Rostock liegt in der Wüste, Bremen gibt es eindutzendmal und Berlin hat rund 600 Einwohnerinnen und Einwohner. Moment mal, was? Die Rede ist natürlich nicht von den deutschen Städten, sondern von ihren Namensvetterinnen in der Ferne.

So einige deutsche Städtenamen findest du in der restlichen Welt noch mindestens einmal wieder. Nicht selten haben deutsche Einwanderinnen und Einwanderer die Namen ihrer Herkunftsorte mit in die neue Heimat gebracht. Der reisereporter verrät dir zehn deutsche Städte, die du auch im Ausland finden kannst.

1. Berlin in Kolumbien

Gerade einmal 600 Menschen leben in der kolumbianischen Namensvetterin unserer deutschen Millionenmetropole. Das kleine Dorf Berlín gehört zum Departamento Santander und liegt rund 490 Kilometer entfernt von Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens.

Hochhäuser, Museen und Shoppingscenter wie in der deutschen Metropole sucht man hier vergeblich. Stattdessen prägen Bauernhäuser und Backsteinbauten das Dorf und im kleinen Zentrum gibt es lediglich eine Schule, eine Kirche und ein paar Restaurants und Geschäfte.

Mit dem deutschen Schmuddelwetter kann das Dorf dafür durchaus mithalten: Die bergige Landschaft in den Anden bedecken die meiste Zeit Wolken und Nebel, deswegen sind Regen, Hagel und Frost hier keine Seltenheit. 

Laut der Berliner Senatskanzlei ist das Dorf eines der ältesten Berlins in Kolumbien, aber keinesfalls das einzige. Auch ein Vorort der Hauptstadt Bogotá mit 3000 Einwohnerinnen und Einwohnern trägt den Namen. Berlin heißen in Kolumbien außerdem ein Gefängnis, eine Hacienda und einige weitere größere und kleinere Orte.

2. Blumenau in Brasilien

Malerische Fachwerkhäuser, Biermuseum und eine Wurststraße – herzlich willkommen in Blumenau! Nein, nicht in der deutschen Siedlung in München, sondern im Süden von Brasilien. Das brasilianische Blumenau liegt im Bundesstaat Santa Catarina nicht weit entfernt vom Amazonasregenwald, sieht aber aus wie eine bayerische Stadt aus dem Bilderbuch. 

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Fachwerkhäuser in Blumenau in Brasilien: Hier findet jedes Jahr auch ein Oktoberfest statt.

Gegründet wurde die Stadt 1850 von deutschen Einwanderinnen und Einwanderern unter der Führung des Apothekers Hermann Blumenau. Nach der Gründung wurde in der Stadt vorwiegend Deutsch gesprochen. Heute ist wieder Portugiesisch die vorherrschende Sprache, in Teilen der Bevölkerung hat sich Deutsch als Umgangssprache aber gehalten.

Gehalten hat sich auch das Oktoberfest, das inzwischen jährlich rund 800.000 Besucherinnen und Besucher nach Blumenau lockt. Damit ist es eines der größten Oktoberfeste weltweit. Im großen „Vila Germanica Park“ wird in Wirtshäusern und Festhallen einheimisches Bier verkauft, außerdem gibt es zahlreiche Souvenir- und Bierläden im Stil der deutschen Fachwerkhäuser.

3. Bremen in den USA

Nicht nur eins, sondern ganze zwölf Bremen gibt es in den USA. Einige von ihnen wurden von deutschen Siedlerinnen und Siedlern nach ihrer alten Heimatstadt benannt, andere Orte wurden erst später in Bremen umbenannt. 

Da wäre zum Beispiel die beschauliche Kleinstadt im Bundesstaat Alabama, die früher einmal Empire hieß. Das Städtchen Bremen in Indiana hieß zunächst New Bremen, das „New“ fiel später weg. In Georgia trägt heute die ehemalige Kleinstadt Kramer den Namen der Hansestadt. 

Das kleinste Bremen befindet sich mit knapp 20 Einwohnerinnen und Einwohnern in Kentucky, die älteste US-Version der Hansestadt liegt im Bundesstaat Maine.

Und New Bremen in Ohio ist die Heimat des wohl ungewöhnlichsten Superlativs unter den US-amerikanischen Bremen: 2005 stellten die Bewohnerinnen und Bewohner mit einem 1010 Kilogramm schweren Kürbiskuchen einen neuen Weltrekord auf.

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4. Dresden in England

Dresden ist nicht nur die Landeshauptstadt von Sachsen, sondern auch ein Stadtteil von Stoke-on-Trent im englischen Staffordshire. Ihr Name ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit der beiden Orte: Wie das sächsische Dresden ist auch Stoke-on-Trent für besonders schöne Porzellanwaren bekannt.

Das war wohl auch der Grund, warum das Gebiet in England südlich von London in den 1850er-Jahren nach der ersten europäischen Porzellanstadt umbenannt wurde. Ursprünglich hieß der Bezirk nämlich nicht Dresden, sondern Spratslade. 

5. Hannover in Jamaika

Auch die Landeshauptstadt von Niedersachsen findet sich auf der anderen Seite eines Ozeans wieder. Hanover im Nordwesten Jamaikas ist allerdings keine Stadt, sondern ein sogenannter Parish, ein Landkreis. Benannt wurde der Landkreis bei seiner Gründung 1723 nach dem britischen Monarchen Georg I., der Mitglied des Deutschen Hauses Hannover war.

Das Rathaus von Lucea, der Hauptstadt vom Landkreis Hanover in Jamaika.

Hanovers Hauptstadt Lucea, eine Hafenstadt an der Nordküste, war in der frühen Kolonialzeit das Zentrum einer wichtigen Zuckeranbauregion. Später wurden hier auch Bananen exportiert. 1983 wurde der Hafen geschlossen, auch heute werden in Lucea aber noch viel Gemüse, Obst und andere wichtige Exportgüter wie Zucker, Kakao, Bananen und Rum angebaut.

Historische Bauwerke wie die Pfarrkirche von Hannover, das Fort Charlotte und das Hannover Museum erinnern an die Geschichte von Hannover als englische Kolonie. Neben der Hauptstadt gibt es in dem Landkreis unter anderem drei Wasserfälle, mehrere Buchten und große Höhlen an der Küste.

6. Heidelberg in Australien

Wer Heidelbergs Namensvetter besuchen möchte, muss dafür von Baden-Württemberg einmal um die halbe Welt fliegen. Dort fließt nicht der Neckar, sondern ein Arm des Yarra River durch Heidelberg, denn das befindet sich im Bundesstaat Victoria in Australien. Früher war Heidelberg eine eigenständige Gemeinde, heute ist es ein Vorort der Hauptstadt Melbourne. 

Die Heidelberg-Grundschule steht im gleichnamigen Vorort der Hauptstadt Melbourne.

Auch dieser Ort hat seinen Namen von einem Deutschen erhalten. Der kam als Immobilienhändler aus dem deutschen Heidelberg nach Australien. 1840 benannte er das Land mit dem Namen Warringal in seinen Heimatort um. 

Auch die impressionistische Kunstbewegung „Heidelberger Schule“ stammt nicht etwa aus Baden-Württemberg, sondern aus Australien. International bekannt wurde das australische Heidelberg außerdem, als der Stadtteil Heidelberg West 1956 als Teil des olympischen Dorfs bei den Sommerspielen in Melbourne diente. 

7. Meppen in den Niederlanden

„Von hier bis nach Meppen“ bekommt eine neue Bedeutung, wenn damit nicht die Stadt in Niedersachsen gemeint ist, sondern die in den Niederlanden.

Wobei: So groß ist die Entfernung zur deutschen Namensschwester gar nicht. Mit dem Auto brauchst du vom einen Meppen ins andere gerade einmal rund 40 Minuten, denn beide Orte liegen auf ihrer jeweiligen Seite in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze.

Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber auch auf. Während die deutsche Kreisstadt Meppen immerhin rund 35.000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, leben im niederländischen Dorf Meppen nicht einmal 400 Menschen.

Die grüne Landschaft rund um das Dorf Meppen in den Niederlanden.

Trotzdem ist auch das rustikale Dorf mit seinen schönen reetgedeckten Bauernhäusern und einem Dorfpark voller uralter Eichen bei Touristinnen und Touristen beliebt. Es gibt hier einige Ferienwohnungen und Campingplätze und in den grünen Natuschutzgebieten rund um Meppen viel Platz zum Wandern oder Radfahren.

8. Nassau auf den Bahamas

Die meisten Namensvettern deutscher Städte sind dir wahrscheinlich relativ unbekannt. Bei Nassau dürfte es umgekehrt sein: Bei dem Namen denkt man auch in Deutschland direkt an die Hauptstadt der Bahamas.

Dabei gibt es Nassau auch in Rheinland-Pfalz. Die Kleinstadt ist mit rund 4900 Einwohnerinnen und Einwohnern aber ein ganzes Stück kleiner als die Bahamas-Hauptstadt in der Karibik, in der rund 200.000 Menschen leben.

Als die heute größte Stadt der Bahamas 1656 von britischen Siedlerinnen und Siedlern gegründet wurde, erhielt sie zunächst den Namen Charlestown. Kurze Zeit später wurde sie durch eine Piratenflotte zerstört und beim Wiederaufbau 1687 umbenannt, zu Ehren von König Wilhelm III. von Oranien-Nassau.

Die Frederickstraße in Nassau, der Hauptstadt der Bahamas.

Heute ist Nassau eine quirlige Stadt mit unzähligen Geschäften, Restaurants und Nobelboutiquen. Sehenswürdigkeiten wie das Parlamentsgebäude und die Treppe der Königin erinnern an die koloniale Vergangenheit. Auf der Insel New Providence sowie einigen vorgelagerten Inseln locken kilometerlange Strände, Korallenriffe und kristallklares Wasser.

9. Rostock in Namibia

Schiffe, Stadthafen und Handel haben die deutsche Hansestadt Rostock geprägt, Farmen, Felsen und unberührte Wüstenlandschaft ihre Namensschwester in Namibia. Das Gebiet im Osten der Namib-Wüste hieß ursprünglich „Rotstock“, angelehnt an die nahe gelegenen Rotstock-Berge aus rotem Gestein. Doch im Laufe der Zeit ging das „T“ verloren.

Sehenswürdigkeiten wie das mittelalterliche Rathaus oder das denkmalgeschützte Universitätshauptgebäude im deutschen Rostock suchst du hier vergeblich. Auf der Farm „Rostock Süd“ befindet sich heute lediglich das Hotel Rostock Ritz Desert Lodge. 

Die Einfahrt zur Privatlodge Rostock Ritz in Namibia: Neben dem Hotel gibt es hier nichts außer Wüste und Bergen.

Neben Haupthaus und Gästebungalows gibt es hier kilometerweit kein einziges Gebäude – dafür aber farbenprächtige Dünenlandschaft, Berge und wilde Tiere wie Erdmännchen, Zebras und Springböcke.

10. Wuppertal in Südafrika

Wupperthal ist eine Kleinstadt in Südafrika mit etwa 4000 Einwohnerinnen und Einwohnern inmitten der Zederberge. Gegründet wurde die Gemeinde im Jahr 1829 im Auftrag der Rheinischen Mission als Missionsstation. Einer der beiden Gründer, Johann Gottfried Leipoldt, stammte – na klar – aus dem deutschen Barmen im Tal der Wupper, heute ein Stadtteil von Wuppertal.

Ein Schild weist den Weg nach Wupperthal in den Zederbergen in Südafrika.

Ihren heutigen Namen trägt die deutsche Großstadt allerdings erst seit dem 25. Januar 1930. Deswegen ist die südafrikanische Kleinstadt tatsächlich der älteste Ort mit dem Namen Wuppertal.

In der ehemaligen Missionsstation findest du heute eine Post, einen Friseursalon, Kirche und Pfarrei, eine kleine Klinik und einige Geschäfte.Über die Grenzen hinaus bekannt ist das kleine Wupperthal für seine Schuh- und Handschuhfabrik und die Naturkosmetika aus dem einheimischen Rooibos, die es unter dem Namen „Red Cedar“ auch in Deutschland zu kaufen gibt.