Mit dem imposanten Finanzzentrum Frankfurt auf der einen und dem romantischen Heidelberg auf der anderen Seite ist Mannheim für viele nur ein kurzer Zwischenstopp. Die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs genießt nicht den besten Ruf und wird oft als wenig attraktive Nachkriegs- und Industriestadt abgetan.

Deswegen dürfte es einige durchaus überraschen, dass Mannheim im neuen Trendreiseführer von Marco Polo als besonders sehenswertes Ausflugsziel für 2023 vorgestellt wird. Marco Polo empfiehlt die Stadt hauptsächlich wegen der Bundesgartenschau, die dort im kommenden Jahr stattfindet.

Aber der reisereporter kennt noch mehr Gründe für eine Reise nach Mannheim. Denn „Monnem“, wie die Stadt im Mannheimer Dialekt genannt wird, hat sich von einer grauen Industriestadt längst in eine lebendige und lebenswerte Metropole verwandelt.

Mannheim: Großstadt mit Kleinstadt-Charme

Mit gut 320.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Mannheim nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg. Trotz ihrer beachtlichen Größe besticht sie mit Kleinstadt-Charme. Anonymität und Chaos wie in anderen Großstädten erlebst du hier wenig.

Die Skyline von Mannheim.

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Menschen aus rund 170 Ländern sind in der Stadt zwischen Rhein und Neckar zu Hause. Und so vielfältig wie ihre Einwohnerinnen und Einwohner sind auch Kultur, Gastronomie und das Leben in Mannheim. Historie trifft auf Moderne, Tradition auf Innovation, Urbanität auf grüne Oasen: Mannheim ist eine Stadt voller Kontraste.

Quadratisch, praktisch, gut zu navigieren

Du beherrschst das Alphabet und kannst bis 15 zählen? Dann wirst du keine Probleme haben, dich in Mannheim zurechtzufinden. Denn die Innenstadt ist ähnlich wie New York oder Amsterdam in viereckige Häuserblocks unterteilt. Bei der Stadtgründung im 17. Jahrhundert wurden die Straßen gitterförmig angelegt, weshalb Mannheim heute auch als „Quadratestadt“ bekannt ist. 

Mannheim, die Quadratestadt: Auf dieser Luftaufnahme sind die gitterförmig angeordneten Straßen erkennbar.

Normale Straßennamen suchst du hier vergeblich. Stattdessen werden die Straßen in der Innenstadt mit einer Kombination von Buchstaben und Zahlen bezeichnet, zum Beispiel A2 oder G7. Auf den ersten Blick mag die Anordnung etwas verwirrend erscheinen. Aber die blauen Schilder an den Häuserecken sorgen dafür, dass du den Überblick nicht verlierst, und wenn du das System erst mal verstanden hast, kannst du dich an den Buchstaben und Zahlen gut orientieren. 

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Mannheims Sehenswürdigkeiten: Von prunkvoll bis modern 

Die Quadrate beginnen am eindrucksvollen Mannheimer Schloss. Mit einer Schaufassade von über 400 Metern Länge ist die ehemalige Kurfürsten-Residenz so riesig, dass du sie kaum auf einem Foto einfangen kannst. Tatsächlich ist das Bauwerk nach Versailles das zweitgrößte Barockschloss in Europa. In den restaurierten historischen Prunkräumen im Mittelbau befindet sich das Schlossmuseum. Über 800 Exponate erzählen hier von der damaligen Zeit und dem Leben am kurfürstlichen Hof. Das Schloss beherbergt außerdem die Mannheimer Universität.

Das Mannheimer Residenzschloss: Zu groß für ein Foto.

Auch die Jesuitenkirche ist ein bedeutendes Barockbauwerk und unbedingt einen Besuch wert. Der Innenraum ist voll von Fresken, Malereien und einem wunderschönen Hochaltar. Wenn du mehr über das beeindruckende Bauwerk erfahren möchtest, kannst du an einer Führung teilnehmen. Oder du setzt dich einfach auf eine Bank und genießt die Stille in der Kirche.

Die Jesuitenkirche ist innen kunstvoll verziert.

Das Wahrzeichen von Mannheim ist der prägnante Wasserturm. Der 60 Meter hohe Turm ist neben mehreren Brunnen, Wasserspielen und einer großen Gartenanlage Teil der größten zusammenhängenden Jugendstilanlage Deutschlands. Er befindet sich direkt am Friedrichsplatz, einem beliebten Treffpunkt. Im Sommer sorgen hier die bunt beleuchteten Wasserspiele für ein romantisches Highlight, im Winter öffnet am Wasserturm der Mannheimer Weihnachtsmarkt seine Tore.

Mannheims Wahrzeichen: Der Wasserturm.

Direkt gegenüber vom Wasserturm beginnen die Planken, wie die große Einkaufsstraße quer durch die Quadrate genannt wird. Hier findest du neben bekannten Marken und vielseitiger Gastronomie jede Menge charmante Feinkosthändler und hübsche Boutiquen. Den besten Blick auf die Stadt hast du vom 212 Meter hohen Fernmeldeturm mit Dreh-Restaurant und Aussichtsplattform.

Eine Stadt voller Erfindergeist

Was haben ein Spaghetti-Eis, ein Auto und ein Fahrrad gemeinsam? Richtig: Sie wurden alle in Mannheim erfunden. 1817 fuhr Karl von Drais zum ersten Mal mit seinem Laufrad durch die Quadrate. 1886 rollte hier das erste Automobil von Carl Benz über die Straßen und 1969 erfand Dario Fontanella in der Quadratestadt das Spaghetti-Eis.

Auch der erste Traktor, das erste Raketenflugzeug und der erste elektrische Fahrstuhl haben ihren Ursprung in Mannheim, und die Großkraftwerke Mannheim gelten europaweit als Vorreiter der Fernwärmetechnologie.

Das Technoseum: Hier werden 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte gezeigt.

Wenn du mehr über die Erfinderstadt Mannheim erfahren möchtest, kannst du dich im Technoseum auf eine Zeitreise durch 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte begeben. Ausstellungsstücke wie historische Druckerpressen, mechanische Webereien oder Dampfloks lassen sich hier nicht nur durch eine Glasscheibe betrachten, sondern werden regelmäßig vorgeführt, außerdem gibt es zahlreiche Mitmachstationen.

Kunst für Augen und für Ohren in Mannheim

Mannheims kulturelle Einrichtungen sind weit über die Region hinaus bekannt und beliebt. In den Reiss-Engelhorn-Museen, in der Kunsthalle oder im Nationaltheater kannst du beeindruckende Ausstellungen und Aufführungen genießen. Wer lieber draußen unterwegs ist, findet im Open-Street-Art-Museum „Stadt.Wand.Kunst“ farbenfrohe Kunstwerke unter freiem Himmel: Das Museum lädt jedes Jahr internationale Künstlerinnen und Künstler ein, die Häuserwände in der ganzen Stadt mit farbenprächtigen Graffiti-Gemälden verzieren, und bietet eine Karte und Führungen zu den sogenannten Murals an.

Auch die Kunst für die Ohren spielt in Mannheim seit jeher eine zentrale Rolle. Früher zog die Mannheimer Schule Künstler wie Wolfgang Amadeus Mozart in die Stadt, heute ist sie Unesco City of Music mit musikalischen Traditionen aus aller Welt. Festivals wie Enjoy Jazz, Time Warp oder Maifeld Derby ziehen jedes Jahr zahlreiche Gästinnen und Gäste in die Musikstadt, ebenso wie die vielen Jazz-Clubs und Klassik-Ensembles.

Grüne Oasen

Von wegen grau! Mannheim ist grün – auch, aber nicht nur wegen der Bundesgartenschau. Die findet 2023 übrigens schon zum zweiten Mal in Mannheim statt. 1975 war die Stadt das erste Mal Schauplatz der grünen Ausstellung. Zu diesem Anlass wurde damals der Luisenpark erweitert, der heute Mannheims größter Stadtpark ist.

Der untere Teil des Parks ist kostenfrei zugänglich. Hier gibt es unter anderem Liegewiesen, einen großen Kinderspielplatz und einen Trimm-dich-Pfad. Der obere Teil kostet Eintritt, hat dafür aber auch eine Menge zu bieten: Im Pflanzenschauhaus kannst du neben tropischen Pflanzen auch exotische Tiere wie Fische, Affen und Krokodile entdecken.

Gelbe Gondolettas fahren über den Kutzenweiher.

Kleine, gelbe Gondolettas schippern über den Kutzerweiher vorbei an Flamingos, und auf der Seebühne finden allerlei Konzerte und Events statt. Im Park findest du außerdem das größte original chinesische Teehaus Europas mit einer Auswahl von 30 chinesischen Teesorten.

Das Teehaus im Luisenpark: Es ist das größte original chinesische Teehaus in Europa.

Grüne Oasen gibt es aber auch außerhalb des Luisenparks, zum Beispiel am Stephanienufer im Mannheimer Stadtteil Lindenhof und den dort angrenzenden Rheinwiesen, im Herzogenriedpark, im Waldpark oder auf der Reißinsel.