ins Jahr 1762. Insgesamt 66 Menschen wurden hingerichtet, davon 44 unter dem Vorwurf der Hexerei. Heute kannst du das Schloss Moosham besichtigen. Zu sehen gibt es gut erhaltene Akten und Folterwerkzeuge aus der Zeit der Hexenprozesse. Regelmäßig finden hier auch Dreharbeiten statt.

Die Steine von Callanish in Schottland

Um geheimnisvolle Steine geht es auf der Isle of Lewis auf den Äußeren Hebriden in Schottland. Hier ragen die Steine von Callanish mystisch in die Höhe und formen ein Kreuz. Und damit nicht genug: In der umliegenden Moorlandschaft gibt es mindestens 20 weitere kleinere solcher Megalithanlagen. Diese Steinsetzungen wurden während der Jungsteinzeit um etwa 3000 vor Christus angelegt.

Geheimnisvoll: Die Steine von Callanish in Schottland.

Um ihre Geschichte rankt sich ein Geheimnis. Bis heute ist nichts über die Bedeutung klar. Die wahrscheinlichste Theorie zur Erklärung der Anordnung der Steine bezieht sich auf den Mond: Alle 18,6 Jahre steht der Mond so über den die Formationen umgebenden Hügeln, dass es aussieht, als würde der Mond die Erde besuchen und mit ihr tanzen. 

Das Dorf Craco in Italien

Auf einem Berg, etwa eine Autostunde von Matera entfernt, liegt in Italien ein geheimnisvolles Bergdorf, das als Geisterdorf in die Geschichte eingegangen ist. Einst lebten rund 1800 Bewohnerinnen und Bewohner in Craco – bis die Natur ihren Tribut forderte. Nach zahlreichen Erdrutschen wurden immer mehr Häuser zerstört, einige wurden sogar den Steilhang hinuntergerissen, bis das Dorf komplett verschüttet wurde.

Geheimnisvoll: Das verlassene Bergdorf Craco in Italien.

Craco wurde zur einsamen Geisterstadt, in der noch heute die Ruinen von einst thronen. Es wird sogar gemunkelt, dass die Seelen der Verschütteten immer noch ihr Unwesen treiben sollen. Das geheimnisvolle Flair machte Craco berühmt: Hier wurden „Die Passion Christi“ und „Ein Quantum Trost“ gedreht.

Varosia auf Zypern

Im Osten der Insel Zypern liegt ein ehemaliges Urlaubsparadies, das ein großes Geheimnis birgt und politischer Brennpunkt im Zypern-Konflikt war und ist. In den 1960er- und 1970er-Jahre galt Varosia als Touristen-Hotspot. Es gab mehr als 100 Hotels und Apartmenthäuser, 21 Banken, 24 Theater und Kinos und rund 3000 Läden.

Ausgestorben: Die Geisterstadt Varosia auf Zypern.

Im Jahr 1974 änderte sich dann alles mit einem Schlag: Das türkische Militär besetzte im Rahmen seiner Intervention im Nordteil der Insel die Stadt und erklärte die Anlage zum Sperrgebiet. 

Heute ist die einstige Tourismushochburg eine Geisterstadt und unbewohnt. Das Gebiet ist weiträumig mit Stacheldraht abgesperrt. Pläne, die Stadt wiederzubeleben, gibt es seit 2019 – doch Einigungen gab es bisher keine.

Die Höhle von Lascaux in Frankreich

Es war ein Zufall, dass die Höhle von Lascaux entdeckt wurde: Im Jahr 1940 stießen vier junge Männer im Wald bei Lascaux im Südwesten von Frankreich auf ein Loch im Erdboden. Sie gruben ein bisschen, schlüpften hinein – und fanden eine geheimnisvolle Höhle mit zahlreichen Höhlenmalereien vor!

Mystisch: Die Höhlenmalereien in der Höhle von Lascaux in Frankreich.

Heute weiß man, dass diese Höhlenmalereien etwa 17.000 bis 15.000 vor Christus entstanden sind. Insgesamt fand man rund 2000 gemalte oder geritzte Tierzeichnungen.

Sie zeigen vor allem Stiere, Wildpferde und Hirsche. Leider wurde die Höhle 1963 geschlossen, da die Bilder anfingen, sich durch das ausgeatmete CO2 der Besucherinnen und Besucher zu zersetzen. Stattdessen wurde in unmittelbarer Nähe die Höhle Lascaux II eröffnet, eine detailgetreue Nachbildung, in der alle Wandmalereien zu sehen sind.

Die Externsteine in Deutschland

Mitten in Deutschland liegt ein geheimnisvoller Ort, über den es viele Deutungsversuche gibt. Im Teutoburger Wald ragen die Externsteine monolithisch in die Höhe: Die eindrucksvolle Formation aus Sandstein ist bis zu 40 Meter hoch. Die wild zerklüfteten Externsteine gehören zu den bekanntesten Natur- und Kulturdenkmälern Deutschlands und entstanden im Zuge der Gebirgsbildung vor etwa 70 Millionen Jahren.

Die Externsteine spiegeln sich in einem See. Der Ort in Nordrhein-Westfalen gehört zu den schönsten Naturwundern Deutschlands.

Zu historischen Bedeutung menschlicher Spuren in den Steinen gibt es viele Theorien. Im 16. Jahrhundert vermutetet man, dass an den Externsteinen ein heidnisches Heiligtum in eine christliche Stätte umgewandelt wurde. Auch heute denkt man, die Externsteine seien in keltischer oder germanischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum gewesen, Beweise gibt es jedoch nicht.

Eine andere Theorie besagt, dass es sich um die im Hochmittelalter nachgebildeten heiligen Stätten Jerusalems mit dem Grab Christi, der Kreuzauffindungsgrotte und dem Felsen Golgotha handelt.

Der Atlantikwall in Dänemark

Eine Mischung aus Spuren der Vergangenheit und Geheimnis der Gegenwart ist der Atlantikwall an der Westküste von Dänemark. Dieser entstand ab 1943 während des Zweiten Weltkrieges, als die deutschen Besatzer rund 8000 Bunker als Schutz vor den Alliierten errichteten. Fertiggestellt wurde der Atlantikwall allerdings nie.

Tausende Bunkeranlagen liegen am Atlantikwall an der dänischen Nordseeküste.

Noch heute finden sich Tausende Bunkeranlagen an der dänischen Nordseeküste, die jedes Jahr ein Stück weiter im Meer verschwinden. Die beeindruckendsten Bunker siehst du in der Ersten Batterie im Nationalpark Thy. Hier kannst du die am besten erhaltenen deutschen Küstenbatterien in Dänemark besichtigen.

Die Bibliothek im Vatikan

Die größten Geheimnisse der Welt verbergen sich zwischen den Seiten von Büchern. Im Vatikan trifft das zu, denn hier befindet sich die wohl geheimnisvollste Bibliothek der Welt – mit beeindruckenden Schriftstücken, die bis in die Anfänge des Christentums reichen.

Darunter sind der Erlass, der die Exkommunikation des Reformators Martin Luther befahl, oder die Korrespondenz des Künstlers Michelangelo mit den damaligen Päpsten.

Diesen geheimnisvollen Ort sehen nur wenige: Die Vatikan-Bibliothek.

Der Zutritt zur Vatikan-Bibliothek wird streng reglementiert. Nur mit einem schriftlichen Gesuch und einem Empfehlungsschreiben durch eine universitäre Einrichtung ist der Besuch möglich, dazu kommt ein strenges Handyverbot und eine Kleiderordnung. Wer es hineinschafft, kann etwa 35.000 Buchbände bestaunen, die 85 Regalkilometer füllen.

Das Sarntal in Südtirol

Waren es Hexen, der Teufel oder doch Touristinnen und Touristen? Das Sarntal in Südtirol ist ein beliebtes Urlaubsziel. Auf einer Bergkuppe an der Grenze zwischen Mölten und dem Sarntal liegt jedoch ein geheimnisvoller Ort: Hier stehen über 100 „stoanerne Mandln“, aus Steinplatten aufgeschichtete Steinmänner.

Das ist in den Bergen Südtirols keine Seltenheit, doch hier wurden Felsblockgravuren und Feuersteingeräte gefunden, die auf ein steinzeitliches Alter hinweisen.

Sagenumwoben: Die „stoanernen Mandln“ in Südtirol.

Dazu kommt, dass es viele Geschichten gibt, in denen der Berg als geheimnisumwitterter Hexentanzplatz vorkommt. Sogar Orgien sollen hier vom Teufel und von Hexen gefeiert worden sein. Es gibt auch die Vermutung, dass die „stoanerne Mandln“ als antike „Blitzableiter“ fungierten. Die Lösung fehlt zwar, klar ist indes, dass die geheimnisvollen Steinmänner und das Panorama auf der Anhöhe definitiv einen Ausflug wert ist.

Ales stenar in Schweden

Auf einem Hügel im kleinen Ort Kåseberga in Südschweden steht mit den geheimnisvollen Steinformationen Ales stenar eine der größten erhaltenen Schiffssetzungen in ganz Skandinavien: Insgesamt 59 Steine thronen hier auf einer Länge von 67 Metern und einer Breite von 19 Metern über dem Meer.

Die größte erhaltene Schiffssetzung Skandinaviens: Ales stenar.

Warum die bis zu drei Meter hohen Steine genau hier errichtet wurden, darüber sind sich Fachleute nicht einig. Ausgrabungen lassen allerdings darauf schließen, dass es sich um eine einstige Grabanlage handelt, die etwa 600 nach Christus angelegt wurde. Die schiffförmig angeordneten Steine dienten zudem auch lange Zeit als Orientierungspunkt für die Schifffahrt.