Ein kleiner Ruck, dann setzt sich die hölzerne Kabine in Bewegung. Sanft gleitet sie nach oben. Aus der Ferne wirkt es, als würde ein roter Farbklecks den Mount Washington hinaufschweben. Wobei: Berg trifft es nicht ganz. Vielmehr ist es ein Hügel, der 194 Meter über der Innenstadt von Pittsburgh thront. Die mangelnde Höhe macht der Mount Washington mit seinem Ausblick wett: Das „USA Today Weekend Magazine“ wählte das Panorama zu einem der zehn schönsten in ganz Amerika.

Oben angekommen geht erneut ein Ruck durch die Kabine. Ein Schritt hinaus, ein Blick nach unten, dann liegt einem Pittsburgh zu Füßen. Die Idee, den Mount Washington nicht mühselig über kilometerlange und steile Treppen zu erklimmen, entstand um 1870: Damals gab es 17 Draht- und Standseilbahnen in Pittsburgh. Die sogenannten „Inclines“ waren die einfachste Möglichkeit, von den Wohnvierteln auf dem Mount Washington zu den Fabriken ins Tal zu gelangen.

Pittsburg von der Dusquene Incline

Willkommen in Pittsburgh

Pittsburgh im Nordosten der Vereinigten Staaten ist nach Philadelphia die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Pennsylvania. „Steel City“ und „Iron City“ waren lange die Spitznamen der 300000-Einwohner-Metropole, die wegen der Kohle- und Erzvorkommen der nahen Appalachen eine große Geschichte als Schwerindustrie- und Stahlstadt erzählt. Wo einst Bergleute in Waggons nach oben befördert wurden, sind es heute Touristen, die die Zahnradbahn nehmen und den Ausblick bestaunen.

Bis heute sind zwei der nostalgischen Gefährte in Pittsburgh erhalten: die „Monongahela Incline“ und die „Duquesne Incline“. Letztere ist seit 1877 im Originalzustand ununterbrochen in Service – und damit die älteste Standseilbahn des Landes. Im Inneren der Station zeigen historische Fotografien die industrielle Vergangenheit der Stadt, doch auch die Gegenwart hat ihren Platz gefunden: Auf dem Mount Washington haben sich einige sehr gute Restaurants angesiedelt.

Kunst in Pittsburgh

Wer eine Reise in die Vergangenheit machen will, ist im „Heinz History Center“ richtig. Das größte Geschichtsmuseum von Pennsylvania gilt als eine der Top-Sehenswürdigkeiten. Es versteht sich als „People Museum“ von Pittsburgh und erzählt die Geschichte der Bewohner von West-Pennsylvania auf sechs Stockwerken mit interaktiven Ausstellungen. In die Zukunft geht es indes in der „Mattress Factory“: Die ehemalige Matratzenfabrik ist heute ein Museum für zeitgenössische Kunst in Pittsburgh, in der Kunst-Installationen inszeniert werden.

Das Heinz History-Center in Pittsburgh

Der Neuzugang der Kunstszene in Pittsburgh führt direkt ins All. Erst im Herbst 2022 wurde das neue „Moonshot Museum” eröffnet. Das interaktive Museum soll Besucher den Mond und die Raumfahrt näherbringen, besonders spannend sind Tools wie simulierte Mondmissionen mit Spaziergang auf der Oberfläche des Erdtrabenten.

Die Wasserwege von Pittsburgh

Es sind zwar nur 194 Meter, die der Mount Washington misst, das genüg aber, um die Lebensadern von Pittsburgh zu überblicken. Die Stadt, die entstand, als die Briten während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1758 das „Fort Pitt“ errichteten, ist geprägt von ihren Flüssen. Der Monongahela River und der Allegheny River fließen in Pittsburgh zusammen und vereinigen sich zum Ohio River. Früher waren diese Wasserstraßen wichtig für die Stahlindustrie. Mit der internationalen Stahlkrise endete diese Ära, dafür fing eine neue an. Heute dominieren in Pittsburgh Unternehmen, die im weitesten Sinne im Gesundheitswesen und in der Technologie tätig sind, auch Bildungseinrichtungen nehmen einen Platz ein. Der Urvater der Stadt ist allerdings Henry John Heinz: Das „Heinz Tomato Ketchup“ wurde 1876 erfunden, noch heute befindet sich der Hauptsitz von Heinz in Pittsburgh

Die Brücken von Pittsburgh

Weil das Wasser so dominant ist, gibt es rund 445 Brücken in Pittsburgh und man spricht von der „Stadt der Brücken“. Um die Wasserwege zu erkunden, locken nicht nur die Brücken, sondern auch zahlreiche Bootstouren. Besonders lohnenswert ist die „Three Rivers Sightseeing“-Tour zu den schönsten Ecken der Stadt. Immer wieder begegnest du dabei der stählernen Vergangenheit der Stadt. Eindrucksvoll ragen am Monongahela River die „Carrie Blast Furnaces“ 28 Meter in die Höhe. Die stillgelegten Hochöfen gehörten einst zu dem Stahlwerk Homestead Steel Works.

Die Perspektive wechselst du, wenn du selber auf das Wasser gehst. Kajakfahren hat sich zum Trendsport in Pittsburgh entwickelt. Es gibt drei wichtige Standorte: die North Shore in der Innenstadt, Aspinwall Riverfront Park am Allegheny River und der North Park See. Buchen kannst du dein Kajakabenteuer zum Beispiel bei „Venture Outdoors“.

Kajakfahren entlang des Allegheny River in Pittsburgh

Andy Warhol in Pittsburgh

Die lässige Dreifaltigkeit Pittsburghs wird komplett, wenn nach Ketchup und Kajak die Kunst in den Mittelpunkt gerückt wird. Die Museumsdichte ist hoch, das Kunsterlebnis groß, vor allem aber hip. Denn die größte Pop-Art-Ikone der Welt wurde in Pittsburgh geboren. Kein Wunder, dass „The Andy Warhol Museum“ auf jeder Bucketlist steht.

The Andy Warhol Museum in Pittsburgh, Pennsylvania

Andy Warhol kam 1928 in Pittsburgh zur Welt und zog später nach New York. Im Jahr 1987, kurz nach seinem bis heute ungeklärten Tod, ehrte man ihn in seiner Heimatstadt mit der Errichtung eines Museums, in dem es eine der umfangreichsten Sammlungen seiner Arbeiten weltweit zu sehen gibt. Apropos Sammlungen: Wem ein Museum nicht genug ist, der findet in Pittsburgh auch richtiggehende Museumskomplexe. Einzigartig sind die „Carnegie Museen“, die vom Großindustriellen Andrew Carnegie gestiftet wurden und unter anderem aus dem „Museum of Natural History“ mit einer Dinosauriersammlung und dem „Museum of Art“ mit Kunsthandwerk seit dem 17. Jahrhundert aus Europa und Amerika besteht. Eine andere Geschichte dreht sich um die Frick-Familie aus dem neunzehnten Jahrhundert: Rund um ihr ehemaliges Wohnhaus entstand mit dem Frick Art & Historical Center, kurz „The Frick“, eine Ansammlung von Museen und historischen Gebäuden.

Stadtviertel in Pittsburgh

Pittsburgh hat viele Seiten, keine Frage. Insgesamt ziehen sich neunzig Stadtviertel durch „The Burgh“, die alle einen eigenen Charakter haben. Siedler aus vielen Nationen wurden im Westen Pennsylvanias sesshaft, was sich heute noch in der ethnischen Vielfalt der Stadt widerspiegelt. Bloomfield ist bekannt als kleines Italien, während Squirrel Hill die jüdische und Deutschtown die deutsche Gemeinde beheimatet. Jung und hip ist Lawrenceville, hier gibt es viele Galerien und Ateliers, während man in den Strip District zum Ausgehen fährt. Oakland ist für Hochschulen und Museen bekannt, dafür lockt North Side mit Freizeit- und Sportangeboten.

Eine Besonderheit ist der Cultural District: Hier gibt es Theater, Konzerte, Oper, Tanz und Symphonieorchester auf einer Fläche von 14 Straßenblöcken. Eine grüne Oase liegt östlich von Pittsburgh: Die dicht bewaldeten Laurel Highlands mit historischen Städtchen und State Parks sind definitiv einen Ausflug wert. Highlights sind das rekonstruierte Fort Ligonier, der Ohiopyle State Park und die Werke von Frank Lloyd Wright, bekannt durch das Guggenheim in New York. In Nest Mill Run baute der berühmte Architekt Fallingwater, ein Wohnhaus, das sich der Berg-, Fluss- und Waldlandschaft anpasst.

Auf dem Fahrrad durch Pittsburgh

Was auf den ersten Blick gewaltig und groß klingt, lässt sich prima erkunden. Pittsburgh ein Mekka für Radfahrer, weshalb es Spaß macht, auf zwei Rädern von A nach B zu kommen. Fun Fact: In Pittsburgh gibt es die größte Drahtesel-Sammlung der Welt! Die Sammelleidenschaft von Craig und Mindy Morrow hat zu einer Kollektion von über 6000 Fahrrädern geführt. Das „Bicycle Heaven“ im Stadtteil Chateau wurde schon von der „New York Times“ gefeiert. Wenn du willst, kannst du in der Gruppe, geführt von einem Guide, durch die Stadt cruisen: Als Insidertipp gilt die Tour „Bike The Burgh“ (die es auch zu Fuß als „Walk The Burgh“ gibt).

Fahrradfahrer an der North-Side-Trail in Pittsburgh

Das Umland von Pittsburgh

Oder du denkst größer und fährst in das grüne Umland von Pittsburgh. Entlang der Flüsse ziehen sich über 40 Kilometer Radwege. Die Stadt ist Startpunkt der „Great Allegheny Passage“, eines staaten-übergreifenden Radwanderwegs, der bis nach Washington D.C. führt. Der Großteil der GAP verläuft entlang der ehemaligen Strecke der Western Maryland Railway und der Pittsburgh und Lake Erie Railroad, die einst für den Kohletransport der Stahlindustrie im Westen Pennsylvanias zuständig waren. Verschiedene Veranstalter organisieren Radtouren inklusive Unterbringung, Mahlzeiten und Fahrräder und arrangieren auch den Transport zurück nach Pittsburgh.

Die Foodszene von Pittsburgh

Das große Finale in „The Burgh“ dreht sich um die Foodszene der Stadt, die seit jeher eine große Rolle spielte. In der einstigen Metropole der amerikanischen Stahlindustrie galt gutes Essen und Trinken als Ausgleich für die körperlich anstrengende Arbeit in den Stahlwerken. Diese Tradition wird heute noch gelebt. Quer durch die Stadt landet der Geschmack der ethnischen Vielfalt von Pittsburgh auf den Tellern.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Fine-Dining-Restaurants treffen auf Streetfood, preisgekrönte Köche auf Neulinge in der Branche. Wer auf den Geschmack Pittsburghs kommen möchte, sollte sich durch die Stadt kosten und eine „Burgh‘ Bits and Bites Tour” buchen. Das Gläschen nach dem Essen wird dann mit Bier gefüllt, denn in Pittsburgh herrscht ein regelrechter Brauereiboom. Es gibt rund 45 Brauereien in der Gegend, Tendenz steigend. Prost, Pittsburgh!

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