In Zeiten des Bahn- und Autoverkehrs, von Flugzeugen und E-Rollern vergisst man ja leicht, dass das eigentliche Fortbewegungsmittel des Menschen die eigenen Füße sind. Tankrabatt, 9-Euro-Ticket und streikende Piloten werden erstaunlich unwichtig, wenn wir flanieren, wandern, trotten, schreiten, wandeln, bummeln oder zuckeln. Allein die Masse an Verben (es existieren noch viele mehr) zeigt ja, wie wichtig dem Menschen das Laufen einst war.


Zu Fuß lassen sich auch Großstädte wunderbar kennenlernen. Nicht umsonst ist der Flaneur eine berühmte und literarisch gern beschriebene Figur des Großstadtlebens. Franz Hessel und Walter Benjamin haben das in aller Berliner Weltläufigkeit gezeigt. Eine andere Stadt, die sich laufend verschönert, ist Wien.

Ein Spaziergang durch die Geschichte

Also, wie läuft‘s? Wien ist ja zumindest in seinem Zentrum so etwas wie ein begehbares Geschichtsbuch. Wer möchte, kann sich die Stadt auf den Spuren der Habsburger erschließen. Innerhalb des Rings nimmt die alte höfische Welt unter anderem mit der Hofburg, der Hofbibliothek oder dem Burggarten einen zentralen Platz ein.

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Bei einem Spaziergang durch Wien lohnt es sich, Gebäude wie die Secession aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Viele Museen sind einen Besuch wert

In Residenzstädten finden sich in der Regel immer bedeutende Museen. Der Louvre in Paris, der Prado in Madrid oder das Rijksmuseum in Amsterdam sind nur drei Beispiele. Auch die Habsburger haben einen Teil ihres immensen Reichtums in Kunstwerke gesteckt. So ließe sich allein mit dem Besuch von Museen wie der Albertina, in der momentan neben der Sammlung mit Werken unter anderem von Picasso, Cézanne, Kirchner, Kokoschka und Beckmann eine Ausstellung des früh verstorbenen New Yorker Wunderkindes Jean-Michel Basquiat zu sehen ist, ein ganzer Urlaub bestreiten.


Einen Besuch wert sind auch das Leopold-Museum mit seinen vielen Werken der Wiener Moderne und die neue Heidi Horten Collection. Das Museum zeigt seit Juni die Privatsammlung der kürzlich verstorbenen Milliardärin Heidi Horten. Sie hatte in erster Linie moderne und Gegenwartskunst gesammelt. Im Palais Goëss-Horten im Stöcklgebäude des Hanuschhofs ist zurzeit noch die Eröffnungsausstellung zu sehen. Ab dem 21. Oktober werden dann Mode und Kunst in der Ausstellung „Look“ zusammengeführt.

Bei einem Stadtrundgang in Wien empfiehlt sich auch ein Besuch im Leopold­- Museum.


Zu Fuß geht es weiter zum Heldenplatz, zum Burgtheater, durch den Graben, wo einst eine Mauer das römische Lager Vindobona begrenzt hat. Es folgt ein Abstecher zum berühmtesten Bauwerk der Wiener Moderne, dem Looshaus, in Richtung Stephansdom. Und dann ist auch die Donau nicht mehr weit, dieser europäischste aller europäischen Flüsse.

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Einfach mal treiben lassen?

Natürlich kann man sich in dieser Innenstadt mit ihrem Reichtum an schönen, pompösen, historischen wie modernen Gebäuden einfach nur treiben lassen. Wer seinen Spaziergang durch Wien aber systematisch von viel Wissen unterfüttert bestreiten will, sollte sich von einer Stadtführerin wie der ursympathischen Stadt- und Architekturkennerin Gabriela Steiner-Scharfetter begleiten lassen.

App ivie leitet zu Sehenswürdigkeiten

Aber die Digitalisierung macht auch vor den Stadtrundgängen nicht halt. Die App ivie bringt den Besucherinnen und Besuchern Wien über das Smartphone näher. Mithilfe der Standorterfassung leitet die App sie zu Sehenswürdigkeiten, „erzählt“ Geschichten über die Stadt und entführt auch zu unbekannteren Orten wie dem Zentralfriedhof oder dem Schmetterlingshaus.

Die App ivie leitet Reisende in Wien auch zu Orten wie dem Zentralfriedhof.

Beste Aussichten von den Wiener Bergen

Aber Wien ist nicht nur Neobarock und Habsburger Geschichte, Schmäh und Kaffeehaus, Würstelstand und Wiener Schnitzel, sondern auch Wein. Eine Wanderung durch die Wiener Berge etwa über den Stadtwanderweg 1 (ab Nussdorf, dorthin sollte man dann ausnahmsweise doch mal die Straßenbahn nehmen) mit unzähligen Reben am Wegesrand und mit den besonderen Hütten, bei denen man sich mit qualmenden Füßen ein Glas Heurigen oder ein bisschen Brot mit Speck gönnen kann, verspricht einen unvergleichlichen Blick auf die Donau und die uralte und sich immer wieder wandelnde Stadt. Wer ohne Höhenangst ist, kann die Aussicht nach dem Besteigen der 1887 errichteten Stefaniewarte noch einmal optimieren.

Unbedingt die Nebengassen ansteuern

Das Schöne am Erkunden Wiens zu Fuß ist, dass auch die kleinen Nebengassen, schöne Schaufenster, witzige Werbeplakate und vieles mehr entdeckt werden können – all das also, was der Blick aus einem Sightseeingbus nicht einfangen kann. Wer abends auf den Heldenplatz geht, hat vielleicht Glück und trifft einen DJ mit mobiler Anlage und junge Menschen, die fröhlich in die Nacht tanzen. Eine große Entdeckung ist auch, wie viel Grün es in der Innenstadt und in anderen Bezirken jenseits der Wiener Berge gibt.

Wer die Augen aufhält, kann bei einem Spaziergang durch Wien vielerorts sehenswertes Alltägliches wie das Schaufenster dieses Blumengeschäfts am Stephansplatz entdecken.

Es ist aber nicht die letzte Entdeckung, die sich auf beiden Beinen in Wien machen lässt, das nicht umsonst immer wieder wie zuletzt von der britischen „Economist“-Gruppe zur lebenswertesten Stadt gekürt wird. „Wer ans Ziel kommen will, kann mit der Postkutsche fahren, aber wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen“, hat der französische Aufklärer Jean-Jacques Rousseau gesagt. In Wien lässt sich dieser Satz wunderbar beweisen.

Tipps für deine Reise nach Wien

Anreise:Wien ist sehr gut mit der Bahn ­erreichbar. Wer lieber mit dem Auto fahren will, erreicht Wien über die E 49.

Führungen: Gabriela Steiner-Scharfetter bietet zweistündige Führungen zu Fuß an. Außer Stadtspaziergängen gibt es ­verschiedene Themenspaziergänge.
 

Die Reise wurde unterstützt von Wien Tourismus. Über die Inhalte entscheidet ­allein die Redaktion.