Spaß, Spannung, Abenteuer: Das wünschen sich viele Reisende. Bei einem Urlaub in Deutschland erwarten Adrenalinjunkies wohl kaum spektakuläre Sehenswürdigkeiten, schließlich gibt es hier keine Vulkane oder dichte Dschungel.

Doch falsch gedacht: Es gibt einige Attraktionen in der Bundesrepublik für Touristinnen und Touristen, die auf der Suche nach Nervenkitzel sind. Das sind unsere fünf Highlights.

1. U-Boot-Bunker Valentin in Bremen

Ein grauer Beton-Koloss erhebt sich aus dem ländlichen Idyll an der Weser direkt vor den Stadttoren Bremens. Das 420 Meter lange und knapp 100 Meter breite Gebäudeungetüm heißt Valentin und ist ein ehemaliger U-Boot-Bunker der Nationalsozialisten. In ihm sollten U-Boote gebaut werden. Doch der Kriegsverlauf verhinderte seine Fertigstellung.

Teilweise mehr als 30 Meter hoch streckt sich der ehemalige U-Boot-Bunker Valentin in den Bremer Himmel zwischen dem Ortsteil Farge-Rekum und der Weser.

Von 1943 bis 1945 entstand unter Einsatz von Zwangsarbeitern aus rund einer Million Tonnen Kies, 132.000 Tonnen Zement und fast 20.000 Tonnen Stahl der größte frei stehende Bunker Deutschlands und der wohl größte seiner Art weltweit. Kaum überraschend ist, dass bei der Akkordaufbauzeit mindestens 6000 Zwangsarbeiter gestorben sein sollen, was dem Gebäude den Beinamen größter Grabstein Deutschlands eintrug. Doch nicht nur das ist gruselig.

Sein Inneres ist es ebenso – auch, wenn das beim Eintreten nicht so scheint. Denn die Führungen, die Besucherinnen und Besucher durch den Bunker unternehmen können, beginnen in einer hohen, weitläufigen Halle. Von da führen aber sehr enge, dunkle Gänge in die scheinbar unendliche Tiefe des Kolosses – nichts für Klaustrophobische. Betreten auf eigene Faust: lieber nicht!

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Von 1943 bis 1945 entstand unter Einsatz von Zwangsarbeitern der größte frei stehende Bunker Deutschlands.

2. Hängebrücke Harz

Hoch, höher, rasend schnell: Im vermeintlich beschaulichen Harz kommen Adrenalinjunkies auf ihre Kosten. Ort des Abenteuers ist die Rappbodetalsperre, die zu den größten Trinkwassertalsperren Deutschlands zählt. Inmitten des Rappbodetals überspannt entlang der Staumauer eine filigrane Seilbrücke das gesamte Staubecken.

Die Hängebrücke gilt als weltweit längste Hängebrücke ihrer Art, behaupten die Veranstalter. Fest steht: Höhenängstliche werden die Titan-RT mit ihren 458,5 Metern nicht betreten. Denn neben den nötigen Halterungen führt ein nur 120 Zentimeter breiter Laufsteg aus luftigem Gitterrost über das Tal und gibt eine Sicht in 100 Meter Tiefe frei.

Die 483 Meter lange Fußgängerhängebrücke Titan-RT im Landkreis Harz ist nichts für schwache Nerven.

Bei stärkerem Wind kommt das Bauwerk schon einmal in Bewegung. Da kann einem schnell schummrig werden. Glücklicherweise ist die Hängebrücke auf ganzer Länge von einem 130 Zentimeter hohen Geländer gesäumt und seitlich durch Edelstahlnetze verschlossen.

Ablenkung von der Höhe bieten die Mutigen, die sich bäuchlings und Kopf voran an einer Zipline das Tal hinabstürzen – natürlich gut gesichert. Die meisten rasen mit lauten Freudenschreien an den Menschen auf der Hängebrücke vorbei. Knapp einen Kilometer und teilweise fast parallel zur Hängebrücke sausen die Menschen 120 Meter hinab ins Tal der Rappbodetalsperre. Übrigens gilt diese Zipline als eine der größten Doppelseilrutschen Europas.

Die Rappbodetalsperre samt der 483 Meter langen Fußgängerhängebrücke Titan-RT im Landkreis Harz.

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Wenn das immer noch nicht hoch genug ist, kann der Solitair erklommen werden, ein Turm, der sich oberhalb der Rappbodetalsperre 39 Meter in die Höhe reckt. Der tolle Rundumblick lohnt allemal.

  • Die Hängebrücke ist ganzjährig täglich von 8 bis 21.30 Uhr geöffnet.
  • Tickets gibt es an den Ticketautomaten direkt an den Brückenportalen.

3. Schwarzes Moor

Allein das Wort Moor lässt vielen einen Schauer über den Rücken laufen – sei es aus Angst oder Abenteuerkitzel. Wegen ihrer tückischen, ruhigen und stabil wirkenden Oberfläche sind die Sumpfgebiete durchaus gefährlich. So auch das Schwarze Moor, das im Dreiländereck Hessen-Bayern-Thüringen liegt, zum Unesco-Biosphärenreservat Rhön gehört und zu den bedeutendsten Mooren Mitteleuropas zählt.

Manche Stellen im Moor sehen wie ein gewöhnlicher Wald aus und man ist versucht, einmal den 2,7 Kilometer langen Pfad zu verlassen und die besonderen Pflanzen dieses sensiblen Ökosystems von Nahem zu bestaunen. Doch das ist eine gefährliche Idee!

Abseits des Rundwegs solltest du das Schwarze Moor nicht betreten.

Und so wird immer wieder dringend gebeten, auf den Brettern des Pfads zu bleiben. Rollstuhlfahrer und ‑fahrerinnen sowie Kinder in Kinderwagen brauchen keine Angst zu haben: Der Rundweg ist entsprechend breit und ausgebaut – und so kann das Gebiet zu jeder Jahreszeit besucht werden.

Besonders aber im Herbst, wenn Nebel über dem Gebiet wabert, wirkt das Moor geradezu mystisch. Die Reste eines steinernen Torbogens tun ein Übriges. Sie befinden sich im Eingangsbereich des Schwarzen Moores und sind ein Mahnmal des einstigen Reichsarbeitsdienstlagers, welches es ab 1936 hier gab. 1945 wurde das „Dr.-Hellmuth-Lager“ aufgelöst und bis auf die Fundamente abgetragen – bis auf den Torbogen.

Im Nebel ist das steinerne Tor am Beginn des Lehrpfades des Schwarzen Moores ein mystischer Begrüßer.

Tipp: Am Ende des Moorrundwegs kannst du einen Aussichtsturm besteigen, der dir einen Blick über das Moor bietet.

4. Minengefahr entlang des grünen Bandes

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber die Gefahr ist dennoch da: Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, dem sogenannten grünem Band, werden immer noch mehrere Tausend Anti-Personen-Minen sowjetischer Bauart vermutet.

Die Minen sind nur etwa so groß wie eine Frühstücksdose, rund, bestehen aus dunklem Bakelit und enthalten zwischen 100 und 240 Gramm TNT. Ein Tritt auf sie kann lebensgefährlich sein. Und so gibt es entlang des grünen Bandes immer mal wieder Warnschilder.

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze werden immer noch Bodenminen vermutet, obwohl die ehemalige Staatsgrenze mehrfach geräumt wurde, gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Warnschilder warnen immer wieder davor.

Mehr als 1,3 Millionen Minen sollen DDR-Grenztruppen seit den Fünfzigerjahren an schwer zu überwachenden Stellen entlang des Grenzstreifens verteilt haben. Zwar wurden die meisten Bodenminen Anfang der Achtzigerjahre und noch einmal von 1991 bis 1996 entfernt, doch hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. So warnt beispielsweise das Thüringer Umweltministerium, dass weiterhin 42 Flächen entlang der ehemaligen Grenze ein „erhöhtes Restrisiko“ aufwiesen. Deshalb stehen weiterhin entlang der thüringischen Landesgrenze zu Niedersachsen, Hessen und Bayern Warnschilder.

An Grenzmuseen wie etwa in Teistungen haben die Schilder aber eher einen illustrierenden Charakter, denn hier ist wirklich jeder Quadratmeter mehrfach überprüft worden und ungefährlich.

Ausblick vom US-Beobachtungsturm zu den ehemaligen Grenzanlagen der DDR mit Grenzturm, Kolonnenweg und Zaunanlage.

5. Rotenfels in Ebernburg

Sein Aussehen erinnert an den Uluru oder Ayers Rock im australischen Outback – mitten in der sonst recht flachen Landschaft ragt er auf einmal aus der Landschaft empor: 202 Meter hoch und 1200 Meter lang. Seine rötlich aussehende Südwestwand, an der sich der Fluss Nahe entlangwindet, hat dem Berg seinen Namen gegeben.

Dieses Felsmassiv liegt mitten im Bundesland Rheinland-Pfalz in der Nähe der Stadt Bad Münster am Stein-Ebernburg und gilt als höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien. Klar, dass das viele Wandernde und Kletter-Fans anlockt. Leider kommt es oft zu Kletterunfällen, denn die Steilwand ist glatter, als sie aussieht.

Beliebt bei Wander-Fans und Kletterbegeisterten: Der mächtige und steile Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg.

Da der Rotenfels kein Sportklettergebiet ist, sondern einen alpinen Charakter besitzt, sollten ihn nur erfahrene Kletterinnen und Kletterer erklimmen. Eine gute Ortskenntnis wird empfohlen, um eine Kletterroute in der Vielzahl von Schotterrinnen, Kaminen, Türmen, Bruchwänden und Schrofenhängen zu finden. Am besten sollten Kletternde eine ortskundige Begleitperson dazubuchen, etwa per Mail.

Wandern entlang der gesamten Kante des Bergmassivs ist auch möglich. Es gibt zahlreiche Routen. Auf dem Berg gibt es eine Einkehrmöglichkeit und du kannst von hier aus einen Rundumblick auf Bad Münster und die Nahe-Region genießen.

Dieses Felsmassiv in der Pfalz in der Nähe der Stadt Bad Münster am Stein-Ebernburg ist 202 Meter hoch und 1200 Meter lang.

Oder du bestaunst die einmalige Fauna und Flora, denn der Rotenfels ist ein Naturschutzgebiet und damit Heimat seltener Pflanzen- und Tierarten, die es nur hier gibt.