Wer sich an Bord eines Fliegers von KLM oder Transavia so richtig danebenbenimmt, erhält ein Flugverbot – und darf dann auch bei der jeweils anderen Fluggesellschaft nicht mehr an Bord. Denn nun teilen die niederländischen Airlines ihre sogenannten No-Fly-Listen miteinander.

Mehr Gewalt an Bord

Damit sind die beiden Fluggesellschaften weltweit die ersten, die sich in diesem sensiblen Bereich austauschen, teilt KLM in einer Pressemitteilung mit. „So ein Eingriff ist dringend notwendig. Sicherheit an Bord hat die oberste Priorität. Randalierer haben große Auswirkungen auf andere Passagiere und die Crew“, so KLM-Vizepräsident Paul Terstegge.

Flugzeuge von KLM und Transavia stehen an einem Flughafen. Die Airlines teilen ihre Flugverbotslisten miteinander.

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Von der neuen Maßnahme erhoffen die Airlines sich einen Abschreckungseffekt. Denn Reisende, die sich an Bord bedrohlich verhalten oder sogar gewalttätig werden, sind ein wachsendes Problem. Besonders seit Beginn der Pandemie häufen sich die Beschwerden von Besatzungsmitgliedern über widerspenstige Passagiere. In Deutschland leitete seit 2020 das Luftfahrtbundesamt (LBA) 612 Verfahren gegen Passagiere ein, die die Maskenpflicht missachteten. In den USA registrierte die Federal Aviation Administration allein im Jahr 2021 fast 6000 Berichteüber „Unruly Passengers“, mehr als zwei Drittel davon im Zusammenhang mit der Maskenpflicht. 

Mit der Aufhebung der Maskenpflicht habe sich die Lage zwar etwas entspannt, teilt KLM mit. Trotzdem verzeichnet die Airline aktuell durchschnittlich immerhin fünf Beschwerden, die jeden Monat zu einem Flugverbot führen, während Transavia mindestens einen Fluggast pro Monat sperrt.

In diesen Fällen wird ein Flugverbot erteilt

Fluggäste, die sich am Boden oder an Bord von KLM und Transavia schlecht benehmen, erhalten ein fünfjähriges Flugverbot. Schlechtes Benehmen schließt dabei jegliche bedrohliche Situation ein, „egal ob es sich um körperliche Gewalt handelt oder zum Beispiel bedrohliche Bilder über Airdrop geteilt werden“, erklärt Daan Pijzel, Vizepräsident des Kabinenbetriebs bei Transavia.

Wer deswegen gesperrt wird, landet auf der No-Fly-List der Airline. Seit Ende September geben KLM und Transavia die Daten dieser Personen an die jeweils andere Fluggesellschaft weiter, sodass gesperrte Passagiere mit beiden Airlines fünf Jahre lang nicht fliegen können.

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No-Fly-List: So sind die Regelungen in Deutschland

Flugverbote gegen randalierende Passagiere werden auch von deutschen Fluggesellschaften in bestimmten Situationen verhängt. Wer wann auf ihrer No-Fly-Liste landet, geben Airlines wie Lufthansa, Eurowings und Tuifly, anders als KLM und Transavia, aber nicht bekannt. Auf Nachfrage verweisen sie auf die Sicherheitsrelevanz des Themas.

Eine Sprecherin von Condor teilt dem reisereporter mit, das Boden- sowie Bordpersonal sei für Situationen mit auffälligen Passagieren geschult. Besatzungsmitglieder könnten in diesem Fall „deeskalierende Maßnahmen“ ergreifen und die Situation in den meisten Fällen entschärfen. 

Eine Flugbegleiterin serviert einem Fluggast ein Getränk. Die Besatzung ist auch im Umgang mit auffälligen Passagieren geschult.

„In sehr seltenen Fällen werden Passagiere, die sich vermehrt und stark auffällig verhalten oder durch rassistische oder diskriminierende Verhaltensweisen auffallen, von der Beförderung ausgeschlossen.“ Das geschehe aber nur, nachdem die Umstände des Einzelfalls sorgfältig geprüft wurden oder wenn eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden könne.

Datenschutz verhindert Austausch in Deutschland

Untereinander tauschen sich die deutschen Airlines über verhaltensauffällige und gesperrte Passagiere nicht aus. Aus Datenschutzgründen dürften personenbezogene Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, erklärt ein Sprecher von Tuifly gegenüber dem reisereporter.

KLM und Transavia haben nach eigenen Angaben eingehend untersucht, wie sie Flugverbotslisten am besten miteinander teilen können. Es habe lange gedauert, Richtlinien und Prozesse so anzupassen, dass sie gleichzeitig die bestehenden Datenschutzbestimmungen einhalten könnten. 

Die niederländischen Airlines fordern Politik und Behörden dazu auf, mehr Möglichkeiten für den Austausch von  Flugverbotsdaten zwischen Fluggesellschaften zu schaffen – innerhalb der Landesgrenzen, aber auch international. Schließlich überschreite das Problem der widerspenstigen Passagiere nationale Grenzen und sei entscheidend, um die Sicherheit an Bord zu verbessern.