Es muss keine Weltreise sein, um spektakuläre und atemberaubende Orte zu entdecken. Besonders in Deutschland gibt es viele Spots, darunter verlassene Ruinen, die dich staunen lassen werden. Einige Sehenswürdigkeiten sind sogar ideal für einen spontanen Tagesausflug. Wir zeigen dir unsere zehn Favoriten.

1. Verbotene Stadt Wünsdorf

Eine Auto-Stunde südlich von Berlin bei Zossen liegt der Ortsteil Wünsdorf – ein schaurig-faszinierender Lost Place. Reste eines Theaters, eines Glockenturms, ein imposantes Schwimmbad, vor allem aber gesprengte Bunker und Ruinen verteilen sich im umgebenden Wald und im Stadtgebiet.

Seit 1872 wurde Wünsdorf auf verschiedene Arten militärisch genutzt. Es war Schieß- und Versuchsplatz der Preußen, Truppenübungsplatz des deutschen Kaiserreichs mit Militärschule. Dann gab es ein Lager für muslimische Kriegsgefangene, denn Wünsdorf war der erste Ort in Deutschland, wo es eine Moschee gab. Sie existierte von 1915 bis 1930. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wünsdorf dann Hauptquartier des Oberkommandos des deutschen Heeres und galt deshalb als das „Nervensystem der Wehrmacht“.

Verlassen und doch oft besucht: Leere Gebäude und zerstörte Militäranlagen in der „verbotenen Stadt“ Wünstdorf.

Nach Kriegsende übernahmen die sowjetischen Streitkräfte die Stadt, bauten sie zu einer eigenständigen sowjetischen Stadt um, samt Krankenhaus, Schule, Freizeiteinrichtungen, Geschäften und sogar einer Eisenbahnstrecke, die bis nach Moskau führte. Wer hier nicht angestellt war, durfte diesen Bereich nicht betreten – so erhielt Wünsdorf den Beinamen „verbotene Stadt“.

Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte 1994 leben wieder knapp 6200 Einwohnerinnen und Einwohner in dem Städtchen. Besonders Fans von Lost Places lockt es in die Gebäudereste. Gruselmomente sind garantiert. Du kannst die verbotene Stadt aber besser während einer offiziellen Führung erkunden.

2. Ziemestalbrücke

Der Pariser Eiffelturm war Bauvorbild für die Ziemestalbrücke, ein 115 Meter langes und 32 Meter hohes Viadukt, welches zwischen 1893 und 1895 aus genietetem Stahl entstand. Sie steht mitten im Thüringer Schiefergebirge. Derzeit ist sie stillgelegt, steht unter Denkmalschutz und ist in einem guten Zustand, sodass du die Brücke mit der grundsätzlich gebotenen Vorsicht betreten kannst.

Mitten im Wald: Die Ziemestalbrücke an der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Ziegenrück und Remptendorf in Thüringen.

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Vor allem Fotografinnen und Fotografen sowie Abenteuerfans kommen hierher. Das liegt vielleicht daran, dass es keinen guten Wanderweg zur abgelegenen Brücke gibt. Der kürzeste Weg führt durch mehrere dunkle Tunnel direkt über die stillgelegten Gleise. Auf dem Viadukt angekommen, belohnt ein traumhafter Ausblick übers Tal.

3. Riesenschaukel am Tankumsee

Südheide, Samtgemeinde Isenbüttel, Tankumsee: Zielort für Adrenalinjunkies. Denn an dem See, entstanden beim Bau des Elbe-Seitenkanals im Jahr 1972, gibt es neben dem tausend Meter langen, weißen Badesandstrand mit Liegewiesen, einem Ferienhausgebiet, einem Campingplatz und idyllischen Kiefernwäldern vor allem die Erlebniswelt mit zahlreichen Angeboten.

Darunter ist ein Turm von 25 Metern Höhe und zwölf Metern Breite. Auf seiner 180 Quadratmeter großen Aussichtsplattform hast du einen Blick über den Tankumsee und das gesamte Naherholungsgebiet. Auf seinen drei Ebenen bietet er 36 Kletterstationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Und es gibt den Skyfly, die Riesenschaukel, die acht Meter frei über den Boden schwingt. Der Sitz erinnert an den eines Kettenkarussells. Mit dem Rücken Richtung Tiefe, musst du dich selbst ausklinken – und dann kommt das Bauchkitzelfeeling der XXL-Klasse.

4. Gruselvilla Fühlingen

Die Ruine der Villa Fühlingen steht erhaben und trotzig in Köln – und lässt Gänsehaut über den Körper rollen. Ob man will oder nicht, irgendetwas an ihr zieht den Blick magisch an. Der eine oder die andere traut sich sogar in das schauderhafte Gebäude mit seinen fensterlosen Augen. Graffiti zeugen davon.

Um die Reste der Villa ranken sich zahlreiche Gruselgeschichten. So soll der Limburger Erbfolgestreit 1288 auf dem Gelände in einer blutigen Ritterschlacht geendet haben. Dabei sollen mehr als 1000 Menschen das Leben verloren haben, viele Opfer von Pferden totgetrampelt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Trotz der grausamen Historie kaufte Eduard Freiherr von Oppenheim gut 600 Jahre später dieses Gelände, ließ die Villa errichten, samt Pferderennbahn. Er verließ alles bereits 1907 wieder.

Um die Villa und das Gelände ranken sich nicht nur Gewächse, sondern vor allem Gruselgeschichten.

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Die Nazis verwendeten das Gebäude dann als Schlaflager für Zwangsarbeiter. Einer der Insassen, ein 19-jähriger Pole, soll hier zu Unrecht getötet worden sein. Seitdem spukt der Geist über das Anwesen, heißt es. Zwei weitere Suizide wurden in dem Haus gemeldet – perfekte Geschichten für Geisterjäger, die ebenfalls gern die Ruine besuchen. Und einige behaupten, wirklich Geister gesehen und sogar von ihnen verfolgt worden zu sein.

Seit 2008 gibt es immer wieder Ideen, die Villa zu sanieren und Luxuswohnungen darin zu schaffen. Die Tafeln für das zuletzt angepriesene Immobilienprojekt sind im Frühjahr 2020 wieder verschwunden. Ob das einen spukenden Grund hat? Nun, wenn du Nervenkitzel liebst, kannst du dir das Ganze in Köln ja selbst einmal ansehen.

Adresse: Neusser Landstraße 5a, 50769 Köln

5. Affenwald Nordhausen

Hier, im Affenwald Straußberg bei Sondershausen in Thüringen, könnte dich wirklich der Affe lausen. Auf dem vier Hektar großen Freigehege des Parks tummeln sich neben Berberaffen, Kattas, Lemuren und Schwarzweißen Varis auch Bennettkängurus.

Verschlungene Pfade führen durch den Park und viele der Tiere freuen sich auf Menschenkontakt, können mitunter sogar ziemlich frech sein. Und spätestens mit Futter in der Hand wirst du auf affigen Kontakt stoßen. Ein Abenteuer und Spaß für die ganze Familie. Nur mit Kinderwagen und Rollstuhl lässt es sich auf dem Gelände mitunter schwer vorankommen.

Mit Affen auf Augen- und Kuschelhöhe im Affenwald Straußberg.

Für noch mehr Jauchzer sorgt die benachbarte Sommerrodelbahn: 44 Höhenmeter, 760 Meter Länge und fünf Steilkurven überwindest du auf ihr rasend schnell.

Saison: vom 1. April bis zum 31. Oktober

Adresse: Unterer Straußberg 6, 99706 Sondershausen

6. Peene: Im Kanu durch Deutschlands Amazonas

Abtauchen in unberührte Natur, den gleichmäßigen Zügen der Paddel folgen und durchs Wasser gleiten – das ist ein aktives und gleichzeitig entspannendes Erlebnis. Entlang der rund 100 Kilometer langen Peene, die sich in Vorpommern Richtung Ostsee schlängelt, ist das möglich.

Die Flusslandschaft gilt als herausragendes europäisches Reiseziel für nachhaltigen Wassertourismus und als besonders ursprünglich und artenreich. Der Vergleich mit dem Amazonas ist vielleicht etwas übertrieben, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen, denn neben schützenswerter Natur endet die Peene wie das südamerikanische Pendant in einem Delta ins Meer.

Weite, Ruhe und Natur: Eine Paddeltour auf der Peene ist ein entspanntes Abenteuer.

Entlang des Flusses kannst du dir einen geeigneten Schwimmuntersatz leihen: SUPs, Kanus, Kajaks und sogar leise Solarboote. Damit passierst du Ufer, wo Biber rascheln, es zirpt und tschilpt, Adler über dir Kreise ziehen und seltene Tier- und Pflanzenarten ihr Zuhause haben.

Wenn du genug Natur getankt hast, lohnen Stopps in Städten, an denen du vorbeikommst, etwa die Hansestädte Demmin und Anklam.

7. Schiffswracks am Falkensteiner Ufer

Bei Ebbe werden sie Stück für Stück sichtbar: die zwei Schiffswracks, die das Falkensteiner Ufer von Blankenese zu einem ganz besonderen Ort machen.

Bizarr ragen sie aus dem Wasser, Zeichen für Handel und Wohlstand der Stadt Hamburg und gleichzeitig Symbol für die Vergänglichkeit. Sie sind nicht nur, neben Michel und Elphi, zu einem Wahrzeichen der Hansestadt geworden. Sie sind sogar noch nützlich, denn sie dienen als Wellenbrecher und schützen so das Ufer. Kurios: Die Überreste der Schiffe liegen heute an Stellen, wo sie gar nicht gesunken sind.

Offene Münder und erstaunte Blicke bei Kindern jeden Alters erzeugen die beiden Schiffswracks am Falkensteiner Ufer. Hier das Heck des am 19. Dezember 1975 gesunkenen Frachters Uwe in der Elbe.

Die „Polarstern“ ist das ältere Schiffswrack. Der finnische Schoner war mit Holz beladen, als er sich 1926 auf den Weg nach England machte und auf dem heutigen Nord-Ostsee-Kanal in Brand geriet. Eine Blankeneser Bergungsfirma schleppte die Reste später ans Falkensteiner Ufer.

Das Heck der „Uwe“ streckt sich deinem Blick entgegen. Das Wrack liegt ganz nah am Ufer. Am 19. Dezember 1975 herrschte dichter Nebel, als das Schiff elbabwärts unterwegs war. Es wurde vom Frachtschiff „Wiedau“ überholt. Wenig später kollidierte dieses mit einem weiteren Frachter, welcher sich durch den Aufprall drehte, in die „Uwe“ fuhr und das Schiff halbierte. Zwei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Die Reste der „Uwe“ wurden ans Falkensteiner Ufer geschleppt.

Am besten sehen kannst du die Wracks, wenn du bei Ebbe den Strandweg Richtung Falkensteiner Ufer direkt an der Elbe entlanggehst.

8. Die magnetischen Gesteine des Geiselsteins

Wanderst du im Naturpark Hoher Vogelsberg in Hessen und näherst dich dem 720 Meter hohen Geiselstein, kann es sein, dass dein Kompass verrücktspielt – solltest du einen dabeihaben. Und das in einer Gegend, wo bizarre Basaltfelsen im Wald stehen und Namen tragen wie Teufelstisch oder Teufelskanzel. Sehr merkwürdig.

Der Grund ist aber kein übernatürlicher Zauber, der über dem Gebiet hängt, sondern allein die Magie des Magnetismus, denn die Gesteine des Geiselsteins sind magnetisch und lenken daher die Kompassnadel ab. Sie zeigt nicht wie üblich Richtung Norden, sondern zum Gipfel hinauf. Das hat ihm den Spitznamen Nordpol des Vogelsbergs eingebracht. Das ist so besonders, dass es sogar in Flugzeugkarten verzeichnet ist.

Der Gipfel des Geiselsteins ist nur 20 Meter höher als die Umgebung und mitten im Wald – eine Rundumsicht kannst du von hier aus nicht genießen. Aber um zum Gipfel zu kommen, gibt es teilweise spannende Kletterpassagen. Gut erreichst du den Geiselstein zu Fuß über den Höhenrundweg des Naturparks. Parken kannst du an den Wanderparkplätzen Heide und Niddaquelle.

9. Burg Frankenstein

Frankenstein? Ist das nicht das Monster aus Mary Shelleys gleichnamigem Roman? Ja. Und es gibt tatsächlich eine sagenumwobene Burgruine Frankenstein südlich von Darmstadt, die du besichtigen kannst.

1252 wurde die Anlage erstmals urkundlich erwähnt, gehörte den Herren von und zu Frankenstein. Inzwischen ist sie größtenteils zu einer Ruine verkommen, nur die 1450 errichtete Burgkapelle, in der sich die Grabmäler der Burgherren-Familie befinden, sind noch sehr gut erhalten.

Bekannt wurde die Burg Frankenstein durch den einst dort lebenden Alchemisten und Theologen Johan Konrad Dippel (1673–1734). Dippel galt in der Bevölkerung als Hexenmeister. Was wahr ist oder nicht, ist heute nur noch Spekulation. Aber Dippel könnte durchaus zu Shelleys Roman inspiriert haben.

Burgruine Frankenstein bei Darmstadt – bei Halloweenfans ein beliebter Ort.

Die Burgruine kannst du das ganze Jahr erkunden, im Restaurant mit Aussichtsterrasse eine Pause genießen. Die meisten Besucherinnen und Besucher, die sich gruseln wollen, kommen vermutlich zu Halloween, denn seit 1977 werden hier in Anlehnung an die Frankenstein-Romane Horrorpartys veranstaltet. Dann bescheren Darstellerinnen und Darsteller, als Hexen, Vampire und Geister verkleidet, mit ihren Darbietungen den Gästinnen und Gäste eine Gruselshow.

10. Übernachten im DDR-Bunker

Eine Nacht katapultiert dich ins Jahr 1989 in die damalige DDR – und das mit allen militärischen Schikanen. Dazu gehört etwa gemeinsames Zubereiten des Abendessens im NVA-Stil, Wachablösung und Einweisung in die Nachtbetreuung, schlafen im dreistöckigen Kasernenbett sowie Wecken und Frühsport.

Originalgetreuer kannst du nicht in die Vergangenheit reisen, denn im Bunker-Hotel am Rennsteig bei llmenau ist alles so geblieben, wie es vor der Wende genutzt wurde. Heißt: In der 3600 Quadratmeter großen Bunkeranlage des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit musst du dich zunächst im Labyrinth der vielen Gänge zurechtfinden. Es gibt Versammlungsräume, Schleusen, eine Nachrichtenzentrale, Schlafräume und einiges mehr zu sehen – mit originalen Gegenständen der damaligen Zeit.

Übernachten im DDR-Bunker, original eingerichtet, wie er zuletzt 1989 benutzt wurde – ein ganz besonderes Abenteuer.

Ein absoluter Abenteuerausflug für Kinder ab 14 Jahren in Begleitung Erwachsener. Da es im Bunker sehr eng und dunkel sein kann, solltest du beim Besuch lieber nicht schwanger sein oder an Epilepsie oder Klaustrophobie leiden.