Das ganze Jahr lang ging es mit dem Wagen maximal ein paar Kilometer zum Supermarkt oder in die nächste Stadt, und dann steht die große Urlaubsreise mit dem Auto an. Wer nicht gerade direkt um die Ecke vom Urlaubsort wohnt, ist auf dem Weg in die bayerischen Berge, an die Ostseeküste oder über die Grenze in eines der europäischen Nachbarländer gut und gern einige Hundert Kilometer unterwegs.

Und plötzlich stellt sich die Frage: Was muss ich im Straßenverkehr noch mal alles beachten? Klar, in der Fahrschule hat man sicher alles mal gelernt. Aber das ist oft schon eine Weile her und neben realen Regeln sind auch immer einige weit verbreitete Irrtümer und Legenden im Umlauf.

Acht dieser Mythen hat das Mietwagen-Unternehmen Sunny Cars zusammengetragen. Was stimmt, was nicht? Wir klären auf.

Mythos 1: „Auf der Autobahn muss ich mindestens 60 fahren“

Wer kennt sie nicht, die Autos, die trotz freier Fahrbahn über die Autobahn schleichen. Da liegt die Frage nahe, ob es nicht eine Mindestgeschwindigkeit gibt. Hier spukt vielen eine Tachoanzeige von 60 als Minimum im Kopf herum. Ein Irrtum. Denn eine verpflichtende Mindestgeschwindigkeit gibt es in Deutschland nicht.

Die gesetzliche Vorgabe lautet lediglich, dass ein Auto mindestens 60 Kilometer pro Stunde fahren können muss, um für die Autobahn zugelassen zu sein. Theoretisch kannst du so langsam fahren, wie du möchtest. Allerdings solltest du dabei keine anderen Autofahrenden behindern. Schränkst du den Verkehrsfluss durch langsames Fahren ein, verstößt du gegen die Straßenverkehrsordnung und es droht ein Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro.

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Hast du allerdings einen triftigen Grund, weshalb du so langsam fährst, musst du mit keiner Strafe rechnen. Ein triftiger Grund kann zum Beispiel eine extreme Wetterlage wie Glatteis oder Nebel sein, dass du ein Auto mit geringer Motorleistung fährst oder dass die persönlichen Fähigkeiten etwa von Fahranfängerinnen und ‑anfängern oder älteren Autofahrenden keine schnellere Geschwindigkeit zulassen.

Mythos 2: „Auf der rechten Spur ist das Überholen immer verboten“

Wer lieber aufs Gas statt auf die Bremse tritt, steht gerade auf der Autobahn bei stockendem Verkehr schnell vor der Frage: Ist rechts überholen grundsätzlich verboten? Die Antwort lautet: Nein – es gibt Ausnahmen.

Zwar legt die Straßenverkehrsordnung fest, dass generell links zu überholen ist. Und wenn der Verkehr fließt, dann ist das Überholmanöver auf der rechten Spur auch verboten – egal, wie sehr dich der Schleicher links von dir nerven mag. Wenn sich bei dichtem Verkehr aber eine Schlange auf der Autobahn bildet, dann darfst du auch vorsichtig rechts überholen.

Stau auf der Autobahn. Wenn der Verkehr stockt, ist ausnahmsweise auch rechts zu überholen erlaubt.

Auch bei links abbiegenden Fahrzeugen und Schienenfahrzeugen darfst du immer rechts überholen. Und grundsätzlich gilt: Innerorts stehen alle Fahrstreifen zur freien Wahl. Daher ist es hier auch in Ordnung, rechts schneller zu fahren als links.

Mythos 3: „Automatik-Autos verbrauchen mehr Sprit“

Mit Blick auf die steigenden Spritpreise ist es ratsam, mit einem Fahrzeug unterwegs zu sein, das möglichst wenig Benzin und Diesel schluckt – sonst bleibt wahrscheinlich wenig Geld in der Reisekasse übrig. Wenn du beispielsweise ein Auto für deine Reise mietest oder aus dem Bekanntenkreis leihst, hast du häufig die Wahl zwischen Automatik und Schaltwagen. Ein hartnäckiges Gerücht: Automatik-Fahrzeuge verbrauchen mehr Treibstoff als ihre Kollegen mit Schaltgetriebe.

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Viel Wahrheit ist an diesem Gerücht nicht dran. Denn es gibt genügend Automatik-Systeme auf dem Markt, die beim Spritsparen helfen. Die Entscheidung für oder gegen die Automatik-Variante lässt sich daher nur individuell treffen. Um herauszufinden, welches Fahrzeug deinen Geldbeutel und die Ressourcen schont, solltest du also die Autos untereinander vergleichen, die für dich infrage kommen.

Mythos 4: „Montags gibt es günstige Benzinpreise“

Auch beim Tanken lässt sich sparen, wenn du einen Zeitpunkt abpasst, zu dem die Preise für Sprit besonders niedrig sind. Unter Sparfüchsen kursiert das Gerücht, dass sie an bestimmten Wochentagen besonders günstig tanken können. Als Favorit gilt der Montag. 

Ein Auto wird an einer Tankstelle aufgetankt. Lässt sich am Montag hierbei am meisten sparen?

So hilfreich es auch wäre, wenn sich Spritpreise an den Kalender halten würde: Das entspricht leider nicht der Wahrheit. Studien des ADAC bestätigen, dass es keinen zuverlässigen Zusammenhang zwischen Tankpreisen und Wochentagen gibt. Dass Preise im Tagesverlauf schwanken, lässt sich beobachten. Doch welcher Wochentag der bevorzugte Tank-Tag sein sollte, liegt wohl eher in persönlichen Vorlieben begründet.

Mythos 5: „Markenbenzin hat bessere Qualität“

Nicht nur das passende Automodell und der Tanktag wollen weise gewählt sein, auch zwischen verschiedenen Tankstellen hast du die Wahl. Preislich gibt es hier definitiv Unterschiede, aber was ist mit der Qualität? Menschen, denen ihr Fahrzeug besonders am Herzen liegt, bevorzugen oft Tankstellen mit renommierten Namen – im Glauben, dass diese Sprit von besserer Qualität anbieten.

Doch laut Sunny Cars steckt dahinter oft nur ein reines Marketing-Versprechen. Wirkliche Unterschiede in puncto Qualität gibt es an der Tanksäule nicht. Denn der Sprit an allen deutschen Tankstellen stammt aus denselben Raffinerien.

Die unterschiedliche Beschaffenheit von Treibstoffen entsteht in Wahrheit durch die Zugabe von sogenannten Additiven. Sie steigern die Leistung beziehungsweise senken den Verbrauch. Eine echte Auswirkung hat das allerdings lediglich bei absoluten Hochleistungsmotoren.

Mythos 6: „E‑Autos sind sowieso unbezahlbar“

Alle paar Jahre steht die Wahl eines neuen Wagens an – ob gebraucht oder frisch aus dem Werk. Oder vielleicht legst du dir vor deiner Reise das erste eigene Auto zu? Viele Interessentinnen und Interessenten ziehen dabei gar nicht erst ein E‑Auto in Betracht – denn das ist ohnehin unbezahlbar. Oder etwa nicht?

Die gute Nachricht: Immer mehr Fahrzeuge im E‑Segment gibt es zu attraktiven Konditionen zu kaufen. Denn die Kosten für die wichtigen Batterien sind in den letzten zehn Jahren um insgesamt satte 80 Prozent gesunken. Erste Hersteller bringen Elektro-Varianten auf den Markt, die ähnlich viel kosten wie ein vergleichbares Benziner-Modell.

Und ist das E‑Modell erst mal gekauft, sind die laufenden Kosten bekanntlich deutlich niedriger als bei anderen Fahrzeugen.

Mythos 7: „Beim Parkrempler reicht ein Zettel mit Kontaktdaten“

Es kann immer einmal passieren: Bei übermäßigem Verkehr auf dem Parkplatz, kleinen Parklücken und Masten in Parkgaragen touchiert der eigene Wagen ein anderes Fahrzeug. Also einen Zettel mit einer kleinen Notiz hinterlassen und weiter geht die Fahrt? Das wäre sicher bequem, gerade wenn du noch eine lange Strecke vor dir hast.

Der eigene Pkw hat einen anderen Wagen touchiert – und jetzt?

Zulässig ist es aber nicht. Denn das Risiko ist hoch, dass jemand deine Notiz entfernt, sie wegweht oder durch Regen aufweicht. Und selbst wenn die Notiz haften bleibt, riskierst du eine Anzeige wegen Unfallflucht, wenn du verschwindest.

Wenn du beim Rangieren einen Pkw streifst, hast du deswegen die Pflicht, auf den Halter oder die Halterin des Fahrzeugs zu warten. Alternativ kannst du die Polizei rufen, den Unfall melden und deine Daten dort hinterlassen.

Mythos 8: „Wer Rad fährt, muss den Radweg nehmen“

Zwischen Auto- und Radfahrenden gibt es im Straßenverkehr immer wieder Konflikte. Wer im Auto sitzt und von dem radelnden Vordermann oder der Vorderfrau ausgebremst wird, verweist diese gern einmal auf den Radweg. Schließlich gehören Fahrräder nicht auf die Straße, sondern auf den Fahrradweg, so der Glaube. Doch das stellt einen weiteren Irrtum dar.

Ein Fahrradweg – den müssen Radfahrerinnen und Radfahrer aber nicht zwingend nutzen.

Denn es gibt keine grundsätzliche Pflicht, den Fahrradweg zu nehmen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn entsprechende Schilder die Straßennutzung für Räder spezifisch untersagen. Bedeutet: Auch wenn es sich natürlich empfiehlt, auf den eigens für Fahrräder angelegten Wegen zu radeln, haben Fahrradfahrerinnen und ‑fahrer das Recht, die Autostraße gleichberechtigt zu nutzen.